Die Einteilung des Tages in 24 Stunden geht auf das alte Ägypten zurück, etwa 3.500 Jahre vor unserer Zeit. Die Ägypter teilten den Tag in zweimal zwölf Abschnitte, weil sie nachts zwölf Sterngruppen am Himmel zählten und den Tag symmetrisch dazu aufteilten. Dieses System hat sich über Babylonier, Griechen und Römer bis heute gehalten. Weder die Astronomie noch die Physik schreiben 24 Stunden vor. Es ist eine kulturelle Konvention, die sich als so praktisch erwies, dass selbst die Französische Revolution sie nicht ersetzen konnte.

Wie die Ägypter auf die Zwölf kamen

Die ältesten Belege für eine 12er-Einteilung der Nacht stammen aus dem Alten Ägypten des dritten Jahrtausends v. Chr. Ägyptische Astronomen beobachteten sogenannte Dekansterne: 36 Sterngruppen, die im Laufe des Jahres nacheinander am Horizont aufstiegen. In jeder Nacht waren davon etwa zwölf sichtbar. Diese zwölf Sternaufgänge markierten zwölf Zeitabschnitte der Nacht.

Den Tag teilten die Ägypter analog dazu ebenfalls in zwölf Abschnitte. Sie nutzten Obelisken und Schattenstäbe als einfache Sonnenuhren. Ein Obelisk wirft im Laufe des Tages einen wandernden Schatten, an dem sich die Stunden ablesen lassen. Die ältesten archäologischen Funde solcher Schattenuhren stammen aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. Im Tal der Könige wurde ein Kalkstein-Fragment gefunden, auf dem ein Halbkreis mit zwölf Unterteilungen eingeritzt ist, eine tragbare Sonnenuhr aus der Arbeiterwelt der Pharaonenzeit.

Zusammen ergaben sich 12 Tages- plus 12 Nachtstunden, also 24 Stunden pro Tag. Allerdings hatten diese Stunden keine feste Länge. Im Sommer waren die Tagesstunden lang und die Nachtstunden kurz, im Winter war es umgekehrt. Gleich lange Stunden, wie wir sie heute kennen, setzten sich erst viel später durch.

Die Rolle der Babylonier und des Sexagesimalsystems

Dass eine Stunde 60 Minuten und eine Minute 60 Sekunden hat, verdanken wir den Babyloniern. Sie entwickelten bereits um 2.000 v. Chr. ein Zahlensystem auf der Basis 60, das sogenannte Sexagesimalsystem. Es war das fortschrittlichste Rechensystem der Antike und wurde vor allem in der Astronomie eingesetzt.

Die Zahl 60 hat einen entscheidenden mathematischen Vorteil: Sie lässt sich durch besonders viele Zahlen glatt teilen. Die Teiler von 60 sind 1, 2, 3, 4, 5, 6, 10, 12, 15, 20, 30 und 60. Das erleichterte Berechnungen enorm, weil Brüche seltener auftraten als im Dezimalsystem mit der Basis 10.

Basis Teiler Anzahl der Teiler
10 (Dezimal) 1, 2, 5, 10 4
12 (Duodezimal) 1, 2, 3, 4, 6, 12 6
60 (Sexagesimal) 1, 2, 3, 4, 5, 6, 10, 12, 15, 20, 30, 60 12

Warum aber gerade 12 und nicht 10 als Basis für die Stundeneinteilung? Eine verbreitete Hypothese bezieht sich auf das Zählen mit Fingerknochen. Vier Finger einer Hand haben jeweils drei Glieder. Zählt man mit dem Daumen als Zeiger die Knöchel ab, kommt man auf 12. Dieses System existiert bis heute in Teilen der Türkei, des Irak und in Südasien. In Kombination mit der zweiten Hand (fünf Finger als Zähler der abgeschlossenen Zwölfer-Einheiten) ergibt sich sogar 5 mal 12, also 60.

Die Babylonier rechneten im Sexagesimalsystem zur Basis 60, das sich durch zwölf verschiedene Teiler auszeichnet
Die Babylonier rechneten im Sexagesimalsystem zur Basis 60, das sich durch zwölf verschiedene Teiler auszeichnet

Von flexiblen zu gleich langen Stunden

In der Antike hatten Stunden keine feste Dauer. Eine Tagesstunde im Hochsommer dauerte deutlich länger als eine im Winter, weil immer exakt zwölf Stunden zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang lagen. Diese sogenannten temporalen Stunden, auch Temporalstunden, waren der Standard von Ägypten über Griechenland bis ins europäische Mittelalter.

Der griechische Astronom Hipparch von Nicäa schlug im 2. Jahrhundert v. Chr. vor, den Tag stattdessen in 24 gleich lange Abschnitte zu teilen, sogenannte äquinoktiale Stunden. Der Name leitet sich vom Äquinoktium ab, der Tag-und-Nacht-Gleiche, bei der Tag und Nacht tatsächlich gleich lang sind. Hipparchs Idee fand zunächst nur in der Wissenschaft Anklang. Im Alltag blieben die flexiblen Stunden noch über tausend Jahre in Gebrauch.

Erst mit der Verbreitung mechanischer Räderuhren im 14. Jahrhundert setzte sich die gleich lange Stunde in Europa durch. Eine mechanische Uhr kann keine variablen Stunden anzeigen, sie tickt gleichmäßig. Damit war die feste 60-Minuten-Stunde plötzlich nicht nur praktisch, sondern technisch notwendig.

Die Wasseruhr: Zeitmessung ohne Sonnenlicht

Sonnenuhren und Schattenstäbe hatten ein offensichtliches Problem: Nachts und bei bewölktem Himmel funktionierten sie nicht. Die Lösung waren Wasseruhren, im Griechischen Klepsydra genannt ("Wasserdieb"). Wasser tropfte aus einem Gefäß, und Markierungen an der Innenwand zeigten die verstrichene Zeit an.

Die älteste bekannte ägyptische Wasseruhr stammt aus der Zeit von Pharao Amenhotep I. um 1.500 v. Chr. Ein Exemplar aus der Regierungszeit von Amenhotep III. (ca. 1388 bis 1351 v. Chr.) befindet sich heute im Ägyptischen Museum in Kairo. Das konische Gefäß hatte innen Markierungen, an denen sich beim Absinken des Wasserspiegels die Stunden ablesen ließen.

Wasseruhren verbreiteten sich von Ägypten über Griechenland bis nach Rom und China. In der griechischen Demokratie dienten sie als Redezeit-Begrenzer vor Gericht. Erst die mechanische Uhr im Mittelalter verdrängte sie nach rund 3.000 Jahren aus dem Alltag.

Der gescheiterte Versuch der Dezimalzeit

Wenn 24 Stunden eine kulturelle Konvention sind, lässt sich das System dann einfach ändern? Die Französische Revolution versuchte genau das. Am 24. November 1793 beschloss der Nationalkonvent eine dezimale Zeiteinteilung: Ein Tag sollte 10 Stunden haben, jede Stunde 100 Minuten, jede Minute 100 Sekunden.

Die Logik war bestechend. Die Revolution hatte bereits das metrische System für Längen und Gewichte eingeführt, mit großem Erfolg. Die Dezimalzeit sollte das Gleiche für die Zeitmessung leisten. Uhrmacher wie Berthoud und Lenoir bauten tatsächlich Dezimaluhren, die meisten mit zwei Zifferblättern: einem alten und einem neuen.

Das Experiment scheiterte nach weniger als zwei Jahren. Am 7. April 1795 setzte der Konvent das Gesetz aus, es trat nie in Kraft. Die Gründe waren vor allem praktisch: Alle existierenden Uhren wären unbrauchbar geworden, und neue Dezimaluhren waren teuer. Während ein neues Metermaß oder eine neue Waage leicht herzustellen waren, war eine Uhr ein komplexes mechanisches Präzisionsinstrument. Außerdem hätte ganz Europa, das bereits mit demselben 24-Stunden-System arbeitete, mitziehen müssen.

Die Französische Revolution führte 1793 einen Zehn-Stunden-Tag ein, der nach weniger als zwei Jahren aufgegeben wurde
Die Französische Revolution führte 1793 einen Zehn-Stunden-Tag ein, der nach weniger als zwei Jahren aufgegeben wurde

Warum sich bis heute nichts geändert hat

Die 24-Stunden-Einteilung hat sich aus mehreren Gründen als bemerkenswert stabil erwiesen.

Erstens ist 24 eine mathematisch günstige Zahl. Sie lässt sich durch 2, 3, 4, 6, 8 und 12 teilen. Schichtarbeit, Wachpläne und Fahrpläne lassen sich damit leichter organisieren als mit einem 10-Stunden-Tag, bei dem nur 2, 5 und 10 als Teiler zur Verfügung stehen.

Zweitens wäre jede Umstellung ein globaler Koordinationsaufwand. Zeitzonen, internationale Flugpläne, Computersysteme, medizinische Geräte: Alles basiert auf der 24-Stunden-Struktur. Die Kosten einer Umstellung würden den Nutzen bei Weitem übersteigen.

Drittens gibt es keinen wissenschaftlichen Grund, das System zu ändern. Die Einteilung ist willkürlich, aber nicht falsch. Ob ein Tag 10, 20 oder 24 Stunden hat, ändert nichts an der physikalischen Dauer einer Erdumdrehung von 23 Stunden und 56 Minuten (siderischer Tag) bzw. 24 Stunden und 0 Minuten (Sonnentag). Die Stunde ist schlicht ein Maßstab, und der aktuelle funktioniert.

Fazit

Die 24 Stunden am Tag sind kein Naturgesetz, sondern eine kulturelle Erfindung der alten Ägypter, die vor rund 3.500 Jahren den Nachthimmel in zwölf Sternabschnitte unterteilten und den Tag symmetrisch dazu gestalteten. Die Babylonier verfeinerten das System mit ihrem 60er-Zahlensystem zu Minuten und Sekunden. Die Griechen machten die Stunden gleich lang. Und als mechanische Uhren die flexible Stunde technisch unmöglich machten, war das System endgültig zementiert. Seitdem hat niemand es geschafft, daran etwas zu ändern, nicht einmal die Französische Revolution mit ihrer gesamten Umwälzungskraft.

Weiterführende Links

Sexagesimalsystem (Wikipedia)de.wikipedia.org →
Geschichte der Zeitmessgeräte (Wikipedia)de.wikipedia.org →
Warum hat eine Stunde genau 60 Minuten? (science.lu)science.lu →