Die Europäische Union hat 27 Mitgliedsstaaten. Das klingt erstmal nach einer einfachen Zahl, aber dahinter steckt eine Geschichte, die über sieben Jahrzehnte zurückreicht. Sechs Länder fingen an, dutzende kamen dazu, eines ging wieder. Wenn du wissen willst, welche Länder heute zur EU gehören, wie sie dorthin gekommen sind und was die Mitgliedschaft eigentlich konkret bedeutet, bist du hier richtig.
Die sechs Gründungsmitglieder
Alles begann 1957 mit den Römischen Verträgen. Sechs Staaten entschieden sich nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs, ihre Zukunft gemeinsam zu gestalten: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. Zuerst ging es vor allem um Kohle, Stahl und Wirtschaft. Die Idee dahinter war simpel und gleichzeitig radikal: Länder, die wirtschaftlich eng verflochten sind, führen keine Kriege gegeneinander.
Aus dieser Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) wurde über die Jahrzehnte ein politisches Projekt, das weit über den Handel hinausgeht. Die sechs Gründungsmitglieder bilden bis heute den Kern der EU.
Die Erweiterungsrunden im Überblick
Nach der Gründung wuchs die Gemeinschaft in mehreren Wellen:
- 1973 traten Dänemark, Irland und das Vereinigte Königreich bei. Es war die erste Erweiterung nach Norden und Westen.
- 1981 folgte Griechenland, 1986 kamen Spanien und Portugal dazu. Alle drei Länder hatten erst kurz zuvor autoritäre Regime abgeschüttelt. Der EU-Beitritt war auch ein Signal für Demokratie und Stabilität.
- 1995 erweiterte sich die Union um Finnland, Österreich und Schweden. Drei wohlhabende, politisch stabile Staaten, die zuvor neutral geblieben waren.
- 2004 war das historische Jahr: Zehn Länder traten gleichzeitig bei, darunter acht aus dem ehemaligen Ostblock. Es war das symbolische Ende der Teilung Europas nach dem Kalten Krieg.
- 2007 folgten Bulgarien und Rumänien.
- 2013 kam Kroatien als bislang letztes Mitglied hinzu.

Alle 27 EU-Mitgliedsstaaten mit Beitrittsjahr
Hier findest du die vollständige Liste aller aktuellen Mitgliedsstaaten, sortiert nach dem Beitrittsjahr:
| Land | Beitrittsjahr |
|---|---|
| Belgien | 1957 (Gründungsmitglied) |
| Deutschland | 1957 (Gründungsmitglied) |
| Frankreich | 1957 (Gründungsmitglied) |
| Italien | 1957 (Gründungsmitglied) |
| Luxemburg | 1957 (Gründungsmitglied) |
| Niederlande | 1957 (Gründungsmitglied) |
| Dänemark | 1973 |
| Irland | 1973 |
| Griechenland | 1981 |
| Spanien | 1986 |
| Portugal | 1986 |
| Finnland | 1995 |
| Österreich | 1995 |
| Schweden | 1995 |
| Estland | 2004 |
| Lettland | 2004 |
| Litauen | 2004 |
| Malta | 2004 |
| Polen | 2004 |
| Slowakei | 2004 |
| Slowenien | 2004 |
| Tschechien | 2004 |
| Ungarn | 2004 |
| Zypern | 2004 |
| Bulgarien | 2007 |
| Rumänien | 2007 |
| Kroatien | 2013 |
Brexit: Ein Land geht, 27 bleiben
Das Vereinigte Königreich trat 1973 der damaligen Europäischen Gemeinschaft bei und verließ die EU am 31. Januar 2020 nach einem Referendum. Damit schrumpfte die Union von 28 auf 27 Mitglieder. Der Brexit war der erste Fall, in dem ein Mitgliedsstaat die EU freiwillig verlassen hat. Die Folgen sind bis heute spürbar, von Zollkontrollen an der irischen Grenze bis zu komplizierten Visaregelungen für britische Bürger.
Was EU-Mitgliedschaft in der Praxis bedeutet
EU-Mitglied zu sein heißt nicht, dass überall die gleichen Regeln gelten. Es gibt wichtige Unterschiede, die viele Menschen überraschen:
Der Euro: Nicht alle EU-Länder zahlen mit dem Euro. Von den 27 Mitgliedsstaaten nutzen 20 den Euro als Währung. Länder wie Schweden, Polen, Tschechien, Ungarn, Dänemark, Bulgarien und Rumänien haben noch eigene Währungen. Wenn dich das Thema interessiert, findest du mehr dazu im Artikel Welche Länder haben den Euro?.
Schengen: Der Schengenraum ermöglicht Reisen ohne Grenzkontrollen. Die meisten EU-Länder gehören dazu, aber Irland hat ein Opt-out. Gleichzeitig sind Nicht-EU-Staaten wie Norwegen, Island und die Schweiz Teil von Schengen. Bulgarien und Rumänien traten dem Schengenraum für Luft- und Seegrenzen 2024 bei, die vollständige Teilnahme an den Landgrenzen folgte Anfang 2025.
Gemeinsamer Binnenmarkt: Alle EU-Mitglieder sind Teil des Binnenmarkts. Das bedeutet freier Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen. Du kannst als EU-Bürger in jedem anderen EU-Land leben und arbeiten, ohne ein spezielles Visum zu brauchen.
Kandidatenländer und die Zukunft der EU
Die EU ist nicht abgeschlossen. Mehrere Länder haben den Status eines Beitrittskandidaten:
- Ukraine und Moldau erhielten ihren Kandidatenstatus im Juni 2022, vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs. Die Beitrittsverhandlungen wurden 2024 offiziell eröffnet.
- Westbalkan-Staaten: Albanien, Nordmazedonien, Montenegro, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie das Kosovo befinden sich in verschiedenen Stadien des Beitrittsprozesses. Einige verhandeln bereits aktiv, andere stehen noch am Anfang.
- Türkei ist formal seit 1999 Beitrittskandidat, die Verhandlungen liegen aber seit Jahren faktisch auf Eis.
- Georgien erhielt den Kandidatenstatus im Dezember 2023, allerdings wurde der Beitrittsprozess aufgrund der innenpolitischen Entwicklungen ausgesetzt.
Ein EU-Beitritt ist kein kurzer Prozess. Länder müssen die sogenannten Kopenhagener Kriterien erfüllen: eine stabile Demokratie, eine funktionierende Marktwirtschaft und die Fähigkeit, das gesamte EU-Recht zu übernehmen. Das dauert in der Regel viele Jahre.
Fazit
Die EU ist heute eine Gemeinschaft von 27 Staaten mit rund 450 Millionen Menschen. Von den sechs Gründungsmitgliedern 1957 über die große Osterweiterung 2004 bis zum Brexit 2020 hat sich die Union ständig verändert. Nicht alle Mitglieder nutzen den Euro, nicht alle gehören zum Schengenraum. Und mit der Ukraine, Moldau und den Westbalkanstaaten stehen weitere Kapitel bevor. Was die EU zusammenhält, ist die Grundidee von 1957: gemeinsam stärker sein als allein.





