Wildcampen ist in Deutschland grundsätzlich nicht erlaubt. Es gibt kein einzelnes Bundesgesetz, das es verbietet, aber das Zusammenspiel aus Bundesnaturschutzgesetz, Bundeswaldgesetz und 16 unterschiedlichen Landesgesetzen macht das Übernachten in der freien Natur fast überall illegal. Zwei Ausnahmen gibt es: Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern erlauben nicht-motorisierten Reisenden das Zelten für eine Nacht. Wer es trotzdem anderswo versucht, riskiert Bußgelder von 10 bis 10.000 Euro. Hier erfährst du, wo was gilt, was Biwakieren bedeutet und welche legalen Alternativen es gibt.

Zelten, Biwakieren, Notbiwak: Die Unterschiede

Drei Begriffe, drei verschiedene Rechtslagen.

Zelten Biwakieren Notbiwak
Definition Übernachten mit Zelt oder ähnlicher Behausung Schlafen unter freiem Himmel (Schlafsack, Isomatte, ggf. Tarp) Ungeplantes Übernachten bei Notfall
Rechtslage Fast überall genehmigungspflichtig Grauzone, oft geduldet Immer erlaubt
Beispiel Zelt im Wald aufschlagen Im Schlafsack auf einer Lichtung schlafen Bei Gewitter unter einem Felsvorsprung Schutz suchen

Zelten gilt in allen Bundesländern als Camping und ist ohne Genehmigung verboten. Biwakieren bewegt sich im Graubereich des allgemeinen Betretungsrechts: nicht ausdrücklich verboten, aber auch nicht erlaubt. Solange du abends spät kommst, morgens früh abbaust und keinen Müll hinterlässt, wird es meist geduldet. Der Deutsche Alpenverein (DAV) hält Biwakieren einer kleinen Gruppe für eine Nacht oberhalb der Baumgrenze für vertretbar, solange es nicht in Schutzgebieten stattfindet. Notbiwak bei Verletzung, Unwetter oder Dunkelheit ist immer und überall erlaubt.

Regelungen nach Bundesland

Die Gesetze unterscheiden sich erheblich. Zwei Bundesländer erlauben das Zelten ausdrücklich, die übrigen verbieten es mit unterschiedlich hohen Strafen.

Bundesland Zelten erlaubt? Bußgeld Besonderheit
Brandenburg Ja, 1 Nacht (nicht-motorisiert) 100-400 Euro (in Schutzgebieten) § 22 BbgNatSchG: Wanderer, Radfahrer, Kanuten
Mecklenburg-Vorpommern Ja, 1 Nacht (nicht-motorisiert) 50-1.000 Euro Strand und Küstendünen verboten
Schleswig-Holstein Nein, aber 36 kostenlose Plätze bis 150 Euro (bis 10.000 in Schutzgebieten) Programm "Wildes Schleswig-Holstein"
Sachsen Nein 25-1.500 Euro Sonderfall "Boofen" in Sächsischer Schweiz
Bayern Nein 15-500 Euro (Zelt), bis 2.500 Euro (Wohnwagen) Strenges Regime, besonders in Nationalparks
NRW Nein 10-300 Euro 17 Trekkingplätze in der Eifel
Baden-Württemberg Nein 10-100 Euro 30+ Trekkingplätze im Schwarzwald
Niedersachsen Nein 15-1.000 Euro Nationalpark Harz: 50-1.000 Euro
Saarland Nein bis 5.000 Euro Eines der höchsten Bußgelder

In Brandenburg dürfen Wanderer, Radfahrer, Reiter und Kanuten für eine Nacht zelten, wenn sie sich außerhalb von Schutzgebieten und nicht auf Privatgrund ohne Erlaubnis befinden. Mecklenburg-Vorpommern hat eine ähnliche Regelung, schließt aber Strand und Küstendünen aus.

Ein Sonderfall ist das Boofen in der Sächsischen Schweiz: 58 offiziell genehmigte Freiübernachtungsplätze unter natürlichen Felsüberhängen. Die Tradition reicht ins 19. Jahrhundert zurück. Seit 2026 sind die Plätze vom 1. Februar bis 15. Juni gesperrt (Brutzeit). Offenes Feuer und Zelte sind verboten, erlaubt ist nur der Schlafsack unter dem Felsen.

Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind die einzigen Bundesländer, die nicht-motorisierten Reisenden das Zelten für eine Nacht erlauben
Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind die einzigen Bundesländer, die nicht-motorisierten Reisenden das Zelten für eine Nacht erlauben

Wo es definitiv verboten ist

In Nationalparks, Naturschutzgebieten, Naturdenkmälern, gesetzlich geschützten Biotopen und Wasserschutzgebieten ist Wildcampen ausnahmslos verboten. Deutschland hat 16 Nationalparks, darunter das Wattenmeer, den Bayerischen Wald, Berchtesgaden, die Sächsische Schweiz und den Harz. Auch Landschaftsschutzgebiete und Küstendünen sind in den meisten Bundesländern tabu.

Die Strafen in Schutzgebieten sind deutlich höher als in der offenen Landschaft. Schleswig-Holstein kann bis zu 10.000 Euro verhängen, Bayern und Niedersachsen bis zu 2.500 bzw. 1.000 Euro. In der Praxis kontrollieren Ranger regelmäßig, vor allem in beliebten Gebieten wie dem Nationalpark Berchtesgaden oder der Sächsischen Schweiz.

Trekkingplätze: Die legale Alternative

Deutschland hat inzwischen über 200 offizielle Trekkingplätze. Das sind naturnahe, einfach ausgestattete Zeltplätze im Wald, die du online reservierst und für 10 bis 15 Euro pro Nacht nutzen kannst.

Region Bundesland Plätze Kosten/Nacht Saison
Schwarzwald Baden-Württemberg 25 15 Euro Mai-Oktober
Pfälzerwald Rheinland-Pfalz 15 10-15 Euro April-Oktober
Nordeifel NRW 17 10 Euro April-Oktober
Frankenwald Bayern 8 10 Euro variiert
Steigerwald Bayern 9 10 Euro variiert
Wildes Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein 36 kostenlos ganzjährig

Die Plätze bieten meist 3 bis 4 Zeltstellplätze, eine biologische Toilette, Sitzgelegenheiten und manchmal eine Feuerstelle mit Brennholz. Vorabreservierung ist Pflicht. Die Plätze sind bewusst abgelegen und nur zu Fuß oder per Rad erreichbar.

Über 200 offizielle Trekkingplätze gibt es mittlerweile in Deutschland, von 10 bis 15 Euro pro Nacht bis hin zu kostenlosen Plätzen in Schleswig-Holstein
Über 200 offizielle Trekkingplätze gibt es mittlerweile in Deutschland, von 10 bis 15 Euro pro Nacht bis hin zu kostenlosen Plätzen in Schleswig-Holstein

Worauf du achten solltest

Halte dich an das Leave-No-Trace-Prinzip: Nimm allen Müll mit, hinterlasse keine Spuren. Offenes Feuer ist in der freien Natur grundsätzlich verboten, auch außerhalb von Schutzgebieten. Nutze für die Notdurft einen Abstand von mindestens 50 Metern zu Gewässern. Meide empfindliche Lebensräume wie Waldränder, Wildwechsel und Moorgebiete. Komme erst abends, baue morgens früh ab. Wenn du auf Privatgrund übernachten willst, frage den Eigentümer. Und bleibe maximal eine Nacht an einem Ort.

Weiterführende Links

Deutscher Alpenvereinalpenverein.de →Übernachten im Freien
Trekking Schwarzwaldtrekking-schwarzwald.de →Offizielle Trekkingplätze
Trekkingtrails.detrekkingtrails.de →Alle Trekkingplätze auf einer Karte