Super E10 kostet im März 2026 über 2 Euro pro Liter, Diesel über 2,17 Euro. So teuer war Tanken zuletzt im Mai 2022. In einer einzigen Woche ist Super E10 um 12,1 Cent gestiegen, Diesel sogar um 17,7 Cent. Der Hauptgrund: der Iran-Krieg. Seit dem 28. Februar 2026 greifen die USA und Israel den Iran an, die iranischen Revolutionsgarden haben die Straße von Hormus blockiert. Durch diese Meerenge laufen 20 Prozent der weltweiten Ölexporte. Gleichzeitig ist der CO2-Preis gestiegen, und die THG-Quote wurde erhöht. Hier erfährst du, warum die Preise so explodiert sind, wie sich der Spritpreis zusammensetzt und wie du trotzdem sparen kannst.

Was den Preisanstieg ausgelöst hat

Am 28. Februar 2026 begannen Israel ("Operation Roaring Lion") und die USA ("Operation Epic Fury") koordinierte Luftangriffe auf den Iran. Die iranischen Revolutionsgarden blockierten daraufhin die Straße von Hormus für den Tankerverkehr. Über 200 Tanker stecken seitdem im Persischen Golf fest. Katar hat seine gesamte LNG-Produktion eingestellt, nachdem iranische Raketen LNG-Terminals getroffen haben.

Der Brent-Ölpreis schoss von rund 72 Dollar pro Barrel auf bis zu 119,50 Dollar, ein Anstieg von 34 Prozent innerhalb einer Woche. Nach Trumps Aussage "Der Krieg ist so gut wie beendet" fiel er auf etwa 88 Dollar zurück. Goldman Sachs warnt: Bei einer längeren Hormus-Blockade könnte Brent auf 110 Dollar klettern.

Zeitpunkt Brent-Ölpreis Super E10 (Durchschnitt) Diesel (Durchschnitt)
Februar 2026 (vor Krieg) ca. 72 Dollar 1,74 Euro 1,80 Euro
3. März 2026 (Spitze) 119,50 Dollar 2,03 Euro 2,17 Euro
10. März 2026 ca. 88 Dollar 2,03 Euro 2,17 Euro

Der ADAC kritisiert, dass die Preise an der Zapfsäule deutlich stärker gestiegen sind als der Ölpreis rechtfertigen würde. Die Konzerne nutzten die Lage zur Gewinnmaximierung. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil fordert: "Hier muss Abzocke verhindert werden." Das Bundeskartellamt prüft die Preisgestaltung.

Wie sich der Benzinpreis zusammensetzt

Mehr als die Hälfte des Literpreises sind Steuern und Abgaben. Bei einem Literpreis von 2,03 Euro für Super E10 setzt sich der Preis ungefähr so zusammen:

Bestandteil Betrag pro Liter Anteil
Produkteinstandspreis (Rohöl, Raffination, Transport, Marge) ca. 82 Cent 40 %
Energiesteuer 65,45 Cent 32 %
CO2-Abgabe (bei 60 Euro pro Tonne) ca. 17 Cent 8 %
Mehrwertsteuer (19 % auf alles) ca. 33 Cent 16 %
Tankstellenmarge 1,5 bis 2,5 Cent 1 %

Die Energiesteuer ist seit Jahren unverändert und der mit Abstand größte Steuerposten: 65,45 Cent pro Liter Benzin, 47,04 Cent bei Diesel. Die Mehrwertsteuer wird auf den gesamten Preis berechnet, also auch auf die Energiesteuer und die CO2-Abgabe. Steuer auf Steuer.

Neu seit 2026: Der CO2-Preis wird nicht mehr als Festpreis erhoben, sondern in einem Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO2 versteigert. Im Vergleich zu 2025 (55 Euro Festpreis) bedeutet das einen Aufschlag von bis zu 3 Cent pro Liter Benzin. Außerdem ist die THG-Quote von 10,6 auf 12,1 Prozent gestiegen, was den Großhandelspreis um weitere 5 Cent pro Liter erhöht hat.

2026 liegt der Steuer- und Abgabenanteil am Benzinpreis bei rund 58 Prozent, der Rohölanteil ist wegen des Iran-Kriegs stark gestiegen
2026 liegt der Steuer- und Abgabenanteil am Benzinpreis bei rund 58 Prozent, der Rohölanteil ist wegen des Iran-Kriegs stark gestiegen

Das Tankstellen-Oligopol

Fünf Konzerne kontrollieren rund 69 Prozent des deutschen Tankstellenmarkts: Aral (BP) mit etwa 21 Prozent, Shell mit 20 Prozent, Jet (Phillips 66), TotalEnergies und Esso (ExxonMobil) mit jeweils rund 9 bis 10 Prozent. Das Bundeskartellamt hat dieses Oligopol bereits 2011 festgestellt und formuliert: "Die Unternehmen verstehen sich ohne Worte."

Die Preise an deutschen Tankstellen ändern sich im Schnitt 18 Mal pro Tag. Das ist ein Sawtooth-Muster: Wenige große Erhöhungen wechseln sich mit vielen kleinen Senkungen ab. Preissenkungen beim Rohöl kommen an der Zapfsäule langsamer an als Preiserhöhungen. Fachleute nennen das den "Raketen-und-Feder-Effekt": Die Preise steigen wie eine Rakete und fallen wie eine Feder.

Im Februar 2025 hat das Kartellamt eine Sektoruntersuchung der Raffinerien abgeschlossen. Ergebnis: Der Wettbewerb auf dem Großhandelsmarkt ist gestört. Ein neues Verfahren prüft, ob kartellrechtliche Eingriffe nötig sind. Kartellamt-Präsident Andreas Mundt: "Wenn wir Wettbewerbsstörungen identifizieren, werden wir sie beseitigen."

Historischer Preisvergleich

Jahr Super E10 (Jahresdurchschnitt) Diesel Kontext
2020 1,29 Euro 1,22 Euro Corona-Pandemie, Nachfrageeinbruch
2021 1,39 Euro 1,39 Euro Erholung, steigende Ölpreise
2022 1,86 Euro 1,95 Euro Ukraine-Krieg, teuerstes Tankjahr
2023 1,79 Euro 1,73 Euro Leichter Rückgang
2024 1,74 Euro 1,72 Euro Stabilisierung
2025 1,69 Euro 1,68 Euro Niedrigster Stand seit 2021
2026 (März) 2,03 Euro 2,17 Euro Iran-Krieg + CO2-Erhöhung

Diesel ist 2026 erstmals seit dem Ukraine-Krieg wieder teurer als Benzin. Der Grund: Diesel wird stärker aus Raffinerien im Nahen Osten bezogen, die durch die Hormus-Blockade direkt betroffen sind.

So sparst du beim Tanken

Die günstigste Tankzeit liegt zwischen 19 und 20 Uhr. Laut ADAC ist die Preisdifferenz zwischen Morgen und Abend durchschnittlich 12,5 Cent pro Liter bei Benzin und 13,3 Cent bei Diesel. Bei einem 50-Liter-Tank sind das über 6 Euro allein durch die Wahl der Uhrzeit.

Spartipp Ersparnis
Abends statt morgens tanken (19 bis 20 Uhr) bis 6 Euro pro Tankfüllung
Tankstellen-Apps nutzen (clever-tanken, ADAC Drive, mehr-tanken) bis 20 Cent pro Liter
Autohof statt Autobahnraststätte durchschnittlich 26 Cent pro Liter günstiger
In Polen tanken (Grenzgebiet) bis 60 Cent pro Liter günstiger
In Luxemburg tanken bis 30 Cent pro Liter günstiger
E10 statt E5 2 bis 6 Cent pro Liter günstiger
Tempo 100 statt 130 auf der Autobahn bis 20 Prozent weniger Verbrauch

Im Grenzgebiet lohnt sich Tanktourismus besonders: In Polen kostet Super rund 1,50 Euro pro Liter, in Tschechien 1,43 Euro, in Luxemburg 1,56 Euro. Du darfst den Fahrzeugtank volltanken plus einen Reservekanister mit maximal 20 Litern mitführen.

Der günstigste Tankzeitpunkt liegt zwischen 19 und 20 Uhr, die Preisdifferenz zum Morgen beträgt durchschnittlich 12,5 Cent pro Liter
Der günstigste Tankzeitpunkt liegt zwischen 19 und 20 Uhr, die Preisdifferenz zum Morgen beträgt durchschnittlich 12,5 Cent pro Liter

Alternativen zum teuren Sprit

Die Pendlerpauschale wurde zum 1. Januar 2026 auf 38 Cent ab dem ersten Kilometer angehoben (vorher erst ab Kilometer 21). Bei 25 Kilometern einfachem Arbeitsweg und 220 Arbeitstagen ergibt das 2.090 Euro Werbungskosten, abzüglich der Pauschale von 1.230 Euro sind das 860 Euro zusätzlich absetzbar.

Das Deutschlandticket kostet 63 Euro pro Monat, also 756 Euro im Jahr. Mit Jobticket sogar nur 529 Euro. Zum Vergleich: Ein Auto kostet bei 25 Kilometern Pendelweg rund 2.880 Euro jährlich an Spritkosten allein. Ein E-Auto verbraucht bei 30 Cent pro Kilowattstunde rund 5 Euro auf 100 Kilometer, ein Benziner bei aktuellem Preis rund 14 Euro.

Was du jetzt tun solltest

Tanke abends zwischen 19 und 20 Uhr und nutze Tankstellen-Apps für den günstigsten Preis in deiner Umgebung. Meide Autobahnraststätten (43,7 Cent teurer als normale Tankstellen). Prüfe, ob E10 für dein Auto verträglich ist. Ab Baujahr 2012 ist das bei allen Fahrzeugen der Fall. Und rechne nach, ob sich für deinen Arbeitsweg das Deutschlandticket lohnt: Ab drei Fahrten pro Woche ist es fast immer günstiger als das Auto.

Weiterführende Links

ADACadac.de →Aktuelle Spritpreise und Spartipps
Bundeskartellamtbundeskartellamt.de →Markttransparenzstelle für Kraftstoffe
Finanztipfinanztip.de →CO2-Steuer 2026