Pfingsten 2026 fällt auf den 24. und 25. Mai, und damit fahren wieder Hunderttausende Deutsche mit dem Auto nach Frankreich, Italien oder Belgien. Wer keine passende Umweltplakette an der Scheibe hat oder ohne Genehmigung in eine italienische Altstadt fährt, riskiert Bußgelder zwischen 68 und 375 Euro, in Florenz pro einzelner Einfahrt rund 100 Euro. Die Regeln haben sich 2026 in mehreren Ländern verschärft, gleichzeitig setzt Paris die Strafen für ältere Fahrzeuge bis Ende des Jahres komplett aus. Hier liest du, welche Plakette du in welchem Land brauchst, wo du sie offiziell kaufst und welche Städte besonders teuer für Touristen sind.

Welche Länder haben überhaupt eine Plakettenpflicht

Eine einheitliche EU-Regelung gibt es nicht. Jedes Land hat ein eigenes System, jede Stadt eigene Zeiten und Ausnahmen. Wer mit dem Auto über mehrere Grenzen fährt, muss mehrere Plaketten oder Registrierungen parallel besorgen.

Land System Plakette/Registrierung Kosten Bußgeld
Frankreich Crit'Air-Vignette Pflicht in allen ZFE-Städten ab 150.000 Einwohner 3,77 Euro (FR) / 5,11 Euro (EU-Versand) 68 bis 375 Euro
Italien ZTL (Innenstadt-Sperrzonen) Keine Plakette, Einfahrt grundsätzlich verboten Kostenlos (Verbot) rund 100 Euro pro Einfahrt
Belgien LEZ Brüssel, Antwerpen, Gent Online-Registrierung des Kennzeichens Kostenlos 350 Euro (ab April 2026)
Österreich IG-L-Plakette Pflicht für Lkw, Pkw frei etwa 2 Euro bis 2.180 Euro
Niederlande Kennzeichenerfassung Keine Plakette Kostenlos 250 Euro
Spanien DGT-Etikett Nur für in Spanien zugelassene Fahrzeuge 5 Euro 200 Euro
Dänemark Online-Registrierung Pflicht für Diesel-Pkw und Lkw Kostenlos 1.500 DKK (rund 200 Euro)

Der ADAC verzeichnet 2026 mehr als 320 Umweltzonen in Europa, davon allein in Frankreich rund 40. Die deutsche grüne Umweltplakette gilt in keinem dieser Länder, das ist der häufigste Irrtum unter deutschen Urlaubern.

Frankreich: Wo die Crit'Air-Plakette Pflicht ist

Seit dem 1. Januar 2025 müssen laut Loi Climat et Résilience alle französischen Ballungsräume mit mehr als 150.000 Einwohnern eine ZFE (Zone à Faibles Émissions) ausweisen. Das betrifft 43 Städte und Metropolen, darunter Paris, Lyon, Marseille, Toulouse, Nizza, Straßburg, Grenoble und Reims. Wer in eine ZFE einfährt, braucht eine Crit'Air-Plakette an der Windschutzscheibe, sortiert nach Schadstoffklasse von 1 (Elektro) bis 5 (alter Diesel).

Die Plakette gibt es ausschließlich auf der offiziellen Seite certificat-air.gouv.fr, betrieben vom französischen Umweltministerium. Innerhalb Frankreichs kostet sie 3,11 Euro plus 0,66 Euro Versand, also 3,77 Euro. Mit Versand nach Deutschland werden daraus laut ADAC 5,11 Euro inklusive aller Gebühren. Die Bestellung läuft auf Deutsch, du lädst eine Kopie des Fahrzeugscheins hoch (maximal 400 Kilobyte) und bekommst die Plakette per Post.

Drittanbieter im Netz verlangen für dieselbe Plakette oft das Vier- bis Zehnfache, zwischen 20 und 50 Euro. Manche Fake-Seiten kopieren das Layout des Ministeriums fast eins zu eins, schicken aber gar keine Plakette oder eine wertlose Kopie. Bestell ausschließlich über die offizielle Seite, alles andere ist Abzocke.

5,11 Euro kostet die Crit'Air-Plakette offiziell bei Versand nach Deutschland, Drittanbieter verlangen oft das Vier- bis Zehnfache
5,11 Euro kostet die Crit'Air-Plakette offiziell bei Versand nach Deutschland, Drittanbieter verlangen oft das Vier- bis Zehnfache

Das Bußgeld liegt nach ADAC-Auskunft bei 68 Euro für Pkw und Motorräder, kann sich bei verspäteter Zahlung auf bis zu 375 Euro erhöhen. Die Kontrolle läuft zunehmend automatisch: Frankreich installiert seit 2024 sogenannte ZFE-Radare, die Kennzeichen scannen und automatisch mit der Plaketten-Datenbank abgleichen.

Der Paris-Sonderfall: Ein Jahr ohne Bußgelder

Hier kommt der wichtigste Punkt für Pfingsturlauber. Die Metropole du Grand Paris hat am 22. Dezember 2025 beschlossen, das Jahr 2026 zur "pädagogischen Phase" zu erklären. Vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2026 werden in den 77 Gemeinden des Pariser Großraums keine Bußgelder gegen Fahrzeuge mit Crit'Air 3, 4 oder 5 verhängt. Verstöße werden registriert, aber nicht geahndet.

Eigentlich war geplant, Crit'Air-3-Fahrzeuge ab Januar 2025 komplett aus der Pariser Innenstadt zu verbannen. Der politische Widerstand war so groß, dass die Nationalversammlung am 17. April 2026 sogar einen Antrag zur kompletten Abschaffung der ZFE beschlossen hat. Der Senat muss noch zustimmen, bis dahin bleibt die Plakettenpflicht formal bestehen.

Das heißt für dich: In Paris brauchst du 2026 zwar weiterhin eine Plakette, aber selbst mit einem 15 Jahre alten Diesel droht in der Hauptstadt kein Bußgeld. Anders sieht es in Lyon, Grenoble und Toulouse aus, hier wird seit 2025 strikt kontrolliert und auch Crit'Air 3 ist tagsüber gesperrt.

Italien: Die ZTL-Falle in Florenz, Rom und Mailand

Italien funktioniert ganz anders. Statt einer Plakette gibt es Zona-a-Traffico-Limitato-Zonen (ZTL), in die du als nicht registrierter Tourist gar nicht einfahren darfst, unabhängig vom Schadstoffausstoß. Florenz hat eine der striktesten ZTLs Europas: Werktags von 7:30 bis 19:30 Uhr ist die gesamte Altstadt rund um den Dom für Fremdfahrzeuge gesperrt, freitags und samstags zusätzlich nachts.

Die Kameras laufen rund um die Uhr und erfassen jedes Kennzeichen automatisch. Das Bußgeld beträgt laut Europäischem Verbraucherzentrum rund 87 Euro plus etwa 13 Euro Verwaltungskosten, in Summe also rund 100 Euro pro Einfahrt. Wer in Florenz mehrfach am selben Tag in die ZTL ein- und ausfährt, weil er die Markierung übersieht, kassiert pro Erfassung ein eigenes Bußgeld. 300 Euro für einen Tag sind keine Seltenheit.

Mailand hat zusätzlich die "Area C", eine City-Maut-Zone im Zentrum mit eigenem Online-Ticket. Werktags von 7:30 bis 19:30 Uhr brauchst du eine digitale Genehmigung für 5 Euro pro Tag, sonst kostet die Einfahrt 80 Euro Bußgeld. Rom, Bologna, Pisa, Verona, Neapel und Lucca haben ähnliche Systeme mit unterschiedlichen Zeiten.

Florenz kassiert pro einzelner ZTL-Einfahrt rund 100 Euro Bußgeld, mehrfache Fehlfahrten an einem Tag werden separat berechnet
Florenz kassiert pro einzelner ZTL-Einfahrt rund 100 Euro Bußgeld, mehrfache Fehlfahrten an einem Tag werden separat berechnet

Wer in der Innenstadt im Hotel übernachtet, sollte sich vorher das Kennzeichen vom Hotel registrieren lassen. Nur das Hotel kann die Ausnahme bei der Stadtverwaltung anmelden, du selbst kannst es nicht. Wer das vergisst, bekommt für An- und Abreise jeweils ein Bußgeld nach Hause geschickt, meist mehrere Monate nach dem Urlaub. Italienische Bußgelder sind in Deutschland fünf Jahre lang vollstreckbar.

Belgien, Niederlande, Österreich: Kleinere Stolperfallen

In Belgien gibt es keine klassische Plakette, du musst dein Auto vor der Einfahrt nach Brüssel, Antwerpen oder Gent online registrieren. Die Registrierung ist kostenlos und fünf Jahre gültig, läuft über die offiziellen Stadt-Portale. Ab 1. Januar 2026 verschärft Brüssel die Regeln: Euro-5-Diesel und Euro-2-Benziner dürfen nicht mehr einfahren. Wer trotzdem fährt, bekommt zunächst nur eine Verwarnung, ab April 2026 ein Bußgeld von 350 Euro.

In den Niederlanden gibt es in Städten wie Amsterdam, Utrecht und Den Haag Umweltzonen für ältere Diesel-Pkw. Die Kontrolle läuft per Kennzeichenerfassung, eine Registrierung ist nicht nötig. Bei Verstoß werden rund 250 Euro fällig.

Österreich hat die IG-L-Plakette, die für Pkw aber nur regional und vor allem für Lkw relevant ist. Für deutsche Privatreisende mit modernem Pkw spielen die österreichischen Umweltzonen praktisch keine Rolle. Anders bei der Vignette für die Autobahnen, die jedes Fahrzeug ab dem Grenzübertritt braucht.

Was du vor deiner Pfingsten-Tour erledigen musst

Plane mindestens 14 Tage Vorlauf für die Crit'Air-Plakette ein, der Postversand aus Frankreich nach Deutschland dauert laut certificat-air.gouv.fr offiziell 15 bis 30 Werktage. Wer zu spät bestellt, sollte die Bestellbestätigung im Auto mitführen, sie gilt vorübergehend als Nachweis. Für Italien gilt: Stell das Auto in einem Parkhaus außerhalb der Innenstadt ab und nimm Bus, Tram oder Taxi für die letzten Meter zum Hotel. In Florenz kostet ein Tag im offiziellen Parkhaus Piazza Beccaria etwa 25 Euro, deutlich weniger als ein einziges ZTL-Bußgeld. Für Brüssel und andere belgische Städte reicht eine schnelle Online-Registrierung des Kennzeichens am Vortag der Anreise. Wer nach der Rückkehr Post mit ausländischen Bußgeldern bekommt, sollte vor einer Zahlung an private Inkasso-Firmen erst die Verbraucherzentrale oder den ADAC kontaktieren. Echte Bußgeldbescheide kommen direkt von der jeweiligen Behörde, nicht von Inkasso-Diensten.

Weiterführende Links

ADACUmweltzonen und Fahrverbote im Auslandadac.de
Certificat-AirOffizielle Crit'Air-Bestellung des französischen Umweltministeriumscertificat-air.gouv.fr
ÖAMTCUmweltzonen und Fahrverbote in Europaoeamtc.at