Welche Versicherung bei einem Rohrbruch zahlt, hängt nicht davon ab, wer "schuld" ist, sondern davon, was beschädigt wurde. Das ist für viele der entscheidende Unterschied, und er kann darüber entscheiden, ob du nach einem Leitungswasserschaden auf Zehntausenden Euro sitzenbleibst oder nicht. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zählt jährlich rund 1,1 Millionen Leitungswasserschäden in Deutschland. Das entspricht einem geplatzten Rohr alle dreißig Sekunden. 2024 summierten sich die Auszahlungen der Wohngebäudeversicherer auf 4,9 Milliarden Euro, der höchste Wert seit Beginn der Statistik. Leitungswasser ist damit der teuerste Einzelschadentyp in der Wohngebäudeversicherung überhaupt.

Die drei Versicherungen und was sie jeweils decken

Drei Versicherungen kommen bei einem Wasserschaden durch Rohrbruch in Betracht: die Wohngebäudeversicherung, die Hausratversicherung und die Privathaftpflicht. Welche greift, bestimmt der Ort und die Art des Schadens.

Schaden an ... Zuständige Versicherung Beispiel
Wände, Decken, Böden, Parkett, Einbauküche (fest verbaut) Wohngebäudeversicherung Putz quillt auf, Parkett wölbt sich nach einem Rohrbruch in der Wand
Möbel, Elektronik, Teppiche, Kleidung Hausratversicherung Sofa und Laptop werden durch auslaufendes Wasser zerstört
Eigentum in der Nachbarwohnung Privathaftpflicht Dein Rohr platzt, das Wasser läuft durch die Decke in die Wohnung darunter
Grundwasser, Hochwasser, Rückstau (ohne Elementarbaustein) Keine Standardpolice Keller läuft voll durch Starkregen: nur mit Elementarschadenzusatz gedeckt

Die Wohngebäudeversicherung übernimmt Schäden am Gebäude selbst und an allem, was fest damit verbunden ist: Rohrleitungen, Heizungsrohre, Fußböden, fest verlegtes Parkett und eingemauerte Einbauküchen gelten als Gebäudebestandteile. Die Hausratversicherung deckt den beweglichen Hausstand: Möbel, Elektronikartikel, Teppiche, Kleidung. Entscheidend ist bei beiden, dass das Leitungswasser "bestimmungswidrig" ausgetreten ist, also nicht an der dafür vorgesehenen Stelle.

Die Privathaftpflicht zahlt, wenn du anderen Personen einen Schaden verursacht hast, für den du rechtlich haftest. Sie übernimmt den Zeitwert des beschädigten Eigentums der Nachbarn, nicht den Neuwert. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wenn der Nachbar über seine eigene Hausratversicherung abrechnet, bekommt er den Neuwert erstattet und muss sich den Zeitwertabzug nicht gefallen lassen. Im Streit um die Frage, ob du tatsächlich haftest (weil du fahrlässig gehandelt hast), kann die Abwicklung über die Haftpflicht aber auch langwierig werden.

Was kosten solche Schäden konkret? Die Trocknung allein schlägt mit durchschnittlich rund 2.000 Euro zu Buche. Schäden, die Trocknungsarbeiten und eine umfassende Sanierung von Wänden und Böden erfordern, erreichen schnell 20.000 bis 30.000 Euro. Schwere Fälle, etwa wenn ein Rohr im Winter über Wochen unentdeckt läuft, können sechsstellig werden. Stiftung Warentest hat dokumentiert, dass fehlerhaftes Verhalten beim Schadensmanagement zum Totalverlust des Anspruchs führen kann: Ein Hauseigentümer meldete den Schaden erst Wochen nach dem ersten Kontakt mit dem falschen Versicherer. Das Gericht bestätigte die Ablehnung einer Forderung über 70.000 Euro.

Über 1,1 Millionen Leitungswasserschäden zählen die Versicherer in Deutschland jedes Jahr, das entspricht einem Rohrbruch alle 30 Sekunden
Über 1,1 Millionen Leitungswasserschäden zählen die Versicherer in Deutschland jedes Jahr, das entspricht einem Rohrbruch alle 30 Sekunden

Wohngebäudeversicherung vergleichen

Ein Rohrbruch zeigt, wie schnell fünfstellige Summen zusammenkommen. Wer ein Haus besitzt, sollte den Wohngebäude-Schutz regelmäßig vergleichen, damit die Police im Ernstfall wirklich reicht.

Anzeige

Mieter und Eigentümer: Wer braucht welche Police?

Eigentümer müssen für den Versicherungsschutz des Gebäudes selbst sorgen: Die Wohngebäudeversicherung ist ihre Aufgabe. Für den Hausstand ist zusätzlich eine Hausratversicherung sinnvoll. Für den Fall, dass ein Schaden in der Nachbarwohnung entsteht, schützt die Privathaftpflicht.

Mieter sind in einer anderen Position. Das Gebäude selbst versichert der Vermieter über die Wohngebäudeversicherung. Wenn ein Rohr im Gebäude (nicht in deiner Wohnung) platzt und Schäden an Wänden und Böden entstehen, ist der Vermieter zuständig. Verursachst du als Mieter den Schaden jedoch selbst, zum Beispiel weil ein undichter Schlauch unter deiner Spülmaschine wochenlang Wasser auslaufen ließ, springt deine Privathaftpflicht für Schäden am Gebäude und bei Nachbarn ein. Für deinen eigenen Hausstand brauchst du eine Hausratversicherung.

Eine wichtige Grenze: Für Schäden, die du als Mieter am Gebäude selbst verantwortest und die nicht durch grobe Fahrlässigkeit entstanden sind, haftet im Regelfall deine Privathaftpflicht. Für Schäden durch einen plötzlichen Defekt an einer Hausrohrleitung, die sich hinter der Wand befindet und zu deiner Mietwohnung gehört, ist wiederum die Wohngebäudeversicherung des Vermieters zuständig.

Als Mieter hast du also in einem typischen Szenario zwei relevante Policen: die Hausratversicherung für deinen eigenen Hausstand und die Privathaftpflicht für alles, was du dem Gebäude oder den Nachbarn schadest. Als Eigentümer kommen alle drei zusammen: Wohngebäude für das Haus, Hausrat für den Inhalt, Haftpflicht für Drittschäden. Welche Versicherungen wirklich unverzichtbar sind, erklärt der Artikel Welche Versicherungen braucht man wirklich? im Überblick.

Weitere Informationen zu den Grenzen der Privathaftpflicht findest du im Artikel Was zahlt die Privathaftpflicht?.

Was die Versicherungen nicht zahlen

Es gibt klare Ausschlussgründe, die in vielen Schadensfällen zur Überraschung führen.

Grundwasser, Hochwasser und Rückstau sind in keiner Standardpolice enthalten. Läuft der Keller nach einem Starkregen voll, weil der Rückstauverschluss fehlt, zahlt die Wohngebäudeversicherung nicht. Dafür ist ein Elementarschadenbaustein nötig. Mehr dazu im Artikel zur Elementarschadenversicherung.

Allmähliche Feuchtigkeit ist ebenfalls kein versicherter Schaden. Feuchte Wände, die sich über Monate durch Kondenswasser oder schlechte Lüftung gebildet haben, fallen nicht unter Leitungswasser. Versichert ist der plötzliche, unvorhergesehene Wasseraustritt.

Abwasserleitungen sind oft nicht im Standardumfang enthalten. Viele Policen decken nur Frischwasserleitungen. Wenn der Abwasserkanal unter dem Keller bricht und den Boden flutet, zahlt die Standardpolice nichts. Abwasserrohre müssen als separater Baustein mitversichert sein, was in neueren Tarifen oft als Option angeboten wird, aber mit Aufpreis kommt.

Grobe Fahrlässigkeit kann zur Leistungskürzung oder vollständigen Ablehnung führen. Wer die Heizung im Winter abschaltet und danach durch eingefrorene Rohre einen Schaden erleidet, handelt grob fahrlässig. Gleiches gilt für eine Spülmaschine, die ohne Aquastop betrieben wird, wenn die Zuleitung zwischen zwei Nutzungen unter Druck steht. Premium-Tarife enthalten oft eine Klausel "Verzicht auf die Einrede der groben Fahrlässigkeit". Ob deine Police das enthält, lohnt sich vor dem nächsten Winter zu prüfen.

Schäden am defekten Rohr selbst zahlt die Wohngebäudeversicherung in der Regel nicht. Sie übernimmt die Folgeschäden, also aufgequollene Böden, nasse Wände, beschädigten Putz. Die Reparatur des Rohrs trägt der Eigentümer meist selbst.

Schäden an Wänden und Fußleisten durch Feuchtigkeit: Typische Folgeschäden nach einem Rohrbruch können schnell über 10.000 Euro kosten
Schäden an Wänden und Fußleisten durch Feuchtigkeit: Typische Folgeschäden nach einem Rohrbruch können schnell über 10.000 Euro kosten

Was tun beim Rohrbruch: Checkliste für den Schadensfall

Wie du in den ersten Stunden reagierst, entscheidet oft darüber, ob die Versicherung den Schaden vollständig übernimmt.

Sofortmaßnahmen:

  1. Hauptwasserhahn zudrehen. Der Absperrhahn sitzt meistens im Keller, im Hauswirtschaftsraum oder am Wasserzähler. Keine Zeit verlieren.
  2. Strom abschalten. Wasser und Strom in derselben Fläche ist ein Lebensrisiko. Sicherung für den betroffenen Bereich herausdrehen, im Zweifel Hauptschalter.
  3. Wasser soweit möglich aufwischen oder auffangen. Schäden begrenzen ohne größere Umräumaktionen, damit der Ausgangszustand dokumentierbar bleibt.

Dokumentation:

  1. Fotos und Videos vor jeder Beseitigung. Alles, was die Versicherung sehen soll: nasse Flächen, aufgequollene Böden, betroffene Möbel. Mehrere Perspektiven, Zeitstempel aktivieren.
  2. Nichts entsorgen. Beschädigte Gegenstände aufbewahren, bis der Gutachter war oder die Versicherung das Okay gibt. Weggeworfener Hausrat bedeutet abgelehnte Erstattung.

Meldung:

  1. Versicherung am selben Tag informieren. Die Meldepflicht ist im Versicherungsvertrag geregelt, üblicherweise "unverzüglich". Eine verzögerte Meldung kann den gesamten Anspruch gefährden.
  2. Bei Mieter: auch den Vermieter informieren. Schriftlich per E-Mail mit Zeitstempel.
  3. Nachbarschaft informieren. Wenn Wasser nach unten gelaufen sein könnte, sofort klingeln und Schäden dokumentieren lassen, bevor es zu Streit über die Ursache kommt.

Weiteres Vorgehen:

  1. Kein eigenständiges Reißen von Trocknungslöchern in Wände. Der Trockner des Fachbetriebs kann vieles ohne Substanzzerstörung leisten. Die Versicherung entscheidet mit dem Gutachter, wie trockengelegt wird.
  2. Angebote für Sanierungsarbeiten erst einholen, wenn die Versicherung informiert ist. In manchen Tarifen muss sie die Freigabe erteilen.

Zu einem Rohrbruch durch Sturmschäden am Dach, der dann Wasser ins Gebäude lässt, gelten andere Regelungen: Der Artikel Wer zahlt den Sturmschaden am Dach? erklärt die Abgrenzung.

Weiterführende Links

GDVLeitungswasser verursacht den höchsten Schadenaufwand in der Wohngebäudeversicherunggdv.de
Stiftung WarentestWasserschaden, welche Versicherung wann zahlttest.de
GDVLeitungswasserschäden steigen auf Rekordniveau (Presseportal)presseportal.de