Sonnenstich und Hitzschlag klingen ähnlich, sind aber zwei verschiedene Dinge. Der wichtigste Unterschied überrascht viele: Ein Sonnenstich zeigt sich oft erst Stunden später, abends oder nachts, wenn du längst aus der Sonne raus bist. Dein Körper bleibt dabei relativ kühl. Nur der Kopf glüht, weil die Sonne die Hirnhäute direkt reizt. Ein Hitzschlag dagegen überhitzt den ganzen Körper auf über 40 Grad, die Wärmeregulierung bricht zusammen, und es wird lebensbedrohlich. Hier zählt jede Minute, hier wählst du sofort die 112. Beide Bilder gehören zu den Hitzefolgekrankheiten, doch nur eines davon ist ein echter Notfall. Hier erfährst du, wie du sie auseinanderhältst und woran du den gefährlichen Fall erkennst.

Sonnenstich: nur der Kopf ist betroffen

Ein Sonnenstich entsteht, wenn die Sonne lange und direkt auf deinen ungeschützten Kopf oder Nacken brennt. Die Wärme und die UV-Strahlung reizen die Hirnhäute, also die Schutzschichten um dein Gehirn. Der Körper reagiert mit einer Art Reizung, die Blutgefäße im Kopf weiten sich, und es kommt zu Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit.

Typisch ist ein hochroter, heißer Kopf bei ansonsten normaler Körpertemperatur. Genau das ist der Knackpunkt: Beim Sonnenstich misst du am Körper meist kein Fieber. Die Hitze sitzt lokal im Kopf, nicht im ganzen Organismus. Dazu kommt oft ein steifer Nacken, manchmal Ohrgeräusche oder Erbrechen.

Besonders gefährdet sind Säuglinge und kleine Kinder. Ihre Schädeldecke ist dünner, die Haare schützen weniger, und die Sonne erreicht die Hirnhäute leichter. Ein Hut oder ein Tuch im Nacken ist deshalb kein Modeaccessoire, sondern echter Schutz.

Warum der Sonnenstich erst abends kommt

Das vielleicht Verwirrendste am Sonnenstich: Die Beschwerden treten oft mit Verzögerung auf. Du warst mittags am See, fühlst dich gut, und erst am Abend oder in der Nacht setzen Kopfschmerzen und Übelkeit ein. Der Grund liegt im Mechanismus. Die thermische Belastung der Hirnhäute entwickelt sich schleichend, die Reizung baut sich langsam auf.

Genau darin liegt die Gefahr für die Einschätzung. Weil der Auslöser, die pralle Sonne, längst weg ist, denken viele gar nicht an einen Sonnenstich. Wenn du an einem heißen Tag stundenlang draußen warst und abends dein Kopf pocht, lohnt sich der Gedanke an einen Sonnenstich.

In den meisten Fällen klingt ein Sonnenstich nach einigen Stunden bis ein, zwei Tagen von selbst ab, sofern du dich schonst und kühlst. Halten die Beschwerden länger an, gehörst du in eine Arztpraxis.

Bei einem Sonnenstich helfen Schatten und ein kühles, feuchtes Tuch auf Kopf und Nacken sowie zimmerwarmes Wasser statt eiskalter Getränke.
Bei einem Sonnenstich helfen Schatten und ein kühles, feuchtes Tuch auf Kopf und Nacken sowie zimmerwarmes Wasser statt eiskalter Getränke.

Hitzschlag: der ganze Körper überhitzt

Beim Hitzschlag ist alles eine Nummer größer und ernster. Hier versagt die Wärmeregulierung des ganzen Körpers. Normalerweise schwitzt du, um Wärme abzugeben. Bei extremer Hitze oder starker Anstrengung schafft der Körper das irgendwann nicht mehr. Die Wärme staut sich, die Kerntemperatur klettert nach oben.

Laut der medizinischen Standardquelle AMBOSS spricht man von einem Hitzschlag, wenn die Körperkerntemperatur über 40 Grad Celsius steigt und die Thermoregulation versagt. Ab dieser Schwelle nehmen Enzyme und Zellmembranen Schaden, im schlimmsten Fall droht ein Versagen mehrerer Organe. Ein klassisches Warnzeichen ist heiße, oft trockene Haut, weil das Schwitzen aufhören kann. Dazu kommen Verwirrtheit, Taumeln, schneller Puls und im weiteren Verlauf Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit.

Mediziner unterscheiden zwei Formen. Der klassische Hitzschlag trifft vor allem Säuglinge, kleine Kinder und ältere oder chronisch kranke Menschen, oft an heißen Tagen ohne große Anstrengung, etwa in einer aufgeheizten Wohnung. Der anstrengungsbedingte Hitzschlag erwischt eher junge, gesunde Erwachsene: Sportler, Bauarbeiter, Soldaten, die sich bei Hitze stark belasten. In beiden Fällen gilt das Gleiche: Es ist ein Notfall.

Sonnenstich oder Hitzschlag: die Unterschiede auf einen Blick

Die folgende Tabelle stellt die beiden Hitzefolgekrankheiten direkt gegenüber. Der wichtigste Unterschied steckt in der letzten Zeile.

Merkmal Sonnenstich Hitzschlag
Ursache Direkte Sonne auf Kopf und Nacken, Reizung der Hirnhäute Überhitzung des ganzen Körpers, Wärmestau, Anstrengung
Körpertemperatur Meist normal, nur der Kopf ist heiß Stark erhöht, über 40 Grad Celsius
Haut Hochroter, heißer Kopf, restlicher Körper unauffällig Heiße, oft trockene Haut am ganzen Körper
Typische Symptome Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, steifer Nacken Verwirrtheit, Taumeln, schneller Puls, Bewusstlosigkeit
Zeitpunkt Oft verzögert, erst abends oder nachts Akut, während oder kurz nach der Hitzebelastung
Notfall? Meist nein, Selbsthilfe reicht oft Ja, immer sofort 112 wählen

Eine grobe Eselsbrücke: Sonnenstich gleich Kopfsache, Hitzschlag gleich Ganzkörper-Notfall. Wenn jemand bei Hitze wirr wird, taumelt oder das Bewusstsein verliert, ist die Frage nach dem genauen Namen zweitrangig. Dann zählt nur noch schnelles Handeln.

So viele Menschen sterben jährlich an Hitze

Hitze ist in Deutschland kein Randthema, sondern ein echtes Gesundheitsrisiko. Laut dem Robert Koch-Institut starben in den Jahren 2020 sowie 2022 bis 2024 jeweils etwa 3.000 und mehr Menschen hitzebedingt. In den besonders heißen Sommern 2018 und 2019 lag die Schätzung sogar bei jeweils über 7.000 Hitzetoten. Das RKI veröffentlicht in den Sommermonaten wöchentliche Berichte zur hitzebedingten Sterblichkeit.

Die meisten dieser Todesfälle sind keine spektakulären Zusammenbrüche in der prallen Sonne. Oft trifft es ältere oder vorerkrankte Menschen, bei denen die Hitze ein schwaches Herz-Kreislauf-System, die Atemwege oder die Nieren über die Belastungsgrenze bringt. Das Bundesgesundheitsministerium führt unter dem Stichwort Gesundheitsrisiko Hitze deshalb Hitzeschutzpläne, die genau diese Gruppen erreichen sollen.

Für dich heißt das: Sonnenstich und Hitzschlag sind die sichtbaren Spitzen eines größeren Problems. Wer die Warnzeichen kennt und früh reagiert, schützt nicht nur sich selbst, sondern kann auch bei Angehörigen rechtzeitig eingreifen.

Laut RKI starben in Deutschland 2020 und 2022 bis 2024 jeweils etwa 3.000 und mehr Menschen hitzebedingt, in den Hitzesommern 2018 und 2019 sogar über 7.000.
Laut RKI starben in Deutschland 2020 und 2022 bis 2024 jeweils etwa 3.000 und mehr Menschen hitzebedingt, in den Hitzesommern 2018 und 2019 sogar über 7.000.

Erste Hilfe: was du sofort tun solltest

Beim Verdacht auf einen Sonnenstich gehst oder bringst du die betroffene Person als Erstes in den Schatten oder in einen kühlen Raum. Der Oberkörper wird leicht erhöht gelagert. Kühle Kopf und Nacken mit feuchten Tüchern, niemals eiskalt, sondern angenehm kühl. Zu trinken gibt es zimmerwarmes Wasser ohne Kohlensäure, keine eiskalten oder stark gezuckerten Getränke. Dann heißt es ausruhen und beobachten.

Beim Hitzschlag gilt dieselbe Kühlung, aber parallel rufst du sofort den Notruf unter 112. Bis der Rettungsdienst kommt, kühlst du den ganzen Körper, etwa mit feuchten Tüchern an Hals, Achseln und Leisten, und hältst die Person im Liegen. Ist sie bewusstlos, atmet aber, kommt sie in die stabile Seitenlage.

Die folgende Tabelle zeigt die Sofortmaßnahmen im Vergleich:

Schritt Sonnenstich Hitzschlag
112 rufen Nur bei Warnzeichen (siehe unten) Immer, sofort
Lagerung Schatten, Oberkörper leicht erhöht Schatten oder kühl, flach, Beine hoch
Kühlen Kopf und Nacken mit feuchten Tüchern Ganzer Körper, Hals, Achseln, Leisten
Trinken Zimmerwarmes Wasser, wenn die Person klar ist Nur wenn voll bei Bewusstsein, sonst nichts
Beobachten Auf Verschlechterung achten Bis der Rettungsdienst da ist

Eines solltest du dir merken: Auch ein Sonnenstich kann kippen. Wähle die 112, sobald eine Bewusstseinstrübung, wiederholtes Erbrechen, Krämpfe, ein steifer Nacken oder hohes Fieber dazukommen. Das können Zeichen einer ernsten Reizung sein, die in die Klinik gehört.

Vorbeugen ist einfacher als behandeln

Am besten lässt du es gar nicht so weit kommen. Trag bei starker Sonne eine Kopfbedeckung, die auch den Nacken schützt. Meide die pralle Mittagssonne zwischen etwa 11 und 16 Uhr, gerade mit Kindern. Trink über den Tag verteilt genug, idealerweise Wasser, und nicht erst, wenn der Durst da ist. Mach Pausen im Schatten, statt stundenlang in der Hitze durchzupowern. Halte Wohnräume mit Lüften in den kühlen Morgenstunden und geschlossenen Rollläden tagsüber so kühl wie möglich. Behalte ältere Angehörige im Blick, denn gerade sie spüren Durst und Überhitzung oft zu spät. Wer bei Hitze regelmäßig Medikamente nimmt, sollte zudem wissen, dass manche Mittel das Risiko erhöhen. Welche das sind, liest du im Beitrag dazu, welche Medikamente bei Hitze gefährlich sind. Und falls du dich fragst, ob deine Sonnencreme im Schrank überhaupt noch wirkt: wann Sonnencreme abläuft, klären wir an anderer Stelle. So sparst du dir im besten Fall den Notruf ganz.

Weiterführende Links

RKIWochenbericht zur hitzebedingten Mortalitätrki.de
BundesgesundheitsministeriumGesundheitsrisiko Hitzebundesgesundheitsministerium.de
AMBOSSHitzschlag und Sonnenstichamboss.com