Die Frage "Wann kann man schwanger werden?" klingt simpel, hat aber eine überraschend vielschichtige Antwort. Denn eine Schwangerschaft ist nicht an jedem Tag des Zyklus möglich. Entscheidend sind der Eisprung, die Lebensdauer von Eizelle und Spermien und dein individueller Zyklusverlauf. Hier erfährst du, wie das alles zusammenhängt und wie du deine fruchtbaren Tage zuverlässig bestimmen kannst.
Dein Zyklus: Die Grundlage für alles
Schwanger werden kannst du nur in einem bestimmten Zeitfenster innerhalb deines Menstruationszyklus. Dieser beginnt am ersten Tag der Periodenblutung und endet am Tag vor der nächsten Blutung. Die durchschnittliche Zykluslänge liegt bei 28 Tagen, doch Werte zwischen 21 und 35 Tagen gelten als völlig normal.
Der Zyklus gliedert sich in zwei Hauptphasen:
Follikelphase (1. Zyklushälfte): In den Eierstöcken reifen mehrere Eibläschen (Follikel) heran. Gesteuert wird das durch das follikelstimulierende Hormon (FSH). Nur ein Follikel setzt sich durch und gibt schließlich eine reife Eizelle frei.
Lutealphase (2. Zyklushälfte): Nach dem Eisprung bildet sich aus dem leeren Follikel der Gelbkörper, der Progesteron produziert. Dieses Hormon bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung vor. Bleibt die Befruchtung aus, sinkt der Progesteronspiegel und die nächste Periode setzt ein.
Der entscheidende Punkt: Die Lutealphase ist relativ konstant und dauert fast immer 12 bis 16 Tage. Die Follikelphase hingegen kann stark schwanken. Deshalb verschiebt sich der Eisprung bei unregelmäßigen Zyklen, und damit auch dein fruchtbares Fenster.
Der Eisprung: Dein Schlüsselmoment
Der Eisprung (Ovulation) ist der Moment, in dem eine reife Eizelle den Eierstock verlässt und in den Eileiter wandert. Dort kann sie auf Spermien treffen und befruchtet werden. Bei einem 28-Tage-Zyklus findet der Eisprung typischerweise um den 14. Tag statt, also etwa 14 Tage vor der nächsten Periode.
Zwei biologische Fakten bestimmen dein Fruchtbarkeitsfenster:
- Die Eizelle ist nach dem Eisprung nur 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig.
- Spermien können im weiblichen Körper bis zu 5 Tage überleben und auf den Eisprung warten.
Daraus ergibt sich ein fruchtbares Fenster von insgesamt etwa 6 Tagen: die 5 Tage vor dem Eisprung plus der Tag des Eisprungs selbst. Die höchste Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft besteht an den zwei Tagen direkt vor dem Eisprung.

Fruchtbare Tage im Überblick
Die folgende Tabelle zeigt dir die Fruchtbarkeitswahrscheinlichkeit im Verlauf eines regulären 28-Tage-Zyklus. Beachte, dass sich bei abweichender Zykluslänge alle Angaben entsprechend verschieben.
| Zyklustag | Phase | Schwangerschaftswahrscheinlichkeit |
|---|---|---|
| 1 bis 6 | Menstruation / frühe Follikelphase | Sehr gering |
| 7 bis 9 | Mittlere Follikelphase | Gering bis mittel |
| 10 bis 12 | Späte Follikelphase (Spermien können überleben) | Mittel bis hoch |
| 13 bis 15 | Eisprung und unmittelbar danach | Sehr hoch |
| 16 bis 28 | Lutealphase | Sehr gering |
Die höchste Empfängniswahrscheinlichkeit liegt laut einer Studie im New England Journal of Medicine bei etwa 33 % pro Zyklus, wenn der Geschlechtsverkehr ein bis zwei Tage vor dem Eisprung stattfindet.
So bestimmst du deine fruchtbaren Tage
Es gibt mehrere bewährte Methoden, um den Eisprung und damit die fruchtbaren Tage einzugrenzen:
Basaltemperaturmethode: Du misst jeden Morgen vor dem Aufstehen deine Körpertemperatur. Nach dem Eisprung steigt die Basaltemperatur um etwa 0,2 bis 0,5 °C an und bleibt bis zur nächsten Periode erhöht. Der Nachteil: Du erkennst den Eisprung erst im Nachhinein, da der Anstieg nach der Ovulation erfolgt.
Zervixschleim-Beobachtung: Rund um den Eisprung wird der Zervixschleim klar, dehnbar und spinnbar, ähnlich wie rohes Eiweiß. Diese Konsistenz signalisiert hohe Fruchtbarkeit. In den unfruchtbaren Phasen ist der Schleim eher zäh, trüb oder kaum vorhanden.
Ovulationstests (LH-Tests): Diese Urintests messen den Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH), der 24 bis 36 Stunden vor dem Eisprung stattfindet. Sie sind in Apotheken und Drogerien erhältlich und liefern ein recht zuverlässiges Ergebnis.
Symptothermale Methode: Diese Kombination aus Temperaturmessung und Zervixschleim-Beobachtung gilt als die zuverlässigste natürliche Methode. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erreicht sie bei korrekter Anwendung einen Pearl-Index von 0,4 bis 1,8.
Zykluscomputer und Apps: Digitale Hilfsmittel können die Auswertung erleichtern. Sie ersetzen aber nicht die eigene Körperbeobachtung und sind vor allem in Kombination mit anderen Methoden sinnvoll.
Was deine Fruchtbarkeit beeinflusst
Neben dem Zyklusverlauf spielen weitere Faktoren eine Rolle, wenn es um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft geht:
Alter: Die Fruchtbarkeit ist bei Frauen zwischen 20 und 30 Jahren am höchsten. Ab 35 sinkt die Eizellqualität deutlich, und ab 40 wird eine natürliche Empfängnis zunehmend schwieriger. Auch bei Männern nimmt die Spermienqualität mit dem Alter ab, allerdings weniger abrupt.
Gesundheit und Lebensstil: Rauchen, starker Alkoholkonsum, Über- oder Untergewicht und chronischer Stress können den Zyklus beeinflussen und die Fruchtbarkeit verringern. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf wirken sich hingegen positiv aus.
Erkrankungen: Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS), Endometriose, Schilddrüsenerkrankungen oder Infektionen der Eileiter können den Eisprung stören oder die Einnistung erschweren. Bei einem unerfüllten Kinderwunsch nach 12 Monaten regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr (bei Frauen über 35 nach 6 Monaten) ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Kann man während der Periode schwanger werden?
Kurze Antwort: Ja, theoretisch ist das möglich. Bei einem kurzen Zyklus von zum Beispiel 21 Tagen kann der Eisprung bereits am 7. Tag stattfinden. Da Spermien bis zu 5 Tage überleben, könnte Geschlechtsverkehr am Ende der Periode zu einer Befruchtung führen. Bei einem regulären 28-Tage-Zyklus ist die Wahrscheinlichkeit allerdings sehr gering.
Gleiches gilt für die Tage direkt nach der Periode: Je kürzer der Zyklus, desto näher rücken Menstruation und fruchtbares Fenster zusammen. Wer nicht schwanger werden möchte, sollte sich also nicht allein auf die Kalendermethode verlassen.
Fazit: Timing ist entscheidend
Schwanger werden kannst du vor allem in den 5 Tagen vor dem Eisprung und am Tag des Eisprungs selbst. Die besten Chancen hast du, wenn du deinen Zyklus gut kennst und mehrere Beobachtungsmethoden kombinierst. Gleichzeitig gilt: Jeder Körper tickt anders. Schwankungen sind normal und kein Grund zur Sorge. Wenn du über längere Zeit Schwierigkeiten hast, schwanger zu werden, ist ein Gespräch mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt der richtige nächste Schritt.





