Manchmal kommt das Leben dazwischen. Ein Krankenhausaufenthalt, ein Umzug ins Ausland, eine berufliche Auszeit, oder schlicht die Erkenntnis, dass man einem Hund nicht mehr gerecht werden kann. In solchen Momenten stellt sich die Frage: Wer kann meinen Hund nehmen? Und wie läuft das überhaupt ab?
Die gute Nachricht: Es gibt mehr Möglichkeiten als viele denken. Die schlechte: Nicht jede Option passt zu jeder Situation. Dieser Artikel hilft dir, die richtige Entscheidung für dich und deinen Hund zu treffen.
Temporäre Lösungen: Wenn du nur kurz Hilfe brauchst
Wer seinen Hund nur für Wochen oder wenige Monate unterbringen möchte, hat mehrere sinnvolle Optionen.
Tierpension: Professionelle Einrichtungen, die Hunde tagsüber oder auch über Nacht betreuen. Qualität und Preis variieren stark. Achte auf ausreichend Auslauf, getrennte Unterbringung (falls mehrere Hunde), und frag nach Betreuungsschlüssel und Notfallprotokoll. Kosten: 20 bis 50 Euro pro Nacht, je nach Region und Standard.
Tiersitter: Eine Person kommt zu dir nach Hause oder nimmt deinen Hund bei sich auf. Plattformen wie Rover oder Pawshake vermitteln geprüfte Sitter mit Bewertungen. Vorteil: Dein Hund bleibt in gewohnter Umgebung oder lebt zumindest in einem Privathaushalt statt in einem Zwinger. Kosten: 15 bis 40 Euro pro Tag.
Freunde oder Familie: Oft die stressärmste Lösung für den Hund, weil er vertraute Menschen kennt. Wichtig ist eine klare Absprache über Regeln, Fütterung, Tierarztkosten und Verantwortung. Halte das schriftlich fest, auch wenn es sich komisch anfühlt.

Dauerhafte Abgabe: Welche Wege führen wohin?
Wer seinen Hund dauerhaft abgeben muss oder will, steht vor einer ernsteren Entscheidung. Hier sind die wichtigsten Anlaufstellen.
Tierheim: Das Tierheim ist oft der erste Gedanke, aber selten die schnellste Lösung. Viele Tierheime haben lange Wartelisten und nehmen Hunde nur nach Voranmeldung auf. Dein Hund wird dort versorgt und auf Vermittlung vorbereitet, aber er wartet, bis ein neues Zuhause gefunden ist. Das kann Wochen oder Monate dauern.
Rasseschutzverein: Für reinrassige Hunde gibt es oft spezialisierte Vereine, die Tiere aufnehmen, pflegen und weitervermitteln. Der Vorteil: Die neuen Besitzer kennen die Rasse, ihre Eigenheiten und ihren Bedarf. Ein kurzes Recherchieren nach "[Rasse] Rettung Deutschland" führt meist schnell zu den richtigen Ansprechpartnern.
Private Vermittlung: Du suchst selbst ein neues Zuhause für deinen Hund. Über Kleinanzeigen, soziale Medien oder Bekanntenkreis. Das funktioniert, erfordert aber Zeit, Sorgfalt bei der Auswahl, und am besten ein persönliches Kennenlernen inkl. Hausbesuch.
Tierschutzorganisationen: Vereine wie Vier Pfoten oder regionale Tierschutzvereine vermitteln ebenfalls und können beratend helfen, wenn du nicht weißt, wohin du dich wenden sollst.
Was Tierheime von dir verlangen
Wer seinen Hund im Tierheim abgeben möchte, muss einige Voraussetzungen erfüllen. Diese variieren je nach Einrichtung, aber folgende Punkte sind fast überall Standard:
- Eigentumsnachweis: Kaufvertrag, Adoptionsvertrag oder tierärztliche Unterlagen auf deinen Namen.
- Impfpass und Gesundheitsdaten: Welche Impfungen hat der Hund, gibt es Vorerkrankungen, laufende Medikamente?
- Chip und Registrierung: Dein Hund muss gechippt und bei Tasso oder FINDEFIX registriert sein. Ohne das läuft nichts.
- Verhaltenseinschätzung: Manche Tierheime führen einen kurzen Wesentest durch. Aggressivität oder Vorbehalte gegenüber Kindern oder anderen Tieren werden dokumentiert.
- Abgabegebühr: Viele Tierheime erheben eine Gebühr zwischen 50 und 200 Euro. Das deckt Erstversorgung und Verwaltungsaufwand.
Ruf vorher an und frag, wie der genaue Ablauf aussieht. Einfach mit dem Hund auftauchen klappt in den meisten Fällen nicht.
Vergleich: Welche Option passt zu dir?
| Situation | Beste Option | Kosten (ca.) | Dauer |
|---|---|---|---|
| Kurzreise, 1-2 Wochen | Tiersitter oder Freunde | 15-40 €/Tag | Temporär |
| Längerer Auslandsaufenthalt | Tierpension oder Pflegestelle | 20-50 €/Tag | Temporär |
| Dauerhafte Abgabe, keine Zeit | Tierheim (mit Warteliste) | 50-200 € Gebühr | Dauerhaft |
| Reinrassiger Hund | Rasseschutzverein | Meist kostenlos | Dauerhaft |
| Gut vernetzter Halter | Private Vermittlung | 0 € | Dauerhaft |
| Orientierungslos, überfordert | Tierschutzorganisation | 0 € (Beratung) | Flexibel |
Rechtliches: Was du nach der Abgabe noch verantwortest
Ein wichtiger Punkt, den viele unterschätzen: Mit der Übergabe an eine Privatperson ist die Sache rechtlich nicht automatisch erledigt. Wer seinen Hund verkauft oder verschenkt, sollte einen schriftlichen Übergabevertrag aufsetzen. Darin stehen Datum, Namen beider Parteien, Chip-Nummer des Hundes, und eine Klausel, dass der neue Besitzer alle Rechte und Pflichten übernimmt.
Bei Übergabe an ein Tierheim oder einen Verein erhältst du in der Regel ein Formular, das du unterschreibst. Ab diesem Zeitpunkt liegt die Verantwortung beim Tierheim.
Solange du noch offiziell als Halter registriert bist, zum Beispiel bei der Hundesteuer oder beim Chip-Register, haftest du theoretisch mit. Ändere deshalb nach der Abgabe die Registrierung bei der Gemeinde und bei Tasso.
Bevor du eine Entscheidung triffst
Manchmal entsteht der Wunsch, den Hund abzugeben, aus einer vorübergehenden Krise. Ein Gespräch mit dem Tierarzt, einem Hundetrainer oder einer Tierschutzberatungsstelle kann helfen, die Situation einzuordnen. Manche Probleme, die unlösbar wirken, lassen sich mit etwas Unterstützung beheben.
Wenn du jedoch weißt, dass die Abgabe die richtige Entscheidung ist, dann handle zeitnah und überlegt. Ein Hund, der in der Schwebe lebt, leidet mit.





