Flüge ab Deutschland sind 2026 vor allem deshalb so teuer, weil der Staat beim Abheben kräftig mitverdient und gleichzeitig das Sitzplatzangebot geschrumpft ist. Die staatlichen Standortkosten, also Luftverkehrsteuer, Flugsicherungs- und Luftsicherheitsgebühren, haben sich laut Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) seit 2020 nahezu verdoppelt: auf rund 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2025. Parallel haben Airlines wie Ryanair Dutzende Maschinen aus Deutschland abgezogen, weniger Sitze treffen auf mehr Reiselust. Das Ergebnis siehst du beim Buchen: Nach Statista-Auswertungen kosteten Flüge ab deutschen Flughäfen 2024 rund 56 Prozent mehr als 2019. Hier erfährst du, welche Kosten in deinem Ticket stecken, was die beschlossene Steuersenkung ab Juli 2026 tatsächlich bringt und wie du trotzdem günstiger wegkommst.

Der größte Preistreiber sitzt nicht im Tank

Viele tippen beim Thema Flugpreise zuerst auf das Kerosin. Tatsächlich ist ab Deutschland der Staat der auffälligste Kostenblock. Der BDL beziffert die staatlich veranlassten Kosten für 2025 auf rund 4,4 Milliarden Euro, allein gegenüber 2024 kamen 1,1 Milliarden Euro dazu. Pro Passagier sind das im Schnitt etwa 35 Euro, bevor die Airline einen Cent für Flugzeug, Crew oder Treibstoff ausgegeben hat. Ein Beispiel: Der Höchstsatz der Luftsicherheitsgebühr, die du für die Sicherheitskontrolle zahlst, stieg 2025 von 10 auf 15 Euro pro Passagier.

Wie groß der Abstand zum Ausland ist, zeigt eine Rechnung der Lufthansa Group: Hebt ein A320 in Frankfurt ab, werden rund 4.800 Euro an Steuern und Gebühren fällig. In Madrid kostet derselbe Abflug rund 690 Euro, ein Siebtel.

Abflughafen Staatliche Steuern und Gebühren pro A320-Abflug
Frankfurt (bis 30. Juni 2026) ca. 4.800 Euro
Frankfurt (ab 1. Juli 2026) ca. 4.300 Euro
Zürich ca. 2.900 Euro
Madrid ca. 690 Euro

Diese Kosten landen über den Ticketpreis bei dir. Sie erklären außerdem, warum Airlines ihre Flugzeuge zunehmend dort stationieren, wo das Abheben weniger kostet.

Pauschalreise vergleichen

Flug und Hotel im Paket sind oft günstiger als der Einzelflug, weil Veranstalter Kontingente fest einkaufen: Ein Pauschalreise-Vergleich macht den Unterschied sichtbar.

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Luftverkehrsteuer: 2024 erhöht, ab Juli 2026 wieder gesenkt

Die Luftverkehrsteuer gibt es seit 2011, fällig wird sie für jeden Passagier, der von einem deutschen Flughafen startet. Zum 1. Mai 2024 hob die damalige Ampel-Koalition die Sätze um rund ein Viertel an. Am 21. Mai 2026 hat der Bundestag beschlossen, diese Erhöhung zum 1. Juli 2026 zurückzunehmen. Den Bund kostet das laut Bundesregierung rund 330 Millionen Euro Mindereinnahmen im Jahr 2027.

Distanzklasse Steuer bis 30. Juni 2026 Steuer ab 1. Juli 2026 Ersparnis pro Ticket
Kurzstrecke bis 2.500 km (z. B. Mallorca, Rom) 15,53 Euro 13,03 Euro 2,50 Euro
Mittelstrecke bis 6.000 km (z. B. Ägypten, Dubai) 39,34 Euro 33,01 Euro 6,33 Euro
Langstrecke über 6.000 km (z. B. USA, Thailand) 70,83 Euro 59,43 Euro 11,40 Euro

Die Senkung klingt nach Entlastung, fällt aber überraschend klein aus: Auf der Kurzstrecke macht sie genau 2,50 Euro pro Ticket aus. Der BDL hält eine Entlastung von 15 Euro pro Passagier für nötig, damit der Standort wettbewerbsfähig wird. Eine vollständige Rückkehr zum alten Niveau ist der Beschluss ohnehin nicht: Der Flughafenverband ADV weist darauf hin, dass der neue Kurzstreckensatz von 13,03 Euro noch 55 Cent über dem Satz von Anfang 2024 liegt. Immerhin sollen zusätzlich die Flugsicherungsgebühren sinken, 2026 zum ersten Mal und bis 2029 um insgesamt mehr als zehn Prozent.

Airlines ziehen Flugzeuge ab: Das Angebot schrumpft

Hohe Standortkosten haben sichtbare Folgen: Laut BDL schrumpfte die in Deutschland stationierte Flotte von 190 Flugzeugen im Jahr 2019 auf 130 im Jahr 2025. 60 Maschinen wurden ins Ausland verlagert, dorthin, wo Starts günstiger sind. Ryanair strich zum Winterflugplan 2025/26 über 800.000 Sitzplätze und 24 Strecken an neun deutschen Flughäfen und zog alle sieben in Berlin stationierten Maschinen ab. Als Grund nennt die Airline die hohen Zugangskosten deutscher Flughäfen.

Wie weit Deutschland zurückfällt, zeigt der Europavergleich: Im ersten Halbjahr 2026 erreicht das Sitzplatzangebot ab Deutschland laut BDL nur 89 Prozent des Niveaus von 2019, das übrige Europa liegt bei 114 Prozent. Der Rückstand wächst im vierten Jahr in Folge und beträgt inzwischen 24 Prozentpunkte. Besonders die Billigflieger meiden Deutschland: Ihr Sitzplatzangebot liegt 55 Prozentpunkte hinter dem im restlichen Europa.

Für deine Tickets ist das die entscheidende Mechanik: Weniger Sitze treffen auf wachsende Nachfrage. 2025 flogen laut Statistischem Bundesamt 4,1 Prozent mehr Passagiere von Deutschland ins Ausland als im Vorjahr. Sind die Maschinen voll, brauchen Airlines keine Kampfpreise mehr. Fällt eine gestrichene Verbindung kurzfristig weg, hast du immerhin klare Ansprüche: Welche das sind, liest du im Überblick zu deinen Rechten bei Flugverspätung und Annullierung.

Laut BDL schrumpfte die in Deutschland stationierte Airline-Flotte von 190 Flugzeugen im Jahr 2019 auf 130 im Jahr 2025
Laut BDL schrumpfte die in Deutschland stationierte Airline-Flotte von 190 Flugzeugen im Jahr 2019 auf 130 im Jahr 2025

Kerosin, SAF-Quote und CO2-Zertifikate

Beim Treibstoff kommt seit 2025 ein neuer Kostenfaktor dazu. Die EU-Verordnung ReFuelEU schreibt vor, dass dem Kerosin an europäischen Flughäfen mindestens 2 Prozent nachhaltiger Flugkraftstoff (SAF) beigemischt werden. Die Quote steigt ab 2030 auf 6 Prozent und ab 2035 auf 20 Prozent. Das Problem: SAF kostet laut dem Airline-Verband IATA das Zwei- bis Fünffache von fossilem Kerosin.

Die Airlines geben diese Kosten weiter. Die Lufthansa Group erhebt seit Januar 2025 einen Umweltkostenzuschlag zwischen 1 und 72 Euro pro Ticket, je nach Strecke und Tarif. Dazu kommt der EU-Emissionshandel: Seit 2026 bekommen Airlines keine kostenlosen CO2-Zertifikate mehr für innereuropäische Flüge, sie müssen sämtliche Verschmutzungsrechte kaufen. Jeder dieser Posten ist für sich genommen klein. Zusammen mit Steuern und Gebühren summieren sie sich zu einem Ticketpreis, der mit dem von 2019 wenig zu tun hat.

Inlandsflüge: Halbiertes Netz, kaum Wettbewerb

Am deutlichsten zeigt sich die Entwicklung innerhalb Deutschlands. 2025 zählte das Statistische Bundesamt 11,9 Millionen Passagiere auf Inlandsflügen, das sind 48,4 Prozent weniger als 2019. Insgesamt lag das Aufkommen an deutschen Flughäfen 2025 mit 207,2 Millionen Fluggästen noch 8,6 Prozent unter dem Rekordjahr 2019. Die Zahl der bedienten innerdeutschen Strecken sank laut BDL von 56 auf 39.

Seit der Air-Berlin-Insolvenz 2017 dominiert die Lufthansa-Gruppe den innerdeutschen Markt weitgehend allein, und wo Wettbewerb fehlt, fehlen günstige Tarife. Wer kurzfristig von Hamburg nach München muss, zahlt teils mehrere Hundert Euro für die einfache Strecke. Auf vielen Verbindungen ist der ICE deshalb nicht nur die klimafreundlichere, sondern auch die billigere Wahl.

Inlandsflüge lagen 2025 laut Statistischem Bundesamt noch 48,4 Prozent unter dem Niveau von 2019
Inlandsflüge lagen 2025 laut Statistischem Bundesamt noch 48,4 Prozent unter dem Niveau von 2019

Was du bei der Buchung konkret tun kannst

Die Standortkosten kannst du nicht ändern, deine Buchungsstrategie schon:

  • Pauschalpaket gegenrechnen: Veranstalter kaufen Flugkontingente lange im Voraus zu Festpreisen ein. Deshalb ist Flug plus Hotel im Paket oft günstiger als derselbe Flug einzeln, besonders in der Hauptsaison. Wann sich das rechnet, zeigt der Vergleich Pauschalreise oder Einzelbuchung.
  • Abflughafen vergleichen: Zwischen zwei deutschen Flughäfen liegen für dieselbe Strecke teils dreistellige Beträge. Rechne die Anreise ehrlich mit ein, sonst frisst sie die Ersparnis auf.
  • Früh buchen, Ferien meiden: Knappe Kapazitäten machen Last-Minute-Schnäppchen seltener. Wer zwei bis vier Monate im Voraus bucht und die ersten Schulferienwochen umgeht, zahlt meist deutlich weniger.
  • Rechte kennen: Hohe Preise machen Pannen doppelt ärgerlich. Bei Annullierung oder großer Verspätung stehen dir nach EU-Recht bis zu 600 Euro Entschädigung zu, und auch bei kaputtem Koffer gibt es Geld zurück: Die Details stehen im Artikel zur Entschädigung bei beschädigtem Gepäck.

Für den Sommer 2026 heißt das: Buche eher jetzt als später. Die Steuersenkung ab 1. Juli macht dein Ticket nur um 2,50 bis 11,40 Euro günstiger und wird vom knappen Angebot schnell aufgezehrt. Vergleiche Paketpreise gegen Einzelflüge, prüfe zwei bis drei Abflughäfen und weiche auf Nebentermine aus. Das spart pro Person schnell mehr, als dir jede Steuerreform zurückgibt.

Weiterführende Links

BDLStaatliche Standortkosten im Luftverkehrbdl.aero
Statistisches BundesamtFluggastzahlen 2025destatis.de
BundesregierungSenkung der Luftverkehrsteuer zum 1. Juli 2026bundesregierung.de