Rund 70 Prozent aller Menschen haben laut Schlafmediziner Prof. Dr. Ingo Fietze von der Charité Berlin schon einmal im Schlaf gesabbert. Der Grund: Im Schlaf erschlafft die Muskulatur im Mundbereich, der Schluckreflex verlangsamt sich und der Mund öffnet sich leicht. Speichel, der tagsüber reflexartig geschluckt wird, fließt nachts einfach ab. Besonders in der Seitenlage sorgt die Schwerkraft dafür, dass Speichel auf dem Kissen landet. Das Phänomen ist in den allermeisten Fällen harmlos. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die Ursachen, denn manchmal steckt hinter dem nächtlichen Speichelfluss eine behandelbare Atemwegsstörung.

Was im Schlaf mit deinem Speichel passiert

Deine Speicheldrüsen produzieren am Tag zwischen 500 und 1.500 Milliliter Speichel. Das sind im Laufe eines Lebens rund 70.000 Liter. Drei große Drüsenpaare leisten über 90 Prozent der Arbeit: die Ohrspeicheldrüse (Glandula parotis), die Unterkieferdrüse (Glandula submandibularis) und die Unterzungendrüse (Glandula sublingualis). Gesteuert wird die Produktion über das vegetative Nervensystem. Der Parasympathikus regt den Fluss von wässrigem Speichel an, der Sympathikus sorgt für zähflüssigeren, schleimhaltigen Speichel.

Nachts fährt die Speichelproduktion herunter. Im Ruhezustand entstehen nur etwa 0,3 Milliliter pro Minute, tagsüber beim Essen bis zu 1,5 Milliliter. Trotzdem sammelt sich über Stunden genug Flüssigkeit im Mund. Tagsüber schluckst du unbewusst etwa 600- bis 2.000-mal in 24 Stunden. Dieser Schluckreflex sorgt dafür, dass Speichel kontinuierlich in den Magen gelangt. Im Schlaf ist der Reflex jedoch stark verlangsamt. Vor allem im REM-Schlaf, der Traumschlafphase, sinkt der Muskeltonus der Skelettmuskulatur nahezu auf null. Dein Körper befindet sich in einer Art Lähmung (Muskelatonie), die verhindert, dass du deine Träume körperlich auslebst. Diese Atonie betrifft auch die Mund- und Rachenmuskulatur: Der Kiefer entspannt sich, die Lippen öffnen sich leicht, und der Schluckreflex setzt teilweise aus.

Faktor Tagsüber Im Schlaf
Speichelproduktion 0,5 bis 1,5 ml/min ca. 0,3 ml/min
Schluckreflex 600 bis 2.000 Mal pro Tag Stark verlangsamt
Muskeltonus Kiefer Hoch (Mund geschlossen) Niedrig (Mund kann sich öffnen)
Mundposition Bewusst kontrolliert Unkontrolliert, positionsabhängig

Ein weiterer Faktor ist der Neurotransmitter Dopamin. Zu Beginn des REM-Schlafs steigt der Dopaminspiegel an, was die Speichelbildung zusätzlich fördern kann. In genau dieser Phase ist der Muskeltonus am niedrigsten. Das Zusammenspiel aus erhöhter Speichelanregung und gleichzeitig reduziertem Schluckreflex erklärt, warum Sabbern besonders in der zweiten Nachthälfte auftritt, wenn die REM-Phasen länger werden.

Die Schlafposition entscheidet

Nicht jede Schlafposition ist gleich anfällig für Sabbern. Wer auf dem Rücken schläft, sabbert deutlich seltener, weil die Schwerkraft den Speichel im hinteren Rachenraum hält, wo er auch im Schlaf geschluckt werden kann. In der Seitenlage dagegen fließt der Speichel seitlich aus dem leicht geöffneten Mund direkt auf das Kissen. Die Bauchlage begünstigt das Sabbern ebenfalls, weil der Kopf zur Seite gedreht ist und der Mund oft offen steht.

Laut einer Erhebung des Robert Koch-Instituts schlafen rund 60 Prozent der Deutschen bevorzugt auf der Seite. Das erklärt, warum Sabbern so verbreitet ist: Die beliebteste Schlafposition ist gleichzeitig die, in der am meisten Speichel austritt.

Rund 60 Prozent der Deutschen schlafen bevorzugt auf der Seite, der Schlafposition, die Sabbern am meisten begünstigt
Rund 60 Prozent der Deutschen schlafen bevorzugt auf der Seite, der Schlafposition, die Sabbern am meisten begünstigt

Mundatmung als Haupttreiber

Die häufigste direkte Ursache für nächtliches Sabbern ist Mundatmung. Wenn du durch den Mund statt durch die Nase atmest, bleibt der Mund zwangsläufig offen und Speichel kann abfließen. Mundatmung im Schlaf hat verschiedene Auslöser:

Mundatmung hat über das Sabbern hinaus weitere Nachteile. Die Nase filtert, erwärmt und befeuchtet die eingeatmete Luft. Fällt diese Funktion weg, trocknen Mund und Rachen aus, die Mundflora verändert sich und das Kariesrisiko steigt. Studien zeigen außerdem, dass die Mehrheit der Mundatmungsereignisse im Schlaf mit obstruktiven Atemwegsverengungen zusammenhängt: CPAP-Therapie reduzierte den Anteil der Mundatmung in einer Untersuchung von durchschnittlich 20 Prozent der Schlafzeit auf unter 5 Prozent.

Diese Faktoren verstärken das Sabbern

Neben der Schlafposition und Mundatmung gibt es weitere Auslöser, die den nächtlichen Speichelfluss fördern:

Faktor Wirkung
Alkohol Entspannt die Muskulatur zusätzlich, fördert Mundatmung
Bestimmte Medikamente Neuroleptika, Cholinesterasehemmer und einige Antidepressiva steigern die Speichelproduktion
Saure oder scharfe Speisen am Abend Regen die Speicheldrüsen vor dem Schlafengehen an
Schwangerschaft Hormonumstellung (v.a. erstes Trimester) erhöht den Speichelfluss
Gastroösophagealer Reflux (GERD) Sodbrennen regt reflektorisch die Speichelproduktion an
Zahnspangen oder Zahnprothesen Verändern die Mundstellung, Mund bleibt leichter offen

Wann du zum Arzt gehen solltest

Gelegentliches Sabbern ist kein Grund zur Sorge. Prof. Dr. Ingo Fietze von der Charité formuliert es so: "Sabbern im Schlaf ist erst mal ein gesundes Phänomen. Wer gut schläft und wen der nächtliche Speichelfluss nicht stört, muss auch nichts unternehmen." Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arztbesuch sinnvoll ist:

Der erste Ansprechpartner ist die Hausarztpraxis. Von dort aus erfolgt bei Bedarf eine Überweisung zum HNO-Arzt (bei Atemwegsproblemen) oder zum Neurologen (bei Verdacht auf neurologische Ursachen).

Bei obstruktiver Schlafapnoe reduzierte CPAP-Therapie den Anteil der Mundatmung von durchschnittlich 20 Prozent auf unter 5 Prozent der Schlafzeit
Bei obstruktiver Schlafapnoe reduzierte CPAP-Therapie den Anteil der Mundatmung von durchschnittlich 20 Prozent auf unter 5 Prozent der Schlafzeit

Was du gegen nächtliches Sabbern tun kannst

Wenn dich das Sabbern stört, helfen diese Maßnahmen:

Schlafposition wechseln. Die Rückenlage ist die effektivste Maßnahme gegen Sabbern. Ein Lagerungskissen oder ein Kissen zwischen den Knien kann helfen, die Rückenlage beizubehalten. Wer die Seitenlage bevorzugt, kann den Kopf leicht höher lagern, damit der Speichel in Richtung Rachen fließt statt aus dem Mund.

Nasenatmung trainieren. Wenn keine anatomische Ursache vorliegt, lässt sich die Nasenatmung im Schlaf gezielt verbessern. Nasenspülungen mit Kochsalzlösung halten die Nasenwege frei. Bei Allergien helfen antiallergische Nasensprays. Manche Menschen profitieren von Nasenpflastern (Nasenstrips), die die Nasenflügel mechanisch weiten.

Abendessen anpassen. Vermeide scharfe, saure und sehr würzige Speisen in den zwei bis drei Stunden vor dem Schlafengehen. Diese Lebensmittel stimulieren die Speichelproduktion.

Alkoholkonsum reduzieren. Alkohol entspannt die Muskulatur im Rachenbereich zusätzlich, fördert Mundatmung und erhöht die Wahrscheinlichkeit für Sabbern.

Kissenhygiene beachten. Ein wasserdichter Kissenbezug schützt das Kissen vor Speichelflecken. Kissenbezüge regelmäßig bei mindestens 60 Grad waschen.

Fazit

Sabbern im Schlaf ist ein natürliches Phänomen, das durch das Zusammenspiel von erschlaffter Muskulatur, verlangsamtem Schluckreflex und Schwerkraft entsteht. Die Seitenlage und Mundatmung sind die beiden Hauptfaktoren. In den allermeisten Fällen ist nächtlicher Speichelfluss harmlos und kein Zeichen für eine Erkrankung. Wenn Sabbern plötzlich neu auftritt, mit Schnarchen und Tagesmüdigkeit einhergeht oder von Schluckbeschwerden begleitet wird, solltest du das ärztlich abklären lassen. Gegen normales Sabbern hilft am besten die Rückenlage und freie Nasenatmung.

Weiterführende Links

ZDF Ratgeberzdfheute.de →Sabbern im Schlaf, Tipps eines Schlafmediziners
DocCheck Flexikonflexikon.doccheck.com →Speichel, Zusammensetzung und Steuerung
AOK Magazinaok.de →Wie entsteht Speichel und warum ist er wichtig?