Am 26. März 2026 hat der Bundestag das Gesetz für den digitalen Führerschein beschlossen, ein Jahr später als ursprünglich angekündigt. Bis Ende 2026 soll die Fahrerlaubnis in Deutschland erstmals offiziell aufs Smartphone wandern, integriert in die i-Kfz-App von Kraftfahrt-Bundesamt und Bundesdruckerei. Der digitale Führerschein ist dabei kein Ersatz, sondern eine zusätzliche Variante neben der klassischen Plastikkarte. Wer ihn nutzt, muss die Karte beim Autofahren nicht mehr dabei haben. Was die App wirklich kann, wie du sie einrichtest, wo der digitale Führerschein gilt und was bei einer Polizeikontrolle passiert, bekommst du hier kompakt erklärt.
Was ist der digitale Führerschein und warum kommt er gerade jetzt?
Der digitale Führerschein ist die elektronische Abbildung deiner Fahrerlaubnis auf dem Smartphone. Anstelle der Karte aus Polycarbonat im Geldbeutel öffnest du eine App, weist dich aus und zeigst die Daten der zuständigen Behörde oder Polizei vor. Die App generiert dabei keine Kopie auf deinem Gerät, sondern ruft die Daten aus den staatlichen Registern ab. Das ist wichtig, weil sich der Führerschein so jederzeit zurückziehen oder aktualisieren lässt, etwa nach einem Fahrverbot.
Bislang gibt es in Deutschland nur die scheckkartengroße Plastikvariante, die seit 2013 als europaweit einheitliches Format ausgegeben wird. Mit dem Gesetz vom 26. März 2026 schafft der Bundestag die rechtliche Grundlage, damit der Führerschein offiziell auch in digitaler Form als gültiger Nachweis gilt. Der Schritt ist auch eine Reaktion auf die 4. EU-Führerscheinrichtlinie, die am 25. November 2025 in Kraft getreten ist. Sie verpflichtet alle Mitgliedstaaten, bis spätestens 2030 einen einheitlichen, EU-weit anerkannten digitalen Führerschein einzuführen, der Teil der EUDI-Wallet wird. Deutschland geht den Schritt etwa drei Jahre früher, vorerst nur national.
Vorbild für den technischen Ansatz sind unter anderem Estland, Island und Norwegen, die mobile Fahrerlaubnisse bereits seit Jahren ausgeben. International orientiert sich der Standard an der Norm ISO/IEC 18013-5, dem sogenannten "mobile Driving Licence" Format, das auch die EU-Wallet später nutzen wird. So lässt sich die deutsche Lösung später leichter europaweit anschlussfähig machen.
Die i-Kfz-App: Was sie heute schon kann und was 2026 dazukommt
Die i-Kfz-App ist nicht neu. Seit Sommer 2025 gibt es sie kostenlos im Apple App Store und bei Google Play. Bisher dient sie vor allem dem digitalen Fahrzeugschein: Nach einer Online-Zulassung lässt sich die elektronische Zulassungsbescheinigung Teil I per QR-Code in die App übertragen. Mehr als eine Million Menschen haben sie laut Bundesdruckerei innerhalb des ersten Monats heruntergeladen.
Mit dem Update Ende 2026 kommt der Führerschein als zweite Funktion dazu. Die App wird dadurch zur zentralen Anlaufstelle für mobile Fahrzeug- und Fahrerlaubnis-Dokumente. Entwickelt und betrieben wird sie vom Kraftfahrt-Bundesamt und der Bundesdruckerei, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist eng eingebunden. Damit unterscheidet sich der Ansatz deutlich vom gescheiterten Vorgänger ID-Wallet, der 2021 nach wenigen Tagen wegen Sicherheitsmängeln wieder vom Netz genommen werden musste.
| Funktion | Status |
|---|---|
| Digitaler Fahrzeugschein (eZB Teil I) | Verfügbar seit 2025 |
| Digitaler Führerschein | Geplant für Ende 2026 |
| EU-weit gültige Wallet-Variante | Frühestens 2030 (EUDI-Wallet) |

So richtest du den digitalen Führerschein ein
Die Einrichtung läuft komplett digital ab und benötigt keinen Behördengang. Du brauchst dafür ein paar technische Voraussetzungen. Wenn etwas davon fehlt, geht es nicht.
| Voraussetzung | Worauf du achten musst |
|---|---|
| NFC-fähiges Smartphone | Aktuelle Android- und iPhone-Modelle der letzten Jahre erfüllen das. Sehr alte Geräte oder einige Hersteller-Eigenmarken werden vom KBA aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen. |
| Personalausweis mit aktivierter eID | Die Online-Ausweisfunktion (eID) muss freigeschaltet sein. Das geht im Bürgeramt oder, falls du den PIN-Brief nicht mehr hast, kostenfrei per Antrag bei deiner Meldebehörde. |
| Sechsstellige PIN | Du brauchst die persönliche PIN deines Personalausweises. Ohne sie funktioniert die eID-Authentifizierung nicht. |
| Aktueller Kartenführerschein | Reine Papierführerscheine müssen vorab in einen Kartenführerschein umgetauscht werden, sonst lassen sich die Daten nicht digitalisieren. |
| AusweisApp und i-Kfz-App | Beide Apps sind kostenlos und stehen für iOS und Android in den App Stores bereit. |
Den eigentlichen Ablauf kannst du dir wie ein normales Online-Login vorstellen. Du startest die i-Kfz-App, wählst die Funktion "Digitaler Führerschein" und legst deinen Personalausweis an die Rückseite des Smartphones. Über NFC liest die AusweisApp die Daten aus, du gibst deine PIN ein und stimmst der Übermittlung zu. Die App holt anschließend deine Führerscheindaten direkt aus dem Zentralen Fahrerlaubnisregister beim Kraftfahrt-Bundesamt. Nach wenigen Sekunden ist der digitale Führerschein einsatzbereit.
Wer noch einen alten grauen oder rosa Papierführerschein besitzt, muss zunächst auf die Plastikkarte umsteigen. Wir haben in einem separaten Artikel zusammengefasst, wann der Pflichtumtausch fällig ist und wie er abläuft.
Plastikkarte vs. App: Was sich wirklich unterscheidet
Der digitale Führerschein ersetzt die Karte nicht, er ergänzt sie. Du entscheidest selbst, ob du beides nutzen willst oder nur die App. Im Alltag gibt es aber einige Unterschiede, die du kennen solltest.
| Merkmal | Kartenführerschein | Digitaler Führerschein |
|---|---|---|
| Mitführpflicht beim Fahren | Ja, im Inland gilt aber Nachreichfrist | Entfällt, wenn die App genutzt wird |
| Gültigkeit | EU-weit anerkannt | Vorerst nur in Deutschland |
| Ausstellung | Beim Straßenverkehrsamt, kostenpflichtig | In der App, kostenfrei |
| Sperrung nach Fahrverbot | Karte muss abgegeben werden | Daten werden in der App automatisch entwertet |
| Funktioniert ohne Strom | Ja | Nein, Akku und Empfang nötig |
| Fälschungsrisiko | Polycarbonat mit Sicherheitsmerkmalen | Kryptografisch gesichert, an Gerät und eID gebunden |
Die wichtigste Einschränkung im Alltag: Im Ausland reicht die App nicht. Wer mit dem Auto nach Frankreich, Polen oder Italien fährt, braucht weiterhin den Kartenführerschein im Geldbeutel. Erst mit der EU-weiten Einführung 2030 soll sich das ändern. Bis dahin ist es ratsam, beide Versionen parallel zu führen, vor allem auf längeren Reisen.
Polizeikontrolle: Was passiert, wenn dich die Streife winkt
Bei einer Verkehrskontrolle mit digitalem Führerschein gibt es klare Regeln, die das Bundesverkehrsministerium gemeinsam mit den Innenbehörden der Länder erarbeitet hat. Sie sollen sowohl die Beamten arbeitsfähig machen als auch deine Privatsphäre schützen.
Wenn dich die Polizei anhält und nach dem Führerschein fragt, öffnest du die i-Kfz-App und zeigst den digitalen Führerschein vor. Die Anzeige enthält Vor- und Nachname, Geburtsdatum, Lichtbild, Führerscheinklassen und das Ablaufdatum, also genau die Informationen, die auch auf der Karte stehen. Die Beamten lesen die Daten entweder per QR-Code oder per NFC mit einem Behördengerät aus, je nachdem, wie weit die jeweilige Polizei technisch ausgestattet ist.
Wichtig ist: Du musst dein Handy nicht aus der Hand geben. Die App ist so konzipiert, dass die Polizei nur den Führerscheinbereich sieht und keinen Zugriff auf andere Inhalte deines Smartphones bekommt. Die Anzeige läuft im Hintergrund über eine geprüfte Schnittstelle, vergleichbar mit dem digitalen Boarding-Pass am Flughafen.

Wenn dein Akku leer ist, das Display defekt ist oder du keinen Empfang hast, gilt der digitale Führerschein als nicht vorgelegt. In diesem Fall greifen dieselben Regeln wie beim klassischen "Führerschein vergessen": Du bekommst ein Verwarnungsgeld, in der Regel 10 Euro, und musst den Nachweis nachreichen. Strafrechtlich relevant wird es nicht, solange du tatsächlich eine gültige Fahrerlaubnis besitzt. Wer den digitalen Führerschein nutzt, sollte trotzdem regelmäßig prüfen, ob das Smartphone genug Akku hat, gerade vor langen Fahrten.
Datenschutz, Speicherort und Sicherheit
Datenschutz ist beim digitalen Führerschein ein zentrales Thema. Anders als bei einer einfachen Foto-Kopie der Karte werden hier sensible Personendaten verarbeitet. Das Konzept setzt deshalb an mehreren Stellen an.
Erstens werden die Führerscheindaten nicht dauerhaft auf deinem Gerät gespeichert, sondern bleiben primär im Zentralen Fahrerlaubnisregister beim Kraftfahrt-Bundesamt. Die App hält nur einen kryptografisch signierten Auszug bereit, der regelmäßig mit dem Register abgeglichen wird. Verlierst du dein Handy oder wird es gestohlen, lässt sich der Zugang über die eID sperren.
Zweitens schützt die Geräteauthentifizierung den Zugriff. Du brauchst entweder Face ID, Fingerabdruck oder einen PIN-Code, um die Funktion zu öffnen. Ohne aktive Bildschirmsperre lässt sich der digitale Führerschein nicht starten, das hat das KBA verbindlich festgelegt.
Drittens ist die App selbst durch das BSI geprüft. Die Architektur orientiert sich an dem internationalen Standard ISO/IEC 18013-5, der unter anderem in den USA, Japan und mehreren EU-Ländern als Basis für mobile Führerscheine dient. Auch das spätere EU-Wallet-Format wird auf diese Norm aufsetzen.
Was die App nicht tut: Sie überträgt keine Daten an private Anbieter, sie zeigt keine Werbung, und sie protokolliert keine Bewegungsdaten. Nutzungsdaten werden nur in dem Umfang erhoben, der für die technische Funktion und die Sicherheit nötig ist. Die Server stehen nach Angaben des Bundes in Deutschland.
Was kostet der digitale Führerschein und für wen lohnt er sich?
Der digitale Führerschein selbst ist kostenfrei. Weder für die App noch für die Aktivierung musst du Gebühren zahlen, anders als bei der Plastikkarte, deren Ausstellung beim Straßenverkehrsamt zwischen 24 und 36 Euro kostet. Die einzigen indirekten Kosten entstehen, wenn du deine eID erst aktivieren lassen musst und dafür einen neuen PIN-Brief brauchst. Auch das ist aber bei der Erst-Freischaltung kostenfrei, nur Folgeanträge sind gebührenpflichtig.
Für wen lohnt sich der Wechsel?
- Pendler und Vielfahrer im Inland: Wer täglich mit dem Auto unterwegs ist und seinen Führerschein gerne mal vergisst, profitiert direkt. Das Smartphone hat man ohnehin meist dabei.
- Carsharing-Nutzer und Mietwagen-Kunden: Anbieter wie Sixt oder Share Now planen, die App in ihre Anmietprozesse zu integrieren. Damit entfällt die Plastikkarte beim Kontrollpersonal vor Ort.
- Alle, die die Plastikkarte oft verlegen: Wer schon mehrfach Ersatz beantragen musste, hat mit der App eine zusätzliche Sicherheit.
Weniger geeignet ist der digitale Führerschein im Moment für Vielreisende ins Ausland, für Menschen ohne aktuelles Smartphone oder ohne aktivierte eID. Für sie bleibt die Plastikkarte das praktischere Dokument, zumindest bis 2030.
Fazit
Mit dem digitalen Führerschein bekommt Deutschland Ende 2026 ein zusätzliches, modernes Nachweisformat für die Fahrerlaubnis. Die i-Kfz-App bündelt Fahrzeugschein und Führerschein in einer staatlich kontrollierten Lösung mit hoher Sicherheitsarchitektur. Die Einrichtung über NFC und eID dauert wenige Minuten, kostet nichts und befreit dich im Inland von der Mitführpflicht der Karte. Im Ausland bleibt der Kartenführerschein vorerst Pflicht, EU-weit gilt die digitale Variante erst ab 2030. Wer regelmäßig im Inland fährt, kann mit dem Update einsteigen, ohne etwas zu riskieren. Wichtig ist nur, das Handy aufgeladen zu haben und auf längeren Reisen die Karte trotzdem mitzunehmen.





