Für die meisten Altbauten reicht eine ganz normale Luft-Wasser-Wärmepumpe, ohne Fußbodenheizung und ohne Komplettsanierung. Das ist keine Werbeaussage der Hersteller, sondern das Ergebnis eines vierjährigen Feldtests des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE, abgeschlossen im November 2025: 77 Wärmepumpen in echten Bestandsgebäuden, das älteste Baujahr 1826. Trotzdem hält sich der Satz "Wärmepumpe geht nicht im Altbau" hartnäckig. Dieser Artikel zeigt, was der Feldtest wirklich ergeben hat, mit welchem einfachen Test du dein Haus selbst prüfst, welcher Wärmepumpen-Typ zu welchem Gebäude passt und welche Maßnahmen sich tatsächlich lohnen.

Was der Fraunhofer-Feldtest im Altbau gemessen hat

Das Projekt "WP-QS im Bestand" des Fraunhofer ISE hat vier Jahre lang 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern überwacht: 61 Luft-Wasser-Anlagen und 16 Erdreich-Wärmepumpen, in Gebäuden mit Baujahren von 1826 bis 2001 und 90 bis 370 Quadratmetern Wohnfläche. Die Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichten im Schnitt eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,4. Sie machen also aus einer Kilowattstunde Strom 3,4 Kilowattstunden Wärme. Erdgekoppelte Anlagen kamen im Mittel auf 4,3. Wie eine Wärmepumpe dieses Kunststück physikalisch hinbekommt, erklärt der Artikel zur Funktionsweise der Wärmepumpe im Detail.

Der eigentliche Knaller steht aber weiter hinten im Bericht: Die Forscher fanden keine Korrelation zwischen dem Baujahr der Gebäude und der Effizienz der Wärmepumpe. Ein Haus von 1900 kann also genauso effizient mit einer Wärmepumpe heizen wie eines von 2000. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern die Vorlauftemperatur des Heizsystems. Auch der oft beschworene Heizstab, der angeblich im Winter heimlich die Stromrechnung sprengt, spielte kaum eine Rolle: Er übernahm bei den Luft-Wasser-Anlagen nur 1,3 Prozent der elektrischen Arbeit.

Ergebnis Luft-Wasser-WP Erdreich-WP
Anlagen im Test 61 16
Mittlere JAZ 3,4 4,3
Spanne der JAZ 2,6 bis 4,9 3,6 bis 5,4
Anteil Heizstab am Stromverbrauch 1,3 Prozent nahe 0 Prozent
CO2-Vorteil gegenüber Gasheizung (2024, dynamisch) 64 Prozent 64 Prozent (Pool-Mittel)

Wichtig für die Einordnung: Die Testgebäude waren keine Vorzeige-Sanierungen. Die ab 1977 errichteten Häuser waren bis auf eines komplett unsaniert, bei den älteren war etwa die Hälfte nachträglich an der Fassade gedämmt. Fraunhofer-Teamleiter Danny Günther fasst es so zusammen: Wärmepumpen heizen auch in älteren Gebäuden effizient und klimaschonend, "ohne dass die Gebäude auf Neubaustandard saniert werden müssen".

Solaranlage planen lassen

Am wirtschaftlichsten läuft die Wärmepumpe mit eigenem Solarstrom: Im Fraunhofer-Feldtest kamen Haushalte mit PV-Anlage und Speicher auf bis zu 62 Prozent Autarkie.

Anzeige

Vorlauftemperatur: die Zahl, die wirklich zählt

Ob eine Wärmepumpe in deinem Altbau wirtschaftlich läuft, entscheidet fast ausschließlich die Vorlauftemperatur, also die Temperatur des Wassers, das in deine Heizkörper fließt. Alte Öl- und Gaskessel schieben oft 70 Grad durchs System, weil es sie kaum Effizienz kostet. Eine Wärmepumpe arbeitet dagegen umso sparsamer, je niedriger die Vorlauftemperatur ist: Jedes Grad weniger senkt den Stromverbrauch um rund 2,5 Prozent. Zwischen 65 und 50 Grad Vorlauf liegen also grob 35 Prozent Stromkosten.

Die gute Nachricht: Viele Altbauten kommen mit deutlich weniger Temperatur aus, als der alte Kessel liefert. Heizkörper wurden früher oft überdimensioniert, und jede nachträgliche Maßnahme wie neue Fenster senkt den Bedarf weiter. Der Fraunhofer-Feldtest bestätigt das: Ausreichend dimensionierte Heizkörper liefen im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen wie Fußbodenheizungen. Die verbreitete Annahme "Wärmepumpe braucht Fußbodenheizung" ist damit widerlegt.

Der 55-Grad-Test: prüfe dein Haus an einem kalten Wintertag

Ob dein Haus bereit ist, findest du ohne Energieberater heraus. Die Verbraucherzentrale empfiehlt dafür einen simplen Selbsttest: Stelle an einem richtig kalten Wintertag die Vorlauftemperatur deiner Heizung auf maximal 55 Grad und drehe alle Thermostate auf Stufe 3, das entspricht etwa 20 Grad Raumtemperatur. Dann warte einen Tag ab.

Peter Kafke von der Energieberatung der Verbraucherzentrale erklärt die Auswertung: Wird es in allen Räumen warm, ist der Einbau einer Wärmepumpe problemlos möglich. Bleiben einzelne Zimmer kalt, reicht vermutlich der Austausch der betroffenen Heizkörper gegen größere. Erst wenn viele Räume kalt bleiben, brauchst du entweder Dämm-Maßnahmen, eine Hochtemperatur-Wärmepumpe oder eine Hybrid-Lösung. Der Test kostet nichts, dauert einen Tag und liefert dir eine belastbare Entscheidungsgrundlage. Wer ihn auslässt und stattdessen auf Bauchgefühl saniert, gibt schnell fünfstellige Beträge für Maßnahmen aus, die die Wärmepumpe gar nicht braucht.

Luft-Wasser, Sole-Wasser oder Hochtemperatur: welcher Typ passt

Für den Altbau kommen im Wesentlichen vier Konzepte infrage. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe ist mit Abstand am häufigsten, weil sie ohne Bohrung und Genehmigung auskommt. Ihr Nachteil: Die Außeneinheit macht Geräusche, was bei engen Grundstücksgrenzen relevant wird. Wie laut das wirklich ist und welche Abstände gelten, liest du im Artikel zur Lautstärke von Wärmepumpen. Sole-Wasser-Wärmepumpen holen die Wärme per Erdsonde oder Flächenkollektor aus dem Boden, laufen dadurch effizienter (JAZ 4,3 statt 3,4 im Feldtest), kosten aber wegen der Bohrung deutlich mehr.

Der Tausch einzelner Heizkörper kostet 350 bis 900 Euro pro Stück, eine Fußbodenheizung ist im Altbau laut Fraunhofer-Feldtest meist unnötig
Der Tausch einzelner Heizkörper kostet 350 bis 900 Euro pro Stück, eine Fußbodenheizung ist im Altbau laut Fraunhofer-Feldtest meist unnötig
Typ Vorlauf Altbau-Eignung Besonderheit
Luft-Wasser-WP bis ca. 60 Grad gut, Standard-Lösung keine Bohrung, Schall beachten
Sole-Wasser-WP (Erdsonde/Kollektor) bis ca. 60 Grad sehr gut, höchste Effizienz Bohrung genehmigungspflichtig, Grundstück nötig
Hochtemperatur-WP (meist Propan R290) bis 70 Grad und mehr gut bei hohem Wärmebedarf läuft mit alten Heizkörpern, aber höherer Stromverbrauch
Hybrid (WP plus Gaskessel) flexibel Übergangslösung Gaskessel springt nur an Frosttagen ein
Luft-Luft-WP ohne Wasserkreis meist ungeeignet braucht sehr gute Dämmung, keine Heizkörper nutzbar

Hochtemperatur-Wärmepumpen mit dem Kältemittel Propan (R290) schaffen Vorlauftemperaturen von 70 Grad und mehr. Sie sind die Lösung für Häuser, die beim 55-Grad-Test durchfallen und bei denen Dämmung kurzfristig nicht drin ist. Der Preis dafür ist ein höherer Stromverbrauch, denn die Physik bleibt: Hohe Vorlauftemperatur kostet Effizienz. Hybrid-Anlagen kombinieren eine kleiner dimensionierte Wärmepumpe mit dem bestehenden Gaskessel, der nur an den kältesten Tagen zuschaltet. Das drückt die Investition, konserviert aber den Gasanschluss samt Grundpreis und CO2-Abgabe. Als Dauerlösung ist Hybrid deshalb meist zweite Wahl, zumal das Gebäudeenergiegesetz die Anforderungen an fossile Heizungen weiter verschärft. Was ab 2026 überhaupt noch erlaubt ist, haben wir separat aufgeschlüsselt.

Welche Maßnahmen dein Altbau wirklich braucht

Die teuerste Fehlannahme beim Thema Wärmepumpe im Altbau lautet: erst Vollsanierung, dann Wärmepumpe. Tatsächlich reichen oft gezielte Einzelmaßnahmen, die zusammen einen niedrigen vierstelligen Betrag kosten. Am wirksamsten ist der Tausch einzelner zu kleiner Heizkörper gegen größere Modelle oder spezielle Wärmepumpen-Heizkörper: 350 bis 900 Euro pro Stück inklusive Montage. Dazu kommt der hydraulische Abgleich, der die Wärme gleichmäßig im Haus verteilt und laut co2online in einem Einfamilienhaus zwischen 650 und 1.250 Euro kostet. Wer noch Reserven heben will, dämmt die Kellerdecke für 50 bis 145 Euro pro Quadratmeter, eine der günstigsten Dämm-Maßnahmen überhaupt.

Maßnahme Typische Kosten Wirkung
Einzelne größere Heizkörper 350 bis 900 Euro pro Stück senkt nötige Vorlauftemperatur gezielt in kalten Räumen
Hydraulischer Abgleich 650 bis 1.250 Euro (Einfamilienhaus) verteilt Wärme effizient, Pflicht bei Förderung
Kellerdeckendämmung 50 bis 145 Euro pro m² warme Füße im Erdgeschoss, schnell umsetzbar
Fußbodenheizung nachrüsten fünfstellig laut Feldtest meist unnötig
Fassadendämmung fünfstellig nur nötig, wenn viele Räume beim 55-Grad-Test kalt bleiben

Zur Einordnung: Die Gesamtinvestition für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe steht im Artikel zu den Wärmepumpen-Kosten 2026. Die Einzelmaßnahmen oben sind dagegen Kleinigkeiten, die die Jahresarbeitszahl und damit deine Stromrechnung dauerhaft verbessern.

Ein hydraulischer Abgleich kostet im Einfamilienhaus 650 bis 1.250 Euro und senkt die Vorlauftemperatur, jedes Grad weniger spart rund 2,5 Prozent Strom
Ein hydraulischer Abgleich kostet im Einfamilienhaus 650 bis 1.250 Euro und senkt die Vorlauftemperatur, jedes Grad weniger spart rund 2,5 Prozent Strom

KfW-Förderung: seit dem 21. Juli 2026 gelten neue Sätze

Bei der Förderung hat sich Mitte 2026 einiges geändert, und viele ältere Ratgeber-Artikel rechnen noch mit den alten Zahlen. Seit dem 21. Juli 2026 gilt: Die Grundförderung der KfW beträgt weiterhin 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Der Klimageschwindigkeitsbonus für den Tausch alter Öl- und Gasheizungen wurde aber von 20 auf 16 Prozent gesenkt, der Effizienzbonus von 5 Prozent ist komplett entfallen. Die förderfähigen Kosten für die erste Wohneinheit sanken von 30.000 auf 28.000 Euro. Haushalte mit niedrigem Einkommen erhalten einen Einkommensbonus von bis zu 40 Prozent, in der Spitze sind so bis zu 80 Prozent Förderquote und maximal 22.400 Euro Zuschuss möglich.

Warten wird ab jetzt teurer, nicht billiger: Ab Februar 2027 sinkt der Klimageschwindigkeitsbonus alle sechs Monate um weitere 4 Prozentpunkte, und die Grundförderung soll im ersten Quartal 2027 für Wärmepumpen aus Nicht-EU-Fertigung auf 15 Prozent fallen. Geräte aus EU-Produktion sollen über einen neuen Wertschöpfungsbonus weiter auf 30 Prozent kommen. Wichtigste Regel dabei: Der Förderantrag muss vor der Unterschrift unter den Liefer- oder Werkvertrag gestellt werden, sonst verfällt der komplette Zuschuss. Übrigens lohnt sich der Blick aufs eigene Dach gleich mit: Im Fraunhofer-Feldtest erreichten Haushalte, die ihre Wärmepumpe mit Photovoltaik und Batteriespeicher kombinierten, bis zu 62 Prozent Autarkie, ohne Speicher waren es 25 bis 40 Prozent. Ob sich eine Solaranlage für dich rechnet, hängt vor allem von Dach und Eigenverbrauch ab.

Wie du jetzt vorgehst

Starte mit dem 55-Grad-Test im kommenden Winter, er kostet dich nur einen Tag Geduld. Fällt er positiv aus, hol dir zwei bis drei Angebote für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe und lass dabei die Heizlast berechnen, denn der Fraunhofer-Feldtest zeigte, dass viele Anlagen überdimensioniert eingebaut werden, was Effizienz kostet. Bleiben einzelne Räume kalt, plane dort größere Heizkörper ein und rechne den hydraulischen Abgleich gleich mit. Erst wenn viele Räume durchfallen, gehören Hochtemperatur-Wärmepumpe oder gezielte Dämmung auf den Tisch. Und stelle den KfW-Antrag, bevor du irgendetwas unterschreibst: Zwischen 16 Prozent Bonus heute und dem nächsten Förderschnitt ab Februar 2027 liegen bei 28.000 Euro Investition schnell über 1.000 Euro Unterschied.

Weiterführende Links

Fraunhofer ISEForschungsprojekt WP-QS im Bestandise.fraunhofer.de
VerbraucherzentraleWelche Voraussetzungen muss mein Haus erfüllen?verbraucherzentrale.de
KfWHeizungsförderung für Privatpersonenkfw.de