In Deutschland fällt der Strom im Durchschnitt nur 11,7 Minuten pro Jahr aus. Das klingt wenig, doch 2024 meldeten die Netzbetreiber über 164.000 Versorgungsunterbrechungen. Die meisten dauern nur wenige Minuten, aber es gibt Ausnahmen: 2019 saßen 30.000 Haushalte in Berlin-Köpenick 31 Stunden ohne Strom. Was du im Moment des Ausfalls tun solltest, wie du dich vorbereitest und wie lange dein Kühlschrank durchhält, erfährst du hier.
Sofortmaßnahmen: Die ersten 5 Minuten
Wenn plötzlich alles dunkel wird, hilft ein klarer Ablauf:
- Sicherungskasten prüfen. Hat nur deine Wohnung keinen Strom, ist vermutlich ein Leitungsschutzschalter oder der FI-Schalter ausgelöst. Schalte ihn wieder ein.
- Nachbarn fragen. Haben auch andere keinen Strom, ist der Ausfall großflächig.
- Netzbetreiber anrufen. Zuständig ist dein örtlicher Netzbetreiber, nicht dein Stromanbieter. Die Störungshotline findest du auf deiner Stromrechnung.
- Empfindliche Geräte ausschalten. Ziehe Computer, Fernseher und Router vom Netz, um Schäden durch Spannungsspitzen beim Wiedereinschalten zu vermeiden.
- Kühlschrank und Gefrierschrank geschlossen halten. Jedes Öffnen lässt Kälte entweichen.
Wichtig: Die 112 ist für echte Notfälle (Brand, medizinischer Notfall, eingeschlossene Personen im Aufzug). Ein Stromausfall allein ist kein Grund für einen Notruf.
Wie sicher ist die Versorgung?
Deutschland hat eines der zuverlässigsten Stromnetze der Welt. Die Versorgungssicherheit liegt bei 99,998 Prozent. Der SAIDI-Wert (durchschnittliche Unterbrechungszeit pro Haushalt) lag 2024 bei 11,7 Minuten, ein Rückgang gegenüber den 12,8 Minuten im Vorjahr.
| Land | SAIDI (Minuten pro Jahr) |
|---|---|
| Schweiz | 12 |
| Deutschland | 11,7 |
| Großbritannien | 17 |
| Frankreich | 21 |
| Spanien | 31 |
| Österreich | 38 |
| Italien | 78 |
Die häufigsten Ursachen für Stromausfälle sind Kabelschäden durch Bauarbeiten, Unwetter (Sturm, Schnee, Eis) und technische Defekte im Netz. Der größte Stromausfall der deutschen Nachkriegsgeschichte traf 2005 das Münsterland: Über 80 Strommasten knickten unter nassem Schnee ein und ließen 250.000 Menschen bis zu fünf Tage ohne Strom.

Vorsorge: Was du zu Hause haben solltest
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, einen Notvorrat für zehn Tage anzulegen. Die wichtigsten Posten:
| Kategorie | Menge (10 Tage, 1 Person) |
|---|---|
| Wasser | 20 Liter |
| Getreide, Brot, Kartoffeln | 3,3 kg |
| Gemüse, Pilze | 4,0 kg |
| Obst (Konserven, Trockenobst) | 2,5 kg |
| Milch, Milchprodukte | 2,5 kg |
| Fleisch, Fisch, Eier | 1,2 kg |
| Fette, Öl | 0,33 kg |
Neben Lebensmitteln gehören in die Grundausstattung: eine LED-Taschenlampe mit Ersatzbatterien, Kerzen und Streichhölzer, ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio (bei Stromausfall fallen Internet und Mobilfunk oft nach wenigen Stunden aus), eine geladene Powerbank für das Smartphone, Bargeld in kleiner Stückelung (Kartenzahlung und Geldautomaten funktionieren nicht) sowie wichtige Notfallkontakte auf Papier.
Was hält wie lange ohne Strom?
Die Frage, die alle zuerst stellen: Wie lange überlebt der Gefrierschrank?
| Bereich | Haltbarkeit ohne Strom |
|---|---|
| Gefrierschrank (geschlossen) | 5-24 Stunden |
| Gefriertruhe (voll, geschlossen) | bis 64 Stunden |
| Kleines Gefrierfach | ca. 10 Stunden |
| Kühlschrank (verderbliche Ware) | 2-4 Stunden |
| Kühlschrank (Obst, Gemüse) | mehrere Tage |
Solange die Temperatur im Gefrierschrank bei mindestens minus 9 Grad bleibt, sind die Lebensmittel sicher. Angetautes Fleisch oder Fisch solltest du nicht wieder einfrieren, sondern innerhalb von 24 Stunden gut durcherhitzen und verzehren.

Spezialfälle: Aquarium, Aufzug und medizinische Geräte
Aquarium: Bei kurzen Ausfällen von ein bis zwei Stunden passiert in der Regel nichts. Das größte Problem ist der Sauerstoff. Als Notmaßnahme hilft ein Teilwasserwechsel mit frischem Leitungswasser oder eine batteriebetriebene Membranpumpe aus dem Anglerbedarf.
Aufzug: Falls du stecken bleibst, drücke den Notrufknopf drei bis fünf Sekunden lang. Die Notbeleuchtung und der Notruf laufen über eine eigene Batterie. Laut Vorschrift muss die Rettung innerhalb von 30 Minuten vor Ort sein. Versuche niemals, dich selbst zu befreien.
Medizinische Geräte: Für Menschen mit Beatmungsgeräten oder Sauerstoffkonzentratoren ist ein Stromausfall potenziell lebensbedrohlich. Notfallakkus überbrücken im Schnitt zwei bis vier Stunden. Erstelle einen Notfallplan mit alternativer Unterbringung und informiere deinen Netzbetreiber über die lebenswichtige Abhängigkeit.
Was du jetzt tun solltest
Prüfe, ob du die Grundausstattung zu Hause hast: Taschenlampe, Batterien, Kerzen, Kurbel- oder Batterieradio, Powerbank, Bargeld. Trage die Störungshotline deines Netzbetreibers ins Handy ein. Und wenn du medizinische Geräte nutzt, erstelle heute noch einen Notfallplan. Die meisten Stromausfälle dauern nur Minuten. Aber die wenigen, die Stunden dauern, treffen dich entweder vorbereitet oder unvorbereitet.





