Ein Führungszeugnis bekommst du in Deutschland ausschließlich beim Bundesamt für Justiz (BfJ) in Bonn. Anders als oft angenommen stellt das Bürgeramt das Dokument nicht selbst aus, es leitet deinen Antrag nur weiter. Seit Anfang 2026 läuft die Beantragung komplett digital über das Portal fuehrungszeugnis.bund.de, du brauchst dafür nur deinen Personalausweis mit aktivierter Online-Funktion und die AusweisApp. Die einfache Variante kostet 13 Euro, für ehrenamtliche Tätigkeiten ist sie kostenlos. Hier erfährst du, welcher Zeugnis-Typ für welchen Anlass nötig ist, wie lange die Bearbeitung dauert und welche neuen Wege es 2026 gibt.
Wer das Führungszeugnis ausstellt
Zuständig ist allein das Bundesamt für Justiz (BfJ) in Bonn. Es führt das Bundeszentralregister, in dem alle rechtskräftigen Strafurteile gegen Personen mit Wohnsitz in Deutschland gespeichert sind. Ein Führungszeugnis ist nichts anderes als ein offizieller Auszug aus diesem Register. Das Bürgeramt deiner Stadt darf zwar deinen Antrag entgegennehmen, aber nur, wenn du dort persönlich erscheinst und dich ausweist. Es leitet die Anfrage dann nach Bonn weiter. Du bekommst das Zeugnis trotzdem direkt vom BfJ per Post nach Hause.
| Antragsweg | Wo | Kosten | Dauer |
|---|---|---|---|
| Online (eID + AusweisApp) | fuehrungszeugnis.bund.de | 13 Euro | 2-3 Wochen |
| Persönlich im Bürgeramt | Stadt/Gemeinde | 13 Euro | 2-3 Wochen |
| Per Post (beglaubigt) | Bundesamt für Justiz, Bonn | 13 Euro plus Beglaubigung | 3-4 Wochen |
| Ehrenamtlich (alle Wege) | wie oben | kostenlos | 2-3 Wochen |
Die Gebühr von 13 Euro ist bundeseinheitlich im Justizverwaltungskostengesetz geregelt. Das Bürgeramt darf keinen Aufschlag verlangen, nur in Einzelfällen kommen ein paar Cent für die elektronische Übermittlung dazu. Wer das Zeugnis für ein Ehrenamt braucht, etwa im Sportverein oder in der Jugendhilfe, zahlt nichts. Du musst dafür eine Bestätigung der Organisation vorlegen, dass die Tätigkeit unentgeltlich ist.
Die zwei Zeugnis-Typen
Es gibt zwei Hauptvarianten, die sich beim Anlass und beim Inhalt unterscheiden. Das einfache Führungszeugnis ist die Standardvariante für Arbeitgeber. Das erweiterte Führungszeugnis brauchst du, wenn du beruflich oder ehrenamtlich mit Kindern oder Jugendlichen arbeitest. Der entscheidende Unterschied: Im erweiterten Zeugnis stehen auch Verurteilungen wegen bestimmter Sexualdelikte, die im einfachen Zeugnis nach Tilgungsfristen nicht mehr auftauchen würden.
| Anlass | Zeugnis-Typ | Kosten | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Neuer Arbeitgeber | Einfaches FZ | 13 Euro | Standard |
| Vermieter (selten) | Einfaches FZ | 13 Euro | Privatperson als Empfänger |
| Visum / Auslandsumzug | Einfaches FZ (Europäisch) | 17 Euro | Übersetzung beachten |
| Job mit Minderjährigen | Erweitertes FZ | 13 Euro | Aufforderung des Trägers |
| Ehrenamt mit Kindern | Erweitertes FZ | kostenlos | Bestätigung nötig |
| Eigene Behörde / Beruf | Behördliches FZ | kostenlos | direkt an Stelle adressiert |
Wer auswandert oder im Ausland arbeitet, beantragt das Europäische Führungszeugnis. Es enthält zusätzlich Einträge aus den Strafregistern des jeweiligen Herkunftslandes innerhalb der EU. Es kostet 17 Euro und dauert wegen der internationalen Abfrage etwas länger, meist drei bis vier Wochen. Wer es übersetzt vorlegen muss, sollte einen gerichtlich zertifizierten Übersetzer beauftragen, da Behörden im Ausland eine einfache Übersetzung selten anerkennen.

Der Online-Antrag seit 2026
Das BfJ hat den digitalen Antragsweg Anfang 2026 deutlich ausgebaut. Du brauchst drei Dinge: einen Personalausweis mit aktivierter Online-Ausweisfunktion (eID), die kostenlose AusweisApp auf Smartphone oder PC und einen NFC-fähigen Kartenleser oder ein NFC-Smartphone. Die eID ist seit November 2010 in jedem deutschen Personalausweis enthalten, viele Bürger haben sie aber nie aktiviert. Laut Bundesinnenministerium nutzen rund 35 Prozent der Ausweisinhaber die Funktion aktiv, der Rest hat sie entweder deaktiviert oder die PIN verloren.
Den Antrag stellst du auf fuehrungszeugnis.bund.de. Der Ablauf dauert etwa zehn Minuten:
- Persönliche Daten eingeben, Ausweis per AusweisApp und 6-stelliger PIN bestätigen
- Zeugnis-Typ wählen (einfach, erweitert, europäisch)
- Verwendungszweck angeben (privat, Arbeitgeber, Behörde)
- Anschrift des Empfängers eintragen, falls das Zeugnis an einen Arbeitgeber gehen soll
- Gebühr per SEPA-Lastschrift, Kreditkarte oder Giropay zahlen
Seit Mai 2026 unterstützt das Portal zusätzlich die europäische EUDI-Wallet, die schrittweise alle nationalen eID-Systeme ablösen soll. Damit lässt sich auch der elektronische Aufenthaltstitel (eAT) für Nicht-EU-Bürger zur Identifikation nutzen. Die Bearbeitung dauert beim BfJ zwischen zwei und drei Wochen, im Sommer und vor Schulbeginn kann es länger werden. Eine Express-Variante gibt es nicht, auch nicht gegen Aufpreis.
Wann das Bürgeramt sinnvoll ist
Wenn du keine eID nutzt oder den Antrag nicht digital stellen willst, ist das Bürgeramt deine erste Anlaufstelle. Du brauchst nur deinen Personalausweis oder Reisepass und 13 Euro in bar oder per EC-Karte. Wer für ein Ehrenamt beantragt, bringt zusätzlich die schriftliche Bestätigung der Organisation mit, dass die Tätigkeit ehrenamtlich ist und welche Anschrift im Zeugnis stehen soll. Bei einem erweiterten Führungszeugnis ist diese Aufforderung sogar Pflicht, denn du darfst es nicht einfach so beantragen, sondern nur, wenn ein Arbeitgeber oder Verein es schriftlich verlangt.
Manche Bürgerämter, etwa in München oder Berlin, verlangen vorher einen Termin. Andere arbeiten mit Wartemarken. Die Bearbeitungszeit ist die gleiche wie beim Online-Antrag, weil das Bürgeramt deine Daten ohnehin elektronisch ans BfJ weiterleitet. Der einzige Unterschied: Du sparst dir die eID, brauchst aber einen Weg zum Amt und musst persönlich erscheinen. Praktisch ist das Bürgeramt vor allem für Menschen ohne digitales Vertrauen, für Senioren oder wenn du die PIN deines Ausweises verloren hast.

Wie lange das Zeugnis gültig ist
Ein Führungszeugnis hat kein offizielles Ablaufdatum. Arbeitgeber, Behörden und Vermieter setzen aber meist eine eigene Frist. Üblich sind drei Monate ab Ausstellung, manche Träger akzeptieren bis zu sechs Monaten. Bei Jobs mit Minderjährigen, etwa in Schulen, Kitas oder Sportvereinen, schreibt der Gesetzgeber teilweise sogar eine Auffrischung alle fünf Jahre vor, das regelt das Bundeskinderschutzgesetz. Wer ein Zeugnis zu früh beantragt und es erst sechs Monate später vorlegt, riskiert, dass der Empfänger es nicht mehr akzeptiert.
Im Zeugnis selbst stehen nur Verurteilungen, die nicht getilgt sind. Die Tilgungsfristen reichen von fünf Jahren bei Geldstrafen unter 90 Tagessätzen bis zu zwanzig Jahren bei schweren Verbrechen. Geringfügige Verurteilungen, etwa eine Geldstrafe von unter 90 Tagessätzen ohne Vorstrafe, erscheinen gar nicht erst im einfachen Führungszeugnis. Wer also nur eine kleine Strafe wegen Schwarzfahrens hat, bekommt in den meisten Fällen ein leeres, also sauberes Zeugnis. Das macht das Dokument für Bewerber weniger angsteinflößend als sein Ruf vermuten lässt.
Was du jetzt tun solltest
Prüfe zuerst, welchen Typ du brauchst. Frage den Arbeitgeber oder die Organisation explizit, ob ein einfaches oder erweitertes Zeugnis verlangt wird, denn beim erweiterten brauchst du die schriftliche Aufforderung mit. Beantrage es nicht zu früh: Drei bis vier Wochen vor dem Vorlagetermin reicht meist aus, dann ist das Zeugnis noch frisch genug. Falls du eID und AusweisApp einrichten willst, finanztip empfiehlt, das vor dem ersten Antrag in Ruhe zu testen. Du brauchst die 6-stellige PIN, die dir per Brief geschickt wurde. Hast du sie verloren, kannst du eine neue beim Bürgeramt setzen lassen, das kostet 6 Euro. Bei einem ehrenamtlichen Antrag besorge dir zuerst die Bestätigung des Vereins, ohne sie kannst du keine Befreiung von der Gebühr beantragen. Wenn dein Job mit Minderjährigen zu tun hat, etwa im Sportverein oder als Nachhilfelehrer, gehört ein erweitertes Zeugnis ab dem ersten Arbeitstag in deine Unterlagen.