Im Mai 2026 dominieren in Deutschland Gräser, Birke und Esche die Luft, ab Monatsmitte mischt der Roggen kräftig mit. Der Deutsche Wetterdienst meldet für den 3. Mai 2026 in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens und der Rhein-Main-Region Birken-, Gräser- und Eschenpollen gleichzeitig. Für die rund 15 Prozent der Erwachsenen mit ärztlich diagnostiziertem Heuschnupfen beginnt damit die belastendste Phase des Jahres. Wer betroffen ist, sollte jetzt wissen, was draußen fliegt und wann der Flug umkippt.
Was im Mai 2026 fliegt
Der Mai ist der Übergangsmonat. Die letzten Baumpollen verabschieden sich, die Saison der Gräser- und Getreidepollen läuft an. Die Birke hat ihren kurzen, intensiven Peak meist Ende April bis Mitte Mai, danach fällt die Belastung schnell ab. Gräser steigen ab der ersten Maiwoche an und erreichen ihren Höhepunkt erst im Juni und Juli.
| Pollenart | Belastung im Mai 2026 | Hauptmonate |
|---|---|---|
| Birke | hoch (Anfang Mai), abklingend | April bis Mai |
| Esche | mittel bis hoch | April bis Mai |
| Süßgräser | ansteigend, lokal hoch | Mai bis August |
| Roggen | einsetzend ab Mitte Mai | Mai bis Juli |
| Eiche | mittel | Mai bis Juni |
| Spitzwegerich | gering, beginnend | Juni bis August |
| Hasel, Erle | abgeschlossen | Februar bis April |
Der DWD veröffentlicht täglich eine Vorhersage für acht allergologisch relevante Pollenarten: Hasel, Erle, Esche, Birke, Süßgräser, Roggen, Beifuß und Ambrosia. Im Mai sind davon in der Regel vier gleichzeitig in der Luft. Das erklärt, warum viele Allergiker in diesem Monat das Gefühl haben, dass nichts mehr hilft: Die Belastung ist tatsächlich kumulativ.

Die drei Hauptallergene des Monats
Birke. Die Birke gilt als einer der stärksten Pollenallergie-Auslöser in Mitteleuropa. Ein einziger Birkenkätzchen kann mehrere Millionen Pollen freisetzen. Birkenpollen tragen das Hauptallergen Bet v 1, das bei vielen Betroffenen zusätzlich Kreuzreaktionen mit Lebensmitteln wie Apfel, Haselnuss oder Karotte auslöst. Wer im Mai plötzlich Juckreiz im Mund nach einem Apfel verspürt, sollte das ernst nehmen.
Süßgräser. Mit über 9.000 Arten weltweit sind Gräser die häufigste Ursache für Heuschnupfen. In Deutschland sind besonders Wiesenlieschgras, Knaulgras, Wiesenrispe und Wiesenfuchsschwanz relevant. Gräserpollen sind klein, leicht und werden vom Wind kilometerweit getragen. Die Belastung steigt typischerweise an warmen, trockenen Tagen mit leichtem Wind.
Roggen. Roggen ist das einzige Getreide, das per Wind bestäubt wird. Roggenfelder produzieren so viele Pollen, dass sie noch in mehreren Kilometern Entfernung Symptome auslösen können. Die Roggenblüte beginnt typischerweise in der zweiten Maihälfte und dauert bis Anfang Juli.
Klimawandel: Die Saison wird länger
Die Pollensaison hat sich verschoben, und zwar messbar. Im Vergleich zu 1990 beginnt sie heute laut Bundesumweltministerium etwa zwanzig Tage früher und dauert zehn Tage länger. Eine globale Studie kommt auf einen durchschnittlichen Anstieg der Saisondauer von 0,9 Tagen pro Jahr. Für Berlin haben Forscher gezeigt, dass sich der Beginn der Birkenblüte zwischen 1984 und 2008 um elf Tage nach vorne verschoben hat. Die Haselblüte setzt heute im Mittel zwei Wochen früher ein als in den 1960er-Jahren.
Was bedeutet das konkret für dich als Allergiker? Mehr Tage mit Symptomen, früherer Saisonstart und höhere Pollenkonzentrationen pro Kubikmeter Luft. Das erklärt auch den Anstieg der Sensibilisierungen: Der Anteil der Spitzwegerich-Sensibilisierten in Deutschland ist innerhalb von zwei Jahrzehnten von rund 26 Prozent auf 50,5 Prozent gestiegen. Das Robert Koch-Institut warnt sogar von einem allergologischen "Tsunami" und beziffert die Gesamtprävalenz allergischer Erkrankungen bei Erwachsenen mittlerweile auf rund 30 Prozent in den letzten zwölf Monaten.

Symptome richtig deuten
Die typischen Heuschnupfen-Symptome im Mai sind nicht immer eindeutig. Eine Pollenallergie kann sich zeigen durch:
- juckende, tränende, gerötete Augen
- niesreizdominanten Schnupfen mit klarem Sekret
- juckenden Rachen, Husten, Engegefühl in der Brust
- Müdigkeit, Konzentrationsstörungen
- Schlafprobleme durch verstopfte Nase
Anders als ein Infekt verläuft Heuschnupfen ohne Fieber und tritt meist tagesabhängig auf, mit klarer Besserung nach Regen oder im Auto mit geschlossenem Fenster. Wer eine Pollenallergie unbehandelt lässt, hat ein erhöhtes Risiko für einen "Etagenwechsel": Aus Heuschnupfen entwickelt sich bei rund einem Drittel der Betroffenen ein allergisches Asthma. Das ist der Grund, warum Allergologen zu früher Behandlung raten und nicht erst, wenn die Atemwege beteiligt sind.
Pollenflug richtig vorhersagen
Drei verlässliche Quellen für die tägliche Lage:
- DWD-Pollenflug-Gefahrenindex mit regionaler Karte für Deutschland, Update zweimal täglich
- Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID), der über 30 Messstationen betreibt und seit über 40 Jahren wissenschaftlich fundierte Daten liefert
- Pollen-Apps wie "Pollen+" der Techniker Krankenkasse oder die App des PID, die individuelle Symptomtagebücher mit Messdaten verknüpfen
Wichtig: Pollenmessungen lagen bislang oft mit ein bis zwei Tagen Verzögerung vor, weil Proben manuell unter dem Mikroskop ausgewertet wurden. Neue automatische Messstationen liefern inzwischen Daten in nahezu Echtzeit, sind in Deutschland aber noch nicht flächendeckend verfügbar.
Was du jetzt tun kannst
Praktische Schritte für Mai 2026:
- Lüften nach Region anpassen. In der Stadt ist die Pollenkonzentration morgens am niedrigsten, auf dem Land abends. Lüfte je nach Wohnort zwischen 6 und 8 Uhr (Stadt) oder zwischen 19 und 24 Uhr (Land).
- Pollenfilter im Auto prüfen. Aktivkohle-Innenraumfilter halten bis zu 99 Prozent der Pollen draußen, müssen aber jährlich gewechselt werden.
- Haare abends waschen. Pollen setzen sich in den Haaren fest und gelangen sonst aufs Kissen.
- Wäsche nicht draußen trocknen. Klingt banal, reduziert die Innenraumbelastung aber spürbar.
- Antihistaminika rechtzeitig einnehmen. Cetirizin und Loratadin sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, ab rund 5 Euro pro Packung. Stiftung Warentest empfiehlt sie als Mittel der ersten Wahl bei leichten bis mittleren Beschwerden.
- Bei starken Symptomen ärztlich abklären. Eine spezifische Immuntherapie (SCIT oder SLIT) dauert drei Jahre, kostet die Krankenkasse rund 1.500 bis 2.500 Euro pro Patient und kann die Allergie ursächlich behandeln. Start ist jeweils im Spätsommer oder Herbst nach Saisonende.
Die Pollensaison im Mai ist intensiv, aber endlich. Wer die Hauptauslöser kennt und die richtigen Werkzeuge nutzt, kommt deutlich beschwerdeärmer durch.