Mariä Himmelfahrt am 15. August ist nur in zwei Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag: im Saarland flächendeckend und in Bayern in 1.708 von 2.056 Gemeinden. In den übrigen 14 Bundesländern ist der Tag ein normaler Werktag. Das Kuriose an der bayerischen Regelung: Ob du frei hast, entscheidet die Zensus-Statistik, gemeindegenau. München feiert, Nürnberg arbeitet, und nach dem Zensus 2022 wechselten acht Gemeinden sogar den Status. 2026 fällt der 15. August zudem auf einen Samstag, einen zusätzlichen freien Arbeitstag bringt der Feiertag also den meisten nicht.
Saarland komplett, Bayern gemeindegenau: die Übersicht
Das Saarland ist das einzige Bundesland, in dem Mariä Himmelfahrt überall gilt. Der Tag steht dort seit 1976 im Feiertagsgesetz und ist einer von zwölf gesetzlichen Feiertagen des Landes. In Bayern dagegen gilt der Feiertag nur in Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung. Die Folge ist eine Landkarte mit Feiertagsgrenzen, die mitten durch Landkreise und Ballungsräume verlaufen.
| Region | Status am 15. August | Arbeit | Schule | Läden |
|---|---|---|---|---|
| Saarland | Gesetzlicher Feiertag | Frei | Frei | Geschlossen |
| Bayern: 1.708 katholisch geprägte Gemeinden (z. B. München, Augsburg) | Gesetzlicher Feiertag | Frei | Sommerferien | Geschlossen |
| Bayern: 348 evangelisch geprägte Gemeinden (z. B. Nürnberg, Fürth) | Kein Feiertag, aber geschützter kirchlicher Tag | Arbeitstag | Sommerferien | Geöffnet |
| Übrige 14 Bundesländer | Normaler Werktag | Arbeitstag | Je nach Ferien | Geöffnet |
Der Zensus entscheidet: 1.708 von 2.056 Gemeinden
Das bayerische Feiertagsgesetz macht Mariä Himmelfahrt zum Feiertag „in Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung“. Überwiegend katholisch heißt dabei nicht, dass die Mehrheit aller Einwohner katholisch sein muss. Verglichen werden allein die Mitgliederzahlen der katholischen und der evangelischen Kirche. Eine Gemeinde, in der die meisten Menschen konfessionslos sind, hat den Feiertag trotzdem, solange dort mehr Katholiken als Protestanten mit Hauptwohnsitz gemeldet sind.
Festgestellt wird das vom Bayerischen Landesamt für Statistik, und zwar auf Basis des jeweils aktuellen Zensus. Seit dem 15. August 2025 gelten die Ergebnisse des Zensus 2022: In 1.708 der 2.056 bayerischen Gemeinden ist der Tag ein gesetzlicher Feiertag, in 348 nicht. Vorher, auf Grundlage des Zensus 2011, waren es 1.704 Gemeinden. Acht Gemeinden wechselten durch die neuen Zahlen den Status: Baiersdorf, Weisendorf, Marktrodach, Schwebheim, Memmingerberg und Oettingen in Bayern bekamen den Feiertag neu dazu, Marktschorgast und Seßlach in Oberfranken verloren ihn.
Regional ist das Muster klar verteilt: In Oberbayern und Niederbayern gilt der Feiertag in ausnahmslos allen Gemeinden. Im evangelisch geprägten Mittelfranken haben dagegen nur 19 Prozent der Gemeinden frei, in Oberfranken knapp 46 Prozent. Eine amtlich vermessene Landkarten-Kuriosität, wie sie sonst höchstens die Frage liefert, wo der Mittelpunkt Deutschlands liegt.
Kräuterbuschen und Würzweihe: das Brauchtum am 15. August
Gefeiert wird an Mariä Himmelfahrt die Aufnahme Marias in den Himmel, eines der ältesten Marienfeste der Kirche. Sichtbarstes Brauchtum ist die Kräuterweihe, die seit etwa dem 10. Jahrhundert belegt ist: Vor dem Gottesdienst werden Kräuterbuschen gebunden, aus mindestens sieben Kräutern, verbreitet sind 9, 12, 15 oder 19, mancherorts bis zu 77 oder 99 Sorten. In der Mitte steckt traditionell eine Königskerze, auch Wetterkerze genannt, dazu kommen Johanniskraut, Schafgarbe, Kamille, Wermut und Getreideähren. Nach der Weihe hängt der Buschen im Haus, früher auch im Stall, und soll vor Krankheit und Unwetter schützen. Mit dem 15. August beginnt zudem der „Frauendreißiger“, rund 30 Tage, in denen Heilkräutern besondere Kraft nachgesagt wird. Wie lebendig solche Traditionen in Bayern sind, zeigt auch der Blick darauf, wo der Pfingstochse heute noch geschmückt wird.

München feiert, Nürnberg arbeitet: die Großstädte im Vergleich
Innerhalb Bayerns sorgt die Gemeinde-Regel für harte Kontraste auf engem Raum. Wer in München, Augsburg, Regensburg oder Würzburg arbeitet, hat am 15. August frei. In Nürnberg, Fürth, Erlangen und Bayreuth ist ein ganz normaler Arbeitstag, die Geschäfte sind geöffnet.
| Stadt | Feiertag am 15. August |
|---|---|
| München | Ja |
| Augsburg | Ja (zusätzlich Friedensfest am 8. August) |
| Regensburg | Ja |
| Würzburg | Ja |
| Ingolstadt | Ja |
| Nürnberg | Nein |
| Fürth | Nein |
| Erlangen | Nein |
| Bayreuth | Nein |
Augsburg ist dabei ein doppelter Sonderfall. Die Stadt feiert eine Woche vor Mariä Himmelfahrt das Hohe Friedensfest am 8. August, seit 1950 gesetzlicher Feiertag und der einzige in Deutschland, der nur in einer einzigen Stadt gilt. Das Fest geht auf das Jahr 1650 zurück, als die Augsburger Protestanten an die Unterdrückung ihres Glaubens im Dreißigjährigen Krieg erinnerten, heute wird es als stadtweites Friedensfest aller Religionen begangen. Mit dem Friedensfest kommt Augsburg auf 14 gesetzliche Feiertage, mehr als jede andere Stadt in Deutschland: die zwölf bayernweiten Feiertage plus Mariä Himmelfahrt plus Friedensfest.
Arbeitsort schlägt Wohnort: was für Pendler und Läden gilt
Für Beschäftigte zählt das Territorialprinzip: Maßgeblich ist, wo du tatsächlich arbeitest, nicht wo du wohnst. Wer in Nürnberg wohnt und in München arbeitet, hat am 15. August frei. Umgekehrt gilt das Gleiche: Wohnst du in München und pendelst nach Fürth, musst du arbeiten, obwohl vor deiner Haustür Feiertag ist. Bei Außendienst und Montage entscheidet der konkrete Einsatzort am jeweiligen Tag.
Selbst in Gemeinden ohne Feiertag ist der 15. August in Bayern nicht völlig schutzlos: Das Feiertagsgesetz erlaubt katholischen Beschäftigten dort, für den Besuch des Gottesdienstes der Arbeit fernzubleiben, sofern keine zwingenden betrieblichen Gründe entgegenstehen. Mehr als der anteilige Lohnausfall darf ihnen daraus nicht entstehen, und rund um Kirchen gilt vormittags ein Lärmschutz.
Für Schüler ist die Frage in Bayern theoretisch, denn der 15. August liegt dort immer in den Sommerferien, 2026 dauern sie vom 3. August bis zum 14. September. Bei den Läden gilt die einfache Regel: Wo Feiertag ist, bleibt geschlossen, abgesehen von Tankstellen, Bahnhofsshops und Apothekennotdienst. In Nürnberg kannst du am 15. August also normal einkaufen, im 170 Kilometer entfernten München nicht.
2026 fällt der Feiertag auf einen Samstag
Wer 2026 auf ein verlängertes Wochenende hofft, wird enttäuscht: Der 15. August 2026 ist ein Samstag. Einen Ersatz- oder Nachholtag kennt das deutsche Feiertagsrecht nicht, der freie Tag verpufft für alle, die ohnehin nicht samstags arbeiten. 2027 wird es mit einem Sonntag noch ungünstiger. Richtig lohnend wird der Feiertag erst wieder 2028.

| Jahr | Wochentag 15. August | Bedeutung für Beschäftigte |
|---|---|---|
| 2026 | Samstag | Kein zusätzlicher freier Arbeitstag |
| 2027 | Sonntag | Kein zusätzlicher freier Arbeitstag |
| 2028 | Dienstag | Freier Tag, Montag als Brückentag: 4 Tage frei für 1 Urlaubstag |
| 2029 | Mittwoch | Freier Tag mitten in der Woche |
| 2030 | Donnerstag | Freier Tag, Freitag als Brückentag: 4 Tage frei für 1 Urlaubstag |
So findest du heraus, ob du frei hast
Erster Schritt: Kläre deinen Arbeitsort, nicht deinen Wohnort. Liegt er im Saarland, hast du am 15. August frei, sofern er nicht auf ein Wochenende fällt. Liegt er in Bayern, prüfst du die konkrete Gemeinde: Das Bayerische Landesamt für Statistik veröffentlicht ein amtliches Verzeichnis aller 2.056 Gemeinden mit ihrem Feiertagsstatus, abrufbar auf statistik.bayern.de. Verlasse dich nicht auf den Landkreis: Die Grenze kann zwischen zwei Nachbargemeinden verlaufen.
In allen anderen Bundesländern ist der 15. August ein normaler Arbeitstag, egal wie katholisch deine Region ist. Bei Unklarheiten, etwa bei wechselnden Einsatzorten, hilft ein Blick in den Arbeitsvertrag oder die Nachfrage in der Personalabteilung. Und für die Urlaubsplanung lohnt ein Vermerk im Kalender: Der nächste 15. August, der einen echten freien Arbeitstag bringt, kommt 2028 an einem Dienstag, mit dem Montag davor als idealem Brückentag.