Das erste Smartphone kam nicht von Apple und nicht 2007, sondern von IBM und im Jahr 1994. Es hieß Simon Personal Communicator, hatte einen Touchscreen, einen Kalender, einen Taschenrechner, eine Notizfunktion und konnte E-Mails und sogar Faxe verschicken. Entwickelt hat den Prototyp der IBM-Ingenieur Frank Canova, also 13 Jahre bevor Steve Jobs das erste iPhone auf die Bühne brachte. Wer das Smartphone erfunden hat, ist damit klarer als gedacht. Spannend ist die andere Frage: Warum erinnert sich kaum jemand an Simon und alle an das iPhone. Dieser Artikel zeichnet die Linie nach: vom IBM Simon über die Tastatur-Ära von Nokia und BlackBerry bis zum iPhone, das nicht das erste, aber das erste massentaugliche Smartphone war.
Der IBM Simon von 1994: das erste echte Smartphone
Vorgestellt wurde der IBM Simon als Prototyp namens "Sweetspot" schon am 16. November 1992 auf der Computermesse COMDEX in Las Vegas. In den Handel kam er am 16. August 1994, vertrieben vom US-Mobilfunkanbieter BellSouth, gebaut von Mitsubishi Electric. Laut der englischsprachigen Wikipedia kostete das Gerät 899 US-Dollar mit Zweijahresvertrag und 1.099 US-Dollar ohne. Später fiel der Preis auf 599 Dollar mit Vertrag. Das war für 1994 viel Geld, umgerechnet ein guter Monatslohn.
Technisch war Simon seiner Zeit weit voraus und gleichzeitig ein Klotz. Das Gerät wog 510 Gramm, also rund das Dreifache eines heutigen iPhones, und maß gut 20 Zentimeter in der Länge. Der Bildschirm war ein 4,5 Zoll großer, einfarbiger Touchscreen, bedient per Finger oder mitgeliefertem Stift. Im Inneren steckte ein 16-Megahertz-Prozessor und ein Megabyte Arbeitsspeicher. Der Akku hielt im Telefonbetrieb nur rund eine Stunde. Trotzdem vereinte Simon Funktionen, die damals auf mehrere Geräte verteilt waren: Telefon, Adressbuch, Kalender, Terminplaner, Weltzeituhr, Notizblock, Taschenrechner, E-Mail und Fax in einer Hand.
Genau diese Bündelung macht ihn rückblickend zum ersten Smartphone. Das Computer History Museum im kalifornischen Mountain View beschreibt den Simon als "das erste Smartphone, das Mobiltelefon, Organizer, Fax und Pager kombinierte". Der Erfolg blieb trotzdem aus: In rund sechs Monaten, von August 1994 bis Februar 1995, verkaufte BellSouth nur etwa 50.000 Stück. Dann wurde Simon eingestellt.

Wie der Begriff entstand und wer den Namen erfand
Kurioserweise hieß das erste Smartphone gar nicht so. Das Wort "Smartphone" tauchte erst 1997 auf, geprägt vom schwedischen Hersteller Ericsson für ein Konzeptgerät namens GS88 mit dem Spitznamen "Penelope". Das Gerät kam nie in den Handel, nur der Name blieb. Erst im Jahr 2000 brachte Ericsson mit dem R380 das erste Gerät auf den Markt, das offiziell als "Smartphone" verkauft wurde. Der IBM Simon lief sechs Jahre vorher noch unter der sperrigen Bezeichnung "Personal Communicator".
Das ist mehr als eine Randnotiz. Es erklärt, warum Simon in keiner Erinnerung als "erstes Smartphone" abgespeichert wurde: Den Begriff gab es zu seinen Lebzeiten schlicht nicht. Wer ein Produkt nicht benennen kann, vermarktet es schwer. Das Computer History Museum führt deshalb eine ganze Reihe von Geräten als Wegbereiter, nicht nur Simon.
Zwischen Simon und dem iPhone lag ein gutes Jahrzehnt, in dem das Smartphone vor allem ein Werkzeug für Geschäftsleute war. Bedient wurde es per Stift oder physischer Tastatur, nicht per Finger. Diese Phase prägte zwei Namen: Nokia und BlackBerry.
Von der Tastatur zum iPhone: die Meilensteine
Den nächsten großen Schritt machte Nokia. Am 15. August 1996, fast auf den Tag zwei Jahre nach Simon, kam der Nokia 9000 Communicator. Aufgeklappt verbarg das Klapphandy eine komplette QWERTZ-Tastatur, dazu E-Mail, Fax und einen Browser. 2002 folgte mit dem BlackBerry 5810 das erste BlackBerry mit Telefonfunktion. BlackBerrys Push-E-Mail lieferte Nachrichten praktisch in Echtzeit aufs Gerät und machte die Marke bei Managern so beliebt, dass sich der Spitzname "CrackBerry" einbürgerte. Allen gemeinsam: kleine Hardware-Tasten, kein flüssiges Touch-Erlebnis.
| Jahr | Gerät | Hersteller | Bedienung | Bedeutung |
|---|---|---|---|---|
| 1992 | Simon (Prototyp "Sweetspot") | IBM | Touchscreen + Stift | Erste Vorstellung auf der COMDEX |
| 1994 | Simon Personal Communicator | IBM / Mitsubishi | Touchscreen + Stift | Erstes echtes Smartphone, ca. 50.000 verkauft |
| 1996 | 9000 Communicator | Nokia | QWERTZ-Tastatur | Erstes Smartphone mit voller Tastatur |
| 2000 | R380 Smartphone | Ericsson | Touchscreen + Stift | Erstes Gerät offiziell als "Smartphone" verkauft |
| 2002 | 5810 | BlackBerry (RIM) | QWERTZ + Push-Mail | Durchbruch im Business-Markt |
| 2007 | iPhone | Apple | Kapazitives Multitouch | Erstes massentaugliches Smartphone |
| 2008 | App Store | Apple | Software-Ökosystem | Apps von Drittanbietern als Standard |
Den Bruch brachte Apple. Am 9. Januar 2007 stellte Steve Jobs auf der Macworld in San Francisco das erste iPhone vor, mit dem Satz: "Today, Apple is going to reinvent the phone." Das Entscheidende war nicht, dass es einen Touchscreen hatte. Den hatte Simon 13 Jahre vorher schon. Das Entscheidende war die Art des Touchscreens: ein kapazitives Multitouch-Display, das auf den bloßen Finger reagierte, mit Wischen und Zoomen per zwei Fingern, ganz ohne Stift. Den Stift, an dem Microsoft und Palm jahrelang festhielten, machte Apple überflüssig.

Der zweite Hebel folgte 2008. Am 10. Juli 2008 öffnete der App Store mit rund 500 Apps. Plötzlich konnte jeder Entwickler Software fürs Telefon schreiben, und jeder Nutzer sie mit zwei Tipps installieren. Aus dem Telefon wurde eine Plattform. Genau diese Kombination aus fingertauglicher Bedienung und einem offenen Software-Ökosystem fehlte Simon, Nokia und BlackBerry. Deshalb war das iPhone nicht das erste Smartphone, aber das erste, das in die Hosentasche von Millionen Menschen passte, die keine Geschäftsleute waren.
Was das für die Geschichtsschreibung bedeutet
Die Antwort auf "Wer hat das Smartphone erfunden?" lautet also: Frank Canova und sein Team bei IBM, 1994. Steve Jobs hat das Smartphone nicht erfunden, sondern populär gemacht. Beides ist eine Leistung, nur eben eine unterschiedliche. Das ist dasselbe Muster wie bei vielen Erfindungen. Auch beim Telefon hielt nicht der erste Tüftler das Patent, das zeigt die Geschichte rund um die Frage, wer das Telefon erfunden hat. Und auch beim Internet lässt sich der eine Erfinder nicht benennen, weil viele Hände am Werk waren.
Für dich als Leser heißt das: Wenn du wissen willst, wer etwas erfunden hat, lohnt der Blick hinter die berühmte Marke. Die erste Version eines Produkts kommt oft Jahre vor dem Modell, das alle kennen, und stammt von Leuten, deren Namen niemand mehr nennt. Wer Quellen prüft, findet bei Technikthemen mit dem Computer History Museum und der Wikipedia zwei verlässliche Anlaufstellen, die Originalgeräte und Daten dokumentieren. Und falls du dein heutiges Smartphone möglichst lange behalten willst, achte vor allem auf den Akku, etwa indem du es vor sommerlicher Hitze schützt. Denn dass moderne Geräte deutlich länger als die eine Stunde von Simon durchhalten, ist kein Zufall, sondern Pflege.