In jeder der 40 Reisproben, die Stiftung Warentest für Heft 5/2026 untersucht hat, steckte Arsen. In sieben Produkten war die Belastung so hoch, dass die Tester sie als kritisch einstuften. Nur vier Reissorten bekamen die Note Gut. Testsieger wurde nicht etwa ein Bio-Reis aus dem Reformhaus, sondern der Parboiled-Reis der Kaufland-Eigenmarke K-Classic für 1,39 Euro pro Kilo. Die EU-Verordnung 2023/915 erlaubt 200 Mikrogramm anorganisches Arsen pro Kilogramm geschliffenem weißem Reis. Das Halbmetall gilt in seiner anorganischen Form als krebserregend, besonders gefährlich ist es für Säuglinge und Kleinkinder. Hier erfährst du, welche Sorten und Marken im Test am besten abschnitten, warum Bio nicht automatisch sauberer ist und mit welcher Kochmethode du den Arsengehalt deines Reises um bis zu 73 Prozent senken kannst.

Warum Reis Arsen aufnimmt

Reis wächst auf gefluteten Feldern. Die Pflanze nimmt Wasser und Bodeninhaltsstoffe über die Wurzeln effizienter auf als andere Getreide. Dazu gehört auch Arsen, das von Natur aus im Boden vorkommt, aber durch Bergbau, Industrie und alte Pestizide angereichert wird. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) enthält in Deutschland verkaufter geschliffener weißer Reis im Schnitt 0,1 Milligramm anorganisches Arsen pro Kilogramm. Vollkornreis liegt höher, weil sich das Arsen vor allem in den Randschichten des Korns anreichert.

Anorganisches Arsen ist die problematische Form. Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) stuft es als Klasse-1-Karzinogen ein, vergleichbar mit Asbest oder Tabakrauch. Langfristige hohe Aufnahme erhöht das Risiko für Lungen-, Haut- und Blasenkrebs. Die EU hat deshalb seit März 2023 mit der Verordnung 2023/915 verbindliche Höchstgehalte festgelegt:

Produkt Höchstgehalt anorg. Arsen
Geschliffener weißer Reis 0,20 mg/kg
Parboiled weißer Reis 0,30 mg/kg
Brauner Reis (Vollkorn) 0,25 mg/kg
Reiswaffeln, Reiskuchen 0,30 mg/kg
Reis für Säuglingsnahrung 0,10 mg/kg
Flüssige Säuglingsanfangsnahrung 0,01 mg/kg

Diese Grenzwerte sind politische Kompromisse, keine Unbedenklichkeitsschwelle. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) konnte keinen sicheren Schwellenwert ableiten, ab dem Arsen unbedenklich wäre. Jede zusätzliche Aufnahme erhöht das Risiko.

Die Stiftung-Warentest-Ergebnisse 2026

Im April 2026 hat Stiftung Warentest 40 im Handel erhältliche Reisprodukte ins Labor geschickt. Geprüft wurden je zehn Basmati-, Jasmin- und Parboiled-Sorten sowie je fünf Vollkorn- und Rundkornreis-Produkte, eingekauft im Oktober 2025. Ergebnis: Arsen in allen 40 Proben, in vielen zusätzlich Kadmium. Nur vier Produkte erhielten die Note Gut, acht fielen mit Ausreichend durch.

Sorte Befund Gute Produkte
Basmati Geringste Arsenbelastung Tilda Pure Original, Akash
Parboiled Sehr unterschiedlich Kaufland K-Classic
Vollkornreis Hohe Arsenwerte Reishunger Bio Jasmin
Jasmin Oft stärker belastet Keiner mit Note Gut
Rundkorn Mittelmäßig belastet Keiner mit Note Gut

Testsieger mit der Note 2,3 wurde Kaufland K-Classic Langkorn Parboiled. Bei 1,39 Euro pro Kilo ist er das mit Abstand günstigste Gut-Produkt im Test. Ebenfalls Gut: zwei Basmati-Reise von Tilda (Note 2,4) und Akash sowie der Vollkorn-Bio-Jasmin von Reishunger aus Bremen (Note 2,3). Acht Produkte landeten bei Ausreichend, darunter der Bio-Basmati von Alnatura und Hausmarken-Reis von Rewe Ja!. Bio war damit kein Schutz vor Belastung. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Stiftung Warentest fand 2026 in allen 40 untersuchten Reisproben Arsen, nur 4 Produkte erhielten die Note Gut
Stiftung Warentest fand 2026 in allen 40 untersuchten Reisproben Arsen, nur 4 Produkte erhielten die Note Gut

Warum Basmati am besten abschneidet

Alle zehn getesteten Basmati-Reise zeigten vergleichsweise geringe Arsengehalte. Stiftung Warentest führt das auf die Anbauregion zurück: Echter Basmati wächst nur am Fuße des Himalaya in Nordindien und Pakistan. Die Böden dort enthalten von Natur aus weniger Arsen als die Reisanbaugebiete in Süd- und Südostasien, China oder im US-Bundesstaat Arkansas. Hinzu kommt, dass Basmati traditionell etwas weniger geflutet wird als andere Sorten.

Jasmin- und Parboiled-Reis kommen oft aus Thailand, Vietnam oder Italien. Dort sind die Böden stärker mit Arsen vorbelastet. Bei Vollkornreis verschärft sich das Problem, weil die arsenreichen Randschichten beim Schälen erhalten bleiben. Wer regelmäßig Vollkornreis isst, nimmt also mehr Arsen auf als bei weißem Reis aus derselben Quelle. Das ist der zentrale Trade-off: Vollkornreis enthält mehr Ballaststoffe, B-Vitamine und Mineralstoffe, aber auch mehr Schwermetalle.

Bio-Reis schneidet im Test nicht systematisch besser ab. Drei Bio-Produkte erhielten Gut, mehrere Bio-Reise landeten aber bei Befriedigend oder Ausreichend. Der Grund: Arsen ist ein Bodenproblem, kein Pestizid-Problem. Wo die Pflanze wächst, ist wichtiger als wie sie angebaut wird. Verbraucherzentrale und ZDFheute weisen ausdrücklich darauf hin, dass Bio-Siegel keine niedrigeren Arsenwerte garantieren.

Wer besonders gefährdet ist

Säuglinge und Kleinkinder nehmen pro Kilogramm Körpergewicht deutlich mehr Arsen auf als Erwachsene. Laut Berechnungen der EFSA liegt die tägliche Aufnahme bei Kleinkindern zwischen 0,61 und 2,09 Mikrogramm anorganischem Arsen pro Kilogramm Körpergewicht. Das BfR warnt seit Jahren davor, Säuglinge und Kleinkinder ausschließlich mit Reis-basierten Produkten zu ernähren, etwa Reismilch, Reisbrei oder Reiswaffeln. Bei einer Zöliakie-Diät oder Kuhmilchallergie ersetzen viele Eltern Weizen oder Milch durch Reisprodukte. Genau das kann zur Arsenfalle werden.

Konkret empfiehlt das BfR:

  • Reiswaffeln, Reisflocken, Reisbrei nur in Maßen, im Wechsel mit Hafer, Hirse, Dinkel oder Mais
  • Reismilch nicht als alleiniges Getränk bei Kleinkindern
  • Bei Beikost Vielfalt statt Reis-Monotonie
  • Säuglinge unter einem Jahr sollten keine Reisdrinks bekommen

Auch Erwachsene, die viel Reis essen, sind betroffen. Wer reisbasiert kocht, etwa bei asiatischer oder vegetarischer Ernährung, kommt schnell auf mehrere Hundert Gramm pro Woche. Eine Studie der University of Belfast schätzte, dass tägliche Reisesser ein bis zu doppelt so hohes Arsen-Aufnahmeniveau haben wie Gelegenheitsesser. Die so-what-Frage ist hier konkret: Es geht nicht um eine Portion, sondern um die Lebenszeitdosis.

Wie du Arsen beim Kochen reduzierst

Anorganisches Arsen ist wasserlöslich. Das ist die gute Nachricht. Mit der richtigen Kochmethode lässt es sich deutlich aus dem Korn waschen. Forscher um Manoj Menon von der University of Sheffield haben 2020 in der Fachzeitschrift Science of the Total Environment eine Methode getestet, die Arsen bei weißem Reis um durchschnittlich 73 Prozent senkt. Bei Vollkornreis sind es 54 Prozent. Die Methode in fünf Schritten:

  1. Vier Teile Wasser auf einen Teil Reis aufkochen
  2. Reis fünf Minuten in das sprudelnde Wasser geben, dann abgießen
  3. Frisches Wasser zugeben, diesmal in der Menge, die der Reis aufsaugen kann (etwa 2:1)
  4. Bei mittlerer Hitze zugedeckt fertig garziehen lassen
  5. Erste Kochflüssigkeit entsorgen, nicht weiterverwenden

Die klassische Quellmethode, bei der das Wasser komplett vom Reis aufgesogen wird, ist für die Geschmacksentwicklung ideal, lässt aber das gesamte Arsen im Korn. Die einfache Wassermethode mit Abgießen reduziert Arsen ebenfalls, aber weniger stark als die Kombination. Wer Reis vorher in kaltem Wasser einweicht und das Wasser wegschüttet, verstärkt den Effekt zusätzlich.

Kochmethode Reduktion anorg. Arsen Geschmack
Quellmethode (1:2, ohne Abgießen) 0 bis 10 Prozent Voll, körnig
Klassisches Abgießen (1:6) 35 bis 45 Prozent Etwas wässrig
Sheffield-Methode (5 Min vorkochen + abgießen + garziehen) bis 73 Prozent Körnig, etwas Nährstoffverlust

Der Nährstoffverlust durch das Abgießen hält sich in Grenzen. Mineralstoffe wie Zink bleiben in der Quellphase weitgehend erhalten. Die Methode kostet dich also wenig Aufwand, aber spart dir einen großen Teil des Arsens.

Die Sheffield-Kochmethode reduziert Arsen in weißem Reis um bis zu 73 Prozent durch fünfminütiges Vorkochen und Abgießen
Die Sheffield-Kochmethode reduziert Arsen in weißem Reis um bis zu 73 Prozent durch fünfminütiges Vorkochen und Abgießen

Was du beim Einkauf beachten solltest

Wenn Reis bei dir oft auf dem Teller landet, lohnt sich ein kurzer Blick auf Sorte und Herkunft. Drei praktische Regeln, abgeleitet aus dem Stiftung-Warentest-Befund:

  • Greife zu Basmati, wenn du wenig Arsen aufnehmen willst. Echter Basmati aus dem Himalaya-Vorland ist im Schnitt am schwächsten belastet. Die Aufschrift "Basmati Reis" ist in der EU geschützt, das Lebensmittelbuch verlangt mindestens 92 Prozent Basmati-Anteil.
  • Bio ist kein Arsen-Schutzschild. Schau auf die Sorte und das Herkunftsland, nicht aufs Siegel. Ein konventioneller Basmati ist meist sauberer als ein Bio-Vollkorn-Jasmin aus Vietnam.
  • Vollkornreis bewusst dosieren. Wer Vollkornreis aus Ballaststoffgründen bevorzugt, sollte ihn mit der Sheffield-Methode kochen und mit anderen Getreiden abwechseln. Eine ausgewogene Reisportion pro Person liegt bei 60 bis 80 Gramm trocken, mehr ist selten nötig.

Für Familien mit kleinen Kindern gilt: Reisprodukte zur Beikost gibt es zwar im Bio-Markt mit dem Hinweis "geprüft auf Arsen", trotzdem nicht täglich servieren. Die EU-Höchstmenge für Reis in Säuglingsnahrung von 0,10 mg/kg ist streng, aber selbst da gilt der EFSA-Grundsatz: kein sicherer Schwellenwert. Variation schlägt Dosis.

Wer den vollständigen Test mit allen Markennoten lesen will, findet ihn kostenpflichtig bei test.de. Die wichtigsten Eckdaten und die offiziellen Höchstgehalte stehen außerdem in den FAQ des Bundesinstituts für Risikobewertung und in der EU-Verordnung 2023/915 zum Nachlesen.

Weiterführende Links

Stiftung WarentestReis im Test (Heft 5/2026)test.de
BfRFragen und Antworten zu Arsen in Reis und Reisproduktenbfr.bund.de