Die deutsche Spargelsaison hat in diesem Jahr früh begonnen. Schon Mitte März lagen die ersten Stangen aus deutschem Anbau in den Verkaufsständen, getrieben durch milde Bodentemperaturen und beheizte Folientunnel. Das Ende der Saison steht trotzdem fest: Am 24. Juni 2026, dem Johannistag, wird das letzte Mal gestochen. Spätestens am Abend dieses Tages, von vielen Anbauern liebevoll "Spargelsilvester" genannt, schließen die Spargelhöfe ihre Felder. Was nach einer kalendarischen Eigenart wirkt, hat einen klaren biologischen Grund. Wir zeigen dir, warum der Stichtag fix ist, wie sich die Saison 2026 entwickelt und worauf du in den letzten Wochen achten solltest.

Warum die Spargelzeit am 24. Juni endet

Der 24. Juni ist im christlichen Kalender der Tag Johannes des Täufers, kurz Johannistag. Für die Landwirtschaft markiert er traditionell das Ende der Spargelernte. Hinter dem Datum steckt keine Folklore, sondern eine biologische Faustregel: die sogenannte 100-Tage-Regel. Spargel ist eine mehrjährige Pflanze. Die Stangen, die du isst, sind die jungen Triebe einer Wurzel, die im Boden bis zu zehn Jahre lang Erträge liefert. Damit die Pflanze überhaupt wieder austreibt, braucht sie nach dem letzten Stich rund 100 frostfreie Tage, um Photosynthese zu betreiben und Reserven für den nächsten Frühling einzulagern.

Rechnet man vom 24. Juni 100 Tage weiter, landet man Anfang Oktober. Bis dahin sollten die grünen Spargelbüsche so weit gewachsen sein, dass die Wurzel ausreichend Energie für den Winter speichern konnte. Wer länger sticht, schwächt die Pflanze und riskiert die Ernte des Folgejahres. Die alte Bauernregel "Stich den Spargel nie nach Johanni" ist also keine Tradition um ihrer selbst willen, sondern handfeste Pflanzenphysiologie.

Lange Reihen aufgehäufter Erddämme prägen die Spargelfelder in Niedersachsen, dem flächenmäßig größten Anbaugebiet Deutschlands
Lange Reihen aufgehäufter Erddämme prägen die Spargelfelder in Niedersachsen, dem flächenmäßig größten Anbaugebiet Deutschlands

In manchen Regionen halten sich Anbauer noch strenger an den Kalender. In Brandenburg, vor allem rund um Beelitz, ist der Stichtag seit Generationen heilig. Hofläden machen am Abend des 24. Juni teils ein kleines Fest daraus, weil die Saison so kurz und intensiv ist, dass ihr Ende Anlass genug ist, sie gebührend zu verabschieden.

Spargelsaison 2026 im Überblick

Die Saison 2026 fällt in eine Phase mit ungewöhnlichen Vorzeichen. Ein eiskalter Winter und ein milder, warmer Frühling haben den Spargel früh aus dem Boden geholt. Schon ab dem 20. März 2026 lagen erste Stangen aus deutschem Anbau in Hofläden und Supermärkten. Zu Saisonbeginn riefen Händler Preise von rund 14 Euro pro Kilogramm für Klasse-I-Ware auf. In der Hauptsaison ab Ende April, kurz vor den Eisheiligen Mitte Mai, pendelten sich die Preise im Bereich von 10 bis 12 Euro ein, in günstigen Wochen waren auch Angebote ab 8 Euro pro Kilo zu finden.

Phase Zeitraum 2026 Verfügbarkeit Preis pro Kilo (Klasse I)
Frühe Saison 20. März bis Mitte April Knapp, beheizte Folientunnel 14 bis 18 Euro
Hauptsaison Mitte April bis Anfang Juni Reichlich, Freilandware 8 bis 12 Euro
Spätsaison Anfang Juni bis 24. Juni Letzte Mengen, Restbestände 7 bis 10 Euro
Saisonende 24. Juni (Johannistag) Letzter Stichtag Räumungspreise
Nach dem 24. Juni ab 25. Juni Nur Importware (Peru, Mexiko) meist über 12 Euro

Wer in den letzten Wochen vor Saisonende kauft, profitiert oft von guten Preisen. Die Anbauer wollen ihre Bestände abräumen, bevor der Stichtag fällt. Gleichzeitig solltest du in dieser Phase besonders auf die Frische achten. Die Stangen sollten quietschen, wenn du sie aneinander reibst, und die Schnittstellen feucht und nicht ausgetrocknet wirken.

Die wichtigsten Anbaugebiete in Deutschland

Spargel wird in fast allen Bundesländern angebaut, aber einige Regionen prägen den Markt besonders stark. Niedersachsen liegt flächenmäßig vorn, gefolgt von Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Jede Region hat ihre eigene Tradition und ein eigenes Geschmacksprofil, das vor allem vom Boden geprägt ist.

Anbaugebiet Bundesland Besonderheit
Beelitz Brandenburg Sandiger Boden, traditionell mildes Aroma, geschützte Herkunftsbezeichnung
Lüneburger Heide Niedersachsen Größte Anbaufläche Deutschlands, früher Saisonstart
Schrobenhausen Bayern Bekannt für besonders weiße, dicke Stangen
Schwetzinger Spargel Baden-Württemberg Erste geschützte regionale Marke seit dem 19. Jahrhundert
Pfalz Rheinland-Pfalz Mildes Klima, oft erste Erntemengen Deutschlands
Walbecker Spargel Nordrhein-Westfalen Traditionsanbau am Niederrhein

Die Herkunft erkennst du in der Regel am Etikett. Bei Beelitzer Spargel ist die Herkunft sogar gesetzlich geschützt. Wenn du regional einkaufen willst, hilft ein Blick auf die Tafel im Hofladen oder die Auszeichnung am Marktstand. Direkt beim Erzeuger oder im Hofladen ist der Spargel meist am Tag der Ernte verfügbar, was bei diesem schnell verderblichen Gemüse einen echten Unterschied macht.

Grüner Spargel hat eine längere Saison

Wenn du dich an den 24. Juni nicht halten willst oder kannst, gibt es eine Alternative: grüner Spargel. Er wächst über der Erde und macht durch Photosynthese seine charakteristische grüne Farbe. Auch er endet am Johannistag, ist aber durch die kürzere Wachstumszeit ohnehin oft länger im Angebot. Importware aus Spanien, Italien und Griechenland ergänzt das Angebot bis weit in den Sommer hinein.

Geschmacklich ist grüner Spargel kräftiger und herzhafter als weißer. Er schmeckt nussiger, hat eine leicht knackige Konsistenz und enthält mehr Chlorophyll, Vitamin C und Folsäure. Beim Schälen reicht es, das untere Drittel der Stange abzuziehen, der Rest bleibt zart genug, um ohne weitere Vorbereitung gegart zu werden.

Frisch gestochener Spargel wartet im Hofladen auf Kunden, die letzten Wochen der Saison sind oft preislich attraktiv
Frisch gestochener Spargel wartet im Hofladen auf Kunden, die letzten Wochen der Saison sind oft preislich attraktiv

Während weißer Spargel je nach Dicke 10 bis 15 Minuten ins Kochwasser muss, reichen bei grünem 5 bis 7 Minuten. Auch in der Pfanne, im Ofen oder auf dem Grill macht grüner Spargel eine bessere Figur als weißer, weil er weniger Wasser zieht und seine Struktur besser hält.

Was Spargel gesundheitlich bringt

Spargel besteht zu rund 93 Prozent aus Wasser und liefert pro 100 Gramm nur etwa 18 Kilokalorien. Das macht ihn zu einem der kalorienärmsten Gemüsen überhaupt. Trotzdem steckt in den Stangen einiges an Wirkstoffen, das ihn weit über den Geschmack hinaus interessant macht.

Inhaltsstoff Menge pro 100 g Wirkung
Wasser rund 93 g Hydrierend
Kalium etwa 205 mg Harntreibend, blutdruckregulierend
Folsäure rund 108 µg Wichtig für Zellteilung und Blutbildung
Asparaginsäure mehrere mg Diuretische Wirkung, "Spargelaroma" im Urin
Vitamin C rund 20 mg Immunsystem, Zellschutz
Saponine Spuren Antioxidative Eigenschaften

Die bekannte harntreibende Wirkung kommt vor allem von der Asparaginsäure und dem hohen Kaliumgehalt. Beide regen die Nieren an und unterstützen die Entwässerung. Für gesunde Menschen ist das eher ein Vorteil. Wer allerdings unter Gicht leidet, sollte vorsichtig sein. Spargel enthält Purine, die im Körper zu Harnsäure abgebaut werden und einen Gichtanfall begünstigen können.

Folsäure macht Spargel besonders für Schwangere interessant, weil das B-Vitamin in der frühen Schwangerschaft entscheidend für die Entwicklung des Nervensystems beim Embryo ist. Die kurze Saison sorgt dabei für einen natürlichen Frischebonus. Im April und Mai ist Folsäuregehalt tendenziell höher als bei lange gelagerter oder weit transportierter Importware.

So lagerst du Spargel in den letzten Saisonwochen

In den letzten Wochen vor dem 24. Juni greifen viele zu, um die Saison maximal auszunutzen. Damit Spargel nicht zwischen Einkauf und Topf an Qualität verliert, hilft die richtige Lagerung. Frisch gestochener Spargel hält sich nur wenige Tage, bevor er holzig wird oder seinen Geschmack verliert.

Weißen Spargel wickelst du am besten in ein feuchtes Geschirrtuch und legst ihn ins Gemüsefach. So bleibt er drei bis vier Tage frisch. Grüner Spargel mag es ähnlich wie Schnittblumen: stell ihn aufrecht in ein Glas mit etwas Wasser, locker mit Folie abgedeckt. Auch er hält dann etwa drei Tage. Längeres Lagern lohnt selten, weil der Zucker in der Stange schnell abgebaut wird und das Aroma leidet.

Wer Spargel über die Saison hinaus genießen will, kann ihn einfrieren. Roh, ungeschält oder geschält, je nach Vorliebe. Er hält im Tiefkühler bis zu acht Monate und sollte nicht aufgetaut, sondern direkt in das kochende Wasser gegeben werden. So bleibt seine Konsistenz weitgehend erhalten.

Tipps für den Einkauf in den letzten Saisonwochen

Je näher der 24. Juni rückt, desto wichtiger wird der Frischecheck. Ein paar Hinweise helfen dir, gute Stangen zu erkennen.

Hofläden bieten am letzten Wochenende vor dem 24. Juni häufig Sonderpreise. Lohnenswert sind auch geschnittene oder gebrochene Stangen, sie kosten weniger und eignen sich perfekt für Suppen, Quiche oder Risotto. Die optische Klasse spielt im Topf keine Rolle, der Geschmack ist identisch.

Fazit: 24. Juni ist und bleibt der Stichtag

Auch wenn die Saison 2026 früh begonnen hat und die Verfügbarkeit über Wochen hinweg gut war: Der 24. Juni setzt eine harte Zäsur. Spätestens am Abend des Johannistags endet die Ernte in ganz Deutschland, und das aus gutem Grund. Die 100-Tage-Regel sichert die Pflanze für das nächste Jahr und damit auch deinen Spargel im Frühling 2027. Wer die Saison auskosten will, sollte die letzten Wochen aktiv nutzen, sich an Hofläden und Wochenmärkten orientieren und auf Frische achten. Importware aus Peru oder Mexiko ist auch nach dem Stichtag verfügbar, aber selten ein gleichwertiger Ersatz für den heimischen Stangenspargel. Wenn dir die kurze Saison zu kurz ist, hilft nur das Tiefkühlfach oder ein Termin im Kalender, der dich an den 20. März 2027 erinnert, wenn die nächste Spargelzeit beginnt.

Weiterführende Links

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährungbzfe.de →Spargel
BMELbmel.de →Saisonkalender Obst und Gemüse
Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauervsse.de →