Der Herbst 2026 beginnt nicht an einem Datum, sondern an zwei. Meteorologisch startet er am Dienstag, 1. September, astronomisch erst am Mittwoch, 23. September 2026, um genau 02:05 Uhr MESZ. Beide Termine sind korrekt, sie beantworten nur zwei verschiedene Fragen: Der eine teilt das Jahr in saubere Drei-Monats-Pakete für die Statistik, der andere folgt der Stellung der Erde zur Sonne. Dieser Artikel erklärt, warum es die zwei Daten gibt, was an der Tagundnachtgleiche physikalisch passiert und warum die Tage rund um den 23. September so schnell kürzer werden wie zu keiner anderen Zeit im Jahr.
Der meteorologische Herbst: immer am 1. September
Für den Deutschen Wetterdienst (DWD) beginnt der Herbst jedes Jahr fix am 1. September und endet am 30. November. Das Datum wackelt nie, anders als bei der astronomischen Variante. Der Grund ist nüchtern: Meteorologen brauchen ganze Monate. Laut DWD wurde der 1. September festgelegt, um Messdaten international zusammenfassen und vergleichen zu können. Die drei Herbstmonate September, Oktober und November lassen sich als geschlossener Block auswerten, etwa für ein Temperaturmittel oder eine Niederschlagssumme.
Würde man die Jahreszeit erst am 23. September starten, hätte man krumme Zeiträume mit angebrochenen Monaten. Ein Vergleich des Herbstes 2026 mit dem von 1881 wäre dann mühsam, weil sich der astronomische Termin jedes Jahr um Stunden verschiebt. Mit der festen Drei-Monats-Regel bleibt die Klimareihe sauber. Deshalb melden die Wetterdienste ihre Saisonbilanz immer Anfang Dezember, nicht erst kurz vor Weihnachten.
Für dich heißt das: Wenn im Radio von einem "zu warmen Herbst" die Rede ist, meint die Statistik fast immer September bis November. Der Satz bezieht sich also auf den meteorologischen Herbst, nicht auf den Kalender an deiner Wand.
Der astronomische Herbst 2026: 23. September, 02:05 Uhr
Den Termin, der im Kalender steht, liefert die Astronomie. 2026 beginnt der Herbst auf der Nordhalbkugel exakt am 23. September um 02:05 Uhr MESZ, das entspricht 00:05 Uhr Weltzeit. Dieser Zeitpunkt ist kein Tag, sondern ein Augenblick. In dieser Minute überquert die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn den Himmelsäquator und steht senkrecht über dem Erdäquator. Das nennt man Herbst-Tagundnachtgleiche oder Äquinoktium, vom lateinischen "aequus" (gleich) und "nox" (Nacht).
An diesem Punkt sind Tag und Nacht auf der ganzen Erde fast exakt gleich lang, jeweils rund zwölf Stunden. Fast, weil zwei Effekte den Tag um einige Minuten verlängern: Die Erdatmosphäre bricht das Sonnenlicht, sodass die Sonne schon sichtbar ist, wenn sie geometrisch noch unter dem Horizont steht. Und als Aufgang gilt schon der erste Lichtrand, nicht die Mitte der Sonnenscheibe. Der echte Gleichstand von Tag und Nacht fällt deshalb meist auf den 25. oder 26. September, also ein paar Tage nach dem offiziellen Herbstanfang.
Ab dem 23. September kippt das Verhältnis dann klar zugunsten der Nacht. Bis zur Wintersonnenwende am 21. Dezember wird es jeden Tag früher dunkel.

Die schnellsten Tage des Jahres: bis zu vier Minuten Licht weg
Hier kommt der Teil, den viele unterschätzen. Rund um die Tagundnachtgleiche verkürzt sich der Tag schneller als zu jeder anderen Jahreszeit. In Deutschland verliert der Tag im September laut den Auswertungen von wetteronline und Kachelmannwetter etwa drei bis vier Minuten Helligkeit pro Tag, in Süddeutschland kurzzeitig knapp vier Minuten. Über den ganzen Monat summiert sich das auf rund zwei Stunden weniger Tageslicht.
Der Grund liegt in der Geometrie der Erdbahn. Rund um die Sonnenwenden im Juni und Dezember ändert sich die Tageslänge kaum, dort liegt der Tag fast auf einem Plateau. Um die beiden Äquinoktien im März und September dagegen läuft die Sonne am steilsten durch die Höhenwinkel, der Tag fällt oder steigt dann am rasantesten. Deshalb sind Frühlings- und Herbstanfang die Zeitpunkte mit dem schnellsten Lichtwechsel.
Das betrifft dich konkret: Wer im August noch um 21 Uhr im Hellen Rad gefahren ist, steht Ende September plötzlich im Dunkeln. Der gefühlte Sprung in den Herbst kommt also nicht von der Temperatur, sondern von diesem steilen Lichtverlust. Spätestens jetzt lohnt es sich, Fahrradlicht und Reflektoren zu prüfen. Bei guter Witterung schiebt sich oft noch der Altweibersommer dazwischen, eine stabile Schönwetterphase, die den Übergang mild abfedert, aber den Lichtverlust nicht aufhält.
Die vier Jahreszeiten 2026 im Überblick
Damit du den Herbst einordnen kannst, hier alle astronomischen Eckdaten des Jahres 2026 plus der Vergleich der beiden Herbstdefinitionen. Die Jahreszeiten beginnen astronomisch immer an einer Sonnenwende oder einer Tagundnachtgleiche.
| Astronomische Jahreszeit 2026 | Termin | Uhrzeit | Ereignis |
|---|---|---|---|
| Frühlingsanfang | 20. März | 15:46 Uhr MEZ | Tagundnachtgleiche |
| Sommeranfang | 21. Juni | 10:24 Uhr MESZ | Sommersonnenwende |
| Herbstanfang | 23. September | 02:05 Uhr MESZ | Tagundnachtgleiche |
| Winteranfang | 21. Dezember | 21:49 Uhr MEZ | Wintersonnenwende |
Und so unterscheiden sich die beiden Herbst-Termine direkt:
| Herbstanfang 2026 | Definition | Datum | Zweck |
|---|---|---|---|
| Meteorologisch | Fester Monatsbeginn (DWD) | 1. September | Statistische Vergleichbarkeit, ganze Monate |
| Astronomisch | Tagundnachtgleiche | 23. September, 02:05 Uhr | Stellung der Erde zur Sonne |
Astronomisch endet der Herbst 2026 erst mit der Wintersonnenwende am 21. Dezember, meteorologisch dagegen schon am 30. November. Wer es genau nimmt, hat also gleich vier Möglichkeiten, Herbstanfang und Herbstende zu datieren.

Volkskunde: Altweibersommer und Erntedank
Neben Statistik und Astronomie gibt es noch den gefühlten Herbst, der sich an Bräuchen und Naturzeichen festmacht. Der bekannteste Übergangsmarker ist der Altweibersommer, jene warmen, sonnigen Tage im September, an denen morgens lange Spinnfäden glitzern. Der Name spielt auf eben diese Fäden an, das mittelhochdeutsche "weiben" bedeutet so viel wie weben. Mit alten Frauen hat der Begriff ursprünglich nichts zu tun.
Den volkstümlichen Abschluss der Erntezeit bildet das Erntedankfest. In den meisten katholischen und evangelischen Gemeinden in Deutschland fällt es 2026 auf Sonntag, den 4. Oktober, also den ersten Sonntag im Oktober. Die Deutsche Bischofskonferenz legte diesen Termin 1972 als Empfehlung fest. Damit liegt das Fest knapp zwei Wochen nach dem astronomischen Herbstanfang, in einer Phase, in der die Felder weitgehend abgeerntet sind.
Wer den Herbst lieber am Himmel als im Kalender ablesen will, hat im September noch ein Spektakel: Schon vor dem astronomischen Herbstanfang ziehen im August die Perseiden über den Nachthimmel, und mit den länger werdenden Nächten ab Ende September werden klare Sternenhimmel überhaupt erst wieder früh am Abend sichtbar.
Worauf du jetzt achten solltest
Wenn dich der genaue Termin interessiert, merke dir beide: den 1. September für jede Wetterstatistik und den 23. September, 02:05 Uhr, für den Kalender. Für die Praxis zählt vor allem der steile Lichtverlust ab Mitte September. Prüfe rechtzeitig Fahrradbeleuchtung und Autoscheinwerfer, plane Outdoor-Termine eher in die früheren Nachmittagsstunden und rechne damit, dass es Ende September spürbar früher dunkel wird als noch zwei Wochen zuvor. Wer den Herbstanfang an der Wärme festmachen will, sollte den meteorologischen Spätsommer nicht mit dem Ende der warmen Tage verwechseln. Nach der Tagundnachtgleiche folgt oft noch eine milde Phase, bevor die ersten kühlen Nächte den Garten erreichen. Eine ähnliche Faustregel hilft im Frühjahr bei der Schafskälte, die zeigt, wie unzuverlässig Kalenderdaten als Wettervorhersage sind.