Etwa 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen schnarchen gelegentlich. Das Geräusch entsteht, wenn erschlafftes Gewebe im Rachenraum durch die Atemluft in Vibration gerät. In den meisten Fällen ist Schnarchen harmlos, aber laut. Gefährlich wird es, wenn Atemaussetzer dazukommen: Dann sprechen Mediziner von obstruktiver Schlafapnoe, die das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall verdoppelt bis verdreifacht. Hier erfährst du, was laut Studien und Stiftung Warentest wirklich hilft und wann du ins Schlaflabor solltest.

Ursachen: Warum du schnarchst

Im Schlaf entspannt sich die Muskulatur im Rachenraum. Die Atemwege verengen sich, und die eingeatmete Luft bringt das lockere Gewebe (Gaumensegel, Rachenwände, Zungengrund) zum Flattern. Mehrere Faktoren verstärken das Problem:

Was wirklich hilft: Faktencheck

Die Stiftung Warentest hat 23 Anti-Schnarch-Produkte getestet. Kein Produkt erhielt die Bewertung "geeignet". Die besten schnitten mit "mit Einschränkung geeignet" ab.

Maßnahme Wirksamkeit Evidenz
Gewichtsreduktion Hoch Gut belegt
Seitenlage / Lagetherapie Mittel-hoch Gut belegt
Alkoholverzicht abends Mittel Gut belegt
Schnarchschiene (individuell, vom Zahnarzt) Hoch Sehr gut belegt (DGSM-Leitlinie)
CPAP-Gerät Sehr hoch Goldstandard bei Schlafapnoe
Nasenspreizer / Nasenpflaster Gering-mittel Eingeschränkt belegt
Schnarchspray Nicht belegt Keine überzeugenden Studien
Anti-Schnarch-Kissen Nicht belegt Stiftung Warentest: nicht geeignet
Magnetpflaster Nicht belegt Keine Studien

Die wirksamsten Maßnahmen kosten wenig oder nichts: Gewicht reduzieren, auf der Seite schlafen, abends keinen Alkohol trinken. Wer trotzdem schnarcht, sollte eine individuell angepasste Schnarchschiene in Betracht ziehen. Sie schiebt den Unterkiefer nach vorne und erweitert den Raum hinter der Zunge. Laut einer Bewertung des IQWiG ist sie bei leichter bis mittelschwerer Schlafapnoe genauso wirksam wie ein CPAP-Gerät, und 81 Prozent der Patienten bevorzugen sie.

Stiftung Warentest hat 23 Anti-Schnarch-Produkte getestet, kein Produkt erhielt die Bewertung geeignet
Stiftung Warentest hat 23 Anti-Schnarch-Produkte getestet, kein Produkt erhielt die Bewertung geeignet

Schnarchen vs. Schlafapnoe: Wann es gefährlich wird

Harmloses Schnarchen ist ein gleichmäßiges Geräusch ohne Atemaussetzer. Bei obstruktiver Schlafapnoe (OSA) setzt die Atmung immer wieder aus, mindestens fünfmal pro Stunde für jeweils mehr als zehn Sekunden. Betroffen sind 5 bis 30 Prozent der Männer und 3 bis 13 Prozent der Frauen.

Unbehandelte OSA hat schwere Folgen: Das Herzinfarkt-Risiko verdoppelt sich, das Schlaganfall-Risiko steigt auf das Dreifache. Fast 50 Prozent der Betroffenen entwickeln eine gestörte Glukosetoleranz. Und die Tagesmüdigkeit erhöht das Unfallrisiko im Straßenverkehr erheblich.

Warnsignale für Schlafapnoe:

Wenn eines oder mehrere dieser Zeichen auf dich zutreffen, sprich deinen Hausarzt an. Der überweist dich zum HNO-Arzt oder Lungenfacharzt für eine ambulante Schlafmessung (Polygraphie). In schweren Fällen folgt eine Nacht im Schlaflabor (Polysomnographie).

Schnarchschiene vs. CPAP-Gerät

Bei diagnostizierter Schlafapnoe gibt es zwei Haupttherapien:

Kriterium Schnarchschiene CPAP-Gerät
Wirksamkeit (leichte OSA) Sehr gut Sehr gut
Wirksamkeit (schwere OSA) Oft nicht ausreichend Sehr gut (Goldstandard)
Tragkomfort Hoch Eingewöhnung nötig
Akzeptanz 81 % bevorzugen Schiene 30-50 % Abbruchrate im 1. Jahr
Kosten 300-800 Euro (individuell) Wird von Kasse übernommen
Reisefreundlich Sehr gut (klein, leicht) Umständlich (Gerät + Maske)

Die Schiene wird seit 2021 bei leichter bis mittelschwerer OSA von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst. Das CPAP-Gerät wird bei diagnostizierter OSA vollständig übernommen.

Bei unbehandelter Schlafapnoe verdoppelt sich das Herzinfarkt-Risiko und das Schlaganfall-Risiko steigt auf das Dreifache
Bei unbehandelter Schlafapnoe verdoppelt sich das Herzinfarkt-Risiko und das Schlaganfall-Risiko steigt auf das Dreifache

Was du jetzt tun solltest

Probiere zuerst die einfachen Maßnahmen: Seitenlage, Alkoholverzicht am Abend, Gewichtsreduktion bei Übergewicht. Spar dir Schnarchsprays, Magnetpflaster und spezielle Kissen. Wenn dein Partner Atemaussetzer beobachtet oder du tagsüber ständig müde bist, geh zum Arzt. Schlafapnoe ist gut behandelbar, aber nur wenn sie erkannt wird.

Weiterführende Links

HNO-Ärzte im Netzhno-aerzte-im-netz.de →Schnarchen & Schlafapnoe
Apotheken Umschauapotheken-umschau.de →Strategien gegen das Schnarchen
Stiftung Warentesttest.de →Mittel gegen Schnarchen