Ein Sturm fegt über die Straße, am Morgen fehlen Ziegel auf dem Dach und einer liegt auf dem Auto des Nachbarn. Jetzt klingt es naheliegend, dass deine Versicherung den Schaden am Nachbarauto übernimmt. Falsch. War dein Dach in gutem Zustand und ordentlich gewartet, zahlt deine Haftpflicht keinen Cent. Der Sturm gilt als höhere Gewalt, der Nachbar muss seine eigene Teilkasko bemühen. Erst wenn dein Dach marode oder schlecht gewartet war, haftest du selbst, dann greift die Verkehrssicherungspflicht. Und ein zweiter Punkt überrascht viele genauso: Sturm und Hagel sind im Standardschutz drin, der Starkregen desselben Unwetters, der den Keller flutet, aber nicht. Der braucht einen separaten Baustein.

Ab welcher Windstärke gilt es als Sturm?

Versicherer rechnen nicht jeden frischen Wind als Sturm ab. Laut dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gilt als Sturm erst eine Luftbewegung ab Windstärke 8 auf der Beaufortskala. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit von mindestens 62 Kilometern pro Stunde. Liegt der Wind darunter, ist ein abgedeckter Ziegel kein versicherter Sturmschaden, sondern Pech.

Die Beweislast liegt bei dir als Versicherungsnehmer. Du musst belegen, dass am Schadensort Windstärke 8 herrschte. Den Nachweis liefern die Messdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) von der nächstgelegenen Wetterstation. Viele Versicherer machen es dir leichter: Hat derselbe Sturm in der Nachbarschaft weitere Dächer beschädigt, wird Windstärke 8 unterstellt, auch ohne exakte Messung.

Wie teuer solche Unwetter werden, zeigt die Naturgefahrenbilanz: Sturm und Hagel haben 2024 in Deutschland versicherte Sachschäden von 1,8 Milliarden Euro verursacht. Dächer, Fassaden und Fenster gehören dabei zu den häufigsten Schadenbildern.

Wohngebäudeversicherung vergleichen

Ob deine Police Sturmschäden ab Windstärke 8 wirklich voll abdeckt, ob die Versicherungssumme zum heutigen Wiederaufbauwert passt und ob der Elementar-Baustein gegen Starkregen drin ist, zeigt erst ein Vergleich. So siehst du auf einen Blick, wo deine Wohngebäudeversicherung Lücken hat.

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Welche Versicherung zahlt welchen Sturmschaden?

Die Faustregel: Die Wohngebäudeversicherung kümmert sich um alles, was fest mit dem Haus verbunden ist. Das Dach, die Fassade, die Fensterscheiben, die fest verbaute Heizung. Bewegliche Dinge in der Wohnung sind Sache der Hausratversicherung. Und für dein geparktes Auto ist eine ganz andere Police zuständig. Genau hier entstehen die Missverständnisse, weil viele eine einzige Versicherung für den ganzen Schaden erwarten.

Sturmschaden Zuständige Versicherung
Abgedeckte Ziegel, kaputte Fassade, zerbrochene Fenster Wohngebäudeversicherung
Durchnässte Möbel, Elektronik, Teppich im Haus Hausratversicherung
Dein eigenes geparktes Auto (Ziegel, Ast) deine Kfz-Teilkasko
Ziegel deines gesunden Dachs auf Nachbars Auto Teilkasko des Nachbarn
Ziegel deines maroden Dachs auf Nachbars Auto deine Privathaftpflicht
Keller unter Wasser durch Starkregen nur mit Elementar-Baustein

Wichtig: Hausrat und Wohngebäude greifen nur, wenn der Sturm den Schaden direkt verursacht hat. Drückt der Sturm das Fenster ein und der Regen ruiniert danach das Parkett, ist das ein versicherter Folgeschaden. Steigt das Wasser dagegen von unten in den Keller, ist es kein Sturmschaden mehr.

Sturm und Hagel verursachten 2024 in Deutschland versicherte Sachschäden von 1,8 Milliarden Euro.
Sturm und Hagel verursachten 2024 in Deutschland versicherte Sachschäden von 1,8 Milliarden Euro.

Höhere Gewalt: Warum du den Nachbarschaden nicht zahlst

Das ist der Punkt, an dem die meisten falsch liegen. Fällt ein Ziegel von deinem Dach auf das Auto des Nachbarn, haftest du nicht automatisch. Eine Haftung nach Paragraf 823 BGB setzt ein Verschulden voraus. Und ein Verschulden liegt nur vor, wenn du deine Verkehrssicherungspflicht verletzt hast, also dein Dach nicht ordentlich gewartet oder erkennbare Mängel ignoriert hast.

War dein Dach in einwandfreiem Zustand und der Ziegel löste sich allein durch die Wucht des Sturms, gilt das als höhere Gewalt. Dann zahlt deine Privathaftpflicht nichts, und zwar bei jeder Windstärke, auch bei Windstärke 9 oder 10. Der Nachbar muss in diesem Fall seine eigene Teilkasko in Anspruch nehmen. Die deckt herabfallende Dachteile auf ein geparktes Auto ab Windstärke 8 ab, abzüglich seiner Selbstbeteiligung. Hat er keine Teilkasko, bleibt er auf dem Schaden sitzen.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus: War dein Dach marode, hattest du lose Ziegel schon länger bemerkt oder die fällige Inspektion verschleppt, dann hast du deine Verkehrssicherungspflicht verletzt. Jetzt zahlt deine Privathaftpflicht den Schaden am Nachbarauto. Es kommt also nicht auf die Stärke des Sturms an, sondern auf den Zustand deines Dachs.

Situation Wer haftet Wer zahlt am Ende
Gesundes, gewartetes Dach, Ziegel fliegt bei Sturm niemand (höhere Gewalt) Teilkasko des Geschädigten
Marodes oder ungewartetes Dach, Ziegel fällt du (Verkehrssicherungspflicht verletzt) deine Privathaftpflicht
Jahrhundert-Orkan ab Windstärke 14 meist niemand Teilkasko des Geschädigten

Die letzte Zeile ist eine Ausnahme, kein Normalfall. Bei einem extremen Orkan ab Windstärke 14, das sind rund 150 Kilometer pro Stunde, nimmt die Rechtsprechung in der Regel höhere Gewalt an. Dann kann selbst der Eigentümer eines schlecht gewarteten Dachs der Haftung entgehen, wenn der Schaden auch bei bester Pflege eingetreten wäre. Im Alltag entscheidet aber der Zustand deines Dachs, nicht der Wind.

Starkregen ist nicht gleich Sturm: die teure Lücke

Hier passiert der zweite große Irrtum. Sturm und Hagel sind in jeder Standard-Wohngebäudeversicherung enthalten. Der Starkregen, der oft im selben Unwetter niedergeht, ist es nicht. Laut Verbraucherzentrale haften Gebäude- und Hausratversicherungen ausdrücklich nicht für Schäden durch eindringendes Wasser von unten. Überschwemmung, Rückstau aus der Kanalisation, drückendes Grundwasser und Starkregen-Überflutung zählen zu den Elementargefahren. Die sind nur abgedeckt, wenn du den erweiterten Naturgefahrenschutz, kurz Elementar-Baustein, zusätzlich abgeschlossen hast.

Das Problem hat Ausmaße. Laut GDV sind 96 Prozent der Wohngebäude in Deutschland gegen Sturm und Hagel versichert, aber nur 57 Prozent gegen Elementargefahren (Stand 2024). Fast jedes zweite Haus steht beim Starkregen also ohne Schutz da. Und die Schäden sind kein Randthema mehr: Allein Starkregen und Überschwemmungen schlugen 2024 mit 2,6 Milliarden Euro zu Buche, rund eine Milliarde mehr als im langjährigen Durchschnitt. Mehr dazu, welche sieben Gefahren der Baustein abdeckt und ob er bald Pflicht wird, liest du im Beitrag zur Elementarschaden-Pflichtversicherung.

Nur 57 Prozent der Wohngebäude in Deutschland sind 2024 gegen Elementargefahren wie Starkregen versichert.
Nur 57 Prozent der Wohngebäude in Deutschland sind 2024 gegen Elementargefahren wie Starkregen versichert.

Unterversicherung: Wenn die Police nur die Hälfte zahlt

Selbst mit der richtigen Versicherung kann ein böses Erwachen folgen, wenn die Versicherungssumme zu niedrig ist. Bei einem Totalschaden des Dachs nach einem Sturm soll die Police den Wiederaufbau zu heutigen Preisen tragen. Bei einer fest vereinbarten Versicherungssumme drohen dabei schnell Lücken von bis zu 50 Prozent, weil Baupreise über die Jahre stark gestiegen sind.

Davor schützt der gleitende Neuwert. Dabei wird die Versicherungssumme jedes Jahr automatisch an den Baupreisindex des Statistischen Bundesamts angepasst. Grundlage ist der sogenannte Wert 1914, ein fiktiver Gebäudewert in der stabilen Vorkriegswährung Goldmark, der jährlich auf das aktuelle Preisniveau hochgerechnet wird. Wer seine Wohngebäudeversicherung mit gleitendem Neuwert abgeschlossen hat, kann nicht in die Unterversicherung rutschen. Der Versicherer verzichtet dann auf den Unterversicherungseinwand und zahlt den vollen Wiederaufbau. Ein Blick in die Police lohnt sich, gerade nach Modernisierungen oder einem Dachausbau, die den Gebäudewert erhöht haben. Welche Versicherungen rund ums Eigenheim wirklich sinnvoll sind, ordnet der Überblick welche Versicherungen man wirklich braucht ein.

Was du nach einem Sturmschaden am Dach tun musst

Nach dem Sturm zählt jede Stunde, vor allem wegen der Schadenminderungspflicht. Du bist verpflichtet, den Schaden so klein wie möglich zu halten, sonst kürzt der Versicherer die Leistung. Geh in dieser Reihenfolge vor:

  1. Gefahr sichern, nicht reparieren. Plane das offene Dach ab oder lass eine Notabdeckung anbringen, damit kein Regen nachläuft. Endgültige Reparaturen erst nach Freigabe.
  2. Alles dokumentieren. Fotos und Videos vom Schaden machen, am besten mit Datum. Lose Teile und kaputte Ziegel aufheben.
  3. Windstärke belegen. Den DWD-Wetterbericht oder eine Wetterauskunft für den Schadenstag und den Ort sichern, das ist dein Nachweis für Windstärke 8.
  4. Schaden umgehend melden. Versicherer informieren, Schadennummer notieren, Kostenvoranschläge eines Dachdeckers einholen.
  5. Belege sammeln. Rechnungen für Notmaßnahmen aufheben, die sind in der Regel mitversichert.

Und der wichtigste Schritt vor dem nächsten Sturm: Prüf, ob dein Schutz lückenlos ist. Klär, ob der Elementar-Baustein gegen Starkregen drin ist, ob deine Versicherungssumme auf gleitendem Neuwert läuft und ob der Wiederaufbauwert zum heutigen Stand passt. Denn die Police, die den Ziegel auf dem Dach zahlt, lässt dich beim gefluteten Keller oft im Regen stehen.

Weiterführende Links

GDVSo sind Schäden durch Naturgefahren versichertgdv.de
VerbraucherzentraleRegen, Hagel, Sturm und Gewitter, wofür haftet welche Versicherung?verbraucherzentrale.de
GDV-Naturgefahrenstatistik 2024Hochwasserschäden mehr als verdoppeltgdv.de