Die Sonne ist so allgegenwärtig, dass du wahrscheinlich selten darüber nachdenkst, was da eigentlich am Himmel leuchtet. Dabei ist unser Stern eine gewaltige Kugel aus heißem Plasma, in der Temperaturen herrschen, die jede Vorstellungskraft sprengen. Von über 15 Millionen Grad Celsius im innersten Kern bis zu erstaunlichen 2 Millionen Grad in der äußersten Atmosphärenschicht: Die Sonne ist alles andere als gleichmäßig heiß. In diesem Artikel erfährst du, welche Temperaturen in den einzelnen Schichten herrschen, warum die Kernfusion das alles antreibt und wie sich unsere Sonne im Vergleich zu anderen Sternen schlägt.

Aufbau der Sonne: Sechs Schichten, sechs Temperaturwelten

Die Sonne lässt sich grob in sechs Schichten unterteilen, die sich in drei innere und drei äußere Zonen gliedern. Jede Schicht hat ihre eigene Temperatur, Dichte und Funktion. Wenn du verstehen willst, wie heiß die Sonne ist, musst du alle sechs kennen.

Die drei inneren Schichten bilden das Sonneninnere. Hier wird Energie erzeugt und nach außen transportiert. Die drei äußeren Schichten bilden die Sonnenatmosphäre, also den Teil, den wir teilweise mit bloßem Auge oder mit speziellen Instrumenten beobachten können.

Der Kern ist das Herz der Sonne. Hier herrschen Temperaturen von etwa 15,7 Millionen Grad Celsius und ein Druck, der rund 265 Milliarden Mal so hoch ist wie der Luftdruck auf der Erdoberfläche. Unter diesen extremen Bedingungen findet die Kernfusion statt, bei der Wasserstoff zu Helium verschmolzen wird. Dieser Prozess setzt gewaltige Energiemengen frei und ist die Quelle für alles Licht und alle Wärme, die die Sonne abstrahlt.

Die Strahlungszone umgibt den Kern und erstreckt sich bis etwa 70 Prozent des Sonnenradius. Hier wird die im Kern erzeugte Energie in Form von Photonen (Lichtteilchen) nach außen transportiert. Die Temperatur fällt von rund 7 Millionen Grad an der Grenze zum Kern auf etwa 2 Millionen Grad am äußeren Rand dieser Zone. Die Photonen prallen dabei ständig von einem Teilchen zum nächsten und brauchen geschätzt 10.000 bis 170.000 Jahre, um die Strahlungszone zu durchqueren.

In der Konvektionszone ändert sich der Energietransport grundlegend. Statt durch Strahlung wird die Energie hier durch Konvektion nach oben befördert, also durch aufsteigende heiße und absinkende kühlere Plasmamassen. Die Temperatur sinkt von rund 2 Millionen Grad an der Unterseite auf etwa 5.500 Grad Celsius an der Oberfläche. Dieses ständige Auf und Ab sorgt für die körnige Struktur, die auf hochauflösenden Sonnenbildern sichtbar ist.

Die Sonnenatmosphäre: Von der Oberfläche ins All

Die Photosphäre ist die sichtbare Oberfläche der Sonne, also das, was du als leuchtende Scheibe am Himmel siehst. Sie ist nur etwa 500 Kilometer dick und hat eine Temperatur von rund 5.500 Grad Celsius. Das klingt im Vergleich zum Kern fast kühl, ist aber immer noch heiß genug, um jedes bekannte Material zu schmelzen und zu verdampfen. Die Photosphäre ist auch der Ort, an dem Sonnenflecken auftreten.

Darüber liegt die Chromosphäre, eine rötlich schimmernde Schicht, die du normalerweise nur während einer totalen Sonnenfinsternis oder mit speziellen Filtern sehen kannst. Ihre Temperatur steigt von etwa 4.000 Grad am unteren Rand auf rund 25.000 Grad Celsius am oberen Rand. Hier zeigen sich auch die sogenannten Spiculen, dünne Plasmaströme, die wie Fontänen in die Höhe schießen.

Sonnenkern: 15,7 Mio. Grad, Photosphäre: 5.500 Grad, Korona: bis 2 Mio. Grad Celsius
Sonnenkern: 15,7 Mio. Grad, Photosphäre: 5.500 Grad, Korona: bis 2 Mio. Grad Celsius

Die Korona ist die äußerste Atmosphärenschicht der Sonne und erstreckt sich Millionen Kilometer ins All. Sie ist mit Temperaturen von 1 bis 2 Millionen Grad Celsius rätselhaft heiß. Warum die Korona so viel heißer ist als die darunter liegende Photosphäre, ist eines der großen ungelösten Rätsel der Sonnenphysik. Forschende vermuten, dass magnetische Wellen (sogenannte Alfven-Wellen) und winzige Explosionen (Nanoflares) die Energie liefern. Dieses Phänomen wird als koronales Heizproblem bezeichnet.

Alle Schichten und Temperaturen im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die sechs Schichten der Sonne mit ihren typischen Temperaturen und Besonderheiten zusammen.

Schicht Typ Temperatur (ca.) Besonderheit
Kern Innere Zone 15,7 Millionen Grad C Ort der Kernfusion
Strahlungszone Innere Zone 7 Mio. bis 2 Mio. Grad C Energietransport durch Photonen
Konvektionszone Innere Zone 2 Mio. bis 5.500 Grad C Energietransport durch Plasmaströmungen
Photosphäre Atmosphäre ca. 5.500 Grad C Sichtbare Sonnenoberfläche
Chromosphäre Atmosphäre 4.000 bis 25.000 Grad C Rötliche Schicht, Spiculen
Korona Atmosphäre 1 bis 2 Millionen Grad C Koronales Heizproblem

Kernfusion: Der Motor der Sonne

Die gesamte Energie der Sonne stammt aus der Kernfusion in ihrem Zentrum. Dabei verschmelzen vier Wasserstoffkerne (Protonen) über mehrere Zwischenschritte zu einem Heliumkern. Dieser Prozess wird als Proton-Proton-Kette bezeichnet. Bei jeder Fusion geht ein winziger Teil der Masse verloren, der gemäß Einsteins berühmter Formel E = mc² in Energie umgewandelt wird.

Pro Sekunde wandelt die Sonne etwa 620 Millionen Tonnen Wasserstoff in Helium um. Dabei gehen rund 4,3 Millionen Tonnen Masse verloren und werden in Energie verwandelt. Das entspricht einer Leistung von 3,8 mal 10 hoch 26 Watt. Um das greifbarer zu machen: Die Sonne setzt in einer einzigen Sekunde mehr Energie frei, als die gesamte Menschheit in mehreren Hunderttausend Jahren verbraucht.

Der Wasserstoffvorrat der Sonne reicht noch für etwa 5 Milliarden Jahre. Danach wird sie sich zu einem Roten Riesen aufblähen, ihre äußeren Schichten abstoßen und schließlich als Weißer Zwerg enden. Für uns kein Grund zur Panik, aber ein spannendes Szenario.

Wie schlägt sich die Sonne im Vergleich zu anderen Sternen?

Die Sonne ist ein sogenannter Gelber Zwerg vom Spektraltyp G2V. Sie liegt damit im Mittelfeld der Sterne, was Größe, Temperatur und Leuchtkraft betrifft. Es gibt Sterne, die deutlich heißer sind, und solche, die wesentlich kühler leuchten.

Blaue Riesen wie Rigel im Sternbild Orion erreichen Oberflächentemperaturen von über 11.000 Grad Celsius. Rote Zwerge wie Proxima Centauri, der nächste Nachbarstern, kommen dagegen nur auf rund 3.000 Grad. Und dann gibt es noch die Supergiganten: Sterne wie Beteigeuze haben eine kühlere Oberfläche (etwa 3.500 Grad), sind aber so riesig, dass sie bis zur Umlaufbahn des Jupiter reichen würden.

Die Kerntemperaturen variieren ebenfalls. Massereiche Sterne erreichen in ihrem Zentrum Temperaturen von über 100 Millionen Grad, weil sie zusätzlich den CNO-Zyklus (eine alternative Fusionskette mit Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff) nutzen. Im Vergleich dazu sind die 15,7 Millionen Grad unserer Sonne fast bescheiden.

Sonnenflecken: Kühle Stellen auf einer heißen Oberfläche

Sonnenflecken sind dunkle Bereiche auf der Photosphäre, die etwa 1.000 bis 1.800 Grad kühler sind als ihre Umgebung. Sie erscheinen dunkel, weil sie weniger Strahlung abgeben als die umliegenden 5.500 Grad heißen Flächen, obwohl sie mit rund 3.700 bis 4.500 Grad Celsius absolut gesehen immer noch extrem heiß sind.

Sonnenflecken entstehen durch starke Magnetfelder, die den Energietransport aus dem Sonneninneren lokal behindern. Dadurch kühlt die Oberfläche an diesen Stellen ab. Die Anzahl der Sonnenflecken schwankt in einem Zyklus von etwa 11 Jahren. In Phasen hoher Sonnenaktivität können Hunderte von Flecken gleichzeitig sichtbar sein, während es in ruhigen Phasen kaum welche gibt.

Sonnenflecken sind eng mit Sonneneruptionen und koronalen Massenauswürfen verknüpft. Diese Ereignisse können Sonnenwinde verstärken, die auf der Erde Polarlichter auslösen, aber auch Satelliten und Stromnetze stören. Die Beobachtung der Sonnenflecken ist deshalb nicht nur für die Astrophysik wichtig, sondern auch für den Schutz unserer technischen Infrastruktur.

Warum die Hitze der Sonne für uns lebenswichtig ist

Ohne die Sonne gäbe es kein Leben auf der Erde. Ihre Strahlung treibt die Photosynthese an, erwärmt Ozeane und Atmosphäre, steuert den Wasserkreislauf und formt unser Klima. Die Erde befindet sich in der sogenannten habitablen Zone, also genau im richtigen Abstand, damit Wasser in flüssiger Form existieren kann.

Die Sonnentemperatur ist dabei entscheidend. Wäre die Photosphäre nur wenige Hundert Grad heißer oder kühler, würde sich das Strahlungsspektrum verschieben. Das hätte direkte Auswirkungen auf die Energiemenge, die unseren Planeten erreicht, und damit auf die Bedingungen für Leben. Dass alles so gut zusammenpasst, ist letztlich eine Frage der Physik, aber trotzdem bemerkenswert.

Weiterführende Links

NASAnasa.gov →The Sun
ESAesa.int →Unser Stern, die Sonne