PS ist die Zahl, auf die beim Auto alle starren. Dabei ist sie gar keine eigenständige Größe, sondern ein Rechenergebnis. PS misst die Leistung, und Leistung ist nichts anderes als Drehmoment mal Drehzahl, geteilt durch eine feste Konstante. Was du beim Anfahren, Beschleunigen und Überholen wirklich im Rücken spürst, ist das Drehmoment. Genau das steht aber auf keinem Verkaufsplakat groß drauf. Und die eigentliche Überraschung: PS ist seit Jahrzehnten nicht mehr die offizielle Einheit für Motorleistung. In deinem Fahrzeugschein taucht sie überhaupt nicht auf.
Was PS eigentlich misst
PS steht für Pferdestärke und ist eine Einheit der Leistung. Leistung beschreibt, wie viel Arbeit ein Motor pro Zeit verrichtet, also wie schnell er Energie umsetzt. Die Einheit geht auf den schottischen Erfinder James Watt zurück, der im 18. Jahrhundert eine anschauliche Größe für seine Dampfmaschinen brauchte. Sein Maßstab war die Zugkraft eines Pferdes, vermutlich angelehnt an die Grubenponys im Bergbau, denen er seine Maschinen verkaufen wollte.
Eine metrische Pferdestärke ist exakt definiert als die Leistung, die nötig ist, um 75 Kilogramm in einer Sekunde einen Meter hochzuheben. In Watt ausgedrückt sind das rund 735,5 Watt. Daraus folgt der Umrechnungsfaktor, den du dir merken kannst: 1 PS entspricht 0,7355 kW, umgekehrt sind 1 kW gleich 1,36 PS.
Das Entscheidende daran: PS ist eine abgeleitete Größe. Der Motor selbst erzeugt kein PS, sondern eine Drehkraft an der Kurbelwelle. Erst zusammen mit der Drehzahl wird daraus die Leistung.
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AnzeigekW statt PS: Warum die offizielle Einheit eine andere ist
Hier kommt der Teil, der viele überrascht. PS ist in Deutschland seit 1978 keine gültige gesetzliche Einheit mehr. Die offizielle SI-Einheit für Leistung ist das Watt, im Auto also das Kilowatt. Geregelt wird das durch die EU-Richtlinie 80/181/EWG über die Einheiten im Messwesen, die das internationale Einheitensystem verbindlich vorschreibt.
PS darfst du weiter nennen, aber nur als Zusatz. Die Richtlinie 80/181/EWG verlangt, dass bei einer Leistungsangabe immer die gesetzliche Einheit kW dabeisteht. PS allein wäre formal nicht zulässig. In der Zulassungsbescheinigung Teil I, dem früheren Fahrzeugschein, steht deshalb im Feld P.2 ausschließlich die Leistung in kW. Eine PS-Zahl findest du dort gar nicht.
Im Alltag hat sich PS trotzdem gehalten, weil die Zahl größer und damit eindrucksvoller klingt. 100 kW wirken weniger nach Kraft als 136 PS, obwohl es derselbe Motor ist.

PS und kW umrechnen: Die gängigen Werte
Du brauchst keinen Rechner, wenn du den Faktor 0,7355 im Kopf hast. Multiplizierst du die kW-Zahl aus dem Schein mit 1,36, bekommst du die ungefähren PS. Hier die typischen Werte aus dem Alltag:
| Leistung in kW | Leistung in PS | Typisches Fahrzeug |
|---|---|---|
| 40 kW | 54 PS | Kleinstwagen |
| 66 kW | 90 PS | Kompaktwagen Basismotor |
| 81 kW | 110 PS | Kompaktwagen Mittelmotor |
| 100 kW | 136 PS | Mittelklasse |
| 150 kW | 204 PS | Obere Mittelklasse |
| 220 kW | 299 PS | Sportlich motorisiert |
Die Werte sind gerundet. Wer es genau will, rechnet kW mal 1,35962 oder PS mal 0,73550. Für die schnelle Einordnung beim Inserat reicht der Daumenwert.
Warum du das Drehmoment im Alltag stärker spürst
Jetzt zum praktischen Kern. Das Drehmoment wird in Newtonmetern angegeben und beschreibt die Drehkraft, die der Motor an die Kurbelwelle abgibt. Genau diese Kraft drückt dich beim Gasgeben in den Sitz. Die Leistung in PS sagt dagegen vor allem, wie lange und bis zu welcher Drehzahl diese Kraft anliegt, also was bei hohem Tempo auf der Autobahn noch geht.
Der TÜV Thüringen bringt es auf den Punkt: Je höher das Drehmoment und je niedriger die dafür nötige Drehzahl, umso kraftvoller beschleunigt das Fahrzeug aus dem Drehzahlkeller. Im Stadtverkehr, beim Anfahren an der Ampel und beim Ziehen eines Anhängers ist das spürbarer als die maximale PS-Zahl, die ein Saugmotor oft erst bei 6.000 Umdrehungen erreicht.
Das erklärt das bekannte Phänomen: Ein Diesel mit 100 PS zieht im unteren Drehzahlbereich oft kräftiger an als ein Benziner mit 100 PS. Der Diesel stemmt sein hohes Drehmoment früh, schon bei rund 2.000 Umdrehungen, der Saugbenziner braucht dafür mehr Drehzahl. Die PS-Zahl ist identisch, das Fahrgefühl ist es nicht.
So hängen Drehmoment, Drehzahl und PS zusammen
Der mathematische Zusammenhang ist simpel und macht klar, warum PS ohne Drehmoment nichts aussagt. Die Leistung ergibt sich aus Drehmoment und Drehzahl:
Leistung (kW) = Drehmoment (Nm) × Drehzahl (U/min) ÷ 9549
Die 9549 ist nur eine Umrechnungskonstante, die Umdrehungen pro Minute und die Einheit Kilowatt zusammenführt. Aus der Formel folgt: Dieselbe Leistung lässt sich auf zwei Wegen erreichen, mit viel Drehmoment bei wenig Drehzahl oder mit wenig Drehmoment bei hoher Drehzahl.
Ein Rechenbeispiel macht das greifbar. Ein Diesel mit 300 Nm bei 4.000 Umdrehungen und ein Benziner mit 200 Nm bei 6.000 Umdrehungen kommen beide auf rund 126 kW, also etwa 171 PS. Auf dem Papier gleich stark. Im Drehzahlkeller fühlt sich der Diesel mit den 300 Nm aber deutlich druckvoller an.

| Größe | Einheit | Misst | Wofür sie im Alltag zählt |
|---|---|---|---|
| Leistung | kW (offiziell), PS (geduldet) | Energieumsatz pro Zeit, Drehmoment × Drehzahl | Höchstgeschwindigkeit, Durchzug bei hohem Tempo |
| Drehmoment | Nm | Drehkraft an der Kurbelwelle | Anfahren, Beschleunigen, Anhänger, Stadtverkehr |
| Drehzahl | U/min | Umdrehungen der Kurbelwelle pro Minute | Bei welcher Drehzahl Kraft und Leistung anliegen |
Worauf du beim PS- und kW-Vergleich achten solltest
Lies bei zwei Fahrzeugen nie nur die PS-Zahl, sondern immer das Trio aus Leistung, maximalem Drehmoment und der Drehzahl, bei der dieses Drehmoment anliegt. Ein Motor mit 130 PS und 320 Nm ab 1.750 Umdrehungen fährt sich souveräner als einer mit 140 PS, der seine Kraft erst hochdrehend liefert. Achte besonders auf die Angabe in der Form "320 Nm bei 1.750 bis 2.500 U/min": Ein breites Drehmomentplateau bedeutet Durchzug über einen weiten Bereich, also weniger Schalten und entspannteres Fahren.
Beim Gebrauchtwagen findest du die offizielle Leistung im Feld P.2 der Zulassungsbescheinigung, immer in kW. Rechne sie mit dem Faktor 1,36 in PS um, wenn dir die Zahl vertrauter ist, und gleiche sie mit den Herstellerangaben ab. Bedenke außerdem, dass mehr PS oft eine höhere Typklasse und damit einen teureren Versicherungstarif bedeuten. Wenn du wissen willst, was wirklich Fahrgefühl macht, schau auf das Drehmoment. Wenn du wissen willst, was im Schein steht und die Versicherung interessiert, schau auf die kW.
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