Ab dem 27. September 2026 ist es in Deutschland verboten, Produkte als "klimaneutral", "umweltfreundlich" oder "nachhaltig" zu bewerben, wenn die Behauptung nicht durch anerkannte Nachweise belegt ist. Der Bundestag hat das Gesetz im Dezember 2025 verabschiedet, es setzt die EU-Richtlinie 2024/825 (Empowering Consumers Directive) in deutsches Recht um. Laut einer Studie der EU-Kommission waren 53,3 Prozent aller untersuchten Umweltaussagen in der EU vage, irreführend oder unbegründet. 40 Prozent waren überhaupt nicht belegt. Über 90 Prozent der Waldschutz-Zertifikate des größten Zertifizierers Verra haben laut einer Untersuchung von Guardian, Zeit und SourceMaterial keinen messbaren Klimanutzen. Hier erfährst du, was das Verbot konkret bedeutet, welche Öko-Siegel seriös sind und wie du Greenwashing erkennst.
Was ab September 2026 verboten ist
Das Gesetz ändert das UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb) und fügt eine Reihe von Praktiken zur "Schwarzen Liste" hinzu. Diese sind ohne Einzelfallprüfung rechtswidrig.
Verboten sind allgemeine, vage Umweltaussagen ohne Nachweis einer anerkannten hervorragenden Umweltleistung. Dazu gehören Begriffe wie "klimaneutral", "CO2-neutral", "umweltfreundlich", "klimafreundlich", "nachhaltig", "grün", "öko" und "umweltneutral". Ebenfalls verboten: Produkte als "klimaneutral" zu bewerben, wenn die Klimaneutralität ausschließlich durch den Kauf von CO2-Zertifikaten erreicht wird. Selbst erfundene Nachhaltigkeitssiegel ohne unabhängige Drittprüfung sind nicht mehr zulässig. Zukunftsversprechen wie "klimaneutral bis 2030" sind nur noch erlaubt, wenn ein detaillierter, öffentlich zugänglicher Umsetzungsplan mit messbaren Zwischenzielen vorliegt.
| Was verboten ist | Beispiel |
|---|---|
| Vage Umweltaussagen ohne Nachweis | "umweltfreundlich", "nachhaltig", "grün" |
| Klimaneutral nur durch CO2-Kompensation | "klimaneutraler Erdbeerjoghurt" via Waldschutzprojekt |
| Selbst erfundene Öko-Siegel | Firmenlogo mit grünem Blatt, ohne Zertifizierung |
| Irrelevante Aussagen | "FCKW-frei" (seit Jahrzehnten gesetzlich vorgeschrieben) |
| Zukunftsversprechen ohne Plan | "klimaneutral bis 2030" ohne Zwischenziele |
Erlaubt bleiben spezifische, belegbare Aussagen wie "Verpackung besteht zu 100 Prozent aus Recyclingmaterial" oder "100 Prozent der Produktionsenergie stammt aus erneuerbaren Quellen". Anerkannte Siegel wie der Blaue Engel, das EU Ecolabel und das EU-Bio-Siegel bleiben gültig.
Die größten Greenwashing-Fälle in Deutschland
Der Bundesgerichtshof hat im Juni 2024 ein Grundsatzurteil gefällt: Der Süßwarenhersteller Katjes hatte alle Produkte als "klimaneutral" beworben, gestützt auf ClimatePartner-Zertifikate. Der BGH entschied, dass der Begriff "klimaneutral" mehrdeutig ist und direkt in der Werbung erklärt werden muss. Ein Verweis auf die ClimatePartner-Website reicht nicht. CO2-Reduktion und CO2-Kompensation sind nicht gleichwertig, Reduktion hat Vorrang.
| Fall | Was passiert ist | Ergebnis |
|---|---|---|
| Katjes (BGH, Juni 2024) | "Klimaneutral" durch ClimatePartner | Werbung unzulässig, Grundsatzurteil |
| dm Drogerie (LG Karlsruhe) | Seife und Sonnencreme "klimaneutral" | Vertrieb in dieser Verpackung verboten |
| Nestlé (Goldener Geier 2024) | Kampagne "unterwegs nach besser" | DUH-Negativpreis, 57 Prozent der Stimmen |
| Vonovia (Goldener Geier 2025) | Erdgas-Tarif als "100 Prozent erneuerbar" beworben | DUH-Negativpreis, 50 Prozent der Stimmen |
| Lufthansa (LG Köln, März 2025) | CO2-Kompensationsrechner unterschätzt Klimawirkung | Werbung rechtswidrig |
| Rewe (Goldener Windbeutel 2021) | Hähnchenbrust "klimaneutral" | Werbung eingestellt |
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat seit Mai 2022 über 100 Unternehmen abgemahnt und über 90 Gerichtsverfahren gewonnen. Die drei größten Zertifizierer, ClimatePartner, MyClimate und Southpole, bieten das Label "klimaneutral" inzwischen nicht mehr an.

Welche Öko-Siegel seriös sind
Die wichtigste Faustregel: Seriöse Siegel werden von unabhängigen Dritten vergeben, nicht vom Unternehmen selbst. Die Regierungswebsite Siegelklarheit.de bewertet Siegel transparent und unabhängig.
| Siegel | Herausgeber | Was es garantiert |
|---|---|---|
| Blauer Engel | Umweltbundesamt / RAL | Umweltfreundlichkeit, Gesundheit, Haltbarkeit |
| EU Ecolabel (Euroblume) | EU-Kommission | Gesamter Lebenszyklus, strenge Grenzwerte |
| EU-Bio-Siegel | EU-Verordnung | Keine Gentechnik, artgerechte Haltung, mind. 95 Prozent Bio |
| FSC | Forest Stewardship Council | Nachhaltige Forstwirtschaft |
| GOTS | Global Organic Textile Standard | Strenge Textilstandards, Vor-Ort-Inspektionen |
| Fairtrade | Fairtrade International | Faire Preise, soziale Standards |
| Demeter | Demeter e.V. | Strengste Bio-Standards, 100 Prozent Bio-Futter |
| NATRUE | NATRUE e.V. | Echte Naturkosmetik, keine Petrochemie |
Nicht geschützte Begriffe, denen du nicht vertrauen solltest: "natürlich", "naturfreundlich", "umweltschonend", "schadstoffkontrolliert", "aus umweltschonender Landwirtschaft", "energieeffizient" und "biologisch abbaubar". Diese Begriffe sind rechtlich bedeutungslos und können von jedem Unternehmen frei verwendet werden.
Warum CO2-Kompensation das Problem nicht löst
Das Prinzip klingt einfach: Ein Unternehmen kauft Zertifikate, die CO2-Einsparungen an anderer Stelle belegen, etwa durch Waldschutzprojekte in Peru oder Kochöfen in Afrika. In der Praxis funktioniert das System nicht.
Eine neunmonatige Recherche von Guardian, Zeit und SourceMaterial hat 2023 ergeben, dass über 90 Prozent der Waldschutz-Zertifikate des größten Zertifizierers Verra wertlos sind. 84 Prozent hatten keinerlei positiven Klimaeffekt. Verra hat Zertifikate für 89 Millionen Tonnen CO2 zu viel ausgestellt, das entspricht den Jahresemissionen von Österreich und Slowenien zusammen. Die Bedrohung der Wälder wurde laut Universität Cambridge im Schnitt um 400 Prozent überschätzt.
MyClimate bietet inzwischen gar keine CO2-Kompensationen mehr an, sondern nimmt nur noch Spenden für Klimaprojekte entgegen. Stiftung Warentest hat nur einen einzigen Anbieter mit "sehr gut" bewertet: Atmosfair. Atmosfair selbst betont, dass Kompensation nur die "zweitbeste Lösung" ist, nach tatsächlicher Vermeidung.
Strafen und Durchsetzung
Ab September 2026 drohen Unternehmen, die gegen das Greenwashing-Verbot verstoßen, Bußgelder von bis zu 4 Prozent des Jahresumsatzes. Klagen können von Wettbewerbern, Verbraucherzentralen, der Wettbewerbszentrale und NGOs wie der Deutschen Umwelthilfe eingereicht werden.
Das Umweltbundesamt hat in einer Studie von 2025 über 2.238 Printanzeigen aus 26 Branchen analysiert: Über 50 Prozent der Umweltaussagen wären nach den neuen Regeln unzulässig. Schätzungen zufolge werden rund 80 Prozent der Nachhaltigkeitssiegel in deutschen Supermärkten und Drogerien nach September 2026 verschwinden.
Die geschätzten jährlichen Compliance-Kosten für die gesamte Wirtschaft: 52 Millionen Euro laut Bundesregierung.

Was du jetzt tun solltest
Prüfe Umweltaussagen auf Produkten kritisch. Nutze Siegelklarheit.de oder die NABU-Siegel-Check-App, um ein Siegel auf seine Seriosität zu prüfen. Vertraue nur Siegeln, die von unabhängigen Dritten vergeben werden. "Klimaneutral" bedeutet in den allermeisten Fällen: CO2-Kompensation durch fragwürdige Zertifikate, nicht tatsächliche Emissionsreduktion. Wenn du Greenwashing entdeckst, melde es der Verbraucherzentrale oder der Deutschen Umwelthilfe (duh.de). Ab September 2026 werden solche Meldungen deutlich schärfere Konsequenzen haben.





