Das Kind ist da, die Freude riesig, das Einkommen fällt weg. Genau hier greift das Elterngeld. Es sichert Familien finanziell ab, wenn ein Elternteil beruflich kürzer tritt oder ganz pausiert. Doch woher kommt das Geld eigentlich? Zahlt es der Arbeitgeber, die Krankenkasse oder der Staat? Die Antwort ist eindeutig: Das Elterngeld wird vollständig aus Steuermitteln finanziert. Wie das im Detail funktioniert, wer Anspruch hat und welche Varianten es gibt, erfährst du in diesem Artikel.
Wer finanziert das Elterngeld?
Das Elterngeld ist keine Versicherungsleistung. Es wird weder von der Krankenversicherung noch vom Arbeitgeber bezahlt. Stattdessen stammt das Geld aus dem Bundeshaushalt, also aus allgemeinen Steuereinnahmen. Jeder Steuerzahler in Deutschland trägt damit indirekt zur Finanzierung bei.
Zuständig für die gesetzliche Grundlage ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Die Mittel werden vom Bund an die Elterngeldstellen der Bundesländer weitergegeben. Dort werden Anträge geprüft, bewilligt und das Geld an die Eltern überwiesen.
Die Bundesländer selbst beteiligen sich nur geringfügig an der Finanzierung. Ihr Anteil liegt bei rund 3 Prozent der Gesamtausgaben und deckt hauptsächlich Verwaltungskosten und Beratungsangebote der Elterngeldstellen ab. Die eigentliche Leistung kommt also nahezu vollständig vom Bund.
Wer hat Anspruch auf Elterngeld?
Grundsätzlich können alle Eltern Elterngeld beantragen, die ihr Kind nach der Geburt selbst betreuen und dafür ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen oder einschränken. Der Anspruch ist dabei unabhängig davon, ob du vorher angestellt, selbstständig oder nicht erwerbstätig warst. Auch Alleinerziehende, Adoptiveltern und in bestimmten Fällen Pflegeeltern können Elterngeld erhalten.
Seit 2024 gelten allerdings neue Einkommensgrenzen. Paare mit einem gemeinsamen zu versteuernden Einkommen von mehr als 200.000 Euro pro Jahr erhalten kein Elterngeld mehr. Für Alleinerziehende liegt die Grenze bei 150.000 Euro.
Weitere Voraussetzungen: Du musst in Deutschland leben oder hier steuerpflichtig sein, dein Kind selbst betreuen und darfst nicht mehr als 32 Stunden pro Woche arbeiten (beim Basiselterngeld).
Wie hoch ist das Elterngeld?
Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach dem durchschnittlichen Nettoeinkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt. In der Regel werden 65 bis 67 Prozent dieses Einkommens ersetzt. Bei niedrigeren Einkommen steigt der Prozentsatz stufenweise auf bis zu 100 Prozent.
| Nettoeinkommen vor Geburt | Ersatzrate | Elterngeld pro Monat (ca.) |
|---|---|---|
| unter 1.000 Euro | bis 100 % | 300 bis 1.000 Euro |
| 1.000 bis 1.200 Euro | 67 % | 670 bis 804 Euro |
| 1.200 bis 1.240 Euro | 66 % | 792 bis 818 Euro |
| 1.240 bis 2.770 Euro | 65 % | 806 bis 1.800 Euro |
| über 2.770 Euro | 65 % (gedeckelt) | max. 1.800 Euro |
| kein Einkommen | Mindestsatz | 300 Euro |
Das Basiselterngeld beträgt also mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro pro Monat. Bei Mehrlingsgeburten gibt es einen Zuschlag von 300 Euro pro weiterem Kind. Auch Geschwisterkinder können einen Bonus auslösen.
Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus
Seit 2015 gibt es neben dem klassischen Basiselterngeld zwei weitere Varianten. ElterngeldPlus wurde eingeführt, um Eltern mehr Flexibilität zu geben, die während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten möchten. Der Partnerschaftsbonus belohnt Paare, die sich die Betreuung partnerschaftlich aufteilen.
| Merkmal | Basiselterngeld | ElterngeldPlus |
|---|---|---|
| Bezugsdauer | 12 Monate (+ 2 Partnermonate) | bis zu 24 Monate (+ 4 Partnermonate) |
| Monatliche Höhe | 300 bis 1.800 Euro | 150 bis 900 Euro |
| Teilzeitarbeit erlaubt | max. 32 Std./Woche | max. 32 Std./Woche |
| Ideal für | Eltern, die komplett pausieren | Eltern, die in Teilzeit weiterarbeiten |
| Partnerschaftsbonus | nicht verfügbar | 4 zusätzliche Monate möglich |
Die Varianten lassen sich kombinieren. Du kannst zum Beispiel einige Monate Basiselterngeld beziehen und danach auf ElterngeldPlus wechseln. So passt sich die Leistung an die individuelle Lebenssituation an.

Was kostet das Elterngeld den Staat?
Die Kosten für das Elterngeld sind seit der Einführung 2007 deutlich gestiegen. Im ersten Jahr lagen die Ausgaben bei rund 3,5 Milliarden Euro. Bis 2021 hatten sie sich mit über 7,1 Milliarden Euro mehr als verdoppelt.
Mehrere Faktoren treiben die Kosten: steigende Inanspruchnahme durch Väter, die Einführung von ElterngeldPlus, die Anhebung des Mindestbetrags und generell höhere Durchschnittseinkommen, die zu höheren Auszahlungen führen. 2022 bezogen laut Statistischem Bundesamt rund 1,8 Millionen Eltern die Leistung.
Trotz der hohen Summen gilt das Elterngeld als eine der wirksamsten familienpolitischen Maßnahmen. Es hat nachweislich dazu beigetragen, dass mehr Väter Elternzeit nehmen: Ihr Anteil stieg von rund 3 Prozent vor Einführung auf über 26 Prozent. Gleichzeitig erleichtert es den Wiedereinstieg in den Beruf, da ElterngeldPlus Teilzeitarbeit gezielt fördert.
So beantragst du Elterngeld
Den Antrag stellst du bei der Elterngeldstelle deines Bundeslandes. In den meisten Bundesländern ist das online über das Portal ElterngeldDigital möglich. Du kannst den Antrag frühestens ab der Geburt des Kindes einreichen. Rückwirkend werden höchstens drei Monate vor dem Antragsmonat gezahlt.
Diese Unterlagen brauchst du in der Regel: Geburtsurkunde des Kindes, Einkommensnachweise der letzten zwölf Monate, Bescheinigung der Krankenkasse über das Mutterschaftsgeld und eine Bestätigung des Arbeitgebers über die Elternzeit. Selbstständige müssen ihren letzten Steuerbescheid vorlegen.
Die Bearbeitungsdauer variiert je nach Bundesland zwischen vier und acht Wochen. Plane deshalb genug Vorlauf ein und reiche den Antrag möglichst zeitnah nach der Geburt ein.
Fazit
Das Elterngeld wird aus Steuermitteln des Bundeshaushalts finanziert. Es ist keine Leistung des Arbeitgebers oder der Sozialversicherung, sondern eine staatliche Transferleistung, die solidarisch von allen Steuerzahlern getragen wird. Mit Basiselterngeld und ElterngeldPlus stehen zwei flexible Modelle zur Verfügung, die sich an unterschiedliche Lebenssituationen anpassen lassen. Trotz steigender Kosten bleibt das Elterngeld ein zentrales Instrument der Familienpolitik, das Familien in den ersten Lebensmonaten des Kindes finanziell absichert.





