Bei einem E-Scooter-Unfall haftet derjenige, dem ein Verschulden nachgewiesen werden kann. Anders als bei Autos greift bei E-Scootern aktuell keine Gefährdungshaftung, weil sie unter 20 km/h fahren. Das bedeutet: Wirst du von einem E-Scooter angefahren, musst du dem Fahrer sein Fehlverhalten beweisen. 2024 registrierte das Statistische Bundesamt 11.944 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden, 27 Menschen starben. Die Zahlen steigen jedes Jahr. Hier erfährst du, wie die Haftung funktioniert, was die Versicherung übernimmt und welche Strafen drohen.

Verschuldenshaftung statt Gefährdungshaftung

E-Scooter sind nach der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) von der Gefährdungshaftung nach § 7 StVG ausgenommen. Der Grund: Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei 20 km/h. Für Geschädigte ist das ein Nachteil. Bei einem Autounfall haftet der Halter grundsätzlich, auch wenn ihm kein Verschulden nachgewiesen wird. Bei einem E-Scooter-Unfall muss der Geschädigte dagegen beweisen, dass der Fahrer schuld war.

Ein Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums vom Dezember 2025 soll das ändern. Der Entwurf sieht vor, dass E-Scooter-Halter künftig verschuldensunabhängig haften und Fahrer bei vermutetem Verschulden die Beweislast tragen. Inkrafttreten voraussichtlich 2027.

Die Kfz-Haftpflichtversicherung des E-Scooters greift derzeit nur, wenn dem Fahrer ein Verschulden nachgewiesen wird. Scheitert der Nachweis, bleibt der Geschädigte auf seinen Kosten sitzen.

Versicherungspflicht und Kosten

Jeder E-Scooter mit Straßenzulassung braucht eine Kfz-Haftpflichtversicherung. Der Nachweis erfolgt über eine Versicherungsplakette, die jährlich die Farbe wechselt (2025: grün, 2026: schwarz). Die Versicherungsperiode läuft vom 1. März bis Ende Februar des Folgejahres.

Anbieter Ab-Preis pro Jahr Altersgruppe
VGH ab 25 Euro ab 23 Jahre
HUK-Coburg ab 27 Euro ab 23 Jahre
Allianz ab 31 Euro ab 25 Jahre
Die Bayerische ab 37 Euro ab 23 Jahre
Jüngere Fahrer 40-60 Euro unter 23 Jahre

Wer ohne Versicherung fährt, begeht eine Straftat nach § 6 PflVG. Es droht eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr. 2024 waren rund 990.000 E-Scooter in Deutschland versichert, davon 780.000 private und 210.000 Leih-Scooter.

Unfallzahlen: Fast eine Versechsfachung seit 2020

Die Zahl der E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden hat sich in vier Jahren fast versechsfacht. 2024 verunglückten insgesamt 12.973 Menschen, davon 27 tödlich.

Jahr Unfälle Getötete Schwerverletzt Leichtverletzt
2020 2.155 5 386 1.907
2021 5.535 5 900 5.000
2022 8.260 11 1.234 7.651
2023 9.425 22 1.220 8.911
2024 11.944 27 1.513 11.433

31,4 Prozent aller E-Scooter-Unfälle sind Alleinunfälle, also Stürze ohne Beteiligung anderer Verkehrsteilnehmer. 14 der 27 Toten 2024 starben bei Alleinunfällen. Häufigste Unfallursache ist die falsche Straßenbenutzung (21,2 Prozent), gefolgt von Alkoholeinfluss (12,4 Prozent). Fast die Hälfte aller Verunglückten (48,6 Prozent) ist unter 25 Jahre alt.

11.944 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registrierte das Statistische Bundesamt 2024, ein Anstieg von 26,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr
11.944 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden registrierte das Statistische Bundesamt 2024, ein Anstieg von 26,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr

Leih-Scooter vs. eigener Scooter

Leih-Scooter von Anbietern wie Tier, Lime oder Bolt machen 20 Prozent des Bestands aus, verursachen aber 40 Prozent aller Schäden. Die Unfallhäufigkeit liegt bei Leih-Scootern mit 0,9 Unfällen pro 100 Fahrzeuge mehr als doppelt so hoch wie bei privaten Scootern (0,4).

Bei Leih-Scootern stellt der Verleiher die Haftpflichtversicherung. Du bist als Nutzer über den Anbieter versichert. Allerdings haftest du persönlich bei grober Fahrlässigkeit, Alkohol- oder Drogeneinfluss, Manipulation am Scooter oder wenn du einen Schaden nicht ordnungsgemäß meldest. Die Anbieter können Regress von bis zu 5.000 Euro fordern. Das Weitergeben deines Accounts ist ein Vertragsbruch und kann zur dauerhaften Sperrung führen.

Bei einem eigenen Scooter musst du die Haftpflichtversicherung selbst abschließen und die Plakette anbringen. Dafür hast du die volle Kontrolle über Wartung und Zustand des Fahrzeugs.

Typische Szenarien und ihre Folgen

Unfall mit Fußgänger: Du fährst auf dem Gehweg (verboten) und triffst einen Fußgänger. Deine Haftpflichtversicherung zahlt dessen Behandlungskosten, Schmerzensgeld und Verdienstausfall, sofern dein Verschulden feststeht. Zusätzlich droht ein Bußgeld von 15 bis 30 Euro fürs Gehwegfahren.

Unfall mit Auto: 5.302 der 11.944 Unfälle 2024 passierten mit Pkw-Beteiligung. Hier greift die Kfz-Haftpflicht desjenigen, der den Unfall verursacht hat. Bei geteiltem Verschulden wird quotiert.

Zu zweit auf dem Scooter: Verboten, aber verbreitet. 508 Mitfahrer verunglückten 2024. Neben dem Bußgeld von 10 Euro haftet der Fahrer potenziell auch für Verletzungen des Mitfahrers. Die Versicherung kann Leistungen kürzen.

Bußgeldkatalog für E-Scooter

Verstoß Bußgeld Punkte Fahrverbot
Gehweg befahren 15-30 Euro
Zu zweit fahren 10 Euro
Ohne Versicherungsplakette 40 Euro
Handy-Nutzung 100 Euro 1
Rote Ampel überfahren 60 Euro 1
Qualifizierter Rotlichtverstoß (über 1 Sek.) 100 Euro 1 1 Monat
Alkohol 0,5-1,09 Promille (1. Mal) 500 Euro 2 1 Monat
Alkohol 0,5-1,09 Promille (2. Mal) 1.000 Euro 2 3 Monate
Ohne Versicherung Straftat bis 1 Jahr Haft

Die Promillegrenze liegt bei 0,5 für alle Fahrer und bei 0,0 für Fahrer unter 21 Jahren und Fahranfänger in der Probezeit. Ab 1,1 Promille ist es eine Straftat mit Geldstrafe, 3 Punkten und Führerscheinentzug.

48,6 Prozent aller bei E-Scooter-Unfällen Verunglückten sind unter 25 Jahre alt, Alkohol ist bei 12,4 Prozent der Unfälle im Spiel
48,6 Prozent aller bei E-Scooter-Unfällen Verunglückten sind unter 25 Jahre alt, Alkohol ist bei 12,4 Prozent der Unfälle im Spiel

Was du beachten solltest

Schließe vor der ersten Fahrt eine Haftpflichtversicherung ab (ab 25 Euro pro Jahr). Fahre auf dem Radweg, nie auf dem Gehweg. Trage einen Helm, auch wenn er nicht Pflicht ist. Und verzichte auf Alkohol: Jeder achte E-Scooter-Unfall passiert unter Alkoholeinfluss. Bei Leih-Scootern lohnt sich ein Blick in die AGB, damit du weißt, wann der Anbieter dich in Regress nehmen kann. Ab 2027 greifen voraussichtlich strengere Regeln: Blinker-Pflicht, getrennte Bremsen und eine Gleichstellung der Haftung mit dem Autoverkehr.

Weiterführende Links

ADACadac.de →E-Scooter Regeln und Bußgelder
Destatisdestatis.de →E-Scooter-Unfallstatistik 2024
GDVgdv.de →E-Scooter-Versicherungsstatistik