Seit Februar 2026 gelten 185 Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland offiziell als FSME-Risikogebiet. Das Robert Koch-Institut hat die neue Karte im Epidemiologischen Bulletin 9/2026 veröffentlicht und zwei Gebiete ergänzt: den Landkreis Nordsachsen und den Stadtkreis Halle an der Saale. Damit ist fast jeder zweite Kreis in Deutschland betroffen. 2025 wurden 693 FSME-Fälle gemeldet, die dritthöchste Zahl seit Beginn der Erfassung 2001. Hier liest du, wo die Zecken tatsächlich gefährlich werden, wie sich die Risikokarte verändert hat und wann eine Impfung für dich sinnvoll ist.

Die FSME-Karte 2026 im Überblick

Die Risikogebiete konzentrieren sich auf Süd- und Mitteldeutschland. Baden-Württemberg und Bayern bilden zusammen den Kern der FSME-Zone und umfassen rund 136 der 185 Risikokreise. Dazu kommen Südhessen, das südöstliche Thüringen, große Teile Sachsens, das südöstliche Brandenburg und Teile von Sachsen-Anhalt. Einzelne Gebiete liegen in Mittelhessen, im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Bundesland Risikogebiete 2026 Anteil aller Kreise
Bayern 92 100 Prozent der Kreise betroffen
Baden-Württemberg 44 100 Prozent der Kreise betroffen
Thüringen 14 Großteil Süd- und Ostthüringen
Hessen 12 Schwerpunkt Süd- und Mittelhessen
Sachsen 10 Neu: Landkreis Nordsachsen
Sachsen-Anhalt 5 Neu: Stadtkreis Halle (Saale)
Niedersachsen 3 Einzelkreise im Süden
Rheinland-Pfalz 2 Birkenfeld, Südwestpfalz
Saarland 1 Saar-Pfalz-Kreis
Brandenburg 1 Oder-Spree
Nordrhein-Westfalen 1 Solingen

Die beiden neuen Risikogebiete sind keine Überraschung. Der Landkreis Nordsachsen grenzt an bereits bestehende Risikogebiete in Sachsen und Sachsen-Anhalt. In Halle wurden in den vergangenen Jahren wiederholt FSME-Fälle registriert, die statistische Schwelle von einer Erkrankung pro 100.000 Einwohner über fünf Jahre ist damit überschritten. Baden-Württemberg meldete 2025 allein 258 FSME-Fälle, Bayern folgte mit rund 200 Erkrankungen. Zusammen stehen beide Bundesländer für etwa 80 Prozent aller registrierten Fälle.

Wie sich die Zecken-Verbreitung verändert

Seit Einführung der Meldepflicht 2001 haben sich die FSME-Risikogebiete kontinuierlich nach Norden und Osten ausgedehnt. 2007 waren es noch 129 Kreise, inzwischen sind es 185. Besonders auffällig: In Sachsen, Berlin, Thüringen und Sachsen-Anhalt wurden 2025 die höchsten Fallzahlen seit Beginn der Dokumentation registriert. Die Verschiebung hat mehrere Gründe.

Die Winter werden milder, Zecken überleben länger und werden früher im Jahr aktiv. 2026 wurden bereits im Februar erste Zeckenaktivitäten im bayerischen Voralpenraum dokumentiert. Normal ist ein Saisonstart ab März. Der Gemeine Holzbock, die in Deutschland häufigste Zeckenart, wird bei Temperaturen ab sieben Grad aktiv. Solche Werte treten in den meisten Regionen inzwischen ganzjährig vereinzelt auf. Auch die Auwaldzecke breitet sich aus und überträgt zusätzlich Babesiose.

Die FSME-Risikogebiete in Deutschland haben sich seit 2007 von 129 auf 185 Landkreise ausgeweitet
Die FSME-Risikogebiete in Deutschland haben sich seit 2007 von 129 auf 185 Landkreise ausgeweitet

Dazu kommt die Zunahme der Wirtstiere. Rehe, Wildschweine und Kleinsäuger wie Mäuse sorgen für einen stabilen Entwicklungszyklus der Zecken. Die Tiere wandern in neue Gebiete ein, weil sich Lebensräume verändern. In Stadtparks, Gärten und Friedhöfen lassen sich mittlerweile die gleichen Zeckendichten nachweisen wie in klassischen Waldgebieten.

Das Risiko einer FSME-Infektion bei einem Zeckenstich in einem Risikogebiet liegt allerdings nur bei rund 1 zu 150. Nicht jede Zecke trägt das Virus. Je nach Region tragen zwischen 0,1 und 5 Prozent der Zecken das FSME-Virus in sich. In Hochrisikogebieten wie dem Bayerischen Wald oder dem Schwarzwald liegt der Wert am oberen Ende. Trotzdem gilt: Wer viel Zeit in der Natur verbringt, kommt in der Saison leicht auf mehrere Stiche pro Jahr.

Wer sich impfen lassen sollte

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung für alle Menschen, die sich in Risikogebieten häufig in der Natur aufhalten. Dazu zählen Wanderer, Camper, Radfahrer, Gartenbesitzer, Jäger, Förster, Landwirte und Kinder, die draußen spielen. 2025 war eine Tatsache besonders alarmierend: 98 Prozent der gemeldeten FSME-Erkrankten waren nicht oder nur unzureichend geimpft.

Die Grundimmunisierung besteht aus drei Impfungen. Die erste und zweite Dosis liegen ein bis drei Monate auseinander, die dritte folgt fünf bis zwölf Monate später. Nach der zweiten Impfung besteht bereits ein Schutz von rund 90 Prozent für die laufende Saison. Auffrischungen sind alle drei bis fünf Jahre nötig, ab 60 Jahren sogar alle drei Jahre, weil die Immunantwort im Alter nachlässt.

Altersgruppe Auffrischung Besonderheit
Kinder 1 bis 11 Jahre alle 3 bis 5 Jahre Kinderimpfstoff nötig
Jugendliche 12 bis 17 alle 5 Jahre Erwachsenenimpfstoff
Erwachsene 18 bis 59 alle 5 Jahre Standardintervall
Erwachsene ab 60 alle 3 Jahre Schwerere Verläufe häufiger

Die Impfquoten in Risikogebieten sind ernüchternd. In Bayern sind nur 22,6 Prozent der Bevölkerung ausreichend geimpft, in Baden-Württemberg 17,2 Prozent, in Thüringen immerhin 27,6 Prozent. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten der Impfung komplett, wenn du in einem Risikogebiet wohnst oder dorthin reist. Eine Einzeldosis kostet ohne Erstattung etwa 35 bis 45 Euro, also rund 120 Euro für die vollständige Grundimmunisierung.

Bei etwa einem von hundert FSME-Erkrankten verläuft die Infektion tödlich. Rund 30 bis 50 Prozent entwickeln nach der ersten fieberhaften Phase eine Hirn- oder Hirnhautentzündung mit möglichen neurologischen Spätfolgen: Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen oder anhaltende Konzentrationsprobleme. Eine Behandlung gegen das Virus selbst gibt es nicht. Ärzte können nur die Symptome lindern.

Was du bei einem Zeckenstich tun musst

Zecken sitzen nicht auf Bäumen, sondern an Grashalmen, Farnen und niedrigen Büschen bis etwa anderthalb Meter Höhe. Sie warten dort, bis ein Tier oder Mensch vorbeistreift. Geschlossene Kleidung, Socken über die Hose gezogen und helle Stoffe erschweren ihnen den Zugang zur Haut. Nach jedem Aufenthalt in Wald oder Wiese lohnt ein Zeckencheck, besonders an Kniekehlen, Leisten, Achseln, Nacken und Kopfhaut. Kinder unter sechs Jahren werden besonders oft am Kopf gestochen.

98 Prozent der FSME-Erkrankten 2025 waren nicht oder nur unzureichend geimpft
98 Prozent der FSME-Erkrankten 2025 waren nicht oder nur unzureichend geimpft

Eine festgesaugte Zecke musst du schnell entfernen. Nutze dafür eine spitze Pinzette oder eine Zeckenkarte. Fasse das Tier hautnah, also so nah wie möglich am Stichkanal. Ziehe es dann langsam und gerade heraus, ohne zu drehen oder zu quetschen. Hausmittel wie Öl, Alkohol oder Nagellack sind gefährlich, weil die gestresste Zecke dann vermehrt Speichel und damit Erreger abgibt. Das FSME-Virus wird allerdings sofort beim Stich übertragen, unabhängig davon, wie lange die Zecke saugt. Anders als bei Borreliose, wo die Übertragung erst nach Stunden beginnt.

Beobachte die Einstichstelle in den folgenden Wochen. Eine Wanderröte, die sich ringförmig um den Stich ausbreitet, ist ein typisches Zeichen für Borreliose und gehört sofort in ärztliche Behandlung. FSME macht sich zwei bis 28 Tage nach dem Stich mit grippeähnlichen Symptomen bemerkbar: Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen. Bei rund einem Drittel der Infizierten folgt nach einem beschwerdefreien Intervall eine zweite Phase mit hohem Fieber, starken Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit und neurologischen Ausfällen. Spätestens dann gehört der Verdachtsfall in eine Klinik.

Wenn du in einem Risikogebiet wohnst oder dort Urlaub machst, prüfe deinen Impfstatus jetzt im Frühjahr. Die Zeckensaison hat 2026 durch den milden Winter deutlich früher begonnen, die ersten Fälle wurden bereits im Januar dokumentiert. Wer ungeimpft ist, sollte zumindest bei Wald- und Wiesenbesuchen lange Kleidung und ein Repellent mit dem Wirkstoff Icaridin oder DEET nutzen. Und nach jedem Aufenthalt gründlich absuchen. Eine festsitzende Zecke, die du innerhalb weniger Minuten entfernst, verhindert keine FSME, wohl aber die meisten anderen Zeckenkrankheiten.

Weiterführende Links

Robert Koch-Institutrki.de →FSME-Risikogebiete und Epidemiologisches Bulletin 9/2026
Deutsches Ärzteblattaerzteblatt.de →Deutschland hat nun 185 FSME-Risikogebiete
ADACadac.de →FSME Symptome, Risikogebiete und Impfung