Ein parkendes Auto wird in der Sonne deutlich heißer, als die Außentemperatur vermuten lässt: Laut einem ADAC-Test klettert der Innenraum schon bei knapp unter 30 Grad Außentemperatur binnen 30 Minuten auf über 50 Grad und erreicht nach rund anderthalb Stunden einen Höchstwert von 59,1 Grad. Das Auto ist also kein Schattenplatz, sondern ein Treibhaus mit Rädern. Wer das unterschätzt, riskiert verbrannte Hände am Lenkrad und im Ernstfall das Leben von Kindern oder Hunden, die im Wagen zurückbleiben. Dieser Artikel zeigt dir, wie schnell es wie heiß wird, warum kleine Körper besonders gefährdet sind, was wirklich kühlt und was rechtlich gilt, wenn du eine Scheibe einschlagen musst.

Wie schnell die Temperatur wirklich steigt

Der Effekt heißt Treibhauseffekt im Kleinen. Sonnenlicht fällt durch die Scheiben, trifft auf dunkle Sitze, Armaturen und Teppich und wird dort in langwellige Wärmestrahlung umgewandelt. Diese Wärme kommt durch das Glas nicht mehr nach draußen und staut sich im Innenraum. Die Luft erhitzt sich, die Oberflächen noch stärker.

Entscheidend ist das Tempo. Der größte Temperatursprung passiert in den ersten 30 Minuten, also genau in der Zeitspanne, in der man "nur kurz" etwas erledigen will. Laut dem Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Tierärztlichen Hochschule Hannover heizt sich ein geschlossenes Fahrzeug bereits bei 20 Grad Außentemperatur innerhalb einer Stunde auf 46 Grad auf. Bei 30 Grad ist dieser lebensgefährliche Bereich schon nach einer halben Stunde erreicht.

Außentemperatur Innenraum nach 10 Min nach 30 Min nach 60 Min
20 °C ca. 27 °C ca. 36 °C ca. 46 °C
25 °C ca. 32 °C ca. 42 °C ca. 50 °C
30 °C ca. 37 °C ca. 49 °C über 55 °C
35 °C ca. 42 °C ca. 54 °C über 60 °C

Die Werte sind Richtwerte für ein in der Sonne parkendes Auto mit geschlossenen Scheiben. Dunkle Lackierung und dunkle Innenausstattung treiben sie nach oben: Im ADAC-Test war der schwarze Lack 65 Grad heiß, der weiße nur 44 Grad. Ein weißer Innenraum blieb rund 5 Grad kühler als ein schwarzer. Die Farbe deines Autos entscheidet also mit, wie schnell der Ofen anspringt.

Warum die Oberflächen heißer sind als die Luft

Die Lufttemperatur ist nur die halbe Wahrheit. Was du anfasst, ist oft deutlich heißer. Im ADAC-Test wurden Lenkrad und Armaturenbrett ohne Schutz über 70 Grad heiß, österreichische Messungen kommen bei Sitzflächen und Armaturen auf 70 bis 80 Grad. Metallteile wie das Gurtschloss heizen sich besonders auf. Bei solchen Temperaturen reicht eine Berührung von wenigen Sekunden für eine Verbrennung ersten oder zweiten Grades, vor allem bei der dünnen Haut von Kleinkindern.

Lenkrad und Armaturenbrett werden im ADAC-Test ohne Schutz über 70 Grad heiß, das Gurtschloss aus Metall noch heißer.
Lenkrad und Armaturenbrett werden im ADAC-Test ohne Schutz über 70 Grad heiß, das Gurtschloss aus Metall noch heißer.

Das So-What ist konkret: Wer sein Kind nach dem Einkauf in einen aufgeheizten Kindersitz setzt, ohne ihn vorher zu prüfen, riskiert Brandblasen an Beinen und Rücken. Fass vor dem Anschnallen Gurtschloss, Sitzschale und Schnallen mit der Hand an. Sind sie heiß für dich, sind sie zu heiß fürs Kind. Welche Vorgaben für die Sicherung gelten, liest du im Artikel dazu, wann dein Kind im Kindersitz sitzen muss.

Warum Kinder und Hunde besonders gefährdet sind

Erwachsene merken Hitze und können gegensteuern. Kinder und Tiere können das nicht, und ihr Körper überhitzt schneller. Babys und Kleinkinder haben im Verhältnis zum Gewicht eine größere Körperoberfläche, nehmen Wärme also schneller auf, und ihre Schweißregulation ist noch nicht ausgereift. Schon ab einer Körpertemperatur um 40 Grad droht ein Hitzschlag mit Bewusstlosigkeit, Organversagen und Lebensgefahr. Den Unterschied zwischen einem harmlosen Sonnenstich und dem gefährlichen Hitzschlag erklärt der Artikel zum Unterschied von Sonnenstich und Hitzschlag.

Hunde sind noch schlechter dran. Sie schwitzen fast nur über die Pfoten und kühlen sich über Hecheln. Ab etwa 28 bis 30 Grad Umgebungstemperatur reicht das nicht mehr aus. Von einem voll ausgeprägten Hitzschlag sprechen Tierärzte bei einer Körperkerntemperatur über 41 Grad, ab 43 Grad endet er meist tödlich. Der Deutsche Tierschutzbund warnt deshalb, Hunde niemals im parkenden Auto zurückzulassen, auch nicht für kurze Zeit und nicht bei bewölktem Himmel.

Der gefährlichste Irrtum ist das Fenster: Ein Spalt offen bringt fast nichts. Er senkt die Innentemperatur um maximal 1 bis 2 Grad, weil die heiße Luft kaum entweichen kann. Auch ein Parkplatz im Schatten oder eine Schale Wasser verhindern keinen Hitzschlag. Die einzige sichere Variante ist, Kind oder Hund gar nicht erst allein im Wagen zu lassen.

Was wirklich kühlt und was nur nett aussieht

Gegen die Hitze hilft am besten, sie gar nicht erst entstehen zu lassen. Der ADAC hat verschiedene Maßnahmen im Vergleich zum ungeschützten Referenzfahrzeug (53 Grad) gemessen.

Maßnahme Innenraum Ersparnis
Abdeckplane / Halbgarage 43 °C ca. 10 °C
Sonnenschutzfolie außen 45 °C ca. 8 °C
Reflektierende Blende innen 49 °C ca. 4 °C
Weißes Tuch aufs Armaturenbrett 50 °C ca. 3 °C
Scheibentönung (ab B-Säule) 51 °C ca. 2 °C

Am meisten bringt also, was die Sonne von außen abhält. Eine außen angebrachte Plane oder Folie schlägt jede Maßnahme im Innenraum, weil die Strahlung gar nicht erst durchs Glas kommt. Für das Lenkrad lohnt sich eine einfache Faltblende auf der Frontscheibe: Sie hielt es im Test bis zu 26 Grad kühler. Wichtig bleibt dabei: Diese Maßnahmen schützen das Material und deine Hände, sie machen das Auto aber nicht sicher für Kind oder Hund.

Eine Sonnenschutzblende auf der Frontscheibe hält das Lenkrad im Test bis zu 26 Grad kühler.
Eine Sonnenschutzblende auf der Frontscheibe hält das Lenkrad im Test bis zu 26 Grad kühler.

Drei einfache Gewohnheiten senken die Belastung zusätzlich: schattig oder in einer Tiefgarage parken, vor der Fahrt kurz durchlüften statt sofort die Klimaanlage auf Maximum stellen, und Elektronik nicht in der prallen Sonne liegen lassen. Warum auch dein Handy unter der Hitze leidet, erklärt der Artikel dazu, wie du deinen Smartphone-Akku vor Sommerhitze schützt. Besonders an den heißesten Tagen des Jahres, den sogenannten Hundstagen, summieren sich diese kleinen Maßnahmen.

Wenn ein Kind oder Tier im heißen Auto eingeschlossen ist

Findest du ein Kind oder einen Hund in einem aufgeheizten Auto, zählt jede Minute. Der erste Schritt ist nicht, sofort die Scheibe einzuschlagen, sondern den Notruf zu wählen: 110 (Polizei) oder 112 (Feuerwehr und Rettungsdienst). Schildere die Lage und versuche parallel, den Halter zu finden, etwa per Durchsage im naheliegenden Geschäft.

Zeigt das Kind oder Tier akute Lebensgefahr und kommt Hilfe nicht rechtzeitig, darfst du die Scheibe einschlagen. Rechtlich greift dann der rechtfertigende Notstand nach § 34 Strafgesetzbuch: Das geschützte Leben wiegt schwerer als der Sachschaden an der Scheibe. Damit das hält, müssen drei Dinge stimmen. Erstens muss eine echte, akute Gefahr bestehen. Zweitens darf es keine mildere Lösung geben, der Notruf ist also bereits informiert und der Halter nicht erreichbar. Drittens darfst du nur so viel Schaden anrichten wie nötig, also eine günstige Seitenscheibe statt der teuren Frontscheibe. Sichere die Situation mit Zeugen und Fotos vom Zustand des Insassen ab, damit du die Notlage später belegen kannst.

Worauf du achten solltest: Lass Kind oder Hund nie allein im parkenden Auto zurück, auch nicht "nur kurz". Prüfe an heißen Tagen vor dem Anschnallen Gurtschloss und Sitz mit der Hand. Park schattig und nutze eine Außenplane oder Frontscheibenblende, wenn du das Auto länger in der Sonne stehen lässt. Und wenn du selbst ein eingeschlossenes Tier oder Kind entdeckst, ruf zuerst 110 oder 112, bevor du zur Selbsthilfe greifst.

Weiterführende Links

ADACHitze im Auto, was hilft wirklich?presse.adac.de
Tierärztliche Hochschule HannoverHitzefalle Auto, Lebensgefahr für Hunde bereits nach Minutentiho-hannover.de
Deutscher TierschutzbundHunde und Katzen bei Hitzetierschutzbund.de