Bei einem dynamischen Stromtarif ändert sich der Preis pro Kilowattstunde stündlich oder sogar viertelstündlich. Er folgt dem Börsenstrompreis, der je nach Wind, Sonne und Nachfrage schwankt. Seit Januar 2025 muss jeder Stromversorger in Deutschland mindestens einen solchen Tarif anbieten. Voraussetzung ist ein Smart Meter, also ein intelligentes Messsystem. 2025 gab es 575 Stunden mit negativen Strompreisen an der Börse, Tendenz steigend. Für Haushalte mit Wärmepumpe, Wallbox oder Batteriespeicher können dynamische Tarife mehrere Hundert Euro im Jahr sparen. Hier erfährst du, wie sie funktionieren, welche Anbieter es gibt und ob sich ein Wechsel für dich lohnt.
Wie ein dynamischer Stromtarif funktioniert
Beim klassischen Festpreistarif zahlst du 12 bis 24 Monate lang denselben Preis pro Kilowattstunde. Beim dynamischen Tarif richtet sich der Arbeitspreis nach dem aktuellen Börsenstrompreis an der europäischen Strombörse EPEX Spot. Die Preise für den nächsten Tag werden täglich um 12 Uhr mittags festgelegt (Day-Ahead-Auktion) und sind dann per App einsehbar.
Der Preis an der Börse wird nach dem Merit-Order-Prinzip bestimmt: Alle verfügbaren Kraftwerke werden nach ihren Erzeugungskosten sortiert. Erneuerbare Energien mit Grenzkosten nahe null kommen zuerst zum Einsatz. Das teuerste Kraftwerk, das noch zur Deckung der Nachfrage nötig ist, bestimmt den Preis für alle. Bei viel Wind und Sonne sinkt der Preis, bei wenig Angebot und hoher Nachfrage steigt er.
| Merkmal | Festpreistarif | Dynamischer Tarif |
|---|---|---|
| Arbeitspreis | Fix für 12 bis 24 Monate | Ändert sich stündlich |
| Preisrisiko | Keins | Volles Börsenrisiko |
| Smart Meter nötig | Nein | Ja |
| Vertragslaufzeit | Meist 12 bis 24 Monate | Monatlich kündbar |
| Günstigster Preis 2026 | 24 bis 26 ct/kWh (Neuvertrag) | In günstigen Stunden unter 20 ct/kWh |
| Negativpreise möglich | Nein | Ja |
Was du für deinen Strom tatsächlich zahlst
Der Endpreis bei einem dynamischen Tarif besteht nicht nur aus dem Börsenstrompreis. Netzentgelte, Stromsteuer und Umlagen machen zusammen rund 13 Cent pro Kilowattstunde aus und sind fix. Dazu kommt die Marge des Anbieters (1 bis 3 Cent) und eine monatliche Grundgebühr.
| Bestandteil | Betrag (ca.) |
|---|---|
| Börsenstrompreis (variabel) | ca. 10 ct/kWh (Durchschnitt Q1/2026) |
| Anbietermarge | 1 bis 3 ct/kWh |
| Netzentgelte + Messung | ca. 8 ct/kWh |
| Stromsteuer | 2,05 ct/kWh |
| Umlagen (KWKG, Offshore) | ca. 3 ct/kWh |
| Grundgebühr | 4,50 bis 6 Euro pro Monat |
Im Durchschnitt landest du bei rund 24 Cent pro Kilowattstunde. Der entscheidende Unterschied zum Festpreis: In günstigen Stunden (nachts, mittags bei viel Sonne) kannst du deutlich darunter liegen. In teuren Stunden (abends, bei Dunkelflaute) aber auch deutlich darüber, in Extremfällen bis zu 58 Cent.

Welche Anbieter es gibt
Seit der gesetzlichen Pflicht bieten zahlreiche Versorger dynamische Tarife an. Die Unterschiede liegen in der Grundgebühr, dem Aufschlag auf den Börsenstrompreis und der App-Qualität.
| Anbieter | Grundgebühr pro Monat | Besonderheit |
|---|---|---|
| Tibber | 5,99 Euro (Neukunden 10 Monate frei) | Populärste App, 2,15 ct/kWh Aufschlag |
| aWATTar | 4,58 Euro | Günstigste Grundgebühr, optionaler Preisdeckel |
| 1KOMMA5° | 4,49 Euro + 9,99 Euro Software | Intelligente Steuerung via Heartbeat |
| Ostrom | ca. 6 Euro | Transparentes Modell |
| Octopus Energy | variabel | 15-Minuten-Takt, monatlich kündbar |
Die meisten Anbieter bieten eine App, die dir die Strompreise für die nächsten 24 Stunden anzeigt. Manche steuern auch automatisch Geräte wie Wärmepumpe oder Wallbox so, dass sie bevorzugt in günstigen Stunden laufen.
Für wen sich ein dynamischer Tarif lohnt
Das Sparpotenzial hängt davon ab, wie viel Verbrauch du in günstige Zeiten verschieben kannst. Ohne steuerbare Großverbraucher ist die Ersparnis gering.
| Haushalt | Sparpotenzial pro Jahr |
|---|---|
| 4-Personen-Haushalt ohne E-Auto | 50 bis 80 Euro |
| Mit E-Auto und Wärmepumpe | ca. 288 Euro |
| Optimal (E-Auto + WP + Speicher + PV) | 300 bis 800 Euro |
| Ohne steuerbare Großverbraucher | maximal 50 bis 150 Euro |
Besonders attraktiv sind dynamische Tarife in Kombination mit einer Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher. Überschüssiger Solarstrom wird gespeichert, wenn die Börsenpreise niedrig sind, und verbraucht, wenn sie steigen. Eine Wallbox lädst du nachts zu Tiefstpreisen, die Wärmepumpe läuft bevorzugt mittags bei viel Solarstrom.
Wer keinen steuerbaren Großverbraucher hat und seinen Verbrauch nicht verschieben kann, fährt mit einem günstigen Festpreistarif oft besser. Der Aufwand, täglich die Preise zu beobachten, lohnt sich dann nicht.
Smart Meter: Voraussetzung und Rollout
Ein dynamischer Tarif erfordert ein intelligentes Messsystem (Smart Meter). Es besteht aus einem digitalen Zähler und einem Smart Meter Gateway, das die Verbrauchsdaten alle 15 Minuten erfasst und verschlüsselt überträgt. Nur so kann der Anbieter viertelstundenscharf abrechnen.
Seit Januar 2025 besteht eine Einbaupflicht für Haushalte mit über 6.000 kWh Jahresverbrauch, PV-Anlagen ab 7 kWp und steuerbare Verbraucher ab 4,2 kW (Wärmepumpe, Wallbox). Bis Ende 2025 sollten 20 Prozent der Pflichtfälle ausgestattet sein, diese Quote wurde erreicht. Bis 2030 sollen es 95 Prozent sein. Aktuell haben aber erst 3,8 Prozent aller deutschen Haushalte ein Smart Meter.
Die jährlichen Kosten sind gesetzlich gedeckelt: 40 Euro bei 6.000 bis 10.000 kWh Verbrauch, 50 Euro bei 10.000 bis 20.000 kWh. Wer freiwillig ein Smart Meter einbauen lässt, zahlt einmalig 100 Euro. Der Messstellenbetreiber muss innerhalb von vier Monaten einbauen. Achtung: Muss der Zählerschrank umgebaut werden, trägt der Hauseigentümer die Kosten (500 bis 5.000 Euro).

Risiken: Preisspitzen und Dunkelflaute
Der größte Nachteil: Du trägst das volle Preisrisiko. In Stunden mit wenig Wind und Sonne bei gleichzeitig hoher Nachfrage kann der Börsenstrompreis auf über 50 Cent pro Kilowattstunde steigen. Am 11. Mai 2025 fiel der Preis dagegen auf minus 25 Cent, der tiefste Wert des Jahres. Diese Extremschwankungen sind Teil des Modells.
Einige Anbieter bieten einen optionalen Preisdeckel an (zum Beispiel aWATTar). Damit zahlst du nie mehr als einen festgelegten Maximalbetrag pro Kilowattstunde, verzichtest aber auf die günstigsten Preise.
Was du jetzt tun solltest
Prüfe zuerst, ob du ein Smart Meter hast oder ein Recht auf den Einbau. Hast du eine Wärmepumpe, Wallbox oder eine PV-Anlage ab 7 kWp, ist der Einbau ohnehin Pflicht. Vergleiche dann die dynamischen Tarife über die Anbieter-Apps und rechne realistisch: Wie viel Verbrauch kannst du tatsächlich in günstige Stunden verschieben? Ohne steuerbare Großverbraucher ist ein günstiger Festpreistarif oft die bessere Wahl.





