Deutsche Haushalte besitzen im Schnitt sechs bis acht Versicherungsverträge. Über alle Sparten hinweg fließen jährlich rund 254 Milliarden Euro an Beiträgen in die Versicherungswirtschaft. Trotzdem sind viele Menschen an den falschen Stellen abgesichert: Die Handyversicherung läuft, aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung fehlt. Dabei gibt es eine klare Logik, nach der du deinen Versicherungsschutz aufbauen solltest. Zuerst die existenzbedrohenden Risiken absichern, dann die großen Schäden, und erst zum Schluss die kleinen. Hier erfährst du, welche Versicherungen Pflicht sind, welche sich wirklich lohnen und von welchen du die Finger lassen kannst.

Diese Versicherungen sind gesetzliche Pflicht

Einige Versicherungen musst du gar nicht erst abwägen. Sie sind per Gesetz vorgeschrieben.

Krankenversicherung: Seit 2009 gilt in Deutschland eine allgemeine Versicherungspflicht. Jeder Bürger muss entweder gesetzlich (GKV) oder privat (PKV) krankenversichert sein. Rund 90 Prozent der Bevölkerung sind in der GKV. Der Beitragssatz liegt 2026 bei 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens, plus einen kassenindividuellen Zusatzbeitrag von durchschnittlich etwa 2,5 Prozent. Arbeitnehmer teilen sich die Kosten mit dem Arbeitgeber.

Rentenversicherung: Arbeitnehmer zahlen automatisch in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Der Beitragssatz beträgt 18,6 Prozent, ebenfalls hälftig geteilt zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Selbstständige sind in den meisten Fällen nicht pflichtversichert, sollten aber privat vorsorgen.

Pflegeversicherung: Die Pflegeversicherung ist an die Krankenversicherung gekoppelt. Wer gesetzlich krankenversichert ist, zahlt automatisch auch in die Pflegeversicherung ein.

Kfz-Haftpflichtversicherung: Wer ein Auto zulassen will, braucht eine Kfz-Haftpflicht. Ohne diese Versicherung gibt es keine Zulassung. Sie deckt Schäden ab, die du mit deinem Fahrzeug bei anderen verursachst. Die Kosten variieren stark nach Fahrzeug, Region und Schadenfreiheitsklasse.

Berufshaftpflicht: Für bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte, Anwälte, Steuerberater und Architekten ist eine Berufshaftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben.

Die wichtigsten freiwilligen Versicherungen

Nach den Pflichtversicherungen kommen die freiwilligen Policen. Hier gilt die Faustregel: Sichere zuerst ab, was dich finanziell ruinieren könnte.

Private Haftpflichtversicherung

Die private Haftpflichtversicherung ist die wichtigste freiwillige Versicherung überhaupt. Sie greift, wenn du anderen Personen unbeabsichtigt einen Schaden zufügst. Und das kann schnell teuer werden: Verursachst du einen Personenschaden, bei dem jemand dauerhaft beeinträchtigt wird, können die Kosten für Behandlung, Schmerzensgeld und lebenslange Rente in die Millionen gehen. Ein Fahrradunfall, bei dem ein Fußgänger schwer verletzt wird. Ein umgestoßenes Glas Wasser, das einen Laptop zerstört. Ein Kind, das beim Spielen eine teure Fensterscheibe einwirft. All das sind klassische Haftpflichtfälle.

Die Verbraucherzentralen empfehlen eine Deckungssumme von mindestens 10 Millionen Euro für Personen- und Sachschäden. Gute Tarife bieten 50 Millionen Euro und mehr. Das Beste: Eine Privathaftpflicht kostet für Singles ab etwa 3 Euro pro Monat, Familien zahlen ab rund 5 Euro. Für diesen geringen Beitrag bekommst du Schutz vor potenziell existenzbedrohenden Forderungen.

Trotz dieser klaren Empfehlung hat laut einer Umfrage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg jeder Zehnte in Deutschland keine private Haftpflichtversicherung.

Rund 83 Prozent der deutschen Haushalte besitzen eine private Haftpflichtversicherung, doch jeder Zehnte ist völlig ungeschützt
Rund 83 Prozent der deutschen Haushalte besitzen eine private Haftpflichtversicherung, doch jeder Zehnte ist völlig ungeschützt

Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

Die Berufsunfähigkeitsversicherung sichert dein Einkommen ab, falls du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst. Statistisch wird jeder Vierte im Laufe seines Erwerbslebens mindestens einmal berufsunfähig. Die häufigste Ursache sind mit rund 35 Prozent psychische Erkrankungen wie Depressionen und Burnout. Dahinter folgen Erkrankungen des Bewegungsapparats (etwa 18 Prozent) und Krebs (rund 17 Prozent).

Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente fängt den Einkommensverlust nur teilweise auf. Im Schnitt liegt sie bei unter 1.000 Euro pro Monat. Wer seinen Lebensstandard halten will, braucht eine private BU-Versicherung. Die Kosten liegen je nach Alter und Beruf zwischen 30 und 100 Euro monatlich. Je jünger du beim Abschluss bist, desto günstiger wird es.

Weitere sinnvolle Versicherungen je nach Lebenssituation

Nicht jede Versicherung ist für jeden gleich wichtig. Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick, welche Policen in welcher Lebenssituation sinnvoll sind.

Versicherung Kosten pro Monat (ca.) Für wen sinnvoll? Priorität
Private Haftpflicht 3 - 5 € Jeden Sehr hoch
Berufsunfähigkeit (BU) 30 - 100 € Alle Berufstätigen Sehr hoch
Hausratversicherung 2 - 10 € Mieter und Eigentümer Mittel
Wohngebäudeversicherung 15 - 50 € Immobilienbesitzer Hoch
Rechtsschutzversicherung 15 - 30 € Mieter, Arbeitnehmer, Autofahrer Mittel
Auslandsreise-Krankenversicherung 1 - 2 € Alle, die ins Ausland reisen Hoch
Risikolebensversicherung 5 - 20 € Familien mit Kindern, Paare mit Kredit Hoch
Tierhalterhaftpflicht 4 - 10 € Hunde- und Pferdehalter Hoch (teils Pflicht)
Private Pflegezusatzversicherung 15 - 50 € Ab 40+, zur Ergänzung der Pflegeversicherung Mittel

Hausratversicherung: Sie ersetzt den Wert deines Hausrats bei Einbruch, Brand, Leitungswasserschäden oder Sturm. Besonders sinnvoll, wenn du wertvolle Gegenstände besitzt oder in einer einbruchgefährdeten Region wohnst. Die Kosten hängen von Wohnort und Wohnungsgröße ab, liegen aber oft zwischen 25 und 60 Euro pro Jahr.

Auslandsreise-Krankenversicherung: Für nur wenige Euro im Jahr bist du weltweit abgesichert. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt im außereuropäischen Ausland in der Regel keine Kosten. Ein Krankenrücktransport kann schnell fünfstellige Beträge kosten. Diese Versicherung lohnt sich praktisch für jeden, der gelegentlich verreist.

Risikolebensversicherung: Wenn du eine Familie hast oder gemeinsam einen Immobilienkredit abbezahlst, sichert eine Risikolebensversicherung die Hinterbliebenen ab. Im Todesfall wird die vereinbarte Summe ausgezahlt. Die Beiträge sind deutlich günstiger als bei einer Kapitallebensversicherung, weil kein Sparanteil enthalten ist.

Welche Versicherungen du dir sparen kannst

Neben den wichtigen Policen gibt es eine ganze Reihe von Versicherungen, die die Verbraucherzentralen und der Bund der Versicherten als überflüssig einstufen. Diese Produkte schützen entweder vor Risiken, die finanziell verkraftbar sind, oder bieten ein schlechtes Verhältnis von Beitrag zu Leistung.

Handyversicherung: Die Reparatur oder der Ersatz eines Smartphones ist ärgerlich, aber kein finanzielles Desaster. Die Versicherungen kosten oft 5 bis 10 Euro monatlich und haben hohe Selbstbeteiligungen, zahlreiche Ausschlüsse und komplizierte Schadenregulierungen.

Brillenversicherung: Ähnlich wie bei der Handyversicherung stehen die Kosten in keinem guten Verhältnis zur Leistung. Eine neue Brille lässt sich in der Regel aus eigener Tasche bezahlen.

Reisegepäckversicherung: Die Entschädigungen sind oft gedeckelt und an strenge Bedingungen geknüpft. Wertvolle Gegenstände sind meist ausgeschlossen. Dein Hausrat im Koffer ist unter Umständen bereits über die Hausratversicherung abgedeckt.

Glasversicherung: Eine zerbrochene Fensterscheibe oder Herdplatte gehört zu den Risiken, die du finanziell selbst tragen kannst. Die Beiträge summieren sich über die Jahre oft auf mehr als der mögliche Schaden.

Sterbegeldversicherung: Ein Klassiker unter den unnötigen Policen. Die eingezahlten Beiträge übersteigen häufig die spätere Auszahlung. Wer für die Beerdigungskosten vorsorgen möchte, fährt mit einem Tagesgeldkonto besser.

Krankenhaustagegeldversicherung: Die Leistungen sind in der Regel zu gering, um einen echten Unterschied zu machen. Wer sich im Krankenhaus absichern will, ist mit einer Krankenhauszusatzversicherung besser bedient.

Jeder Vierte wird im Laufe seines Erwerbslebens berufsunfähig, am häufigsten durch psychische Erkrankungen
Jeder Vierte wird im Laufe seines Erwerbslebens berufsunfähig, am häufigsten durch psychische Erkrankungen

So sparst du bei deinen Versicherungen

Selbst bei den sinnvollen Versicherungen kannst du oft bares Geld sparen, ohne auf Schutz zu verzichten.

Jährlich zahlen statt monatlich: Wer seinen Beitrag einmal im Jahr überweist, spart in der Regel 5 bis 10 Prozent gegenüber der monatlichen Zahlweise. Der Ratenzuschlag, den die Versicherer für monatliche oder vierteljährliche Zahlung verlangen, ist im Grunde ein versteckter Zins.

Selbstbeteiligung vereinbaren: Eine Selbstbeteiligung von 150 Euro bei der Teilkasko oder 300 Euro bei der Vollkasko kann mehr als 20 Prozent Beitragsersparnis bringen. Das lohnt sich besonders, wenn du selten Schäden meldest.

Regelmäßig vergleichen und wechseln: Versicherungstarife ändern sich laufend. Ein jährlicher Vergleich über Portale wie Verivox oder Check24 kann hunderte Euro sparen. Bei der Kfz-Versicherung ist der Stichtag für den Wechsel der 30. November. Wichtig: Kündige den alten Vertrag erst, wenn der neue Vertrag bestätigt ist.

Unnötige Policen kündigen: Gehe einmal im Jahr alle laufenden Verträge durch. Brauchst du die Reisegepäckversicherung wirklich noch? Ist die Brillenversicherung noch sinnvoll? Jeder überflüssige Vertrag kostet dich Geld, das du in wichtigere Absicherungen stecken könntest.

Kombitarife nutzen: Einige Versicherer bieten Rabatte, wenn du mehrere Produkte bündelst. Hausrat und Haftpflicht im Paket können bis zu 20 Prozent günstiger sein als einzeln. Prüfe aber immer, ob die Einzelleistungen trotzdem stimmen.

Wer sich gerade selbstständig macht, sollte besonders genau hinschauen: Als Selbstständiger bist du für Krankenversicherung, Altersvorsorge und Berufsunfähigkeit komplett selbst verantwortlich.

Fazit

Du brauchst weniger Versicherungen, als du vermutlich denkst. Die Faustformel ist einfach: Sichere ab, was dich finanziell ruinieren könnte. Privathaftpflicht und Berufsunfähigkeitsversicherung gehören für die meisten Menschen zur Grundausstattung. Dazu kommen je nach Lebenssituation eine Hausratversicherung, eine Risikolebensversicherung für Familien und eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Alles andere kannst du in Ruhe prüfen. Und von Handyversicherungen, Brillenversicherungen und Sterbegeldpolicen lässt du am besten die Finger. Das gesparte Geld steckst du lieber in die wirklich wichtigen Absicherungen.

Weiterführende Links

Stiftung Warentesttest.de →Welche Versicherungen brauche ich?
Finanztipfinanztip.de →Sinnvolle Versicherungen
Verbraucherzentraleverbraucherzentrale.de →Versicherungen im Überblick