Der Dispokredit ist das teuerste Geld, das die meisten Menschen in Deutschland je leihen. Mit durchschnittlich rund 11 Prozent Zinsen im Jahr liegt er deutlich über jedem normalen Ratenkredit, und trotzdem nutzen ihn Millionen ganz selbstverständlich. Genau das ist der Haken: Der Dispo fühlt sich nicht wie ein Kredit an, weil du ihn nicht beantragen musst und das Geld einfach da ist, sobald du ins Minus rutschst. Diese Bequemlichkeit lässt sich die Bank teuer bezahlen. Hier erfährst du, wie der Dispo technisch funktioniert, warum er so teuer ist, was ein Dauer-Minus dich konkret kostet und wie du wieder rauskommst.
Was ist ein Dispokredit überhaupt?
Ein Dispokredit, kurz Dispo, ist eine von der Bank eingeräumte Kontoüberziehung auf deinem Girokonto. Du darfst dein Konto bis zu einer festgelegten Grenze ins Minus führen, ohne dafür einen separaten Kreditvertrag abzuschließen oder einen Rückzahlungsplan zu vereinbaren. Rechtlich ist das in Paragraf 504 BGB als "eingeräumte Überziehungsmöglichkeit" geregelt. Die Bank stellt dir also stillschweigend eine Kreditlinie zur Verfügung, die du nutzen kannst, aber nicht musst.
Wie hoch dein Disporahmen ist, legt die Bank fest, meist auf Basis deines regelmäßigen Geldeingangs. Üblich sind das Zwei- bis Dreifache deines Nettomonatsgehalts. Bei 2.000 Euro netto stehen dir also häufig 4.000 bis 6.000 Euro zur Verfügung. Zinsen zahlst du nur für den Betrag, den du tatsächlich nutzt, und nur für die Tage im Minus. Die Berechnung läuft taggenau, abgerechnet wird meist quartalsweise.
Davon zu unterscheiden ist die geduldete Überziehung nach Paragraf 505 BGB: Sie greift, wenn du über deinen eingeräumten Disporahmen hinaus ins Minus gehst oder gar keinen Dispo hast und die Bank die Zahlung trotzdem ausführt. Früher war dieser Fall regelmäßig noch teurer als der normale Dispo. Inzwischen verlangen viele Banken denselben Zinssatz, ob du nun den Dispo oder zusätzlich das Konto überziehst.
Kredit vergleichen
Wer dauerhaft im Dispo steckt, fährt mit einem Ratenkredit fast immer günstiger. Ein Vergleich zeigt in zwei Minuten, was eine Umschuldung kosten würde.
AnzeigeWarum ist der Dispo so teuer?
Der Dispozins lag im Mai 2026 im Schnitt bei rund 11,3 Prozent pro Jahr. Das geht aus den laufenden Auswertungen der Vergleichsportale Finanzfluss und Verivox hervor, die die Konditionen hunderter Banken erfassen. Damit ist der Dispo der teuerste legale Alltagskredit in Deutschland. Zum Vergleich: Laut Deutscher Bundesbank lag der Effektivzins für Konsumentenkredite mit einer Zinsbindung von einem bis fünf Jahren im März 2026 bei 6,66 Prozent. Ein klassischer Ratenkredit kostet dich also oft nur etwa die Hälfte.
Die Höhe hat mehrere Gründe. Die Bank trägt ein höheres Ausfallrisiko, weil sie das Geld ohne Bonitätsprüfung im Einzelfall und ohne feste Rückzahlung herausgibt. Sie muss die Kreditlinie jederzeit bereithalten, auch wenn du sie nie nutzt. Und schließlich ist der Dispo ein lukratives Geschäft, gerade weil viele ihn aus Bequemlichkeit dauerhaft nutzen, statt nach Alternativen zu suchen.
Die Spanne zwischen den Banken ist groß. Sie reicht von knapp über 7 Prozent bei einzelnen Direktbanken bis hin zu fast 15 Prozent bei manchen Filialbanken. Welche Bank wie viel verlangt, steht in den Preis- und Leistungsverzeichnissen, ist aber selten auf den ersten Blick zu finden.
| Kreditform | Typischer Zins p.a. | Wie du das Geld bekommst |
|---|---|---|
| Dispokredit | ca. 11,3 % | Automatisch beim Überziehen, keine Beantragung |
| Geduldete Überziehung | oft gleich wie Dispo | Bank duldet Minus über dem Rahmen |
| Rahmenkredit | ca. 8 bis 10 % | Einmal eingerichtet, flexibel abrufbar |
| Ratenkredit | ca. 6 bis 7 % | Beantragung, feste Monatsrate, fester Zeitraum |

Was kostet dich ein Dauer-Dispo konkret?
Solange du den Dispo nur für ein paar Tage bis zum Gehaltseingang nutzt, halten sich die Kosten in Grenzen. Teuer wird es, wenn das Minus zum Dauerzustand wird. Das passiert häufiger als gedacht, weil das Konto nie ganz ins Plus kommt und der Dispo schleichend zur zweiten Einkommensquelle wird.
Ein Rechenbeispiel macht das deutlich. Angenommen, du stehst dauerhaft mit 2.000 Euro im Dispo. Bei einem Zinssatz von 11,3 Prozent zahlst du dafür rund 226 Euro Zinsen im Jahr, ohne dass deine Schulden auch nur einen Euro kleiner werden. Würdest du dieselben 2.000 Euro über einen Ratenkredit zu 6,6 Prozent finanzieren, lägen die Zinskosten bei etwa 133 Euro im Jahr. Die Differenz von rund 90 Euro pro Jahr zahlst du allein dafür, dass du im teuren Dispo statt im günstigen Ratenkredit steckst.
| Dauerhaftes Minus | Zinskosten im Dispo (11,3 %) | Zinskosten im Ratenkredit (6,6 %) | Differenz pro Jahr |
|---|---|---|---|
| 1.000 € | ca. 113 € | ca. 66 € | ca. 47 € |
| 2.000 € | ca. 226 € | ca. 133 € | ca. 93 € |
| 4.000 € | ca. 452 € | ca. 266 € | ca. 186 € |
| 6.000 € | ca. 678 € | ca. 396 € | ca. 282 € |
Die Beträge wirken überschaubar, summieren sich über die Jahre aber zu einer beachtlichen Stange Geld. Wer fünf Jahre lang mit 4.000 Euro im Dispo hängt, verbrennt allein an Zinsdifferenz rund 900 Euro. Das ist Geld, das nicht in die Tilgung fließt, sondern reiner Aufpreis für die Bequemlichkeit ist.
Was hat es mit der Beratungspflicht auf sich?
Der Gesetzgeber hat erkannt, dass ein Dauer-Dispo für viele zur Schuldenfalle wird, und 2016 eine Beratungspflicht eingeführt. Geregelt ist sie in Paragraf 504a BGB. Die Bank muss dir von sich aus ein Beratungsgespräch anbieten, wenn du deinen Dispo ununterbrochen über einen Zeitraum von sechs Monaten und dabei im Schnitt in Höhe von mehr als 75 Prozent des vereinbarten Höchstbetrags in Anspruch genommen hast.
Das Angebot muss in Textform erfolgen, also etwa per Brief, E-Mail oder Nachricht im Online-Banking. Inhaltlich geht es um kostengünstigere Alternativen zur dauerhaften Überziehung, zum Beispiel eine Umschuldung in einen Ratenkredit. Wichtig: Die Bank muss dir die Beratung nur anbieten, nicht aufdrängen. Du musst selbst aktiv werden, wenn du das Angebot annehmen willst.
In der Praxis ist ein solches Schreiben ein deutliches Warnsignal. Es heißt, dass du den Dispo nicht mehr als kurzfristige Überbrückung nutzt, sondern als teures Dauerdarlehen. Spätestens dann lohnt sich ein Blick auf günstigere Optionen.
Dispo, Rahmenkredit oder Ratenkredit: Was passt wann?
Nicht jeder, der mal ins Minus rutscht, braucht gleich eine Umschuldung. Entscheidend ist, wie lange und wie tief du im Minus stehst. Der Dispo ist für kurzfristige Engpässe gedacht, etwa wenn eine größere Rechnung kurz vor dem Gehaltseingang fällig wird. Für solche Fälle ist er trotz des hohen Zinses praktisch, weil er flexibel und ohne Aufwand verfügbar ist.
Sobald sich das Minus über Wochen oder Monate zieht, kippt die Rechnung. Dann wird der hohe Zins zum Problem, und eine günstigere Finanzierungsform ist fast immer die bessere Wahl:
- Dispokredit: Sinnvoll nur für kurze Überbrückungen von wenigen Tagen oder Wochen. Teuer, aber sofort und ohne Antrag verfügbar.
- Rahmenkredit: Eine Art Mittelweg. Einmal eingerichtet, kannst du ihn flexibel abrufen und zurückzahlen, meist zu deutlich niedrigeren Zinsen als beim Dispo.
- Ratenkredit: Die günstigste Lösung bei dauerhaftem oder größerem Finanzierungsbedarf. Du zahlst eine feste Monatsrate über einen festen Zeitraum und bist die Schulden am Ende garantiert los.
Ob sich eine Umschuldung lohnt, hängt von Höhe und Dauer deines Minus ab. Bevor du einen Ratenkredit aufnimmst, lohnt ein nüchterner Blick auf deinen Schufa-Score, denn er bestimmt mit, welchen Zinssatz die Bank dir anbietet. Eine reine Vergleichsanfrage ist dabei schufaneutral und verschlechtert deinen Score nicht.

Wie du aus dem Dispo rauskommst
Wenn du dauerhaft im Minus stehst, kommst du da nicht durch Aussitzen wieder raus, denn die Zinsen fressen jeden Spielraum auf. Geh die Sache in Schritten an. Verschaff dir zuerst einen Überblick, indem du deine festen Ausgaben und Einnahmen einen Monat lang aufschreibst. So siehst du schwarz auf weiß, ob am Monatsende überhaupt etwas zum Tilgen übrig bleibt oder warum das Konto nie ins Plus kommt.
Im zweiten Schritt zählt jeder Euro, den du ins Plus zurückbringst, sofort spürbar, weil der teure Dispozins wegfällt. Steht ein größerer Betrag im Dispo, der sich nicht in zwei, drei Monaten abbauen lässt, ist die Umschuldung in einen Ratenkredit meist die günstigste Lösung. Du löst das Minus auf einen Schlag ab und zahlst es danach in festen, planbaren Raten zu einem niedrigeren Zins zurück. Vergleich dabei mehrere Angebote, denn die Zinsen unterscheiden sich je nach Bank und Bonität erheblich. Wer schon tiefer in den roten Zahlen steckt und Pfändung fürchtet, sollte sich frühzeitig informieren, etwa über die Pfändungsfreigrenze, und im Zweifel eine Schuldnerberatung einschalten. Wichtig ist nur, nicht weiter abzuwarten: Jeder Monat im Dispo kostet dich Geld, das du an anderer Stelle besser gebrauchen kannst.