Ein Labubu ist eine Sammelfigur mit Hasenohren, Fellkörper und einem Grinsen aus genau neun spitzen Zähnen: erfunden vom Hongkonger Illustrator Kasing Lung, vermarktet vom chinesischen Konzern Pop Mart, verkauft vor allem als Plüschanhänger in versiegelten Blindboxen für 20 bis 30 Euro. Auf dem Höhepunkt des Booms im Sommer 2025 war Pop Mart an der Börse zeitweise mehr wert als Mattel, Hasbro und Sanrio zusammen, also die Konzerne hinter Barbie, Monopoly und Hello Kitty. Firmengründer Wang Ning stieg mit einem von Forbes auf 19,6 Milliarden Dollar geschätzten Vermögen zu einem der reichsten Männer Chinas auf. Inzwischen kühlt der Trend spürbar ab, doch ein Nebeneffekt beschäftigt Zollbehörden weltweit weiter: eine Fälschungswelle, für die sich der Spottname „Lafufu“ etabliert hat.
Von der Kinderbuchfigur zum Milliardenprodukt
Kasing Lung, geboren 1972 in Hongkong, wuchs in den Niederlanden auf und ließ sich dort von nordischen Märchen und Elfengeschichten inspirieren. 2015 erschien seine Bilderbuchreihe „The Monsters“, deren bekannteste Figur Labubu ist: ein kleines Monster, laut seinem Erfinder weiblich, verspielt und chaotisch, aber gutmütig. 2019 schloss Lung einen Exklusivvertrag mit Pop Mart, einem 2010 von Wang Ning in Peking gegründeten Händler für Designer-Spielzeug.
Pop Mart machte aus der Buchfigur Vinyl- und Plüschfiguren in Dutzenden Serien mit Namen wie „Big into Energy“ oder „Have a Seat“. Das Verkaufsprinzip übernahm der Konzern von japanischen Gashapon-Automaten, und genau diese Mechanik wurde zum Kern des Erfolgs.
Wie die Blindbox-Mechanik funktioniert
Eine Blindbox ist eine versiegelte Schachtel, bei der du erst nach dem Kauf siehst, welche Figur der Serie du erwischt hast. Eine typische Labubu-Serie umfasst sechs reguläre Designs plus eine seltene „Secret Edition“. Die Chance auf eine Secret-Figur liegt je nach Serie bei 1:72 bis 1:144. Wer ein bestimmtes Design will, muss mehrfach kaufen, tauschen oder auf dem Zweitmarkt zahlen.
Diese Mechanik erzeugt einen ähnlichen Reiz wie ein Glücksspielautomat: kleiner Einsatz, variable Belohnung, seltene Hauptgewinne. Dazu kommt kalkulierte Knappheit. Pop Mart bringt neue Serien in limitierten Drops heraus, die online teils in Minuten ausverkauft sind. Knappheit ist kein Versehen, sondern Geschäftsmodell, verwandt mit dem Dynamic Pricing bei Konzerttickets. TikTok liefert die Bühne: Unboxing-Videos, in denen Sammler auf eine Secret hoffen, erreichen zusammengerechnet Milliarden Abrufe.
Warum der Hype explodierte
Den entscheidenden Schub gab im April 2024 Lisa von der K-Pop-Band Blackpink, die einen Labubu-Anhänger an ihrer Handtasche trug. Es folgten Rihanna, Cher und unzählige Influencer. Aus einer asiatischen Sammelnische wurde ein globaler Trend mit Warteschlangen vor Pop-Mart-Stores, in Berlin etwa vor dem KaDeWe. Im Juni 2025 versteigerte ein Auktionshaus in Peking eine 1,20 Meter große Labubu-Figur für umgerechnet rund 150.000 Dollar.
Die Geschäftszahlen sind außergewöhnlich. 2025 steigerte Pop Mart den Umsatz um 185 Prozent auf 37,12 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 4,6 Milliarden Euro. Die Labubu-Produktfamilie „The Monsters“ trug allein 14,16 Milliarden Yuan bei, ein Plus von 366 Prozent und rund 40 Prozent des Konzernumsatzes. Der Gewinn verdreifachte sich. An der Börse brachte Pop Mart zeitweise rund 40 Milliarden Dollar auf die Waage, mehr als Mattel, Hasbro und Sanrio zusammen.

Was ein Labubu kostet
Entscheidend ist der Unterschied zwischen regulärem Ladenpreis und Zweitmarkt, wo Plattformen wie StockX oder Vinted die Preise nach Seltenheit bilden.
| Variante | Regulärer Preis | Zweitmarkt (Stand Mitte 2026) |
|---|---|---|
| Blindbox-Plüschanhänger (ca. 17 cm) | 20 bis 30 Euro | gängige Designs um den Ladenpreis, gefragte darüber |
| Kleine Vinylfigur (ca. 8 cm) | ab rund 15 Euro | meist um oder unter Ladenpreis |
| Große Plüsch- und Mega-Editionen (28 bis 79 cm) | rund 100 bis 960 Dollar | stark schwankend, limitierte Stücke deutlich teurer |
| Secret Edition (Zufallsfund in der Blindbox) | im Blindbox-Preis enthalten | 200 bis 800 Dollar, Spitzenstücke über 1.500 Dollar |
Zweitmarktpreise sind Momentaufnahmen: Auf dem Höhepunkt wurden seltene Stücke laut Verbraucherschützern für über 1.000 Euro gehandelt, seit der Abkühlung fallen die Preise spürbar.
Wo der Hype im Sommer 2026 steht
Der Labubu-Boom hat seinen Zenit überschritten: Das Google-Suchinteresse erreichte im Juli 2025 den Höhepunkt und fiel seitdem um rund 90 Prozent. Pop Mart hat das Angebot stark ausgeweitet, unter anderem mit Mini-Versionen, und genau das nimmt dem Produkt die Exklusivität, von der der Hype lebte. Die Pop-Mart-Aktie notiert mehr als 40 Prozent unter ihrem Hoch, am 25. März 2026 verlor sie trotz Rekordzahlen 22 Prozent an einem Tag, weil Anleger am weiteren Wachstum zweifeln. Im Mai 2026 meldeten Wirtschaftsmedien zudem ein schwächelndes Auslandsgeschäft.
Tot ist die Figur deshalb nicht. Pop Mart will Labubu mit Filmprojekten, Freizeitparks und neuen Serien von einem Hype-Produkt zu einer dauerhaften Marke machen. Die Ermüdung passt zugleich zu einer größeren Bewegung: Mit Underconsumption Core wächst ein Gegentrend, der bewussten Verzicht auf genau solche Impulskäufe propagiert. Für dich heißt das: Der Druck, sofort zuzuschlagen, ist weg, und dreistellige Aufschläge für reguläre Figuren sind kaum noch zu rechtfertigen.
Lafufu: Die Fälschungswelle
Mit dem Boom kam die Produktpiraterie, und sie hat den Abschwung überlebt. Gefälschte Labubus sind so verbreitet, dass sich für sie der Name „Lafufu“ eingebürgert hat. Die Dimension zeigen Zollmeldungen: Allein im Juni 2025 beschlagnahmte der chinesische Zoll bei mehreren Kontrollen über 40.000 gefälschte Labubu-Produkte. Der US-Zoll stoppte im August 2025 am Flughafen Seattle eine als „LED-Lampen“ deklarierte Sendung mit 11.134 Lafufus im Verkaufswert von über 500.000 Dollar. Auch in Großbritannien zogen Behörden Tausende Figuren aus dem Handel, und in Deutschland warnen Verbraucherzentralen vor Fake-Shops und gefährlichen Imitaten.
Das Problem ist nicht nur der finanzielle Schaden. Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC warnte im August 2025 ausdrücklich vor den Imitaten, weil sie leicht zerbrechen und Kleinteile freigeben, die für kleine Kinder zur Erstickungsgefahr werden. Die Verbraucherzentrale Hessen weist zusätzlich darauf hin, dass Fälschungen krebserregende Schwermetalle oder giftige Weichmacher enthalten können. Die seit Januar 2026 geltende neue EU-Spielzeugverordnung verschärft die Regeln, greift aber nur bei Ware, die regulär in den EU-Markt kommt, nicht bei Schmuggelware im Paketversand.
| Merkmal | Original | Lafufu |
|---|---|---|
| Zähne | genau 9 spitze Zähne | oft 8, 10 oder unregelmäßig geformt |
| Verpackung | matte Box, sauberer Druck, QR-Code plus Echtheitssiegel | glänzende Box, blasse Farben, fehlender oder toter QR-Code |
| QR-Check | Scan führt zur offiziellen Pop-Mart-Verifizierung | Code fehlt, führt ins Leere oder auf Fake-Seiten |
| Figur | Pop-Mart-Prägung an der Fußsohle, bei neueren Serien UV-Stempel | Logo fehlt, ist verwischt oder falsch platziert |
| Verarbeitung | gleichmäßige Nähte, weiches Fell, geruchsneutral | schiefe Gesichter, kratziges Fell, chemischer Geruch |
| Preis | 20 bis 30 Euro pro Blindbox | auffällig billig oder als „Rarität“ stark überteuert |

Worauf du beim Kauf achten solltest
Der sicherste Weg ist der Kauf direkt bei Pop Mart: im offiziellen Onlineshop, in der App oder im Store. Seit der Abkühlung sind reguläre Blindboxen dort meist verfügbar, der Hauptgrund für riskante Zweitmarktkäufe entfällt. Wenn du trotzdem über Vinted, Kleinanzeigen oder den TikTok-Shop kaufst, helfen fünf Regeln:
- Preis gegenchecken. Eine neue Blindbox für unter 15 Euro ist mit hoher Wahrscheinlichkeit gefälscht, niemand verkauft Originale dauerhaft unter Einkaufspreis. Umgekehrt zahlst du bei „seltenen“ Angeboten ohne Beleg schnell 80 Euro für eine Fälschung.
- QR-Code vor dem Kauf prüfen. Lass dir Fotos von Box, Etikett und Figur schicken und scanne den Code über die offizielle Pop-Mart-Seite.
- Zähne zählen. Genau neun. Dazu Nähte, Fell und Logo-Prägung auf den Fotos kontrollieren.
- Verkäuferprofil ansehen. Frisch angelegte Shops mit Lockrabatten, durchgestrichenen Mondpreisen und gemischtem Sortiment sind ein typisches Fake-Shop-Muster.
- Mit Käuferschutz zahlen. Keine Vorkasse-Überweisung an Unbekannte, sonst ist das Geld bei Betrug praktisch verloren.
Für kleine Kinder gilt zusätzlich: Labubus sind Sammelobjekte, keine geprüften Kleinkind-Spielzeuge. Schon Originale enthalten Kleinteile wie Metallringe, bei Fälschungen kommen Schadstoffrisiken und abbrechende Teile dazu. Für Kinder unter drei Jahren ist weder ein echtes noch ein falsches Labubu geeignet.