Deutschland kontrolliert seit September 2024 an allen neun Landgrenzen. An der österreichischen Grenze laufen die Kontrollen sogar seit über zehn Jahren ununterbrochen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat die Maßnahmen im Februar 2026 erneut um sechs Monate verlängert, bis zum 15. September 2026. Täglich sind bis zu 14.000 Bundespolizisten im Einsatz. Die Kontrollen haben zu einem deutlichen Rückgang der irregulären Einreisen geführt, sind aber rechtlich umstritten und belasten Pendler, Grenzgemeinden und die Wirtschaft. Hier erfährst du, warum die Kontrollen eingeführt wurden, wie sie ablaufen und was du bei einer Grenzkontrolle beachten musst.
Seit wann kontrolliert Deutschland an den Grenzen?
Die Geschichte der aktuellen Grenzkontrollen beginnt im September 2015, als Deutschland während der Flüchtlingskrise Kontrollen an der österreichischen Grenze einführte. Diese wurden seitdem über 20-mal verlängert. Im Oktober 2023 kamen Kontrollen an den Grenzen zu Polen, Tschechien und der Schweiz hinzu. Am 16. September 2024 weitete Bundesinnenministerin Nancy Faeser die Kontrollen auf alle verbleibenden Landgrenzen aus: Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg und Dänemark.
| Grenze | Kontrollen seit | Dauer |
|---|---|---|
| Österreich | September 2015 | Über 10 Jahre |
| Polen, Tschechien, Schweiz | Oktober 2023 | Über 2 Jahre |
| Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Dänemark | September 2024 | Über 18 Monate |
Deutschland ist damit das einzige Land im Schengen-Raum, das gleichzeitig an allen Landgrenzen kontrolliert. Die aktuelle Verlängerung läuft bis zum 15. September 2026.
Warum die Kontrollen eingeführt wurden
Die Bundesregierung nennt drei Hauptgründe: die Bekämpfung irregulärer Migration, die Zerschlagung von Schleusernetzen und den Schutz der inneren Sicherheit. Die Zahlen zeigen einen deutlichen Rückgang: Die festgestellten irregulären Einreisen haben sich innerhalb von zwei Jahren halbiert, von 127.549 im Jahr 2023 auf 62.526 im Jahr 2025. Die Erstasylanträge sind im gleichen Zeitraum um fast 50 Prozent gesunken.
| Kennzahl | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|
| Irreguläre Einreisen | 127.549 | 83.572 | 62.526 |
| Zurückweisungen | nicht erfasst | ca. 44.500 | ca. 41.500 |
| Schleuser festgenommen | nicht erfasst | nicht erfasst | 1.945 |
| Haftbefehle vollstreckt | nicht erfasst | nicht erfasst | 6.700+ |
Seit Mai 2025, als Bundesinnenminister Dobrindt die Kontrollen verschärfte, gilt eine Weisung, Schutzsuchenden an den Landgrenzen die Einreise zu verwehren. Ausnahmen gibt es nur für erkennbar vulnerable Personen wie Schwangere, unbegleitete Kinder und Schwerkranke.

Wie eine Grenzkontrolle abläuft
Die Bundespolizei führt stichprobenartige Kontrollen durch, keine flächendeckenden Vollkontrollen. Auf den Hauptverkehrsrouten gibt es feste Kontrollstellen, etwa an der A8 (Walserberg), A93 (Kiefersfelden), A3 (Suben), A12 (Frankfurt/Oder) und A30 (Bad Bentheim). Zusätzlich gibt es mobile Kontrollen auf Nebenstraßen und in Zügen sowie Schleierfahndung im grenznahen Raum bis 30 Kilometer.
Der Ablauf: Die Beamten kontrollieren deinen Ausweis, scannen ihn und gleichen die Daten mit Fahndungslisten und Einreiseverboten ab. Bei Bedarf wird auch das Fahrzeug kontrolliert. Du brauchst einen gültigen Personalausweis oder Reisepass. Ein Führerschein reicht nicht als Reisedokument.
Wenn du keinen gültigen Ausweis dabei hast, droht als EU-Bürger ein Bußgeld zwischen 5 und 1.000 Euro. Die Einreise darf dir als EU-Bürger aber nicht verwehrt werden. Für Drittstaatsangehörige kann das Bußgeld bis zu 3.000 Euro betragen.
Was die Kontrollen kosten
Die Grenzkontrollen haben erhebliche Kosten: direkte Staatsausgaben, wirtschaftliche Verluste und Belastungen für Pendler.
| Kostenart | Betrag |
|---|---|
| Direkte Kosten für den Staat (Sep 2024 bis Ende 2025) | ca. 140 Millionen Euro |
| Davon Überstundenvergütung | 37,9 Millionen Euro |
| Geschätzter jährlicher Handelsverlust (Allianz Trade) | bis zu 1,1 Milliarden Euro |
| Zusatzkosten Frachtführer | 88 Millionen Euro |
| Staukilometer durch Kontrollen | 730 Kilometer |
| Bundespolizisten täglich im Einsatz | bis zu 14.000 |
Rund ein Viertel des gesamten Bundespolizeipersonals (54.977 Mitarbeiter) ist an den Grenzkontrollen gebunden. Die durchschnittliche Verzögerung pro Grenzübergang beträgt etwa 20 Minuten. Für die über 50.000 deutschen Pendler, die täglich allein nach Luxemburg fahren, summiert sich das auf bis zu 30 Minuten Wartezeit pro Weg.
Wie Gerichte und EU die Kontrollen bewerten
Die rechtliche Grundlage ist der Schengener Grenzkodex, der die vorübergehende Wiedereinführung von Binnengrenzkontrollen bei ernsthaften Bedrohungen erlaubt. Die Reform von 2024 hat die maximale Dauer von zwei auf drei Jahre erhöht. Trotzdem sind die Kontrollen rechtlich umstritten.
Das Verwaltungsgericht Berlin hat 2025 geurteilt, dass Zurückweisungen von Asylsuchenden an den Grenzen ohne Dublin-Verfahren rechtswidrig sind. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat Teile der Kontrollen an der österreichischen Grenze als rechtswidrig eingestuft. Die EU-Kommission hat bisher kein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, beobachtet die Lage aber. Mehrere Nachbarstaaten haben Beschwerden angedeutet.
Deutschland ist nicht allein mit dauerhaften Grenzkontrollen. Auch Frankreich kontrolliert seit den Pariser Anschlägen 2015 ununterbrochen, Österreich seit Herbst 2015, Dänemark seit 2016. Kein anderes Land kontrolliert aber an allen Landgrenzen gleichzeitig.

Was du bei einer Grenzkontrolle beachten musst
Führe immer einen gültigen Personalausweis oder Reisepass mit. Das gilt auch für Fahrten in Nachbarländer, die sich wie ein kurzer Ausflug anfühlen. Plane an Hauptverkehrsrouten 15 bis 30 Minuten zusätzliche Reisezeit ein, in Stoßzeiten mehr. Besonders stauanfällig sind die Übergänge an der A8 (Walserberg), A93 (Kiefersfelden), A3 (Suben) und A12 (Frankfurt/Oder).
Die Kontrollen werden voraussichtlich mindestens bis September 2026 andauern. Eine weitere Verlängerung ist wahrscheinlich. Die strukturellen Gründe, irreguläre Migration und Sicherheitsbedenken, bestehen fort. Gleichzeitig wächst der politische und juristische Druck, die Kontrollen zu beenden oder auf ein verhältnismäßigeres Maß zurückzufahren.





