Jeden Tag werden in Deutschland rund 15.000 Blutkonserven benötigt. Für Operationen, Krebstherapien und Notfälle. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Spender seit Jahren. Wer helfen möchte, steht oft vor einer simplen Frage: Wo genau kann ich eigentlich Blut spenden? Die Antwort ist erfreulich einfach, denn Anlaufstellen gibt es mehr, als die meisten vermuten.
DRK-Blutspendetermine: Das größte Netz in Deutschland
Das Deutsche Rote Kreuz ist der mit Abstand wichtigste Akteur im Blutspendewesen. Die fünf regionalen DRK-Blutspendedienste organisieren zusammen rund 200 Termine pro Werktag und decken damit einen Großteil der Versorgung ab. Insgesamt finden jährlich über 40.000 Blutspendetermine statt.
Die meisten dieser Termine sind mobile Aktionen. Das DRK kommt direkt in Gemeindehäuser, Turnhallen, Schulen, Feuerwehrgerätehäuser oder Bürgertreffpunkte. In fast jeder Kleinstadt findet mehrmals im Jahr eine solche Aktion statt. Du musst keinen Termin vereinbaren, sondern kannst einfach vorbeikommen. Manche Standorte bieten inzwischen aber auch eine Online-Terminreservierung an, was Wartezeiten verkürzt.
Den nächsten Termin in deiner Nähe findest du über die Website spenderservice.net oder die DRK-Blutspende-App. Dort lässt sich nach Postleitzahl oder Ort filtern, und du siehst sofort, wann und wo der nächste Termin stattfindet.

Unikliniken und Krankenhäuser mit eigener Blutbank
Neben dem DRK betreiben viele Universitätskliniken und größere Krankenhäuser eigene Blutspendezentralen. Diese Institute für Transfusionsmedizin versorgen in erster Linie das eigene Haus und umliegende Kliniken mit Blutprodukten, sind aber auf freiwillige Spender angewiesen.
Bekannte Standorte sind etwa die Unikliniken in Freiburg, Köln, Aachen, Würzburg, Leipzig und Göttingen. In vielen Großstädten findest du solche Einrichtungen. Der Vorteil: Unikliniken haben oft feste Öffnungszeiten an mehreren Wochentagen, manchmal sogar samstags. Du kannst also flexibler planen als bei einem mobilen DRK-Termin, der nur einmal im Monat stattfindet.
Ein weiterer Pluspunkt dieser Einrichtungen ist das Angebot spezieller Spendearten. Neben der klassischen Vollblutspende kannst du dort häufig auch Plasma oder Thrombozyten (Blutplättchen) spenden. Bei diesen Verfahren wird das Blut direkt während der Spende in seine Bestandteile getrennt, und die nicht benötigten Komponenten fließen zurück in deinen Körper.
Private Blutspendedienste und Plasmaspendezentren
Neben dem DRK und den Kliniken gibt es private Anbieter, die ebenfalls Blut- und Plasmaspenden sammeln. Der größte private Blutspendedienst in Deutschland ist Haema, mit festen Spendezentren in zahlreichen Städten, darunter Berlin, Dortmund, Rostock, Bonn und Essen.
Auch der Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) nimmt eine Sonderstellung ein: Er ist eigenständig organisiert und deckt rund 75 Prozent der bayerischen Versorgung mit Blutpräparaten ab.
Private Spendezentren zahlen in der Regel eine Aufwandsentschädigung. Die Höhe variiert je nach Anbieter und Spendeart, liegt aber meist zwischen 20 und 30 Euro pro Vollblutspende. Bei Plasmaspenden sind bis zu 25 Euro üblich. Das DRK bietet bei seinen mobilen Terminen dagegen meistens keine finanzielle Entschädigung, dafür aber einen Imbiss nach der Spende.
| Anlaufstelle | Spendeart | Aufwandsentschädigung | Terminplanung |
|---|---|---|---|
| DRK-Blutspendetermine (mobil) | Vollblut | Meist keine (Imbiss) | Termine online oder per App |
| Unikliniken / Blutbanken | Vollblut, Plasma, Thrombozyten | 20 bis 30 Euro (je nach Haus) | Feste Öffnungszeiten, teils mit Termin |
| Haema und andere private Dienste | Vollblut, Plasma | 20 bis 30 Euro | Feste Öffnungszeiten, Online-Termin |
| BRK-Blutspendedienst (Bayern) | Vollblut | Variiert | Termine online |
Voraussetzungen: Wer darf Blut spenden?
Grundsätzlich darfst du Blut spenden, wenn du mindestens 18 Jahre alt bist, mindestens 50 Kilogramm wiegst und dich gesund fühlst. Eine obere Altersgrenze gibt es seit 2023 nicht mehr, allerdings wird bei Spendern über 60 Jahren regelmäßig ärztlich geprüft, ob die Spende gesundheitlich vertretbar ist.
Vor jeder Spende füllst du einen Fragebogen zu deinem Gesundheitszustand aus. Anschließend misst ein Arzt oder eine Ärztin deinen Blutdruck, Puls und Temperatur und bestimmt per Fingerstich den Hämoglobinwert. Nur wenn alle Werte stimmen, wirst du zur Spende zugelassen.
Es gibt dauerhafte Ausschlussgründe, etwa schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Krebserkrankungen oder nachgewiesene Infektionen mit HIV oder Hepatitis B und C. Temporäre Rückstellungen gelten unter anderem nach fieberhaften Infekten, Auslandsreisen in Risikogebiete oder bei einem erhöhten Risiko für sexuell übertragbare Erkrankungen. Auch nach frischen Tätowierungen oder Piercings musst du in der Regel einige Monate warten.
Der Ablauf: Von der Anmeldung bis zum Imbiss
Für eine Vollblutspende solltest du insgesamt rund eine Stunde einplanen. Die eigentliche Entnahme dauert nur etwa 10 Minuten, aber Anmeldung, Fragebogen, ärztliche Untersuchung und die anschließende Ruhezeit nehmen zusammen deutlich mehr Zeit in Anspruch.
So läuft es typischerweise ab:
- Anmeldung: Du zeigst deinen Personalausweis und bekommst den Spenderfragebogen.
- Fragebogen: Du beantwortest Fragen zu Gesundheit, Reisen, Medikamenten und Lebensstil.
- Ärztliche Untersuchung: Blutdruck, Puls, Temperatur und Hämoglobinwert werden gemessen.
- Blutentnahme: Dir werden rund 500 Milliliter Blut aus einer Armvene entnommen.
- Ruhepause: Nach der Spende bleibst du mindestens 10 Minuten liegen oder sitzen und bekommst Getränke und einen Snack.
Am Tag der Spende solltest du ausreichend gegessen und getrunken haben. Alkohol am Vorabend ist keine gute Idee, und direkt nach der Spende solltest du auf Sport und schwere körperliche Belastung verzichten.

Wie oft darfst du spenden?
Die Spendeintervalle sind gesetzlich geregelt und unterscheiden sich je nach Spendeart und Geschlecht. Zwischen zwei Vollblutspenden müssen mindestens 56 Tage liegen, also acht Wochen.
| Spendeart | Maximale Häufigkeit (Männer) | Maximale Häufigkeit (Frauen) | Mindestabstand |
|---|---|---|---|
| Vollblut | 6 Mal pro Jahr | 4 Mal pro Jahr | 56 Tage (8 Wochen) |
| Plasmaspende | 60 Mal pro Jahr | 60 Mal pro Jahr | Mindestens 2 Tage, empfohlen 7 Tage |
| Thrombozytenspende | 26 Mal pro Jahr | 26 Mal pro Jahr | 14 Tage |
Frauen dürfen seltener Vollblut spenden als Männer, weil sie in der Regel geringere Eisenwerte haben und der Körper mehr Zeit braucht, um den Verlust auszugleichen. Bei Plasma- und Thrombozytenspenden gibt es keinen Unterschied, weil dabei die roten Blutkörperchen direkt zurückgeführt werden.
Welche Blutgruppe wird am dringendsten gebraucht?
Die häufigsten Blutgruppen in Deutschland sind A Rhesus positiv mit 37 Prozent und 0 Rhesus positiv mit 35 Prozent. Etwa 85 Prozent der Bevölkerung haben einen positiven Rhesusfaktor.
In der Transfusionsmedizin nimmt die Blutgruppe 0 Rhesus negativ eine besondere Rolle ein: Dieses Blut kann im Notfall Patienten aller anderen Blutgruppen transfundiert werden. Deshalb ist die Nachfrage nach 0-negativem Blut besonders hoch, obwohl nur rund 6 Prozent der Bevölkerung diese Blutgruppe tragen. Gleichzeitig gilt: Jede Blutgruppe wird gebraucht. Rund 19 Prozent der Blutkonserven gehen an Krebspatienten, 12 Prozent werden nach Unfällen benötigt, und der größte Anteil von 47 Prozent fließt in die Behandlung anderer Erkrankungen.
Fazit
Blut spenden ist unkomplizierter, als viele denken. Ob beim DRK-Termin im Gemeindehaus um die Ecke, in der Blutbank einer Uniklinik oder bei einem privaten Spendezentrum: Es gibt in Deutschland mehr als genug Anlaufstellen. Die wichtigste Voraussetzung bist du selbst: gesund, mindestens 18 Jahre alt, mindestens 50 Kilogramm schwer. Alles Weitere klären die Ärzte vor Ort. Eine Stunde deiner Zeit kann im besten Fall ein Leben retten, und das ist keine Übertreibung, sondern Statistik.





