Gold ist gelb, weil die innersten Elektronen des Goldatoms so schnell um den Kern rasen, dass Einsteins Relativitätstheorie ins Spiel kommt. Dieser relativistische Effekt verschiebt die Lichtabsorption des Metalls in den blauen Bereich des sichtbaren Spektrums. Da blaues Licht geschluckt wird, reflektiert Gold das verbleibende Licht, und das erscheint uns gelblich-golden. Ohne diesen Effekt wäre Gold ein glänzendes, silbergraues Metall wie Silber oder Platin. Kein anderes stabiles Element im Periodensystem zeigt einen so starken relativistischen Effekt.

Elektronen mit halber Lichtgeschwindigkeit

Gold hat die Ordnungszahl 79. Das bedeutet: 79 Protonen sitzen im Kern und ziehen 79 Elektronen an. Die innersten Elektronen kreisen extrem nah am Kern und spüren dessen gesamte positive Ladung nahezu ungebremst. Je stärker die Anziehung, desto schneller müssen sie sich bewegen, um nicht in den Kern zu stürzen.

Für Gold ergibt sich nach der Sommerfeld-Formel, dass die 1s-Elektronen mit rund 58 Prozent der Lichtgeschwindigkeit unterwegs sind. Das sind etwa 174.000 Kilometer pro Sekunde. Bei solchen Geschwindigkeiten greift die spezielle Relativitätstheorie: Die Masse der Elektronen nimmt zu, und zwar um ungefähr 20 Prozent gegenüber ihrem Ruhezustand.

Die erhöhte Masse hat eine direkte geometrische Konsequenz. Ein schwereres Elektron kreist bei gleichem Drehimpuls auf einer engeren Bahn. Die inneren Orbitale (s- und p-Orbitale) ziehen sich zusammen, sie kontrahieren Richtung Kern. Dieser Effekt setzt sich nach außen fort und erreicht beim 6s-Orbital von Gold sein Maximum. In der Chemie spricht man vom "Gruppe-11-Maximum", weil die relativistische Kontraktion des 6s-Orbitals über alle Elemente der sechsten Periode hinweg bei Gold am stärksten ausfällt.

Eigenschaft Gold (Au) Silber (Ag)
Ordnungszahl 79 47
Elektronengeschwindigkeit (1s) ca. 58 % der Lichtgeschwindigkeit ca. 34 % der Lichtgeschwindigkeit
Relevanter Übergang 5d → 6s 4d → 5s
Absorptionsbereich Sichtbar (blau, ca. 2 eV) Ultraviolett (ca. 3,5 eV)
Wahrgenommene Farbe Gelblich-golden Silbrig-weiß

Warum Gold blaues Licht schluckt

Die Farbe eines Metalls entsteht durch die Art, wie es Licht absorbiert und reflektiert. Entscheidend ist der Energieabstand zwischen den Elektronenschalen. Bei Gold liegt der kritische Übergang zwischen dem vollbesetzten 5d-Orbital und dem fast leeren 6s-Orbital.

Ohne relativistische Effekte wäre dieser Energieabstand groß genug, sodass nur ultraviolettes Licht absorbiert würde. Alle sichtbaren Wellenlängen würden gleichmäßig reflektiert, und Gold erschiene silbrig-weiß. Genau das passiert bei Silber: Der Übergang von 4d nach 5s erfordert rund 3,5 Elektronenvolt, das liegt im UV-Bereich. Silber reflektiert deshalb das gesamte sichtbare Licht und wirkt farblos-glänzend.

Bei Gold drückt die relativistische Kontraktion des 6s-Orbitals den Energieabstand auf etwa 2 Elektronenvolt herunter. Das entspricht exakt der Energie von blauem Licht (Wellenlänge um 450 Nanometer). Trifft weißes Licht auf eine Goldoberfläche, absorbiert das Metall den blauen Anteil. Das reflektierte Licht enthält vor allem Rot-, Orange- und Gelbanteile. Gelb ist die Komplementärfarbe zu Blau. Deshalb sehen wir Gold in seinem charakteristischen warmen Farbton.

Der Energieabstand zwischen 5d- und 6s-Orbital beim Gold beträgt nur rund 2 Elektronenvolt, bei Silber liegt er bei 3,5 eV im unsichtbaren UV-Bereich
Der Energieabstand zwischen 5d- und 6s-Orbital beim Gold beträgt nur rund 2 Elektronenvolt, bei Silber liegt er bei 3,5 eV im unsichtbaren UV-Bereich

Pekka Pyykkö und die Entdeckung

Dass relativistische Effekte für die Farbe von Gold verantwortlich sind, wurde erst in den 1960er- und 1970er-Jahren erkannt. Der finnische Chemiker Pekka Pyykkö von der Universität Helsinki war einer der Pioniere der relativistischen Quantenchemie. Er veröffentlichte 1978 eine wegweisende Arbeit, in der er systematisch darlegte, wie die Relativitätstheorie chemische Eigenschaften schwerer Elemente beeinflusst.

Pyykkös Berechnungen zeigten, dass bei Gold die relativistischen Effekte stärker durchschlagen als bei jedem anderen stabilen Element. Das betrifft nicht nur die Farbe, sondern auch die chemische Reaktionsträgheit, die hohe Dichte (19,3 g/cm³) und sogar die Tatsache, dass Gold in der Natur als reines Metall vorkommt statt als Verbindung. Pyykkö sagte auch die Existenz einer chemischen Bindung zwischen Gold und dem Edelgas Xenon voraus, die später tatsächlich im kationischen Komplex AuXe₄²⁺ nachgewiesen wurde.

2015 bestätigte ein Forschungsteam der Universität Heidelberg die Berechnungen experimentell. Die Wissenschaftler verglichen Gold-, Silber- und Kupferverbindungen mit ansonsten identischer Struktur und wiesen nach, dass erst die relativistischen Effekte den bekannten Farbunterschied erklären.

Kupfer, Cäsium, Quecksilber: Relativistik im Periodensystem

Gold ist nicht das einzige Element, bei dem relativistische Effekte sichtbare Auswirkungen haben. Kupfer, das ebenfalls in Gruppe 11 steht, zeigt einen schwächeren, aber messbaren Effekt. Der 3d-4s-Übergang bei Kupfer absorbiert Licht im blau-grünen Bereich, daher der rötliche Schimmer. Ohne Relativistik wäre auch Kupfer silbrig.

Noch eindrucksvoller ist das Beispiel Quecksilber (Ordnungszahl 80). Die relativistische Kontraktion des 6s-Orbitals stabilisiert das Elektronenpaar so stark, dass Quecksilber bei Raumtemperatur flüssig ist. Es verhält sich fast wie ein Edelgas, weil seine äußeren Elektronen so fest gebunden sind. Cäsium (Ordnungszahl 55) hat ebenfalls einen leichten Gelbstich, der auf relativistische Einflüsse zurückgeht, wenn auch weniger ausgeprägt als bei Gold.

Element Ordnungszahl Relativistischer Effekt
Silber (Ag) 47 Schwach, Absorption im UV-Bereich
Kupfer (Cu) 29 Messbar, rötlicher Farbton
Gold (Au) 79 Stark, gelbe Farbe
Quecksilber (Hg) 80 Stark, flüssig bei Raumtemperatur
Cäsium (Cs) 55 Leichter Gelbstich

Pyrit und Katzengold: Gelb, aber aus ganz anderen Gründen

Nicht alles, was golden glänzt, verdankt seine Farbe der Relativitätstheorie. Pyrit (FeS₂), im Volksmund "Katzengold" oder "Narrengold" genannt, sieht Gold auf den ersten Blick ähnlich, hat aber eine völlig andere Ursache für seine Farbe. Pyrit ist eine Verbindung aus Eisen und Schwefel. Seine gelblich-metallische Oberfläche entsteht durch Elektronenübergänge in der Kristallstruktur, nicht durch relativistische Effekte.

Die Unterscheidung ist einfacher, als viele denken. Gold ist weich und lässt sich mit einem Kupferstück ritzen, Pyrit hat eine Härte von 6 bis 6,5 auf der Mohs-Skala und kratzt auf Glas. Gold hat eine Dichte von 19,3 g/cm³, Pyrit nur 5 g/cm³. Beim Strichtest auf unglasierter Keramik hinterlässt Gold einen goldenen Strich, Pyrit einen dunkelgrauen. Und im Gegensatz zu Gold oxidiert Pyrit an der Luft, wird matt und zerfällt über die Jahre.

Interessanterweise fanden Forscher 2021, dass Pyrit in seiner Kristallstruktur tatsächlich winzige Mengen echtes Gold einschließen kann. Dieses "unsichtbare Gold" sitzt nicht als separate Partikel im Kristall, sondern ersetzt einzelne Eisenatome im Gitter. Für Goldschürfer lohnt sich das Auswaschen von Pyrit trotzdem nicht: Die Konzentrationen sind verschwindend gering.

Gold hat eine Dichte von 19,3 g/cm³ und eine Mohs-Härte von 2,5, Pyrit bringt es nur auf 5 g/cm³ bei einer Härte von 6 bis 6,5
Gold hat eine Dichte von 19,3 g/cm³ und eine Mohs-Härte von 2,5, Pyrit bringt es nur auf 5 g/cm³ bei einer Härte von 6 bis 6,5

Fazit

Gold ist gelb, weil die Elektronen in seinem Atom so schnell um den Kern rasen, dass die Relativitätstheorie den Energieabstand zwischen den äußeren Elektronenschalen verringert. Dadurch absorbiert Gold blaues Licht statt unsichtbarer UV-Strahlung, und das reflektierte Restlicht erscheint gelblich-golden. Silber fehlt dieser Effekt, weil sein Kern nur 47 Protonen hat und die Elektronen nicht schnell genug sind. Ohne Einstein wäre Gold so farblos wie Silber. Die Relativitätstheorie ist damit nicht nur für Schwarze Löcher und GPS-Satelliten relevant, sondern erklärt auch, warum Eheringe golden schimmern.

Weiterführende Links

Universität Heidelberguni-heidelberg.de →Einsteins Relativitätstheorie erklärt fundamentale Eigenschaften von Gold
Relativistischer Effekt – Wikipediade.wikipedia.org →
ZME Sciencezmescience.com →Why is Gold yellow? Spoiler alert: Einstein again