Zur Einschulung schenken Großeltern und Paten üblicherweise 50 bis 100 Euro, Onkel, Tanten und enge Freunde der Familie 20 bis 50 Euro, und die wichtigste Regel kostet nichts: Sprich dich vorher kurz mit den Eltern ab. Diese eine Absprache verhindert die zweite Armbanduhr, das dritte Springseil und den Klassiker, dass vier Gäste unabhängig voneinander Buntstifte für die Schultüte kaufen. Unterschätze den Anlass nicht: Laut einer idealo-Umfrage von 2025 geben Familien für die Einschulungsfeier im Schnitt 470 Euro aus, mehr als viele Haushalte für sämtliche Weihnachtsgeschenke einplanen. Ein durchdachtes Geschenk ist deshalb keine Höflichkeit, sondern echte Entlastung. Hier findest du die üblichen Geldbeträge nach Beziehung, Geschenkideen, die nach dem ersten Schultag nicht im Regal verstauben, und die überraschende Geschichte der Schultüte, die älter ist als das Deutsche Reich.

Geld zur Einschulung: diese Beträge sind üblich

Eine verbindliche Tabelle existiert nicht, doch die Richtwerte von Banken, Schulausstattern und Elternratgebern liegen eng beieinander. Zur Einordnung: Die Einschulung rangiert finanziell deutlich unter den großen kirchlichen Anlässen. Während Paten zur Konfirmation oft 150 bis 300 Euro schenken, bleibt es zum Schulstart meist bei kleineren Beträgen.

Wer schenkt Üblicher Rahmen Hinweis
Eltern Sachleistungen statt Geld Ranzen, Schultüte und Feier gehen ohnehin aufs Elternbudget
Großeltern 50 bis 100 Euro gern als Einzahlung aufs Kinderkonto statt im Umschlag
Patin, Pate 50 bis 100 Euro ein bleibendes Andenken plus kleinerer Betrag wirkt persönlicher
Onkel, Tante 20 bis 50 Euro gut mit einem kleinen Sachgeschenk kombinierbar
Enge Freunde der Familie 20 bis 50 Euro vorher fragen, was noch fehlt
Nachbarn, Bekannte 10 bis 20 Euro eine Kleinigkeit für die Schultüte reicht völlig

Nach unten abweichen ist erlaubt. Die Beträge sind soziale Orientierung, keine Eintrittsgebühr: Ein liebevoll ausgesuchtes Buch mit Widmung schlägt den lieblosen Fünfziger im Umschlag. Nach oben gilt Zurückhaltung. Wer als Onkel 200 Euro schenkt, setzt unfreiwillig den Maßstab für alle künftigen Anlässe und bringt andere Gäste in Erklärungsnot.

Was eine Einschulung heute kostet

Die idealo-Umfrage von 2025 macht die Dimension sichtbar: 470 Euro geben Eltern im Bundesschnitt allein für die Feier aus. Im Osten sind es mit rund 670 Euro fast doppelt so viel wie im Westen mit 377 Euro, auch weil der Schulanfang dort traditionell größer gefeiert wird. Dazu kommt die Ausstattung: Ein hochwertiger Schulranzen kostet im Schnitt 120 bis 180 Euro, Komplettsets mit Sportbeutel und Mäppchen oft mehr. Allein für die Füllung der Schultüte liegt der Bundesdurchschnitt laut Umfrage bei 75 Euro. Auf die gesamte Schulzeit gerechnet summiert sich der Schulbesuch nach idealo-Berechnung auf 20.755 Euro pro Kind. Geldgeschenke zur Einschulung sind vor diesem Hintergrund keine einfallslose Lösung, sondern gezielte Unterstützung in einem teuren Familienjahr.

Über 200 Jahre alt: die Erfindung der Schultüte

Die Schultüte stammt aus Sachsen und Thüringen und ist deutlich älter, als die meisten vermuten. Den frühesten gesicherten Beleg verzeichnet das Stadtmuseum Jena für das Jahr 1817: Einzelne Kinder bekamen damals kleine Papiertüten mit Gebäck zum Schulanfang. Dresden folgte um 1820, Leipzig 1836. Den Kindern erzählte man dazu eine hübsche Legende: Im Haus des Lehrers wachse ein Zuckertütenbaum, und wenn die Tüten groß genug seien, sei es Zeit für die Schule. Mancherorts wurde die Geschichte sogar inszeniert, in Jena pflückten Schulanfänger ihre Tüten von einem Baum im Schulgarten. Lange blieb der Brauch ein regionales Privileg wohlhabender Familien, vor 1910 war er außerhalb von Sachsen und Thüringen nur vereinzelt anzutreffen. Im Osten Deutschlands heißt die Schultüte bis heute Zuckertüte, und dass ausgerechnet dort die größten Einschulungsfeiern stattfinden, passt zu dieser über 200 Jahre alten Tradition.

Die ersten belegten Schultüten tauchten 1817 in Jena auf, heute geben Familien allein für die Füllung im Schnitt 75 Euro aus
Die ersten belegten Schultüten tauchten 1817 in Jena auf, heute geben Familien allein für die Füllung im Schnitt 75 Euro aus

Schultüte füllen: Süßes als Beilage, nicht als Hauptgericht

Falls du gebeten wirst, etwas zur Füllung beizusteuern: Zahnärzte-Initiativen wie proDente empfehlen, Süßigkeiten bewusst klein zu halten, eine Handvoll Lieblingsnaschereien genügt. Bewährt hat sich ein Mix aus drei Teilen: wenig Süßes, viel Nützliches für den Schulalltag, dazu ein bis zwei kleine Überraschungen. Gut funktionieren Springseil, Flummi, Kartenspiel, Reflektoren für den Schulweg, Haarspangen, ein Erstlesebuch, Obst und Nüsse. Zahnfreundliche Süßigkeiten erkennst du am rot-weißen Zahnmännchen auf der Packung. Zwei Praxistipps: Fülle die Tüte unten mit Knüllpapier auf, sonst wird sie zu schwer für den großen Moment. Und sie muss keine 75 Euro kosten wie der Bundesdurchschnitt, ein Kind erinnert sich an die Begeisterung beim Auspacken, nicht an den Warenwert.

Geschenkideen nach Kategorie

Kategorie Ideen Warum es ankommt
Praktisch für den Alltag Brotdose, Trinkflasche, Turnbeutel, Regenponcho täglich im Einsatz, geht ständig verloren, Nachschub immer willkommen
Fürs Schulkind-Gefühl Armbanduhr, Wecker, Erstlesebücher, Hörspiele, Schreibtischlampe unterstreicht das neue „Ich bin jetzt groß"
Nachhaltig und finanziell Einzahlung aufs Kinderkonto, ETF-Sparplan, Tagesgeld wächst bis zur Volljährigkeit, statt im Spielzeugregal zu verstauben
Besser vermeiden Schulranzen ungefragt, Kleidung, Lärmspielzeug, Süßigkeiten in Mengen Doppelkäufe, falsche Größen, genervte Eltern

Die Klassiker fürs Schulkind-Gefühl haben einen praktischen Hintergrund. Die Uhr lesen lernen Kinder in den ersten beiden Schuljahren, eine eigene Armbanduhr macht aus dem Lernstoff ein Statussymbol. Ein eigener Wecker bedeutet aufstehen wie die Großen. Erstlesebücher mit großer Fibelschrift und Hörspiele für den Nachmittag begleiten das Lesenlernen. Finger weg dagegen vom Schulranzen auf eigene Faust: Der muss anprobiert werden wie ein Schuh, und das Motiv sucht sich das Kind selbst aus. Auch Smartphone, Tablet oder Smartwatch gehören nur dann unters Geschenkpapier, wenn die Eltern ausdrücklich zugestimmt haben.

Geld aufs Kinderkonto: das Geschenk, das mitwächst

Für Großeltern und Paten, die ohnehin regelmäßig schenken, ist ein Konto auf den Namen des Kindes die nachhaltigste Variante. Die Verbraucherzentrale empfiehlt für lange Anlagezeiträume ETF-Sparpläne als erste Wahl, weil sie wenig kosten und das Risiko breit streuen, für kurzfristig verfügbare Beträge eignet sich Tagesgeld. Der Zeitvorteil ist das eigentliche Geschenk: Aus 100 Euro zur Einschulung werden bei durchschnittlich sechs Prozent Rendite bis zur Volljährigkeit rund 200 Euro, das Geld verdoppelt sich ohne weiteres Zutun. Legen Großeltern zu jedem Geburtstag nach, steht zum 18. Geburtstag ein vierstelliger Betrag für Führerschein oder Auslandsjahr bereit. Wichtig zu wissen: Läuft das Konto auf den Namen des Kindes, gehört das Geld rechtlich dem Kind, die Eltern verwalten es nur.

Aus 100 Euro zur Einschulung werden bei sechs Prozent Rendite bis zur Volljährigkeit rund 200 Euro
Aus 100 Euro zur Einschulung werden bei sechs Prozent Rendite bis zur Volljährigkeit rund 200 Euro

So findest du das passende Geschenk

Vier Schritte reichen. Erstens: Termin klären. Die Einschulungen 2026 liegen je nach Bundesland zwischen Mitte August und Mitte September, in Sachsen und Thüringen beginnt die Schule schon am 17. August, in Bayern erst am 15. September, jeweils direkt nach den Sommerferien. Zweitens: mit den Eltern sprechen. Eine kurze Nachricht klärt, was schon vergeben ist, was wirklich fehlt und ob Geld oder ein Sachgeschenk lieber gesehen wird. Drittens: Betrag nach Beziehung festlegen, die Tabelle oben gibt den Rahmen vor. Viertens: kombinieren. Kinder wollen am großen Tag etwas in der Hand halten, deshalb gehört zum Umschlag oder zur Konto-Einzahlung immer eine Kleinigkeit zum Auspacken, und in die Karte ein persönlicher Satz. Der bleibt länger im Gedächtnis als jeder Betrag.

Weiterführende Links

SparkasseSo viel kostet der Schulanfangsparkasse.de
VerbraucherzentraleSinnvoll für Kinder und Enkelkinder sparenverbraucherzentrale.de
Stadtmuseum JenaSchulanfang und Zuckertütestadtmuseum-jena.de