Du kommst nach Hause, setzt dich aufs Sofa, und schon ist dein Hund da und schleckt dir enthusiastisch über Hände, Arme oder gleich das ganze Gesicht. Niedlich? Meistens ja. Aber was steckt eigentlich hinter diesem Verhalten? Die kurze Antwort: Es ist eine Mischung aus Zuneigung, Instinkt und erlerntem Verhalten. Die ausführliche Antwort ist deutlich spannender.

Die 6 häufigsten Gründe, warum dein Hund dich ableckt

Lecken ist für Hunde ein Schweizer Taschenmesser der Kommunikation. Es kann je nach Situation völlig unterschiedliche Dinge bedeuten.

Grund Was dahintersteckt
Zuneigung und Bindung Dein Hund drückt aus, dass er dich mag und sich bei dir sicher fühlt
Kommunikation und Begrüßung Lecken ist ein soziales Ritual, vergleichbar mit einer Umarmung unter Menschen
Salziger Geschmack Menschliche Haut schmeckt salzig, besonders nach dem Sport oder an warmen Tagen
Stressabbau Das Lecken setzt Endorphine frei, die deinen Hund beruhigen
Aufmerksamkeit einfordern Dein Hund hat gelernt, dass Lecken eine Reaktion bei dir auslöst
Instinkt aus der Welpenzeit Ein uraltes Verhalten, das von Wölfen und wilden Vorfahren stammt

Zuneigung und Bindung

Wenn dein Hund dich ableckt, ist das in den meisten Fällen ein echtes Kompliment. Schon als Welpe wurde er von seiner Mutter geleckt, um gepflegt, getrocknet und beruhigt zu werden. Dieses Gefühl von Geborgenheit hat sich tief eingeprägt. Wenn dein Hund dir über die Hand leckt, sagt er damit im Grunde: Du gehörst zu mir, und ich fühle mich wohl bei dir.

Kommunikation und soziales Ritual

Hunde stammen vom Wolf ab, und bei Wölfen hat das Lecken eine klare soziale Funktion. Jüngere Tiere lecken den älteren die Schnauze, um Respekt zu zeigen und um Futter zu betteln. In der Welpenaufzucht lecken Hündinnen ihren Nachwuchs, um die Verdauung anzuregen. Dieses Verhalten wurde über Jahrtausende weitervererbt. Wenn dein Hund dir das Gesicht ableckt, aktiviert er ein uraltes Programm, das Zugehörigkeit und Vertrauen signalisiert.

Der Geschmack deiner Haut

Es klingt etwas weniger romantisch, aber: Deine Haut schmeckt gut. Menschlicher Schweiß enthält Salz, Mineralien und individuelle Duftstoffe, die für Hunde mit ihrem hochentwickelten Geruchssinn faszinierend sind. Hunde haben rund 300 Millionen Riechzellen (zum Vergleich: Menschen besitzen etwa 6 Millionen), und was sie riechen, wollen sie oft auch schmecken. Besonders nach dem Sport oder an heißen Tagen wirst du vermutlich häufiger abgeleckt als sonst.

Stressabbau und Selbstberuhigung

Das Lecken hat für Hunde auch eine beruhigende Wirkung. Beim Schlecken werden Endorphine ausgeschüttet, also körpereigene Glückshormone. Ähnlich wie manche Menschen in stressigen Situationen an den Nägeln kauen, lecken Hunde, um sich zu regulieren. Wenn dein Hund dich in angespannten Momenten besonders intensiv ableckt, kann das ein Beschwichtigungssignal sein. Er merkt, dass du gestresst bist, und versucht auf seine Art, die Situation zu entschärfen.

Aufmerksamkeit und erlerntes Verhalten

Hunde sind gute Beobachter. Wenn dein Hund dich einmal abgeleckt hat und du daraufhin gelacht, ihn gestreichelt oder mit ihm gesprochen hast, hat er sich das gemerkt. In der Verhaltensforschung nennt man das positive Verstärkung: Das Verhalten hat eine angenehme Konsequenz ausgelöst, also wird es wiederholt. Viele Hunde lecken deshalb schlicht, weil es funktioniert und sie genau die Aufmerksamkeit bekommen, die sie sich wünschen.

Ist es hygienisch, wenn dein Hund dich ableckt?

Kurz gesagt: Es ist nicht gefährlich, aber auch nicht besonders sauber. Im Hundemaul leben Hunderte verschiedener Bakterienarten. Die meisten davon sind für gesunde Menschen harmlos. Aber Hunde schnüffeln und lecken auch an Dingen, die wir lieber nicht näher beschreiben, und dabei können sie Keime aufnehmen, die theoretisch übertragbar sind.

Hunde besitzen rund 300 Millionen Riechzellen, etwa 50-mal mehr als der Mensch
Hunde besitzen rund 300 Millionen Riechzellen, etwa 50-mal mehr als der Mensch

In seltenen Fällen können sogenannte Zoonosen auftreten, also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übergehen. Dazu gehören Bakterien wie Capnocytophaga canimorsus, die bei immungeschwächten Personen zu ernsthaften Infektionen führen können. Für die meisten Menschen gilt aber: Solange dein Hund regelmäßig entwurmt und geimpft ist, besteht kein Grund zur Panik.

Ein paar Grundregeln machen das Zusammenleben einfacher:

Wann wird das Lecken zum Problem?

Ein gelegentliches Schlecken ist völlig normal. Problematisch wird es, wenn dein Hund zwanghaft und ununterbrochen leckt, sei es dich, sich selbst oder Gegenstände in der Wohnung. In solchen Fällen steckt oft mehr dahinter als bloße Zuneigung.

Mögliche Ursachen für übermäßiges Lecken:

Wenn du das Gefühl hast, dass das Leckverhalten deines Hundes über das normale Maß hinausgeht, ist ein Besuch beim Tierarzt sinnvoll. Besonders wenn sich kahle Stellen im Fell bilden oder die Haut gerötet und entzündet ist, solltest du nicht zu lange warten.

So lenkst du das Leckverhalten um

Grundsätzlich gilt: Lecken ist ein natürliches Verhalten, das du nicht komplett unterdrücken solltest. Aber du kannst es in Bahnen lenken, die für beide Seiten angenehm sind.

Fazit

Wenn dein Hund dich ableckt, ist das in den allermeisten Fällen ein Ausdruck von Zuneigung, Vertrauen und sozialer Bindung. Er kommuniziert auf eine Art, die tief in seiner Natur verankert ist und bis zu seinen wölfischen Vorfahren zurückreicht. Gleichzeitig spielen der Geschmack deiner Haut, erlerntes Verhalten und Stressabbau eine Rolle. Hygienisch ist es nicht perfekt, aber für gesunde Menschen unbedenklich. Erst wenn das Lecken zwanghaft wird oder gesundheitliche Ursachen hat, solltest du aktiv werden. In allen anderen Fällen darfst du es ruhig als das nehmen, was es meistens ist: ein nasser, leicht salziger Liebesbeweis.

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