Eine Solaranlage lohnt sich 2026 für die meisten Hausbesitzer mit einem halbwegs freien Dach: Bei realistischen Annahmen ist sie nach 8 bis 12 Jahren abbezahlt und liefert danach noch 15 bis 20 Jahre fast kostenlosen Strom. Entscheidend ist dabei nicht, wie viel Strom dein Dach produziert, sondern wie viel davon du selbst verbrauchst. Genau diese Kennzahl, die Eigenverbrauchsquote, trennt Anlagen mit 6 Prozent Rendite von solchen, die sich kaum rechnen. Dieser Artikel zeigt dir die ehrliche Rechnung mit den Zahlen von 2026, erklärt, wann ein Speicher sinnvoll ist, und nennt die Fälle, in denen du besser verzichtest.
Die Rechnung hat sich komplett gedreht
Wer seine Vorstellung von Photovoltaik in den 2010er-Jahren gebildet hat, rechnet heute falsch. 2010 bekamst du für jede eingespeiste Kilowattstunde 39,14 Cent Vergütung, während Netzstrom nur rund 24 Cent kostete. Einspeisen war das Geschäftsmodell, der eigene Verbrauch Nebensache.
2026 ist es exakt umgekehrt. Die Einspeisevergütung für neue Anlagen bis 10 kWp liegt bis Ende Juli 2026 bei 7,78 Cent pro Kilowattstunde, ab dem 1. August sinkt sie durch die halbjährliche Degression nach § 49 EEG auf 7,70 Cent. Gleichzeitig zahlt ein Musterhaushalt laut BDEW-Strompreisanalyse vom April 2026 im Schnitt 37,0 Cent pro Kilowattstunde Netzstrom, Neuverträge gibt es ab etwa 25 bis 31 Cent. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ist damit vier- bis fünfmal so viel wert wie eine eingespeiste.
| Jahr | Einspeisevergütung (bis 10 kWp) | Haushaltsstrompreis | Was sich lohnt |
|---|---|---|---|
| 2010 | 39,14 Ct/kWh | ca. 24 Ct/kWh | Volleinspeisung |
| 2018 | 12,20 Ct/kWh | ca. 29 Ct/kWh | Mischbetrieb |
| 2026 | 7,78 Ct/kWh (ab 1.8.: 7,70) | 37,0 Ct/kWh (BDEW) | Eigenverbrauch |
Dazu kommt das Solarspitzengesetz vom 25. Februar 2025: Neue Anlagen mit intelligentem Messsystem bekommen in Stunden mit negativen Börsenpreisen keine Vergütung mehr, die ausgefallenen Stunden werden dafür an das Ende des 20-jährigen Vergütungszeitraums angehängt. Solange kein Smart Meter samt Steuerbox eingebaut ist, gilt stattdessen eine feste Kappung: Die Neuanlage darf dann nur 60 Prozent ihrer installierten Leistung einspeisen. Beide Regeln treffen ausschließlich den Einspeise-Anteil deiner Anlage. Die Botschaft des Gesetzgebers ist eindeutig: Verbrauch deinen Strom selbst. Die genauen Vergütungssätze und Fristen findest du im Detail-Artikel zur Einspeisevergütung 2026.
Solaranlage planen lassen
Ob deine Anlage nach 8 oder erst nach 14 Jahren abbezahlt ist, entscheidet vor allem der Angebotspreis: Für dieselbe 10-kWp-Anlage liegen zwischen Installateuren schnell mehrere Tausend Euro.
AnzeigeEigenverbrauchsquote: die Kennzahl, die alles entscheidet
Die Eigenverbrauchsquote gibt an, welchen Anteil deines Solarstroms du selbst nutzt statt einzuspeisen. Ohne Speicher liegt sie in einem typischen Einfamilienhaus bei 25 bis 35 Prozent, denn eine Solaranlage produziert am meisten mittags, während der Verbrauch morgens und abends anfällt. Mit Batteriespeicher rücken laut Zahlen der HTW Berlin 55 bis 70 Prozent Eigenverbrauch und 60 bis 70 Prozent Autarkie in Reichweite.
Der Unterschied ist bares Geld. Eine 10-kWp-Anlage erzeugt in Deutschland rund 10.000 Kilowattstunden pro Jahr, etwa 1.000 Kilowattstunden je Kilowatt installierter Leistung. Bei 20 Prozent Eigenverbrauch sparst du rund 700 Euro Stromkosten und bekommst 622 Euro Vergütung. Bei 55 Prozent Eigenverbrauch sind es schon 1.925 Euro Ersparnis plus 350 Euro Vergütung. Gleiche Anlage, fast 1.000 Euro Unterschied pro Jahr. Übrigens liefert dein Dach die höchsten Erträge meist nicht im Hochsommer, sondern im Mai und Juni: Hitze senkt den Wirkungsgrad der Module.
Beispielrechnung: 5 und 10 kWp, mit und ohne Speicher
Die Preise sind so niedrig wie nie: Das Fraunhofer ISE meldet für Anfang 2026 durchschnittliche Systempreise um 1.015 Euro pro kWp, kleinere Dachanlagen liegen inklusive Montage meist bei 1.100 bis 1.500 Euro pro kWp. Dank § 12 Abs. 3 UStG fallen seit 2023 null Prozent Mehrwertsteuer an, für Anlagen bis 30 kWp ohne jede Sonderprüfung. Was die Anlage im Detail kostet, schlüsselt der Artikel Was kostet eine Solaranlage 2026? auf.
Die folgende Rechnung nutzt bewusst vorsichtige Annahmen: 1.000 kWh Ertrag pro kWp, 35 Cent gesparter Strompreis, 7,78 Cent Vergütung.
| Szenario | Kosten (0 % MwSt) | Eigenverbrauch | Ertrag pro Jahr | Amortisation |
|---|---|---|---|---|
| 5 kWp ohne Speicher (3.500 kWh Verbrauch) | ca. 7.500 € | ca. 1.300 kWh | ca. 740 € | ca. 10 Jahre |
| 10 kWp ohne Speicher (4.500 kWh Verbrauch) | ca. 13.000 € | ca. 2.000 kWh | ca. 1.320 € | ca. 10 Jahre |
| 10 kWp mit 10-kWh-Speicher (4.500 kWh Verbrauch) | ca. 18.500 € | ca. 3.600 kWh | ca. 1.760 € | ca. 10,5 Jahre |
| 10 kWp mit Speicher, Wärmepumpe und E-Auto (8.000 kWh Verbrauch) | ca. 18.500 € | ca. 5.500 kWh | ca. 2.280 € | ca. 8 Jahre |
Ehrlicherweise gehören auf die Kostenseite noch Betriebskosten: Versicherung, gelegentliche Wartung, Zählergebühren und eine Rücklage für den Wechselrichter, der nach 12 bis 15 Jahren meist einmal getauscht werden muss. Rechne mit 150 bis 250 Euro pro Jahr, das verschiebt die Amortisation um ein bis zwei Jahre nach hinten. Selbst dann bleibt bei 25 bis 30 Jahren Modullebensdauer eine Rendite von 4 bis 7 Prozent auf das eingesetzte Kapital, steuerfrei, weil Erträge kleiner Anlagen rückwirkend seit 2022 einkommensteuerbefreit sind.

Speicher: ehrlich gerechnet
Batteriespeicher sind im Preis stark gefallen, 10 Kilowattstunden Kapazität gibt es installiert ab etwa 3.000 bis 5.000 Euro. Die Stromspeicher-Inspektion 2026 der HTW Berlin hat 12 Systeme geprüft: Die besten erreichen einen System Performance Index von 97 Prozent, die schwächsten nur rund 89 Prozent. Ein ineffizienter Speicher verbrennt also einen Teil des Stroms, den er eigentlich sichern soll. Als Faustregel für die Größe gelten 1,0 bis 1,5 Kilowattstunden Speicherkapazität pro kWp Anlagenleistung.
Rein rechnerisch verlängert ein Speicher die Amortisation oft leicht, wie die Tabelle oben zeigt. Er lohnt sich vor allem, wenn dein Verbrauch schwerpunktmäßig abends anfällt, wenn du dich gegen künftige Strompreissprünge absichern willst oder wenn du ihn mit einem dynamischen Stromtarif kombinierst und billige Nachtstunden zwischenspeicherst. Wie die Technik dahinter arbeitet, erklärt der Artikel Wie funktioniert ein Stromspeicher?. Ein Muss ist der Speicher nicht: Eine Anlage ohne Batterie rechnet sich ebenfalls, nur eben mit mehr billig eingespeistem Überschuss.
Wärmepumpe und E-Auto als Eigenverbrauchs-Booster
Der stärkste Hebel für die Wirtschaftlichkeit ist zusätzlicher Verbrauch im eigenen Haus. Eine Wärmepumpe zieht je nach Gebäude 3.000 bis 5.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, ein E-Auto bei 10.000 Kilometern Fahrleistung rund 1.700 bis 2.000 Kilowattstunden. Jede dieser Kilowattstunden, die vom eigenen Dach statt aus dem Netz kommt, spart dir rund 30 Cent gegenüber dem Wärmepumpen- oder Haushaltstarif.
Im Beispiel oben drückt die Kombination aus Speicher, Wärmepumpe und E-Auto die Amortisation von 10,5 auf etwa 8 Jahre, obwohl die Anlage keinen Cent mehr kostet. Wer ohnehin über einen Heizungstausch nachdenkt, sollte beide Projekte zusammen planen: Wann sich eine Wärmepumpe lohnt, haben wir separat durchgerechnet.

Wann sich eine Solaranlage nicht lohnt
Die Verbraucherzentrale antwortet auf die Frage nach der Rentabilität zwar mit einem klaren "Ja, in den meisten Fällen". Es gibt aber Konstellationen, in denen du besser wartest oder verzichtest:
Starke Verschattung. Kamine, Gauben, Nachbargebäude oder große Bäume kosten überproportional Ertrag, weil verschattete Module ganze Stränge ausbremsen können. Bei dauerhafter Teilverschattung des Dachs solltest du vor der Unterschrift eine Ertragssimulation verlangen. Welche Ausrichtung und Neigung funktioniert, zeigt der Artikel Welches Dach eignet sich für eine Solaranlage?
Dachsanierung steht an. Muss das Dach in den nächsten 10 Jahren neu gedeckt werden, saniere zuerst. Ab- und Wiederaufbau einer bestehenden Anlage kostet schnell mehrere Tausend Euro.
Umzug oder Verkauf geplant. Vor der Amortisationsgrenze von 8 bis 12 Jahren realisierst du den Gewinn nur, wenn der Käufer die Anlage angemessen mitbezahlt. Darauf verlassen solltest du dich nicht.
Sehr niedriger Stromverbrauch. Unter etwa 2.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bleibt die Eigenverbrauchsquote so klein, dass die große Dachanlage kaum Vorteile bringt. Ein Balkonkraftwerk für 400 bis 800 Euro ist dann die bessere Wahl.
Worauf du jetzt achten solltest
Hol dir mindestens drei Angebote ein und vergleiche den Preis pro kWp inklusive Montage, alles unter etwa 1.300 Euro pro kWp ist 2026 ein fairer Kurs. Prüfe deinen tatsächlichen Jahresverbrauch auf der letzten Stromrechnung und dimensioniere die Anlage eher auf das Dach als auf den heutigen Verbrauch, denn Wärmepumpe oder E-Auto kommen oft später dazu. Und warte nicht auf noch tiefere Preise: Jedes Jahr ohne Anlage kostet dich die entgangene Ersparnis von 1.300 Euro und mehr, während die Einspeisevergütung halbjährlich weiter sinkt. Wenn Dach, Verbrauch und Angebotspreis stimmen, ist die Antwort auf die Titelfrage schlicht: jetzt.