Am 2. Januar 2027 startet in Deutschland die staatliche EUDI-Wallet, die digitale Brieftasche der Europäischen Union. Ab diesem Tag kannst du Personalausweis, Führerschein und weitere Nachweise als App auf dem Smartphone tragen. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) hat dafür bereits im Februar 2026 eine Sandbox geöffnet, in der Behörden und Unternehmen Anwendungsfälle testen. Dresden übernimmt eine Pionierrolle und erprobt die Wallet ab Mitte 2026 im Echtbetrieb. Laut einer Bitkom-Umfrage aus März 2026 haben 52 Prozent der Deutschen allerdings noch nie von dem Projekt gehört. Hier erfährst du, wann was kommt, was die Wallet kann und worauf du dich einstellen solltest.

Was ist die EUDI-Wallet?

Die European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) ist eine App, mit der du dich europaweit ausweisen und digitale Dokumente vorzeigen kannst. Grundlage ist die überarbeitete eIDAS-Verordnung, auch eIDAS 2.0 genannt, die am 20. Mai 2024 in Kraft getreten ist. Jeder EU-Mitgliedstaat muss seinen Bürgerinnen und Bürgern bis spätestens 24. Dezember 2026 eine zertifizierte Wallet bereitstellen. Deutschland peilt den 2. Januar 2027 als bundesweiten Starttermin an.

Eigenschaft Details
Starttermin Deutschland 2. Januar 2027
EU-Stichtag 24. Dezember 2026
Rechtsgrundlage eIDAS-Verordnung (EU) 2024/1183
Zuständig in Deutschland BMDS + SPRIND
Kosten kostenlos für alle Bürger
Nutzung freiwillig, kein Zwang
Mindestalter 16 Jahre (Einzelnutzung)
Plattformen Android und iOS

Die Wallet speichert sogenannte Attribute. Das sind einzelne Datenfelder wie Name, Geburtsdatum, Führerscheinklasse oder Hochschulabschluss. Ausgestellt werden sie von Behörden (Public Electronic Attestations of Attributes) oder von qualifizierten Vertrauensdiensten (Qualified EAAs). Das Konzept setzt auf Selective Disclosure: Wenn eine Kneipe wissen will, ob du über 18 bist, zeigst du genau diese Information, nicht dein komplettes Geburtsdatum und auch nicht deine Adresse.

Dokument Voraussichtlich verfügbar
Personalausweis (eID) 2. Januar 2027
Führerschein 2027, EU-weit anerkannt
Geburtsurkunde 2027
Hochschulzeugnisse 2027, schrittweise
Krankenversicherung im Ausbau
Berufsqualifikationen nach Branche
Dresden-Pass Ende 2026 (Pilot)
Sächsischer Ehrenamtspass Ende 2026 (Pilot)

Zeitplan: Wann was kommt

Der Rollout läuft in mehreren Stufen. Bereits im Februar 2026 hat das BMDS eine Sandbox geöffnet. In dieser Testumgebung können Behörden, Unternehmen und Entwickler Anwendungen ausprobieren, ohne echte Nutzerdaten zu verwenden. Die Sandbox ist Voraussetzung dafür, dass Fachverfahren wie BundID, Rente online oder der digitale Führerschein zum Starttermin reibungslos funktionieren.

Phase Zeitpunkt Was passiert
Sandbox-Start Februar 2026 Testumgebung für Behörden und Unternehmen
Dresden-Pilot ab Mitte 2026 echte Nutzer testen Dresden-Pass und Ehrenamt
EU-Deadline 24. Dezember 2026 jedes EU-Land muss Wallet bereitstellen
Bundesweiter Start 2. Januar 2027 App öffentlich verfügbar
Pflicht für Behörden ab 2027 Verwaltung muss Wallet-Login akzeptieren
Private Wallets ca. Januar 2028 zertifizierte Anbieter erlaubt
Pflicht für Große Plattformen bis 2027/28 VLOPs wie Meta, Amazon müssen Login anbieten

Ab dem 2. Januar 2027 ist die staatliche Wallet als Download im App Store und bei Google Play verfügbar. Rund zwölf Monate später dürfen auch private Anbieter zertifizierte EUDI-Wallets auf den Markt bringen. Wer die staatliche Version nicht mag, hat dann Alternativen. Unternehmen, die einen Login auf ihrer Website anbieten, müssen laut Verordnung Wallet-Authentifizierungen akzeptieren. Für Very Large Online Platforms wie Meta, Amazon oder Booking gilt das zuerst.

52 Prozent der Deutschen haben laut Bitkom im März 2026 noch nie von der EUDI-Wallet gehört
52 Prozent der Deutschen haben laut Bitkom im März 2026 noch nie von der EUDI-Wallet gehört

Dresden-Pilot 2026

Dresden ist die erste deutsche Kommune, die die EUDI-Wallet im Praxiseinsatz testet. Die sächsische Landeshauptstadt wurde Ende 2025 vom BMDS als Pilotkommune ausgewählt. Ab Mitte 2026 bekommen Bürgerinnen und Bürger dort die Wallet-App auf ihr Smartphone und können zwei digitale Nachweise hinterlegen: den Dresden-Pass, mit dem Einkommensschwache Vergünstigungen bei Bus, Bahn und Kultur erhalten, und den Sächsischen Ehrenamtspass für ehrenamtlich Engagierte.

Der Pilot läuft in zwei Phasen. Im dritten und vierten Quartal 2026 wird getestet, wie sich die Wallet mit BundID, dem zentralen Nutzerkonto für Verwaltungsleistungen, verbinden lässt. Parallel stellen Dresden und die sächsische Ehrenamtsstiftung die ersten Credentials aus. Ziel ist ein funktionierender Blueprint, den andere Kommunen bis 2028 übernehmen können. Projektpartner sind unter anderem die TU Dresden, die Bundesdruckerei und mehrere lokale Verwaltungsämter.

Dresden sammelt mit dem Pilot auch Erfahrungen zu Themen, die andere Städte ebenfalls betreffen: barrierearme Nutzung für ältere Menschen, Ausstellung analoger Ersatzdokumente für Offline-Nutzer und der Umgang mit verlorenen oder gestohlenen Smartphones. Die Ergebnisse fließen in die Bundesimplementierung für den Start im Januar 2027 ein.

Datenschutz und Freiwilligkeit

Die Nutzung der Wallet ist freiwillig. Niemand muss sein Smartphone zum Personalausweis machen. Der physische Ausweis bleibt gültig, ebenso der analoge Führerschein. Für Behördengänge, Identifikationen bei Banken oder Altersnachweise im Laden musst du die Wallet nicht installieren. Diese Freiwilligkeit ist im Gesetz verankert und war eine zentrale Forderung von Verbraucherschützern und Datenschutzbehörden.

Technisch ist die Wallet nach dem Prinzip der Datenminimierung aufgebaut. Drei Mechanismen sorgen dafür:

Jede Wallet-Nutzung wird in einem lokalen Protokoll auf dem Gerät gespeichert. Du kannst jederzeit sehen, wann welcher Dienst welche Daten abgefragt hat. Die Verbindung zum Verifier (also dem Online-Shop, der Behörde oder der App, die deine Daten prüft) läuft verschlüsselt. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) legt die technischen Mindeststandards fest und zertifiziert die staatliche Wallet-App.

Kritisiert wird vor allem die zentrale Rolle des Smartphones. Ohne geladenes Handy und ohne Internet funktioniert nichts. Wer sein Gerät verliert, muss die Wallet sperren lassen. Dafür soll es eine Sperr-Hotline geben, vergleichbar mit dem zentralen Sperrnotruf 116 116 für EC-Karten. Auch die Frage, wie sicher Smartphones mit veralteten Betriebssystemen sind, wird in der Fachdiskussion intensiv behandelt.

Die digitale Brieftasche startet am 2. Januar 2027 für rund 60 Millionen Smartphone-Nutzer in Deutschland
Die digitale Brieftasche startet am 2. Januar 2027 für rund 60 Millionen Smartphone-Nutzer in Deutschland

Bekanntheit in der Bevölkerung

Die Bitkom-Umfrage aus März 2026 zeigt eine deutliche Informationslücke. Befragt wurden 1.004 Personen ab 16 Jahren.

Antwort Anteil
Noch nie davon gehört 52 Prozent
Begriff bekannt, Inhalt unklar 18 Prozent
Weiß grob, worum es geht 20 Prozent
Kann es gut erklären 5 Prozent

Mehr als die Hälfte der Deutschen hat noch nie vom Projekt gehört, obwohl der Start nur noch wenige Monate entfernt ist. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst forderte deshalb eine breit angelegte Informationskampagne. Zum Vergleich: In Deutschland nutzen rund 64 Millionen Menschen ein Smartphone, also die große Mehrheit der Bevölkerung über 14 Jahren. Die Zielgruppe für die EUDI-Wallet ist entsprechend groß.

Die Skepsis hat auch inhaltliche Gründe. Laut Umfrage befürchten 63 Prozent der Befragten Datenmissbrauch, 59 Prozent sorgen sich um den Datenschutz allgemein, und 47 Prozent haben Angst, das Smartphone zu verlieren. Gleichzeitig sehen 72 Prozent einen klaren Vorteil darin, dass sie weniger Dokumente physisch bei sich tragen müssten. Die Akzeptanz dürfte also mit der realen Nutzererfahrung steigen, wenn die Wallet 2027 in der Breite verfügbar ist.

Was du jetzt tun kannst

Wenn du die Wallet nutzen willst, brauchst du drei Dinge: ein einigermaßen aktuelles Smartphone mit Android 10 oder iOS 15 aufwärts, einen aktivierten Online-Ausweis (eID) auf deinem Personalausweis und eine stabile PIN. Viele Personalausweise haben die eID-Funktion seit 2017 standardmäßig aktiviert, aber nicht jeder kennt seine PIN noch. Du kannst sie kostenlos im Bürgeramt neu setzen lassen oder über die AusweisApp neu anfordern. Wenn dein Personalausweis bald abläuft, lohnt es sich, den neuen direkt mit aktiver eID zu beantragen.

Installier dir schon jetzt die AusweisApp und teste den Online-Ausweis mit einer echten Behördenleistung, zum Beispiel beim Steuerkonto der Finanzverwaltung oder bei der Rentenauskunft über die Deutsche Rentenversicherung. So lernst du den NFC-Flow zwischen Ausweis und Smartphone kennen, den auch die EUDI-Wallet nutzen wird. Sobald die Wallet-App im Januar 2027 verfügbar ist, wirst du sie im App Store oder bei Google Play herunterladen können. Gib deine Zugangsdaten nie an Dritte weiter und achte darauf, dass die App tatsächlich vom BMDS oder einem zertifizierten Anbieter kommt. Phishing-Versuche rund um digitale Identitäten werden nach dem Launch erfahrungsgemäß zunehmen.

Weiterführende Links

BMDSbmds.bund.de →EUDI-Wallet in Deutschland
Bitkom-Umfrage zur EUDI-Wallet (März 2026)bitkom.org →
Netzpolitik.orgnetzpolitik.org →FAQ zur EUDI-Wallet