Gesetzlich musst du in Deutschland mindestens 1,6 Millimeter Profil haben, und zwar bei jedem Reifen. Sicher fährst du damit im Winter aber nicht: Fachleute und der ADAC empfehlen bei Winterreifen mindestens 4 Millimeter, weil der Grip auf Schnee und Matsch darunter deutlich einbricht. Das Beste daran: Du brauchst kein Spezialwerkzeug, um deine Reifen zu prüfen. Eine 1-Euro-Münze und der eingebaute Verschleißmarker im Reifen reichen völlig aus. Hier zeigen wir dir, wie du in zwei Minuten selbst nachmisst und was passiert, wenn du zu wenig Profil hast.
Der TWI-Marker: der Verschleißanzeiger im Reifen
Jeder moderne Reifen hat eine eingebaute Verschleißanzeige. Sie heißt TWI, das steht für Tread Wear Indicator, zu Deutsch Reifenverschleißanzeiger. Dabei handelt es sich um kleine Querstege, die quer in den Hauptrillen des Profils sitzen. Diese Stege sind genau 1,6 Millimeter hoch. Solange die Rille tiefer ist als der Steg, hast du noch Profil über dem gesetzlichen Minimum. Sobald sich der Reifen so weit abgefahren hat, dass die Lauffläche mit dem Steg auf einer Höhe liegt, bist du am gesetzlichen Limit angekommen.
Die Stege findest du nicht überall, sondern nur an bestimmten Stellen. Wo du sie suchen musst, verraten kleine Markierungen an der Reifenflanke, oft ein dreieckiges Symbol oder die Buchstaben TWI direkt am Übergang von der Lauffläche zur Seitenwand. Folgst du der Markierung nach innen in die Rille, findest du dort den Quersteg. Das Problem: Der TWI zeigt nur die gesetzlichen 1,6 Millimeter an. Für Winterreifen ist das viel zu wenig. Deshalb brauchst du für die 4-Millimeter-Grenze eine zweite Methode.

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AnzeigeMit der Euro-Münze messen: der Alltags-Trick
Der schnellste Selbsttest funktioniert mit Kleingeld, das du sowieso dabei hast. Der Clou liegt im Rand der Münzen, denn der ist genormt breit.
Die 1-Euro-Münze hat einen goldfarbenen Rand, der ungefähr 3 Millimeter breit ist. Steckst du die Münze mit der Kante in eine Profilrille und der goldene Rand verschwindet komplett in der Rille, sind mindestens 3 Millimeter Profil da. Das reicht für Sommerreifen locker, für Winterreifen ist es die absolute Untergrenze.
Für die empfohlenen 4 Millimeter bei Winterreifen nimmst du die 2-Euro-Münze. Ihr silberfarbener Rand ist rund 4 Millimeter breit. Verschwindet auch dieser silberne Rand in der Rille, bist du auf der sicheren Seite. Guckt er noch heraus, solltest du über neue Reifen nachdenken.
Wichtig: Miss an mehreren Stellen. Prüfe innen, in der Mitte und außen sowie rundherum am Reifen. Reifen fahren sich oft ungleichmäßig ab, etwa bei falschem Luftdruck oder schlechter Spureinstellung. Ein Reifen kann in der Mitte noch gut aussehen und am Rand schon durch sein.
| Methode | Prüft auf | So liest du ab |
|---|---|---|
| TWI-Steg im Reifen | 1,6 mm (gesetzlich) | Lauffläche auf Steg-Höhe = Limit erreicht |
| 1-Euro-Münze (Goldrand) | ca. 3 mm | Goldrand verschwindet = mind. 3 mm |
| 2-Euro-Münze (Silberrand) | ca. 4 mm | Silberrand verschwindet = mind. 4 mm |
| Profiltiefenmesser | exakter Wert | Wert direkt ablesen |
Ganz genau geht es natürlich mit einem Profiltiefenmesser aus dem Zubehörhandel für ein paar Euro. Für den schnellen Check zwischendurch tut es die Münze aber allemal.
Warum bei Winterreifen 4 Millimeter statt 1,6
Dass Winterreifen mehr Profil brauchen als das Gesetz verlangt, hat einen physikalischen Grund. Die tiefen Lamellen und Rillen eines Winterreifens verzahnen sich im Schnee und leiten Wasser sowie Matsch ab. Werden die Rillen flacher, funktioniert das immer schlechter. Untersuchungen zeigen: Schon bei 3,9 Millimetern lassen die Wintereigenschaften spürbar nach. Unter 4 Millimeter bricht der Grip auf Schnee deutlich ein.
Auch der Bremsweg leidet. Bei einem bis auf 2 Millimeter abgefahrenen Reifen kann sich der Bremsweg auf nasser oder verschneiter Fahrbahn um bis zu zehn Prozent verlängern. Dazu kommt die Aquaplaning-Gefahr: Kann das Wasser nicht mehr aus den Rillen abfließen, schwimmt der Reifen auf und du verlierst die Kontrolle über das Auto. Genau bei den nassen, matschigen Bedingungen, für die Winterreifen gemacht sind, wird zu wenig Profil also zum echten Risiko. Die 4 Millimeter sind zwar keine Pflicht, aber eine sinnvolle Grenze, ab der du über einen Wechsel nachdenken solltest. Wann du überhaupt von Sommer- auf Winterreifen umsteckst, klären wir ausführlich im Ratgeber wann du Winterreifen aufziehen musst.

Was passiert, wenn du unter 1,6 Millimeter fährst
Die 4 Millimeter sind eine Empfehlung. Die 1,6 Millimeter sind Gesetz, und deren Unterschreitung wird teuer. Kontrolliert dich die Polizei mit zu wenig Profil, drohen ein Bußgeld und ein Punkt in Flensburg. Die Höhe hängt davon ab, ob du andere gefährdet hast.
| Profiltiefe | Bewertung | Konsequenz |
|---|---|---|
| ab 4 mm | Winter-Empfehlung erfüllt | sicherer Grip, alles gut |
| ab 3 mm | ausreichend für Sommer, Winter-Untergrenze | Winterreifen bald wechseln |
| ab 1,6 mm | gesetzliches Minimum | legal, im Winter aber riskant |
| unter 1,6 mm | Verstoß gegen § 36 StVZO | 60 Euro + 1 Punkt |
| unter 1,6 mm mit Behinderung | Gefährdung anderer | ab 80 Euro + 1 Punkt |
| unter 1,6 mm mit Gefährdung | akute Gefahr | bis 120 Euro + 1 Punkt |
Bei der reinen Unterschreitung sind es 60 Euro und ein Punkt. Behinderst du andere Verkehrsteilnehmer, steigt es auf mindestens 80 Euro, bei konkreter Gefährdung auf bis zu 120 Euro, jeweils plus Punkt. Dazu kommt: Bei der Hauptuntersuchung fällst du mit zu wenig Profil durch, es gibt keine neue TÜV-Plakette, bis die Reifen getauscht sind.
Am unangenehmsten wird es im Schadensfall. Baust du mit abgefahrenen Reifen einen Unfall, kann dir eine Mitschuld zugeschrieben werden. Die Kaskoversicherung darf ihre Leistung wegen grober Fahrlässigkeit kürzen, und Regressforderungen sind möglich. Ein Satz Reifen ist am Ende günstiger als ein einziger Schadensfall mit gekürzter Versicherungsleistung.
Fazit
Merk dir zwei Zahlen: 1,6 Millimeter sind Pflicht, 4 Millimeter sind vernünftig. Für den schnellen Check drückst du eine 1-Euro-Münze in die Rille, verschwindet der goldene Rand, hast du mindestens 3 Millimeter. Für die 4-Millimeter-Grenze bei Winterreifen nimmst du die 2-Euro-Münze mit ihrem silbernen Rand. Den eingebauten TWI-Steg findest du über die Markierung an der Flanke, er zeigt dir aber nur das gesetzliche Limit an. Miss rundum und an mehreren Stellen, denn Reifen fahren sich ungleichmäßig ab. Wer unter 1,6 Millimeter fährt, riskiert Bußgeld, Punkt, TÜV-Durchfall und im Ernstfall Ärger mit der Versicherung. Die zwei Minuten Messen sparen dir all das.