Im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot stand sie als Sofortmaßnahme drin. In den Schlagzeilen taucht sie regelmäßig auf. Auf deiner Stromrechnung 2026 wirst du die abgesenkte Stromsteuer trotzdem nicht finden. Die Bundesregierung hat zum 1. Januar 2026 nur das produzierende Gewerbe entlastet. Für Privathaushalte gilt weiter der reguläre Satz von 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Hier liest du, was genau beschlossen ist, wann eine Senkung realistisch wird und welcher Betrag wirklich übrig bleibt, wenn sie kommt.
Stromsteuer heute: Höhe und Anteil am Strompreis
Die Stromsteuer ist eine Verbrauchsteuer des Bundes. Sie wird direkt mit dem verbrauchten Strom abgerechnet und steht als Posten auf der Jahresrechnung deines Versorgers. Für Privathaushalte liegt der reguläre Satz seit 2003 unverändert bei 2,05 Cent pro Kilowattstunde, dazu kommt die Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Auf eine Kilowattstunde Strom zahlst du also rund 2,44 Cent allein für die Stromsteuer inklusive Umsatzsteuer.
Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis lag laut BDEW-Strompreisanalyse im Januar 2026 bei 37,2 Cent pro Kilowattstunde. Steuern, Abgaben und Umlagen machen davon rund 34 Prozent oder 12,61 Cent aus. Die Stromsteuer ist nur ein kleiner Teil davon, der größte Brocken ist die Umsatzsteuer.
| Strompreis-Bestandteil 2026 | ct/kWh | Anteil |
|---|---|---|
| Beschaffung und Vertrieb | 15,20 | 41 % |
| Netzentgelte (Übertragung + Verteilung) | 9,26 | 25 % |
| Umsatzsteuer (19 %) | 5,94 | 16 % |
| Stromsteuer | 2,05 | 5,5 % |
| KWKG-, Offshore- und §19-Umlagen | 4,62 | 12,5 % |
| Gesamt (Durchschnitt Haushalt) | 37,07 | 100 % |
Quelle: BDEW-Strompreisanalyse Januar 2026, Werte gerundet. Die Stromsteuer macht also etwa ein Zwanzigstel deines Strompreises aus. Wer das im Kopf behält, bewertet die ganze Debatte realistischer.

Was im Koalitionsvertrag steht und was bisher beschlossen ist
Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag 2025 darauf verständigt, die Stromsteuer für alle Verbraucher auf den europäischen Mindestsatz zu senken. Für Privathaushalte sind das 0,1 Cent pro Kilowattstunde, für die Industrie 0,05 Cent. Vermarktet wurde das als Sofortmaßnahme zum 1. Januar 2026.
Beschlossen wurde dann nur die Hälfte. Die Änderung des Stromsteuergesetzes für rund 600.000 Unternehmen des produzierenden Gewerbes sowie der Land- und Forstwirtschaft wurde am 22. Dezember 2025 im Bundesgesetzblatt verkündet und ist am 1. Januar 2026 in Kraft getreten. Für Privathaushalte und nicht-produzierende Betriebe blieb der Satz bei 2,05 Cent. Im Koalitionsausschuss stand die pauschale Senkung im Frühjahr 2026 erneut auf der Tagesordnung und wurde wieder vertagt.
Der Grund ist Geld. Eine Senkung allein für Privathaushalte würde den Bundeshaushalt nach Berechnungen aus dem Bundesfinanzministerium mit rund 5,4 Milliarden Euro pro Jahr belasten. Die Industrie-Entlastung kostet bereits etwa drei Milliarden Euro jährlich. Stattdessen hat das Bundesfinanzministerium im Bundeshaushalt 2026 rund 6,5 Milliarden Euro für einen Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten eingeplant. Dadurch sind die Netzentgelte zum 1. Januar 2026 bundesweit im Schnitt um 15,4 Prozent gesunken. Diese Entlastung kommt automatisch über deine Rechnung an, ohne dass du etwas tun musst.
Kanzler Merz hat die Senkung der Stromsteuer für Privathaushalte zwar nicht vom Tisch genommen, eine Umsetzung gilt aber frühestens für 2027 als realistisch. Verbindlich ist davon nichts. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat im April 2026 eine Untersuchung veröffentlicht, in der er der Koalition vorwirft, die zugesagte Entlastung für private Verbraucher aufgeschoben oder ganz fallen gelassen zu haben.
Wie viel du wirklich sparst
Hier kommt der nüchterne Teil. Selbst wenn die Stromsteuer von 2,05 auf den EU-Mindestsatz von 0,1 Cent pro Kilowattstunde fällt, bleibt unterm Strich überschaubar viel übrig. Die Differenz beträgt 1,95 Cent netto je Kilowattstunde. Mit 19 Prozent Mehrwertsteuer landen wir bei 2,32 Cent brutto Ersparnis pro Kilowattstunde.
| Haushaltstyp | Jahresverbrauch | Ersparnis netto | Ersparnis brutto |
|---|---|---|---|
| Single-Haushalt | 1.500 kWh | 29,25 € | 34,80 € |
| Paar ohne Kinder | 2.500 kWh | 48,75 € | 58,00 € |
| 4-Personen-Haushalt | 4.000 kWh | 78,00 € | 92,80 € |
| 4 Personen mit Wärmepumpe | 8.000 kWh | 156,00 € | 185,60 € |
Ein vierköpfiger Haushalt mit dem Standardverbrauch von 4.000 Kilowattstunden würde also etwa 93 Euro pro Jahr sparen, wenn die Stromsteuer wirklich auf das EU-Minimum fällt. Das sind rund 7,70 Euro im Monat. Zum Vergleich: Die Netzentgelt-Senkung zum 1. Januar 2026 hat denselben Haushalt laut Bundesregierung bereits um etwa 172 Euro pro Jahr entlastet, also fast doppelt so viel wie die geplante Stromsteuer-Senkung jemals bringen würde.
Die Ersparnis ist real, aber kein Befreiungsschlag. Wer ernsthaft an seiner Stromrechnung schrauben will, holt mit einem Tarifwechsel meist deutlich mehr heraus. Bei Verbrauchern, die seit Jahren in der Grundversorgung hängen, liegt die Differenz zum günstigsten Anbieter laut Verivox häufig bei 200 bis 400 Euro pro Jahr. Wer flexibel verbrauchen kann, etwa mit Elektroauto oder Wärmepumpe, sollte sich ergänzend ansehen, was ein dynamischer Stromtarif leistet.

Was du jetzt tun kannst
Die politische Entscheidung liegt nicht in deiner Hand, die Höhe deiner Stromrechnung schon. Drei Schritte, die sich 2026 lohnen, unabhängig vom Stromsteuer-Theater in Berlin:
1. Tarif vergleichen. Auf den großen Vergleichsportalen Verivox, Check24 oder dem unabhängigen Rechner der Verbraucherzentrale findest du in fünf Minuten heraus, wie viel dein aktueller Tarif kostet im Vergleich zum günstigsten Angebot in deiner Region. Achte auf 12 Monate Preisgarantie, monatliche Kündbarkeit nach der Erstlaufzeit und keine Vorkassezahlung. Boni bis 200 Euro sind 2026 üblich, Wechselgebühren fallen nicht an.
2. Abschlag prüfen. Viele Versorger haben die Abschläge 2024 und 2025 stark erhöht und nach den Preissenkungen nicht angepasst. Vergleiche deinen Monatsabschlag mit dem tatsächlichen Verbrauch der letzten Jahresrechnung. Ist der Abschlag zu hoch, kannst du ihn formlos per Mail anpassen lassen. Das spart keine Energie, aber es lässt das Geld auf deinem Konto, statt es als zinsloses Guthaben beim Versorger zu parken.
3. Verbrauch unter die Lupe nehmen. Standby-Verbrauch, alte Kühlgeräte und ineffiziente Beleuchtung machen in vielen Haushalten 10 bis 20 Prozent des Stromverbrauchs aus. Eine Steckdosen-Messung kostet wenig und zeigt schnell, wo du Geld verheizt. Wer eine Heizungsabrechnung in der Tasche hat, sollte parallel auch seine Heizkostenabrechnung 2026 prüfen, denn dort liegen meist deutlich größere Hebel als bei der Stromsteuer.
Bleibt die Frage, wann es soweit ist. Eine pauschale Stromsteuer-Senkung für Privathaushalte ist 2026 vom Tisch und auch im aktuellen Bundeshaushalt für 2027 nicht eingeplant. Realistisch ist eine Umsetzung frühestens mit dem Haushalt 2028, falls die Koalition bis dahin Spielräume findet oder die Mehrheitsverhältnisse das politische Druckpotenzial verschieben. Bis dahin gilt: Auf 2,05 Cent pro Kilowattstunde Stromsteuer rechnen, alle anderen Hebel selbst in die Hand nehmen.