Seit April 2026 kannst du aus WhatsApp heraus mit Nutzern anderer Messenger schreiben. Meta hat die sogenannten Drittanbieter-Chats für den Europäischen Wirtschaftsraum freigeschaltet. Technisch möglich ist das nur mit Diensten, die einen Vertrag mit Meta unterzeichnet haben. In der Praxis sind das bisher zwei: BirdyChat aus Lettland und die Voice-App Haiket. Die großen Namen Signal, Threema, Telegram und iMessage fehlen weiterhin. Hintergrund ist der Digital Markets Act der EU, der WhatsApp als "Gatekeeper" zur Interoperabilität verpflichtet. Dieser Artikel zeigt dir, welche Messenger schon angeschlossen sind, wie du die Funktion freischaltest und welche Einschränkungen du dafür in Kauf nimmst.
Der Digital Markets Act als Auslöser
Der Digital Markets Act (DMA) ist seit März 2024 in Kraft und richtet sich an sechs große Tech-Konzerne. Für Meta ergibt sich aus Artikel 7 eine besondere Pflicht: WhatsApp muss Schnittstellen öffnen, damit andere Messenger Nachrichten einspeisen können. Ziel ist, dass Verbraucher nicht mehr zu einer App gezwungen sind, nur weil dort alle ihre Kontakte sitzen.
WhatsApp kommt auf über 2 Milliarden aktive Nutzer weltweit und rund 60 Millionen in Deutschland. Für viele ist der Wechsel zu Signal oder Threema faktisch unmöglich, weil Familie und Freunde in WhatsApp bleiben. Die Kommission hat genau diesen Lock-in-Effekt im Blick. Meta musste bis 2024 eine technische Referenzarchitektur vorlegen und seitdem in Etappen ausrollen. Die erste Welle 2024 lief nur im Backend und für Entwickler. Die zweite Welle Ende 2025 brachte erste Partner. Die dritte Welle im April 2026 hat die Funktion breit für Endnutzer sichtbar gemacht.
Die EU-Kommission prüft parallel, ob Meta die DMA-Vorgaben ausreichend erfüllt. Teilnehmen müssen Drittanbieter auf freiwilliger Basis und auf eigene Kosten. Das erklärt, warum bisher nur zwei kleine Anbieter mitmachen. Größere Messenger sehen im Anschluss mehr Risiko als Nutzen.
Diese Messenger sind aktuell verbunden
Stand April 2026 sind genau zwei Drittanbieter-Dienste offiziell mit WhatsApp verbunden. Beide sind klein, neu und fast niemandem bekannt. Die wichtigen Alternativ-Messenger halten sich bisher zurück oder lehnen ab.
| Messenger | Verbunden? | Features | E2E-Verschlüsselung |
|---|---|---|---|
| BirdyChat | Ja (seit Nov 2025) | Text, Bild, Sprachnachricht, Video, Datei | Signal-Protokoll |
| Haiket | Ja (seit Nov 2025) | Voice-Nachrichten, Text | Signal-Protokoll |
| Signal | Nein | nicht angeschlossen | N/A |
| Threema | Nein | nicht angeschlossen | N/A |
| Telegram | Nein | nicht angeschlossen | N/A |
| iMessage (Apple) | Nein | als Gatekeeper eingestuft, nicht DMA-pflichtig | N/A |
| Matrix / Element | Nein, in Verhandlung | Client-seitige Bridge möglich | aktuell keine offizielle Partnerschaft |
| Google Messages (RCS) | Nein | außerhalb DMA-Messenger-Pflicht | N/A |
BirdyChat kommt aus Lettland und ist ursprünglich für Arbeitskontexte gedacht. Nutzer melden sich mit einer geschäftlichen E-Mail-Adresse an, nicht mit der Telefonnummer. Die App hat bislang nur wenige hundert öffentliche Downloads. Haiket ist noch gar nicht in den App-Stores verfügbar. Gründer Alexander Narest bewirbt es als "Voice-first"-Messenger, der Textnachrichten automatisch vorliest. Beide Dienste nutzen keine breite Basis, wirken aber wie Testballons.
Signal hat öffentlich Stellung bezogen: CEO Meredith Whittaker sagte, Signal werde sich nicht anschließen. Die Bridge würde den Sicherheitsanspruch verwässern, weil Metadaten bei Meta landen könnten. Threema argumentiert ähnlich und bezeichnet Interoperabilität als Risiko für die eigene Nutzerschaft. Telegram hat sich nicht geäußert, gilt aber selbst nicht als Gatekeeper und ist zur Teilnahme nicht verpflichtet. Apples iMessage wurde von der EU-Kommission 2024 geprüft und als nicht-marktbeherrschend eingestuft, damit fällt die DMA-Pflicht weg.

So aktivierst du Drittanbieter-Chats
Die Funktion ist standardmäßig deaktiviert. Du musst sie aktiv einschalten, und das geht nur im Europäischen Wirtschaftsraum. Außerdem funktioniert sie bisher nur auf iPhone und Android-Smartphone, nicht im WhatsApp Web, auf dem iPad oder im Desktop-Client.
Schritt-für-Schritt auf dem iPhone:
- Tippe rechts unten auf dein Profilbild, um die Einstellungen zu öffnen
- Wähle den Menüpunkt Konto
- Tippe auf Drittanbieter-Chats
- Bestätige mit Aktivieren im Hinweis-Pop-up
- Wähle aus, ob externe Chats im Haupt-Posteingang oder in einem getrennten Ordner erscheinen sollen
- Erlaube Anfragen einzeln pro App oder pauschal für alle zugelassenen Drittanbieter
Auf Android läuft es identisch, nur erreichst du die Einstellungen über die drei Punkte oben rechts statt über das Profilbild. Um einen neuen externen Chat zu starten, tippst du auf das Plus-Symbol in der Chat-Übersicht und wählst Neuer Drittanbieter-Chat. Du brauchst die Telefonnummer oder App-Kennung deines Gegenübers, denn eine zentrale Nutzersuche gibt es nicht.
Die Aktivierung ist reversibel. Du kannst die Funktion jederzeit wieder abschalten, dann verschwinden die externen Chats aus deiner Übersicht. Eingehende Nachrichten aus Drittanbieter-Apps werden danach nicht mehr zugestellt, bis du die Funktion erneut freischaltest.
Was du technisch aufgibst
Die Drittanbieter-Chats sind nicht mit normalen WhatsApp-Chats identisch. Meta verschlüsselt zwar auch hier über das Signal-Protokoll Ende zu Ende. Die Sicherheit hängt aber davon ab, wie der Drittanbieter seine eigene Client-App implementiert. WhatsApp kann nur garantieren, was auf seiner Seite passiert. Für alles, was im anderen Messenger geschieht, übernimmt Meta keine Verantwortung.
Konkret verlierst du folgende Funktionen, sobald der Chat über die Schnittstelle läuft:
- Keine Gruppenchats über Plattformgrenzen hinweg. Meta kündigt Gruppenunterstützung "später" an, ohne festes Datum.
- Keine WhatsApp-Sprach- oder Videoanrufe mit Drittanbieter-Kontakten.
- Keine Status-Updates, Kanäle oder Communities im externen Chat.
- Kein Profilbild und kein Name werden an den Drittanbieter übertragen. Nur deine Telefonnummer.
- Keine Ende-zu-Ende-verschlüsselten Backups für diese Chats.
- Keine Reaktionen, Zitate oder Nachricht-bearbeiten-Funktion, solange der Drittanbieter das nicht selbst implementiert.
Datenschutzrechtlich ist der wichtigste Punkt die Telefonnummer. Sie wird an den Drittanbieter weitergegeben, damit Zuordnung funktioniert. Personen, die du in WhatsApp blockiert hast, können dich laut Verbraucherzentrale über einen Drittanbieter möglicherweise trotzdem kontaktieren. Du kannst einzelne Drittanbieter-Kontakte zwar erneut blockieren, aber erst nach der ersten eingehenden Nachricht.
Metadaten bleiben ein Kritikpunkt. Signal-CEO Whittaker argumentiert, dass Metadaten, also wer mit wem wann geschrieben hat, an die Bridge bei Meta fallen. Der eigentliche Inhalt ist zwar verschlüsselt, doch das Verbindungsmuster wird für Meta sichtbar. Genau deshalb lehnen Signal und Threema die Teilnahme ab.

Lohnt sich das für dich?
Die Antwort hängt fast ausschließlich davon ab, welche Kontakte du außerhalb von WhatsApp erreichen willst. Solange die relevanten Messenger nicht mitmachen, ist der praktische Nutzen überschaubar. Wer niemanden auf BirdyChat oder Haiket kennt und das ist die Mehrheit, aktiviert eine Funktion ohne Effekt.
Einschalten lohnt sich, wenn du in einer Firma arbeitest, die auf BirdyChat setzt und du Geschäftskommunikation in WhatsApp bündeln willst. Oder wenn ein Kontakt bewusst auf Haiket umsteigt und du nicht zusätzlich eine App installieren möchtest. In beiden Fällen solltest du die Chats im getrennten Ordner aktivieren, damit externe Nachrichten nicht mit privaten Chats vermischen.
Abwarten ist vernünftig, solange Signal, Threema und Telegram außen vor sind. Die Funktion wird aufgewertet, sobald mindestens ein bekannter Dienst mitzieht. Die EU-Kommission hat angekündigt, den Rollout Ende 2026 zu evaluieren. Kommt es zu Nachbesserungen am DMA, könnten weitere Anbieter unter Druck geraten, sich anzuschließen. Bis dahin bleibt die Drittanbieter-Funktion eine technische Vorbereitung für den Tag, an dem sie wirklich nützlich wird.
Wenn du Wert auf maximalen Datenschutz legst, ist die Empfehlung klar: Funktion deaktiviert lassen. Du gibst sonst aktiv zusätzliche Metadaten preis, ohne einen echten Gegenwert zu erhalten. Wer WhatsApp aus Komfortgründen nutzt, kann die Funktion ohne große Bedenken testen und bei Bedarf wieder abschalten.





