Eine Umschuldung lohnt sich immer dann, wenn der neue Kredit nach Abzug aller Wechselkosten spürbar günstiger ist als der alte. Das klingt selbstverständlich, aber die Größenordnungen überraschen: Wer 10.000 Euro dauerhaft im Dispo stehen hat, zahlt dafür bei einem marktüblichen Zinssatz von 11,3 Prozent rund 1.130 Euro Zinsen im Jahr, ohne einen Euro zu tilgen. Ein durchschnittlicher Ratenkredit mit ein- bis fünfjähriger Zinsbindung kostete laut Bundesbank-Zinsstatistik im April 2026 dagegen 6,95 Prozent. Die gefürchtete „Strafgebühr“ fürs vorzeitige Ablösen ist dabei kleiner als ihr Ruf: Das Gesetz deckelt sie bei Ratenkrediten auf maximal 1 Prozent der Restschuld. Der teuerste Fehler passiert nicht beim Wechsel selbst, sondern davor: Eine falsch gestellte Anfrage kann deinen Schufa-Score belasten, obwohl du nur vergleichen wolltest.
Wie eine Umschuldung abläuft
Bei einer Umschuldung nimmst du einen neuen, günstigeren Kredit auf und löst damit einen oder mehrere alte Kredite ab. Im Antrag gibst du als Verwendungszweck „Umschuldung“ an. Das arbeitet für dich: Die neue Bank weiß dann, dass keine zusätzlichen Schulden entstehen, sondern bestehende ersetzt werden. Viele Institute überweisen die Ablösesumme direkt an den alten Kreditgeber und kümmern sich um die Formalitäten.
Vorher brauchst du eine Zahl: die aktuelle Restschuld samt Ablösetermin. Diese Ablöseauskunft muss dir dein bisheriger Anbieter kostenlos geben. Beim Dispo ist es noch einfacher, denn dort gibt es weder Restlaufzeit noch Kündigungsfrist: Der neue Ratenkredit landet auf dem Girokonto und gleicht das Minus aus.
Kredit vergleichen
Ob sich der Wechsel rechnet, zeigt der Vergleich des Effektivzinses deines Altkredits mit aktuellen Angeboten. Achte dabei auf eine Konditionsanfrage statt einer Kreditanfrage, dann bleibt deine Schufa unberührt.
AnzeigeIn diesen drei Fällen rechnet sich der Wechsel
Der klassische Fall ist das Dauer-Minus auf dem Girokonto. Die Bundesbank weist für Überziehungskredite privater Haushalte im April 2026 einen Durchschnittszins von 9,19 Prozent aus, in den Preisaushängen vieler Banken stehen 11 bis 14 Prozent. Wie der Dispokredit funktioniert und warum er so teuer ist, liest du im eigenen Artikel. Noch drastischer ist die Teilzahlungsfunktion von Kreditkarten: Echte Kreditkartenkredite kosteten im April 2026 im Schnitt 17,17 Prozent. Wer regelmäßig nur den Mindestbetrag seiner Kreditkartenabrechnung zurückzahlt, schleppt den teuersten Alltagskredit Deutschlands mit sich herum.
Der zweite Fall sind teure Altkredite aus der Hochzinsphase 2023 und 2024. Hier lohnt ein ehrlicher Blick: Der Durchschnittszins für neue Konsumentenkredite ist seitdem nur leicht gesunken, von 8,69 Prozent im Dezember 2023 auf 8,54 Prozent im April 2026 (jeweils effektiv inklusive Kosten). Entscheidend ist aber nicht der Durchschnitt, sondern dein Vertrag. Wer damals mit mittlerer Bonität oder im teuren Händlerkredit 10 bis 12 Prozent unterschrieben hat, bekommt heute mit sauberer Zahlungshistorie oft Angebote deutlich darunter. Ab etwa einem Prozentpunkt Differenz wird es interessant, je höher Restschuld und Restlaufzeit, desto mehr.
Der dritte Fall ist das Bündeln mehrerer Kredite: Autofinanzierung, Möbelrate, ein alter Ratenkredit. Ein einziger neuer Kredit ersetzt alle Verträge, du hast eine Rate statt drei und oft einen besseren Zins, weil kleine Einzelfinanzierungen häufig teurer sind als ein größerer Kredit.

Das Rechenbeispiel: 10.000 Euro Dispo gegen Ratenkredit
Angenommen, du hängst dauerhaft mit 10.000 Euro im Dispo bei 11,3 Prozent. Die Alternative: ein Ratenkredit über 48 Monate zum Bundesbank-Durchschnittszins von 6,95 Prozent effektiv.
| Dauerhaft im Dispo (11,3 %) | Umschuldung in Ratenkredit (6,95 %, 48 Monate) | |
|---|---|---|
| Monatliche Belastung | ca. 94 € (nur Zinsen) | ca. 238 € (Zins und Tilgung) |
| Zinskosten über 4 Jahre | 4.520 € | ca. 1.440 € |
| Restschuld nach 4 Jahren | 10.000 € | 0 € |
| Zinsersparnis | ca. 3.080 € |
Die Monatsrate des Ratenkredits ist höher als die reine Dispo-Zinslast, weil du endlich tilgst. Genau das ist der Punkt: Nach vier Jahren bist du schuldenfrei und hast rund 3.080 Euro Zinsen gespart. Im Dispo hättest du 4.520 Euro gezahlt und würdest immer noch die vollen 10.000 Euro schulden. Wer die 238 Euro nicht stemmen kann, streckt die Laufzeit, sollte aber wissen: Jede Verlängerung erhöht die Gesamtkosten.
Vorfälligkeitsentschädigung: gesetzlich auf 1 Prozent gedeckelt
Viele scheuen die Umschuldung wegen der Vorfälligkeitsentschädigung, der Gebühr fürs vorzeitige Ablösen. Bei Verbraucher-Ratenkrediten ist sie aber streng begrenzt: Nach § 502 BGB darf sie höchstens 1 Prozent des vorzeitig zurückgezahlten Betrags betragen, bei weniger als zwölf Monaten Restlaufzeit nur 0,5 Prozent. Mehr als die Sollzinsen, die bis zum regulären Ende noch angefallen wären, darf die Bank ohnehin nie verlangen.
In Zahlen: Bei 8.000 Euro Restschuld kostet die Ablöse maximal 80 Euro. Senkst du deinen Zins von 10 auf 7 Prozent, sparst du rund 240 Euro pro Jahr, die Gebühr ist also nach etwa vier Monaten wieder drin. Beim Dispo und anderen variabel verzinsten Krediten fällt gar keine Entschädigung an, sie sind jederzeit ohne Kosten ablösbar. Und enthält dein Vertrag keine ordnungsgemäßen Angaben zu Laufzeit, Kündigungsrecht oder Berechnung der Entschädigung, entfällt der Anspruch der Bank komplett. Achtung: Die Deckelung gilt für Ratenkredite, nicht für Immobiliendarlehen, dort kann die Ablöse vierstellig werden.
Wann sich eine Umschuldung nicht lohnt
In manchen Fällen kannst du dir den Aufwand sparen. Bei kurzer Restlaufzeit ist der Zinsanteil deiner Raten schon fast abbezahlt, denn Banken kassieren die Zinsen überproportional am Anfang der Laufzeit. Bei kleinen Restschulden frisst der Aufwand die Ersparnis auf. Und die Verbraucherzentrale warnt vor Angeboten, die nur über eine deutlich längere Laufzeit eine niedrigere Rate erzeugen: Die monatliche Entlastung fühlt sich gut an, die Gesamtkosten steigen trotzdem.
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Dauerhaft im Dispo oder in der Kreditkarten-Teilzahlung | Umschulden, hier ist die Ersparnis am größten |
| Altkredit mindestens 1 Prozentpunkt über aktuellen Angeboten | Konditionsanfrage stellen und Gesamtkosten durchrechnen |
| Mehrere parallele Raten und Finanzierungen | Bündeln: eine Rate, bessere Übersicht, oft besserer Zins |
| Restlaufzeit unter 12 Monaten | Meist nicht lohnend, Zinsen sind fast vollständig bezahlt |
| Restschuld unter etwa 1.000 Euro | Lieber sondertilgen statt umschulden |
| Neuer Kredit nur mit Restschuldversicherung | Ablehnen, die Police frisst die Zinsersparnis auf |
| Niedrigere Rate nur durch viel längere Laufzeit | Nur wählen, wenn die aktuelle Rate dich überfordert |
Ein Sonderfall ist die Restschuldversicherung, die manche Banken zur Umschuldung gleich mit anbieten. Die Verbraucherzentrale hält die vom Kreditgeber verkauften Policen selten für günstig, die Leistungen sind oft durch Ausschlüsse löchrig. Tückisch: Die Beiträge fließen nicht in den Effektivzins ein, das Angebot wirkt auf dem Papier also billiger, als es ist.
Konditionsanfrage statt Kreditanfrage: so bleibt die Schufa sauber
Der wichtigste Praxis-Tipp betrifft den Vergleich selbst. Banken können bei der Schufa zwei verschiedene Anfragen stellen. Die „Anfrage Kreditkonditionen“ ist neutral: Sie ist nur für dich sichtbar und beeinflusst deinen Score nicht, egal wie viele Angebote du einholst. Die „Anfrage Kredit“ dagegen ist zehn Tage lang für andere Banken sichtbar und bleibt zwölf Monate gespeichert. Mehrere Kreditanfragen in kurzer Zeit können deinen Schufa-Score drücken, weil sie wie eine hektische Suche nach Geld wirken.
Die Ironie: Ausgerechnet beim Vergleichen für eine Umschuldung, die deine Finanzen verbessern soll, kannst du dir so die Konditionen verschlechtern. Seriöse Vergleichsportale arbeiten standardmäßig mit Konditionsanfragen. Fragst du direkt bei einer Bank an, verlange ausdrücklich eine Konditionsanfrage und unterschreibe erst, wenn das beste Angebot feststeht.

So gehst du die Umschuldung an
Fordere zuerst die Ablöseauskunft bei deinem aktuellen Anbieter an: Restschuld, Ablösetermin, Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung. Such dann den Effektivzins aus deinem alten Vertrag heraus, er ist deine Vergleichsmarke. Hol dir anschließend per Konditionsanfrage zwei bis drei Angebote über die exakte Ablösesumme und eine ähnliche Restlaufzeit, sonst vergleichst du Äpfel mit Birnen.
Rechne die Gesamtkosten gegeneinander: alle künftigen Zinsen des Altvertrags auf der einen Seite, Zinsen des neuen Kredits plus Vorfälligkeitsentschädigung auf der anderen. Liegt die Ersparnis klar im Plus, beantragst du den neuen Kredit mit Verwendungszweck „Umschuldung“ und lässt die neue Bank direkt ablösen. Verzichte auf eine angebotene Restschuldversicherung. Und wenn ein Dispo der Auslöser war: Lass den Disporahmen gleich senken, damit das alte Minus nicht durch die Hintertür zurückkommt.