Seit dem 12. Januar 2026 darf dein Trinkwasser höchstens 100 Nanogramm sogenannter PFAS pro Liter enthalten. Der neue Summengrenzwert für 20 Ewigkeitschemikalien steht in der überarbeiteten Trinkwasserverordnung und setzt die EU-Richtlinie 2020/2184 in deutsches Recht um. Ab 2028 kommt ein zweiter, deutlich strengerer Wert: Maximal 20 Nanogramm pro Liter für die vier kritischsten Verbindungen PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS. Klingt nach grünem Licht im Hahn. Tatsächlich rechnet das Umweltbundesamt damit, dass rund 5 Prozent aller Trinkwasserproben in Deutschland den 2028er Wert schon jetzt reißen. Und in Orten wie Zeuthen, Ludwigslust oder Güstrow liegen die Messwerte sogar über dem 2026er Limit, das ab nächster Stichprobe Pflicht ist. Hier erfährst du, wie hoch deine Belastung wahrscheinlich ist, was die Werte für Babys und Kleinkinder bedeuten und welcher Haushaltsfilter wirklich hilft.
Was hinter dem Grenzwert von 100 Nanogramm steckt
PFAS steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA listet mehr als 10.000 Einzelverbindungen, die alle eines gemeinsam haben: extrem stabile Bindungen zwischen Kohlenstoff und Fluor. Diese Stabilität macht PFAS in der Industrie nützlich, in Pfannenbeschichtungen, Regenjacken, Pizzakartons und Löschschäumen. Sie macht sie aber auch zum Problem. In der Umwelt bauen sie sich praktisch nicht ab, im Körper reichern sie sich über Jahre an. Genau deshalb heißen sie Ewigkeitschemikalien.
Die neue Trinkwasserverordnung kennt zwei Parameter. Der Summenwert „PFAS-20" umfasst 20 trinkwasserrelevante Einzelstoffe und gilt seit dem 12. Januar 2026. Der strengere Wert „PFAS-4" umfasst nur PFOA, PFOS, PFNA und PFHxS, also die vier Verbindungen, für die die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA 2020 eine tolerierbare wöchentliche Aufnahme von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht festgelegt hat. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat diesen TWI 2024 bestätigt.
| Parameter | Grenzwert | Gilt ab | Was zählt dazu |
|---|---|---|---|
| PFAS-20 | 100 ng/L | 12. Januar 2026 | 20 trinkwasserrelevante Einzelverbindungen |
| PFAS-4 | 20 ng/L | 12. Januar 2028 | PFOA, PFOS, PFNA, PFHxS |
| EFSA-TWI | 4,4 ng/kg/Woche | Wissenschaftlicher Referenzwert | Summe PFAS-4 über alle Quellen |
| ECHA-Verbotsvorschlag | rund 10.000 Stoffe | Beratung seit 2023 | Komplette Stoffgruppe |
Der Witz an der gestaffelten Regelung: Wer 2026 unter 100 ng/L liegt, kann 2028 trotzdem durchfallen. Denn 80 ng/L PFAS-4 entsprechen zwar dem aktuellen Limit, sprengen aber den künftigen Wert um das Vierfache. Genau das ist in mehreren deutschen Regionen schon Realität, wie der BUND im Frühjahr 2026 vorgerechnet hat.
Was der BUND-Test 2026 gefunden hat
Zwischen Juni und Oktober 2025 haben ehrenamtliche Aktive des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland in 46 Orten Stichproben aus dem Wasserhahn gezogen und in einem zertifizierten Labor auf PFAS analysieren lassen. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse Anfang 2026. In 42 von 46 Proben fanden die Prüfer mindestens eine PFAS-Verbindung. Vier Standorte überschritten dabei sogar die strengeren Werte, die erst 2028 verbindlich werden.
| Standort | Auffälligkeit | Vermutete Ursache |
|---|---|---|
| Zeuthen (Brandenburg) | PFAS-4 über 2028er Grenzwert | Altlasten Löschschaum |
| Ludwigslust (MV) | PFAS-4 über 2028er Grenzwert | Altlasten Feuerwehrübungsplatz |
| Güstrow (MV) | PFAS-4 über 2028er Grenzwert | Altlasten Industrie |
| Rastatt (BW) | PFOA-Hotspot seit 2013 | Kontaminierter Papierschlamm-Kompost |
| Düsseldorf Flughafen | PFOS im Grundwasser | Großbrand mit Löschschaum 1996 |
Die Belastung in Rastatt und Mittelbaden ist seit Jahren bekannt. Ein Komposthändler hatte zwischen 2006 und 2008 nach Erkenntnissen der baden-württembergischen Behörden rund 106.000 Tonnen PFAS-haltige Papierschlämme aus 14 Papierfabriken auf Felder ausgebracht. Bis heute steigen die Stoffe ins Grundwasser ab. Eine gemeinsame Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung im „Forever Pollution Project" hat 2023 mehr als 1.500 belastete Orte in Deutschland kartiert, davon über 300 mit erhöhtem Gesundheitsrisiko.

Wer in einer betroffenen Region wohnt, kann beim örtlichen Wasserversorger gezielt nach den aktuellen PFAS-Werten fragen. Versorger sind nach der neuen Verordnung verpflichtet, die Messwerte transparent zu machen. Wer den Wert nicht findet, kann beim Gesundheitsamt eine Auskunft verlangen oder über das Portal „wie-sauber-ist-trinkwasser.de" einen Überblick zur Region bekommen.
Warum auch Mineralwasser kein sicherer Ausweg ist
Wer auf Flaschenwasser ausweicht, kann sich nicht automatisch in Sicherheit wiegen. Bereits 2023 hatte der BUND fünf Mineralwasser auf Trifluoressigsäure getestet, einen besonders kleinen PFAS-Abbaustoff. In drei von fünf Marken wiesen die Prüfer TFA nach. Spreequell aus Brandenburg lag bei 200 Nanogramm pro Liter, Gerolsteiner Naturell bei 92, Hassia Still bei 53. Der gesundheitliche Grenzwert war zwar in keinem Fall überschritten, der Befund zeigt aber: Auch tiefer Grundwasserspiegel schützt nicht zuverlässig vor Ewigkeitschemikalien. Trifluoressigsäure fällt nicht unter die neuen PFAS-20-Grenzwerte, weil die Stoffgruppe nur die mittel- und langkettigen Verbindungen erfasst.
Die Verbraucherzentrale Hamburg weist darauf hin, dass selbst Mineralwasser mit dem Zusatz „für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet" nicht automatisch frei von TFA oder anderen PFAS ist. Wer für Babys auf Nummer sicher gehen will, sollte gezielt nach Tests fragen oder das Leitungswasser filtern.
Wer besonders gefährdet ist
PFAS reichern sich im Körper an. Die Halbwertszeit von PFOS beim Menschen liegt nach EFSA-Angaben bei rund fünf Jahren, bei PFOA bei knapp drei Jahren. Bevor der Körper die Hälfte einer Aufnahme wieder los ist, hat er also längst neue Mengen aufgenommen. Besonders kritisch ist das für Säuglinge und Kleinkinder. Sie haben pro Kilogramm Körpergewicht eine deutlich höhere Wasseraufnahme als Erwachsene, ihre Stoffwechselwege sind noch nicht ausgereift, und PFAS passieren über die Plazenta und über Muttermilch.
Eine Studie der Harvard T.H. Chan School of Public Health von 2024 aus New Hampshire zeigt, wie hart sich PFAS auswirken können. In Regionen mit erhöhter Belastung lag die Säuglingssterblichkeit im ersten Lebensjahr um 191 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, die Zahl extrem früher Frühgeburten vor der 28. Schwangerschaftswoche um 168 Prozent. Solche Studien stammen aus US-Hotspots mit historisch sehr hohen Werten. Für deutsche Verhältnisse mit deutlich niedriger Belastung gelten die Effekte nicht eins zu eins. Aber sie zeigen, in welche Richtung die Risiken bei Schwangeren und Babys gehen: niedrigeres Geburtsgewicht, schwächere Impfantwort, beeinflusste Schilddrüsenwerte.
Bei Erwachsenen verbindet die internationale Krebsforschungsagentur IARC vor allem PFOA mit erhöhtem Risiko für Nieren- und Hodenkrebs. Das BfR betont in seiner FAQ von 2024, dass Teile der Bevölkerung in Europa die tolerierbare Wochendosis von 4,4 Nanogramm pro Kilogramm Körpergewicht über die Gesamtnahrung bereits ausschöpfen oder überschreiten. Trinkwasser ist dabei nicht die größte Quelle. Fisch, Eier und Innereien tragen meist mehr bei. Doch jeder Nanogramm, der über das Wasser dazukommt, addiert sich auf das tägliche Konto.
Welcher Filter wirklich hilft
Wer auf Nummer sicher gehen will, kommt um einen Haushaltsfilter nicht herum. Drei Technologien sind verbreitet, und sie unterscheiden sich erheblich in der PFAS-Wirkung.
| Filtertyp | PFAS-Wirkung | Anschaffung | Folgekosten/Jahr |
|---|---|---|---|
| Kanne mit Aktivkohle (z.B. Brita) | gering, je nach Stoff | 20 bis 60 Euro | 60 bis 120 Euro |
| Aktivkohle-Blockfilter (Untertisch) | mittel, bei kurzkettigen PFAS schwach | 150 bis 400 Euro | 60 bis 150 Euro |
| PFAS-Spezialaktivkohle (z.B. Carbonit GFP P200) | hoch für PFAS-20, schwach für TFA | 250 bis 500 Euro | 100 bis 200 Euro |
| Umkehrosmose (Untertisch) | sehr hoch, inkl. kurzkettiger PFAS und TFA | 300 bis 800 Euro | 80 bis 180 Euro |
Stiftung Warentest hat in Heft 08/2024 zwölf Wasserfilterkannen geprüft und kein einziges Modell mit „gut" bewertet. Die Filter reduzieren zwar Chlor und Kalk, bei PFAS sind sie aber nicht zertifiziert. Für die Stoffgruppe gilt: Klassische Aktivkohle bindet langkettige PFAS wie PFOA und PFOS akzeptabel, versagt aber bei kurzkettigen wie TFA oder PFBA. Die Wirkung hängt zudem stark von Kontaktzeit, Vorfiltration und Wechselrhythmus ab. Ein nicht regelmäßig getauschter Filter kann gespeicherte PFAS sogar wieder freigeben.

Umkehrosmose drückt das Wasser unter Druck durch eine semipermeable Membran. Diese hält Salze, Schwermetalle, Pestizide und nahezu alle PFAS-Verbindungen zurück. Der Filterhersteller Carbonit gibt für seine GFP P200 PFAS-Spezialpatrone eine Reduktion von 99 Prozent bei PFOA und PFOS an, allerdings nur bei normgerechter Durchflussrate. Eine Umkehrosmose-Anlage erreicht 95 bis 99 Prozent Rückhalt über praktisch das gesamte PFAS-Spektrum, inklusive TFA. Nachteil: Sie verbraucht 1 bis 3 Liter „Konzentrat-Wasser" pro Liter Trinkwasser und entfernt auch erwünschte Mineralien, weshalb hochwertige Anlagen eine Remineralisierungs-Stufe haben.
Was du jetzt konkret tun kannst
Erst einmal Ruhe bewahren. Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass nur rund 3,8 Prozent der deutschen Trinkwasserproben den neuen PFAS-20-Wert reißen und 5,0 Prozent den 2028er PFAS-4-Wert. Für die große Mehrheit ist das Leitungswasser also auch ohne Filter im Rahmen der Grenzwerte. Trotzdem lohnt es sich, drei Dinge zu prüfen.
Erstens: Schau dir den aktuellen Trinkwasserbericht deines Versorgers an. Stadtwerke und Wasserverbände müssen seit Januar 2026 die PFAS-Werte ausweisen. Findest du sie nicht online, frag schriftlich beim Versorger oder beim örtlichen Gesundheitsamt nach. Liegen die Werte über 50 ng/L PFAS-20, ist eine Filter-Investition für Haushalte mit Babys oder Schwangeren sinnvoll. Zweitens: Wohnst du in einer Hotspot-Region wie Mittelbaden, im Umkreis ehemaliger Feuerwehrübungsplätze oder belasteter Flughäfen, lohnt eine individuelle Wasseranalyse über ein akkreditiertes Labor. Eine PFAS-Analyse mit PFAS-20-Paket kostet zwischen 120 und 250 Euro. Drittens: Filtere gezielt für Säuglingsnahrung und Trinkwasser, nicht fürs Duschen oder Geschirrspülen. Über die Haut nimmst du nur einen Bruchteil der PFAS auf, die du trinkst. Ein Untertisch-Umkehrosmosefilter am Küchenhahn ist deshalb fast immer ausreichend.
Wer Babynahrung zubereitet, sollte zusätzlich auf abgepackte Produkte aus PFAS-freier Verpackung achten. Manche Pizzakartons, Backpapiere und Pommes-Tüten geben PFAS-Beschichtungen an das Lebensmittel ab. Das BfR rät, fette und feuchte Lebensmittel nicht in Mikrowellen-Popcorn-Tüten oder beschichteten Wegwerf-Behältern zu erhitzen. So senkst du deine Gesamt-PFAS-Belastung. Wenn du saubere Lebensmittel ohne Ewigkeitschemikalien bevorzugst, hilft das mehr als jeder noch so teure Wasserfilter allein.