Wie viel Taschengeld 2026 zu welchem Alter passt, sagt seit September 2024 die aktualisierte Taschengeldtabelle des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Vierjährige bekommen demnach 50 Cent bis 1 Euro pro Woche, Siebzehnjährige zwischen 40 und 60 Euro im Monat. Die Empfehlung ist nach Jahren der Inflation deutlich nachjustiert worden: Für 6- bis 9-Jährige um 1 Euro pro Woche, für 10- bis 14-Jährige um 4 Euro pro Monat. Verpflichtend ist die Tabelle nicht. Es gibt in Deutschland kein Gesetz, das Taschengeld vorschreibt. Trotzdem zitieren Jugendämter und das Familienportal des Bundesfamilienministeriums die DJI-Zahlen als Orientierung. Hier liest du, wie viel Geld pro Altersstufe sinnvoll ist, was § 110 BGB beim Einkaufen erlaubt, warum der Auszahlrhythmus entscheidet, ob das Kind sparen lernt, und welche zusätzliche Geldquelle das DJI ab 14 Jahren empfiehlt.

Die aktuelle DJI-Taschengeldtabelle

Das DJI veröffentlicht seine Empfehlungen seit Jahrzehnten. Die letzte große Anpassung erfolgte im September 2024, weil die vorherigen Werte aus 2020 die Inflation nicht mehr abbildeten. Konkret stiegen die Sätze für Grundschulkinder um etwa 25 Prozent, für 16- bis 17-Jährige um rund 30 Prozent. Eine 17-Jährige, für die 2020 noch 39 bis 47 Euro empfohlen wurden, soll heute laut DJI 40 bis 60 Euro bekommen.

Bis zum Alter von 9 Jahren empfiehlt das DJI eine wöchentliche Auszahlung, ab 10 Jahren den Wechsel auf monatlich. Der Grund ist entwicklungspsychologisch: Bis etwa zur dritten Klasse können Kinder Geld noch nicht zuverlässig über mehrere Wochen einteilen.

Alter Empfohlener Betrag Rhythmus
4 bis 5 Jahre 0,50 bis 1,00 Euro wöchentlich
6 bis 7 Jahre 1,50 bis 2,50 Euro wöchentlich
8 bis 9 Jahre 2,50 bis 3,50 Euro wöchentlich
10 bis 11 Jahre 16 bis 20 Euro monatlich
12 bis 13 Jahre 20 bis 25 Euro monatlich
14 bis 15 Jahre 26 bis 35 Euro monatlich
16 bis 17 Jahre 40 bis 60 Euro monatlich

Die Spannen sind bewusst gewählt. Das DJI weist ausdrücklich darauf hin, dass Familieneinkommen, lokale Preisniveaus und individuelle Reife des Kindes berücksichtigt werden sollen. Eine Familie auf dem Land mit drei Kindern wird selten am oberen Rand zahlen können, eine Stadt-Familie mit einem Kind im teuren Münchner Umland eher selten am unteren.

Eine repräsentative DJI-Erhebung mit 4.422 Kindern und Jugendlichen von 5 bis 17 Jahren zeigt: Tatsächlich bekommen 22 Prozent der Fünfjährigen schon Taschengeld, bei den 15-Jährigen sind es 93 Prozent. Die durchschnittlich gezahlten Beträge lagen 2023 in vielen Altersgruppen unter den DJI-Empfehlungen. Wer sich an die Tabelle hält, gibt also tendenziell mehr als der Durchschnitt der deutschen Eltern.

Was § 110 BGB Eltern und Kindern erlaubt

Sobald dein Kind sein Taschengeld in der Hand hat, greift der sogenannte Taschengeldparagraph, § 110 BGB. Er regelt, was Minderjährige rechtsverbindlich kaufen dürfen. Der Wortlaut: Ein Vertrag eines beschränkt geschäftsfähigen Minderjährigen ist auch ohne Einwilligung der Eltern wirksam, sobald das Kind ihn mit Mitteln erfüllt hat, die ihm die Eltern zu freier Verfügung überlassen haben.

Wichtig sind drei Voraussetzungen. Erstens: Das Kind muss mindestens 7 Jahre alt sein. Davor gilt es als geschäftsunfähig, jeder Kauf ist nichtig, selbst wenn das Kind das Geld bar dabei hat. Zweitens: Der Kaufpreis muss komplett bezahlt sein. Ratenkäufe oder Anzahlungen fallen nicht unter § 110 BGB. Drittens: Es muss sich um Geld handeln, das die Eltern dem Kind freigegeben haben. Das gilt für Taschengeld, für Geschenke der Großeltern und für Geburtstagsgeld, aber nicht für die Kreditkarte der Mutter oder für Geld, das das Kind aus dem Portemonnaie der Eltern genommen hat.

Praktische Konsequenz: Ein Achtjähriger darf ein Eis am Stiel kaufen, eine Vierzehnjährige eine Konzertkarte für 50 Euro, ein Sechzehnjähriger ein Mountainbike für 600 Euro, sofern die Familie ihm so viel Taschengeld auf einmal überlässt. Was nicht geht, ist ein Handyvertrag, ein Streaming-Abo oder eine Versicherung. Verträge mit Folgekosten sind keine Sofortleistung im Sinne von § 110 BGB und brauchen die Eltern. Die Schuldnerberatung warnt regelmäßig vor Jugendlichen, die online Abos abschließen und sich wundern, dass die Eltern den Vertrag widerrufen können.

Wer als Elternteil ein gekauftes Spielzeug oder eine Spielekonsole nachträglich nicht akzeptieren will, hat ein Problem. § 110 BGB schützt den Vertragspartner. Wenn das Kind mit eigenem Taschengeld bar bezahlt hat, ist der Kauf bindend.

Das Deutsche Jugendinstitut empfiehlt für 4- bis 5-Jährige 50 Cent bis 1 Euro Taschengeld pro Woche und schlägt eine wöchentliche Auszahlung bis zum 9. Lebensjahr vor
Das Deutsche Jugendinstitut empfiehlt für 4- bis 5-Jährige 50 Cent bis 1 Euro Taschengeld pro Woche und schlägt eine wöchentliche Auszahlung bis zum 9. Lebensjahr vor

Warum der Auszahlrhythmus zählt

Die DJI-Empfehlung, ab 10 Jahren auf monatliche Zahlung umzustellen, ist mehr als eine Verwaltungsfrage. Sie betrifft den Lerneffekt. Wer ein 10-Euro-Wochengeld bekommt und es bis Mittwoch ausgegeben hat, lernt zwar, dass das Geld bis Sonntag knapp ist. Wer aber mit 12 Jahren monatlich 25 Euro bekommt und davon Kinokarten, Eis und Comics finanzieren soll, lernt etwas Größeres: vorausschauend planen.

Dr. Alexandra Langmeyer-Tornier, Leiterin der DJI-Forschungsabteilung Kinder und Kinderbetreuung, hat in einer Studie 2024 betont, dass nicht die Höhe entscheidend ist, sondern die Regelmäßigkeit. Taschengeld solle ohne Bedingungen ausgezahlt werden. Wer es als Belohnung oder Strafe einsetzt, untergräbt den Lerneffekt.

Ein typischer Fehler: Eltern wechseln zu früh auf monatlich. Eine Siebenjährige bekommt 8 Euro im Monat, gibt am ersten Wochenende alles aus und sitzt drei Wochen ohne Geld da. Solche Frust-Erfahrungen sollen erst kommen, wenn das Kind kognitiv reif genug ist, daraus zu lernen. Vorher führen sie eher zu Heimlichkeiten oder zum Vorschuss-Bitten.

Die Sparkasse und die Verbraucherzentrale empfehlen, das Taschengeld zum gleichen Tag im Monat zu zahlen, am besten am ersten Schultag oder am Monatsanfang. So entsteht ein wiederkehrender Anker. Bargeld funktioniert dabei besser als digitale Überweisung, weil Kinder den Schwund auf dem Konto schlechter wahrnehmen. Ab 12 Jahren kann der Schritt zum Girokonto sinnvoll sein, idealerweise mit einer App, die jedes Mal eine Benachrichtigung schickt.

Was Budgetgeld ist und warum DJI es ab 14 Jahren empfiehlt

An dieser Stelle bricht das DJI mit der landläufigen Annahme, Taschengeld decke alles ab. Tatsächlich empfiehlt das Institut seit der 2024er Aktualisierung ein zweites, getrenntes Geld ab etwa 14 Jahren: das sogenannte Budgetgeld.

Idee: Taschengeld bleibt für freie Ausgaben wie Eis, Kino, Apps. Budgetgeld ist ein zusätzlicher Topf für Posten, die die Eltern sonst bezahlen würden, zum Beispiel Kleidung, Schulmaterial, Friseur oder Handyvertrag. Der oder die Jugendliche bekommt diesen Betrag fest, plant ihn selbst und trägt die Konsequenzen, wenn er zu früh weg ist. Wer die neue Jeans vor zwei Wochen gekauft hat und jetzt keine Winterjacke mehr finanzieren kann, lernt, was Liquiditätsplanung heißt.

Konkrete Größenordnungen aus der DJI-Empfehlung 2024 für 14- bis 17-Jährige:

Posten Empfohlener Monatsbetrag
Kleidung 45 bis 65 Euro
Handy/Vertrag 15 bis 25 Euro
Schulmaterial 5 bis 15 Euro
Friseur und Pflege 10 bis 20 Euro

Wer das volle Programm fährt, landet bei rund 80 bis 125 Euro Budgetgeld pro Monat, zusätzlich zu den 26 bis 60 Euro Taschengeld. Klingt nach viel, sind aber Posten, die Eltern bei jüngeren Kindern ohnehin bezahlen. Der Unterschied: Das Kind sieht das Geld, plant damit und macht eigene Fehler. Eine Studie der Universität Innsbruck zu Finanzbildung (2023) zeigt, dass Jugendliche, die früh mit fixen Budgets gearbeitet haben, im jungen Erwachsenenalter besser mit dem ersten Lohn umgehen können.

Achtung beim Einstieg: Budgetgeld sollte schriftlich vereinbart werden. Welche Posten gehören dazu, was bleibt Sache der Eltern? Wer das nicht klar trennt, landet bei Endlosdiskussionen. Wenn die Schuhe vor Weihnachten kaputtgehen, ist das vorhersehbar und gehört ins Budget. Wenn das Fahrrad gestohlen wird, ist das ein Sonderfall und keine Budget-Frage.

Häufige Eltern-Fehler beim Taschengeld

Drei Fehler tauchen in den Beratungen von Verbraucherzentralen und Jugendämtern besonders oft auf.

Erstens: zu viel zahlen. Wer einer Zehnjährigen 50 Euro im Monat gibt, nimmt ihr den Lernprozess. Sie muss nicht entscheiden, ob sie das Eis oder den Comic kauft, sie kann beides nehmen. Knappheit ist der einzige Mechanismus, der Kinder das Wert-für-Geld-Denken lehrt.

Zweitens: zu wenig zahlen. Wer einem 14-Jährigen 10 Euro im Monat zusteckt, mit der Begründung „in meiner Jugend gab es noch weniger", verkennt das Preisniveau. Ein einziger Kinobesuch kostet 2026 in vielen Städten 13 bis 15 Euro. Wer nicht mit den Freunden mitgehen kann, isoliert sich. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt davor, dass Kinder mit auffällig niedrigem Taschengeld oft heimlich klauen oder sich Geld leihen.

Drittens: an Bedingungen knüpfen. Taschengeld für gemachte Hausaufgaben, für ein aufgeräumtes Zimmer, für gute Noten. Das DJI lehnt das ausdrücklich ab. Pädagogisch wird Geld dadurch zum Druckmittel, nicht zum Lerngegenstand. Kleinere Sonderjobs gegen Bezahlung können sinnvoll sein, wenn sie über die normalen Pflichten hinausgehen, etwa Autowäsche oder Babysitten für die Nachbarn. Die alltäglichen Aufgaben im Haushalt sollten dagegen unbezahlt bleiben.

Ab dem 10. Lebensjahr empfiehlt das DJI den Wechsel von wöchentlicher auf monatliche Auszahlung, weil Kinder dann kognitiv reif genug für längere Planungsräume sind
Ab dem 10. Lebensjahr empfiehlt das DJI den Wechsel von wöchentlicher auf monatliche Auszahlung, weil Kinder dann kognitiv reif genug für längere Planungsräume sind

Wie du Taschengeld zuhause einführst

Schritt eins: Festen Tag und festen Betrag definieren. Bei jüngeren Kindern jeden Montag, bei älteren am Monatsanfang. Den Betrag aus der DJI-Tabelle ableiten, ans Familieneinkommen anpassen. Wer drei Kinder hat, kann nicht jedem den oberen Rand zahlen.

Schritt zwei: Form der Auszahlung wählen. Bargeld bei kleinen Kindern, ab 12 ein Girokonto mit Kinder-App, ab 14 idealerweise eine Karte mit Ausgabenlimit. Wichtig: Pushnachrichten oder Kontostand-Updates aktivieren, damit das Kind den Geldfluss sieht. Apps wie die der DKB oder von kommerziellen Anbietern wie Bling oder Pockid bieten genau diese Funktionen.

Schritt drei: Klare Regeln über das Was. Was kauft das Kind selbst, was bezahlen die Eltern? Schulessen, Eintrittsgelder bei Klassenfahrten, neue Schuhe: das sind Streitpunkte, wenn nichts vereinbart ist. Eine kurze Liste an der Pinnwand reicht.

Schritt vier: Nicht eingreifen. Wenn das 9-jährige Kind sein ganzes Wochengeld am ersten Tag in Quietsche-Slime investiert, ist die Lektion erst dann gelernt, wenn am Donnerstag das Eis ausfällt. Vorschuss zu zahlen oder pädagogisch zu mahnen, vereitelt den Effekt. Sparen lernt nur, wer einmal pleite war.

Schritt fünf: Ab 14 Jahren Budgetgeld einführen. Eine Excel-Tabelle oder eine App reicht, um die monatlichen Posten zu tracken. Eltern und Kind setzen sich einmal im Quartal zusammen und prüfen, was funktioniert hat und was nicht. Wer für das Konfirmations- oder Kommuniongeschenk noch eine Anlageidee braucht, findet Tipps für Geldgeschenke zur Konfirmation und Kommunion hier auf dem Magazin. Familien, die die Höhe an die aktuellen Kindergeld-Sätze koppeln wollen, finden dort auch eine Orientierung.

Weiterführende Links

Deutsches JugendinstitutAb wann sollten Kinder wie viel Taschengeld bekommen?dji.de
Familienportal des Bundes (BMFSFJ)Empfehlungen zum Taschengeldfamilienportal.de
Gesetze im Internet§ 110 BGB Bewirken der Leistung mit eigenen Mittelngesetze-im-internet.de