Thomas Alva Edison hat am 27. Januar 1880 das US-Patent 223.898 auf die erste marktreife Glühlampe erhalten. Sein Prototyp leuchtete am 21. Oktober 1879 mehr als 13 Stunden lang, später erreichten verbesserte Kohlefäden über 1.200 Stunden Brenndauer. Edison war damit weder der erste, der Licht aus elektrischem Strom erzeugte, noch der einzige, der an einer Glühlampe arbeitete. Der Brite Joseph Swan hatte sein Patent in England schon ein Jahr früher. In Deutschland hält sich bis heute ein anderer Name: Heinrich Göbel, ein Uhrmacher aus Springe bei Hannover, soll die Glühbirne angeblich schon 1854 erfunden haben. Der Historiker Hans-Christian Rohde hat diesen Mythos 2006 in seiner Dissertation als Betrug entlarvt. Hier erfährst du, wer die Glühbirne wirklich erfunden hat, warum der Göbel-Schwindel so lange überlebte und was Edisons eigentliche Leistung war.
Chronologie: Vom Lichtbogen zur Massenware
Die Glühlampe ist nicht das Werk eines einzelnen Erfinders. Sie ist das Ergebnis einer 70 Jahre langen Kette aus Experimenten, Patenten und Verbesserungen. Die wichtigsten Stationen:
| Jahr | Erfinder | Land | Beitrag |
|---|---|---|---|
| 1809 | Humphry Davy | UK | Erster elektrischer Lichtbogen mit zwei Kohleelektroden |
| 1840 | Warren de la Rue | UK | Platindraht in Vakuumröhre, zu teuer für Markt |
| 1841 | Frederick de Moleyns | UK | Erstes britisches Patent auf eine Glühlampe |
| 1854 | Heinrich Göbel | USA | Angebliche Erfindung, nie belegt (s. unten) |
| 1860 | Joseph Swan | UK | Erster Prototyp mit verkohltem Papierstreifen |
| 1872 | Alexander Lodygin | Russland | Patent auf Wolframfaden-Lampe |
| 1878 | Joseph Swan | UK | Funktionsfähige Kohlefaden-Lampe, öffentliche Demo |
| 1879 | Thomas Edison | USA | Patent angemeldet (4. November), Demo am 21. Oktober |
| 1880 | Thomas Edison | USA | US-Patent 223.898 erteilt (27. Januar) |
| 1881 | Edison & Swan | UK | Vergleich, gemeinsame Firma "Ediswan" |
| 1906 | General Electric | USA | Wolframfaden, heute übliche Bauform |
Humphry Davy zeigte schon 1809 im Royal Institution in London, dass Strom Licht erzeugen kann. Sein Lichtbogen zwischen zwei Kohlestäben war allerdings nicht alltagstauglich: zu hell, zu heiß, zu kurzlebig. Die eigentliche Aufgabe der nächsten 70 Jahre lautete deshalb: Wie bekommt man einen Glühfaden, der lange genug hält, kühl genug bleibt und billig herzustellen ist.
Joseph Swan: Der vergessene Erste
Joseph Wilson Swan, ein Chemiker aus Sunderland, präsentierte am 18. Dezember 1878 in der Chemical Society of Newcastle eine funktionsfähige Kohlefaden-Lampe. Sein britisches Patent reichte er am 27. November 1880 ein, ein Jahr vor Edisons US-Patent. Swan rüstete 1881 das Savoy Theatre in London mit 1.200 Lampen aus, das war die erste öffentliche Gebäudebeleuchtung der Welt.
Edison verklagte Swan zunächst auf Patentverletzung. Der Streit endete 1883 mit einem Vergleich: Beide gründeten die gemeinsame Firma "Edison & Swan United Electric Light Company", kurz "Ediswan". Sie teilten den europäischen Markt unter sich auf. Swan verkaufte seinen Anteil 1893, sein Name verschwand fast vollständig aus den Geschichtsbüchern. Edison, der bessere Selbstvermarkter, blieb der "Erfinder der Glühbirne".
Im Deutschen Museum in München steht heute eine originale Swan-Lampe von 1881 neben einer Edison-Lampe aus dem gleichen Jahr. Die beiden Bauformen unterscheiden sich kaum.

Der Göbel-Schwindel: 152 Jahre Geschichtsfälschung
Heinrich Göbel wanderte 1849 aus Springe bei Hannover nach New York aus und arbeitete dort als Uhrmacher und Optiker. 1893 tauchte er als Zeuge in einem amerikanischen Patentstreit auf. Drei Firmen, darunter "Beacon Vacuum Pump and Electrical Company", versuchten Edisons Patent zu kippen. Ihre Strategie: Sie behaupteten, Göbel habe schon 1854 eine funktionsfähige Glühlampe gebaut, also 25 Jahre vor Edison. Damit wäre Edisons Patent ungültig gewesen.
Das Manöver scheiterte 1893 vor dem US-Bundesgericht. Die Richter glaubten Göbel nicht. Der greise Uhrmacher starb wenige Monate später, im Dezember 1893. Doch der Mythos wanderte zurück nach Deutschland und verselbstständigte sich. Schon 1923 errichtete Göbels Heimatstadt Springe ein Denkmal. Die NS-Propaganda griff den Stoff dankbar auf: Göbel als "deutsches Erfinder-Genie", das vom Amerikaner Edison um den Ruhm betrogen worden sei. Der Schriftsteller Hans Dominik schrieb 1939 eine populäre Biografie, die noch in den 1980er Jahren in Schulbüchern stand.
Erst 2006 hat der Historiker und Studienrat Hans-Christian Rohde aus Springe in seiner Dissertation an der Universität Hannover alle "Beweise" systematisch durchleuchtet. Sein Buch "Die Göbel-Legende" erschien 2007 im zu Klampen Verlag. Rohdes Befund: Keiner der angeblichen Zeugen aus dem Jahr 1854 war zu diesem Zeitpunkt überhaupt nachweislich in den USA. Die Zeitungsartikel, auf die sich der Mythos stützte, stammten alle aus dem Jahr 1893, geschrieben für den Patentprozess. Es existiert kein einziges erhaltenes Originalstück einer angeblichen Göbel-Lampe von 1854.
Die Stadt Springe nahm das Göbel-Denkmal nicht ab, ergänzte aber 2007 eine Informationstafel. Auch Planet Wissen (WDR) und das Deutsche Museum haben ihre Darstellungen seit 2007 korrigiert. Trotzdem behauptet jede neue Generation deutscher Schüler hartnäckig, "ein Deutscher" habe die Glühbirne erfunden.
Edisons wahre Leistung: Das System
Edisons eigentliche Innovation war nicht die Lampe selbst, sondern das System drumherum. Am 4. September 1882 schaltete Edison in der Pearl Street Station in New York das erste kommerzielle Stromnetz der Welt ein. Es versorgte zunächst 85 Kunden, darunter die Börse und die "New York Times", mit 110 Volt Gleichstrom. 400 Lampen leuchteten gleichzeitig.
Edison hatte parallel zur Lampe folgende Komponenten erfunden oder vermarktet:
- den Schraubsockel (E27, bis heute Standard)
- den Bipolschalter
- die Sicherung
- den Stromzähler
- das verzweigte Verteilungsnetz mit parallelen Stromkreisen
Diese Systemintegration war der eigentliche Durchbruch. Eine einzelne Glühlampe nützt niemandem. Erst das Komplettpaket aus Kraftwerk, Leitungen, Sicherung, Zähler und passender Fassung machte elektrisches Licht alltagstauglich. Bis 1890 hatte Edisons Firma in den USA bereits 800 Kraftwerke gebaut.
Sein Konkurrent George Westinghouse setzte ab 1886 auf Wechselstrom, was technisch besser für lange Distanzen funktioniert. Es kam zum "Stromkrieg" zwischen den Systemen. Westinghouse gewann, der Wechselstrom setzte sich durch. Edisons Lampe blieb trotzdem das beherrschende Produkt am Markt.

Vom Verbot zum Sammlerstück
Die klassische Glühbirne ist heute in der EU verboten. Die Ökodesign-Verordnung der EU (Nr. 244/2009) hat den Verkauf seit 2009 schrittweise eingeschränkt, seit 1. September 2012 dürfen keine matten oder klaren Allgebrauchslampen mit Glühfaden mehr neu in den Handel. Grund: Eine klassische Glühbirne wandelt nur etwa 5 Prozent des Stroms in Licht um, der Rest geht als Wärme verloren. Eine LED-Lampe schafft 30 bis 40 Prozent Lichtausbeute.
Das spart konkret Geld. Eine 60-Watt-Glühbirne, drei Stunden am Tag in Betrieb, verbraucht im Jahr 66 Kilowattstunden. Bei einem Strompreis von 33 Cent (Bundesnetzagentur, Mittelwert 2025) sind das 22 Euro pro Jahr und Lampe. Eine vergleichbare LED mit 8 Watt zieht im gleichen Nutzungsprofil nur 8,8 Kilowattstunden, das macht rund 2,90 Euro Stromkosten. Bei zehn Lichtquellen im Haushalt sparst du jährlich rund 190 Euro.
Wer historische Lampen sammelt, wird in Online-Auktionen fündig. Originale Edison-Lampen aus den 1880er Jahren werden je nach Zustand für 600 bis 3.500 Euro gehandelt. Eine erhaltene Swan-Lampe ist deutlich seltener, für ein Exemplar von 1879 wurden 2024 bei einer Christie's-Auktion in London umgerechnet 11.000 Euro bezahlt.
Was du jetzt mitnehmen kannst
Wenn dich jemand fragt, wer die Glühbirne erfunden hat: Die ehrliche Antwort ist "Edison und Swan parallel, und das System dahinter Edison allein". Heinrich Göbel taucht zu Recht in keinem internationalen Nachschlagewerk auf. Wer für Schule oder Studium recherchiert, sollte sich nicht auf ältere deutsche Schulbücher verlassen, sondern die Dissertation von Hans-Christian Rohde von 2006 sowie das Deutsche Museum als Primärquelle nutzen. Und wenn du noch Reste an Glühbirnen im Keller hast: Sie sind kein Sondermüll, gehören aber wegen der Glasbruchgefahr in den Restmüll, nicht ins Altglas. LED-Lampen dagegen müssen seit Inkrafttreten der WEEE-Richtlinie 2012/19/EU als Elektroschrott im Wertstoffhof oder im Einzelhandel ab 25 Quadratmeter Verkaufsfläche zurückgegeben werden.