Rund 15,7 Millionen Katzen leben in deutschen Haushalten, und viele von ihnen knabbern gelegentlich an Zimmerpflanzen. Das Problem: Zahlreiche beliebte Pflanzen sind für Katzen giftig. Lilien können schon in kleinsten Mengen tödliches Nierenversagen auslösen, und selbst der Weihnachtsstern verursacht Erbrechen und Durchfall. Hier erfährst du, welche Pflanzen du unbedingt meiden solltest, welche Symptome auf eine Vergiftung hindeuten und welche katzenfreundlichen Alternativen es gibt.

Die gefährlichsten Zimmerpflanzen

Viele typische Zimmerpflanzen enthalten Stoffe, die für Katzen giftig sind. Bei einigen reicht schon der Kontakt mit Pollen oder das Trinken des Blumenwassers.

Pflanze Giftstoff Symptome Gefahr
Lilien (Lilium, Hemerocallis) Noch nicht vollständig identifiziert Erbrechen, Apathie, Nierenversagen Tödlich
Dieffenbachia Kalziumoxalat-Kristalle Schleimhautreizung, Speicheln, Erbrechen Hoch
Einblatt (Spathiphyllum) Oxalsäure Ätzende Wirkung im Magen, Erbrechen Hoch
Efeutute (Epipremnum) Kalziumoxalat Schleimhautreizung, Schluckbeschwerden Hoch
Weihnachtsstern Beta-Amyrin (Milchsaft) Erbrechen, blutiger Durchfall, Zittern Mittel-hoch
Alpenveilchen Cyclamin (Triterpensaponine) Erbrechen, Kreislaufstörungen, Atemlähmung Potenziell tödlich
Bogenhanf Saponine Übelkeit, Erbrechen, Durchfall Mittel
Aloe Vera Aloin, Saponine Durchfall, Erbrechen Mittel

Lilien sind mit Abstand die gefährlichste Pflanze für Katzen. Schon weniger als ein Blatt kann tödlich sein. Besonders tückisch: Auch der Pollen ist giftig. Streift eine Katze eine Lilie und putzt sich anschließend das Fell, kann das ausreichen. Erste Symptome treten nach ein bis drei Stunden auf. Dann folgt eine trügerische Besserung, bevor nach 12 bis 30 Stunden das akute Nierenversagen einsetzt.

Gefährliche Gartenpflanzen und Schnittblumen

Auch im Garten und in der Blumenvase lauern Gefahren:

Oleander enthält Herzglykoside. Schon eine geringe Menge kann zu Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall zum Tod führen. Maiglöckchen wirken ähnlich: Das Convallatoxin verlangsamt den Herzschlag bis zum Herzstillstand. Eiben sind durch den Giftstoff Taxin gefährlich, der Krämpfe und Atemstillstand auslöst.

Weitere giftige Gartenpflanzen: Azaleen und Rhododendron (Grayanotoxine, potenziell tödlich), Tulpen (höchste Giftkonzentration in der Zwiebel), Narzissen (Lycorin, besonders in der Zwiebel), Efeu (Falcarinol, besonders in den Beeren) und Goldregen (Cytisin, potenziell tödlich).

Bei rund 15,7 Millionen Katzen in Deutschland vergiften sich jährlich 1 bis 8 von 10.000 Tieren an Pflanzen
Bei rund 15,7 Millionen Katzen in Deutschland vergiften sich jährlich 1 bis 8 von 10.000 Tieren an Pflanzen

Sichere Alternativen: Katzenfreundliche Pflanzen

Du musst nicht auf Grün in der Wohnung verzichten. Diese Pflanzen sind für Katzen unbedenklich:

Giftige Pflanze Sichere Alternative
Lilie Katzengras (Weizen, Gerste, Hafer)
Dieffenbachia Calathea / Korbmarante
Efeutute Grünlilie
Monstera Golliwoog (Callisia repens)
Bogenhanf Zyperngras
Weihnachtsstern Weihnachtskaktus (Schlumbergera)
Alpenveilchen Usambaraveilchen
Oleander Hibiskus

Katzengras ist die einfachste Option: Du kannst es in wenigen Tagen aus Weizen- oder Gerstesamen selbst ziehen. Es hilft Katzen bei der Verdauung und bindet verschluckte Haare. Katzenminze (Nepeta cataria) hat auf viele Katzen eine euphorisierende Wirkung und ist völlig ungefährlich.

Erste Hilfe bei Vergiftung

Wenn du vermutest, dass deine Katze eine giftige Pflanze gefressen hat:

  1. Pflanzenreste aus dem Maul entfernen, wenn möglich.
  2. Bei Lilienkontakt: Fell sofort mit einem feuchten Tuch abwischen, um Pollen zu entfernen.
  3. Sofort den Tierarzt oder eine Tierklinik anrufen. Nimm die Pflanze oder Pflanzenreste zur Identifikation mit.
  4. Giftnotruf kontaktieren: In Deutschland gibt es keinen speziellen Tier-Giftnotruf, aber die allgemeinen Giftinformationszentralen beraten auch bei Tiervergiftungen (z.B. Berlin: 030 19 240, München: 089 19 240).

Was du nicht tun solltest: Kein Erbrechen auslösen (kann bei ätzenden Stoffen die Speiseröhre zusätzlich schädigen), keine Milch geben (beschleunigt bei manchen Giften die Aufnahme) und nicht abwarten, ob es von alleine besser wird.

Schon der Kontakt mit Lilienpollen kann für Katzen tödlich sein, auch das Blumenwasser ist giftig
Schon der Kontakt mit Lilienpollen kann für Katzen tödlich sein, auch das Blumenwasser ist giftig

Was du jetzt tun solltest

Geh einmal durch deine Wohnung und deinen Garten und gleiche die Pflanzen mit der Liste oben ab. Stelle giftige Pflanzen entweder in einen für die Katze unzugänglichen Raum oder ersetze sie durch sichere Alternativen. Verzichte komplett auf Lilien, auch als Schnittblumen in der Vase. Und speichere die Nummer einer Giftnotrufzentrale und deines tierärztlichen Notdienstes im Handy.

Weiterführende Links

VIER PFOTENvier-pfoten.de →Für Haustiere gefährliche Pflanzen
BVLbvl.bund.de →Giftnotrufzentralen in Deutschland
Deutscher Tierschutzbundtierschutzbund.de →Giftige Pflanzen für Haustiere