Die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) hat in Deutschland inzwischen feste Standorte. Laut Robert Koch-Institut und dem Friedrich-Loeffler-Institut gelten Freiburg, Heidelberg, Jena und Fürth seit der Saison 2026 als Gebiete mit etablierten, sich selbst reproduzierenden Populationen. Anders als die heimische Stechmücke fliegt sie tagsüber, sticht auch durch dünne Kleidung und kann Viren wie Chikungunya, Dengue und Zika übertragen. Ein einziger Blumentopf-Untersetzer mit ein paar Millilitern Regenwasser reicht aus, damit bis zu 300 Larven schlüpfen. Was du tun kannst, wenn du sie im eigenen Garten entdeckst, welche Maßnahmen sofort wirken und wie die Meldung ans RKI funktioniert, liest du in diesem Artikel.

Woran du die Tigermücke erkennst

Die Tigermücke ist deutlich kleiner als eine heimische Stechmücke, meist nur vier bis sieben Millimeter lang. Ihr Markenzeichen ist die kontrastreiche Schwarz-Weiß-Zeichnung: ein einzelner weißer Längsstreifen verläuft über Kopf und Rückenpanzer, die Beine zeigen weiße Ringe, der Hinterleib ist ebenfalls schwarz-weiß gebändert. Wer eine grau-braune, eintönig wirkende Mücke entdeckt, hat fast immer eine heimische Art vor sich.

Auch das Verhalten unterscheidet sich. Während Hausmücken in der Dämmerung und nachts aktiv sind, sticht die Tigermücke nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts vor allem zwischen den späten Vormittags- und frühen Abendstunden. Sie ist eine aggressive Tagstecherin, fliegt niedrig und gezielt Füße und Knöchel an. Ihr Stechrüssel ist kräftig genug, um durch dünne Stoffe wie Leinenhosen, Strümpfe oder Sportshirts hindurchzugehen.

Merkmal Heimische Stechmücke (Culex pipiens) Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus)
Größe 5 bis 8 mm 4 bis 7 mm
Färbung Hellbraun bis grau, eintönig Schwarz mit weißem Rückenstreifen, weiße Beinringe
Aktivität Dämmerung und Nacht Tagsüber, vor allem 10 bis 18 Uhr
Sticht durch Kleidung Selten Ja, auch durch dünne Stoffe
Brutstätte Größere Wasserflächen, Regentonnen Kleinste Wasseransammlungen ab wenigen Millilitern
Krankheitsübertragung in DE Praktisch keine Chikungunya, Dengue, Zika (selten, aber dokumentiert)
Flugradius Mehrere hundert Meter 100 bis 200 Meter

Wer unsicher ist, kann ein totes Exemplar fotografieren und beim sogenannten Mückenatlas einreichen. Das Projekt wird vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und dem Friedrich-Loeffler-Institut betrieben und sammelt seit 2012 Daten aus ganz Deutschland. Über das Online-Formular oder die kostenlose Mückenatlas-App lassen sich Funde mit Foto und Standort melden, eine Bestimmung durch Fachleute folgt in der Regel innerhalb weniger Wochen. Diese Meldungen fließen direkt in die offizielle Verbreitungskarte ein, auf deren Basis Kommunen wie Freiburg und Heidelberg ihre Bekämpfungsprogramme planen.

Warum die Tigermücke ein echtes Problem ist

Die Tigermücke stammt ursprünglich aus den Tropen Südostasiens und wurde mit gebrauchten Reifen und Pflanzentransporten weltweit verschleppt. In Italien ist sie seit den 1990ern flächendeckend etabliert, in Süddeutschland tauchten 2007 erste Einzelnachweise auf. Inzwischen meldet das Robert Koch-Institut auch in Berlin, Pforzheim und im südlichen Hessen Funde, die auf weitere Etablierungen hindeuten.

Drei von vier dokumentierten Tigermücken-Populationen in Deutschland liegen südlich der Mainlinie, mit Schwerpunkt im Oberrheingraben
Drei von vier dokumentierten Tigermücken-Populationen in Deutschland liegen südlich der Mainlinie, mit Schwerpunkt im Oberrheingraben

Der entscheidende Punkt ist die Krankheitsübertragung. Aedes albopictus gilt weltweit als Hauptüberträger des Chikungunya-Virus und kann auch Dengue und Zika übertragen. In Frankreich und Italien hat es seit 2010 mehrere autochthone Ausbrüche gegeben, also Übertragungen ohne Reise-Vorgeschichte. In Deutschland wurden bisher nur Einzelfälle dokumentiert, alle in Regionen mit nachgewiesener Tigermücken-Population. Das RKI bewertet das Risiko aktuell als gering, weist aber darauf hin, dass mit steigenden Sommertemperaturen und längeren warmen Phasen die Wahrscheinlichkeit lokaler Übertragungen zunimmt.

Auch wer keine Tropenviren fürchtet, hat ein praktisches Problem: Die Stiche sind im Schnitt schmerzhafter als die der heimischen Mücke und reagieren häufiger mit starken Schwellungen. Wer empfindlich reagiert, kann faustgroße Quaddeln entwickeln, die mehrere Tage jucken. Für Allergikerinnen und kleine Kinder lohnt sich darum ein konsequenter Schutz, sobald die Tigermücke in der Region nachgewiesen ist.

Brutstätten finden und trockenlegen

Die wichtigste Maßnahme ist banal: Wasser weg. Die Tigermücke legt ihre Eier am Rand kleinster Wasseransammlungen ab. Sobald Regen oder Gießwasser die Eier benetzt, schlüpfen die Larven. Vom Ei bis zur fertigen Mücke dauert es bei 25 Grad nur sieben bis zehn Tage. Wer alle zwei Wochen einmal systematisch durch den Garten geht, unterbricht den Zyklus zuverlässig.

Brutstätte Wie oft prüfen Sofort-Maßnahme
Blumentopf-Untersetzer Wöchentlich Wasser ausschütten, trocken stellen oder mit Kies füllen
Regentonne Wöchentlich Mit feinmaschigem Netz (max. 1 mm) abdecken
Gießkannen Nach jedem Gebrauch Umdrehen oder trocken lagern
Vogeltränke, Trinkschale Haustier Alle 3 bis 4 Tage Wasser komplett wechseln, Schale ausspülen
Dachrinne 2x im Jahr Laub entfernen, Gefälle prüfen
Pool-Abdeckplane Wöchentlich Pfützen auf der Plane abziehen
Eimer, Wannen, Kinderspielzeug Wöchentlich Umdrehen oder unter Dach lagern
Hohle Zaunpfosten Saisonbeginn Mit Silikon oder Stopfen verschließen
Friedhofsvasen Wöchentlich Mit Sand oder Steckschwamm füllen
Reifen, Schubkarren Wöchentlich Umdrehen, Wasser ablassen

Besonders unterschätzt werden die kleinen Wassermengen. In der Empfehlung der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage am Oberrhein (KABS) heißt es, dass schon ein Esslöffel Wasser für eine erfolgreiche Brut genügt. Ein gewöhnlicher Untersetzer mit acht Zentimetern Durchmesser kann theoretisch um die 300 Larven beherbergen.

Wer Wasserflächen nicht entfernen kann, etwa eine Regentonne zur Gartenbewässerung, sollte sie engmaschig abdecken. Standardabdeckungen aus dem Baumarkt mit Maschen unter einem Millimeter verhindern die Eiablage zuverlässig. Auch ein passgenauer Deckel mit Überlauf-Schutz reicht aus, solange kein Spalt offen bleibt.

BTI als chemiefreie Notlösung

Wenn sich Wasserflächen nicht beseitigen lassen, etwa in Zisternen, Teichrandbereichen oder gemeinschaftlich genutzten Regentonnen, kommen biologische Larvizide ins Spiel. Der Wirkstoff heißt Bacillus thuringiensis israelensis, kurz BTI. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) listet mehrere BTI-Produkte als zugelassene Biozide.

BTI ist ein in Böden natürlich vorkommendes Bakterium. Seine Sporen produzieren ein Eiweißkristall, das nur im stark alkalischen Mitteldarm von Mückenlarven aktiv wird und deren Darmwand zerstört. Larven sterben innerhalb von 24 Stunden. Für Bienen, Hummeln, Fische, Lurche, Vögel, Säugetiere und Menschen ist der Wirkstoff nach aktuellem Stand der Forschung unbedenklich, weil deren Verdauung anders aufgebaut ist. BTI-Tabletten sind im Baumarkt und in Gartencentern erhältlich, eine Packung mit 20 Tabletten kostet rund 8 bis 12 Euro und reicht je nach Wasserfläche für eine ganze Saison.

Eine BTI-Tablette behandelt etwa 50 Liter Wasser für drei bis vier Wochen und kostet zwischen 40 und 60 Cent pro Anwendung
Eine BTI-Tablette behandelt etwa 50 Liter Wasser für drei bis vier Wochen und kostet zwischen 40 und 60 Cent pro Anwendung

Die Anwendung ist simpel. Eine Tablette pro 50 Liter Wasser, alle drei bis vier Wochen nachlegen. Bei Starkregen, der das Wasser komplett austauscht, sollte direkt nachbehandelt werden. Wichtig: BTI wirkt nur gegen Larven, nicht gegen erwachsene Mücken. Wer also bereits gestochen wird, muss zusätzlich auf Repellents zurückgreifen.

Bei Repellents empfiehlt das BVL Produkte mit den geprüften Wirkstoffen DEET (20 bis 30 Prozent) oder Icaridin (20 Prozent). Beide schützen je nach Konzentration vier bis acht Stunden zuverlässig auch vor der Tigermücke. Ätherische Öle wie Citronella oder Lavendel halten erfahrungsgemäß keine 20 Minuten und sind für diese Art keine ernstzunehmende Barriere.

Was du jetzt konkret tun solltest

Geh in den nächsten Tagen einmal systematisch durch deinen Garten oder deinen Balkon und lege jede stehende Wasseransammlung trocken. Untersetzer ausschütten, Eimer umdrehen, Regentonne mit feinem Netz abdecken, Dachrinne checken. Wenn du in einem Mehrfamilienhaus wohnst, sprich mit der Hausverwaltung oder den Nachbarn, denn ein einziger nicht kontrollierter Hinterhof kann den ganzen Block versorgen. Hast du eine Mücke gefangen, die nach Tigermücke aussieht, friere sie kurz ein und schicke das tote Tier mit Fundort an den Mückenatlas. Jeder bestätigte Fund hilft, das offizielle Verbreitungsbild zu schärfen. Wer in einem der bekannten Etablierungsgebiete wie Freiburg, Heidelberg, Jena oder Fürth wohnt, sollte zwischen Mai und Oktober tagsüber auf konsequenten Mückenschutz mit DEET oder Icaridin achten und im eigenen Garten von April bis Oktober regelmäßig Brutstätten kontrollieren.

Weiterführende Links

Robert Koch-InstitutInfektionskrankheiten und Surveillancerki.de
Friedrich-Loeffler-InstitutAktuelle Tierseuchengeschehenfli.de
MückenatlasFunde meldenmueckenatlas.com
Umweltbundesamtumweltbundesamt.de